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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Der Riesenstein in der Nassau
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 62-64
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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[62]
57) Der Riesenstein in der Nassau.
M. Grünewald, Meißner Chronik. Hayn 1829. Bd. I. Anhang S. 34.

Auf dem Keilenberge bei Königsbrück, der jetzt zum Andenken [63] des Königs Friedrich August des Gerechten der Augustusberg heißt, wohnten in grauer Vorzeit Riesen, welche mit einer andern Riesenfamilie auf dem Kulmberge bei Oschatz in Unfriede lebten und sich mit Riesentannen und Steinwacken von vielen Centnern warfen. In beiden Familien war aber je ein Jüngling zur Freude seiner Eltern über alle seine Verwandten an Größe und Schönheit hervorragend, und beide liebten ein Mädchen, die schöne Tochter des Fürsten des Elbgaues, Bila, der da, wo jetzt das Dorf Zadel liegt, auf einer Felsenburg thronte. Die Jungfrau erwiderte aber die Liebe der Riesensöhne nicht, und als dieselben bei ihrem Vater um ihre Hand warben, da gab ihnen dieser die ausweichende Antwort, sie möchten dieselbe erst zu verdienen suchen. Es hatte aber ein Anderer das Herz des Mägdleins gewonnen und zwar ein armer Hirte, der die Lämmer desselben an den sonnigen Höhen des Golkgebirges weidete und einst, als die Prinzessin am Ufer des dort fließenden Gaserbaches (derselbe ergießt sich unterhalb der jetzigen Neumühle in die Elbe) eingeschlummert war, eine giftige Schlange, welche eben im Begriff war, dieselbe zu stechen, erschlagen hatte. Die aus dem Schlummer aufgeschreckte Bila, welche eben von dem Jüngling geträumt, sah in ihm nun ihren Retter und versprach ihm auch voll Dankbarkeit Herz und Hand. Lange blieb aber das Geheimniß der Liebenden den beiden Riesen nicht verborgen; einst sahen sie ihn seiner Bila, welche an jener Stelle des Baches auf ihn harrte, entgegen gehen, da erhoben beide, jener auf dem Keilen-, dieser auf dem Kulmberge ungeheure Steinblöcke und schleuderten sie ihm entgegen, er aber blieb unversehrt, denn er stand unter dem Schutze der Götter, weil er fromm und gut war. Als nun der alte Fürst das Begebniß erfuhr, da nahm er ihn als Eidam an und errichtete zum Dank gegen die Götter auf einem dieser Steine eine Opferstätte. Dieser Stein ist unterhalb Zadel auf Golker Revier noch jetzt zu sehen: er führt den Namen Gose (Opferstätte), das gemeine Volk nennt ihn aber den Riesenstein. Ein zweiter Riesenstein aber am Saume der [64] Nassau giebt Zeugniß von dem grimmigen Kampfe, in welchem die beiden Riesen, nachdem sie sich die schöne Bila für immer entrissen sahen, unter sich selbst entbrannten und bei welchem der Sieger den Besiegten nur noch kurze Zeit überlebte.