Allgemeines Deutsches Kommersbuch:236

Schauenburg:
Allgemeines Deutsches Kommersbuch
Seite 470, 471
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gießt; schaut’s au=ßi, wie’s Was=ser vom Dach a=bi schießt!
Gar’n wunder=liebs Dierndel hab i heut woanen g’sehn, und da
hab i’s halt g’fragt, was am Dierndel is g’schehn.

     2. Schaut’s außi, wie’s regnet, schaut’s außi, wie’s gießt; schaut’s
außi, wie’s Wasser vom Dach abi schießt! Und ’s Dierndel hat g’sagt:
Warum sullt i nit woan’n? Und mein Bua, der is g’storbn und jetzt
bin i alloan.

     3. Schaut’s außi ec. Ei, wunderliebs Dierndel, hör auf mit dein’m
Woan’n, und du darfst um a Büeberl, der g’storbn is, nit woan’n!

     4. Schaut’s außi ec. I bin a arms Dierndel, komm nimmer auf
d’Höh, hab koan Vater, koa Mueter, koa Büeberl nit meh.

     5. Schaut’s außi ec. Du wunderliebs Dierndel, hör auf mit dein’m
Woan’n, schau, i wüßt dir a Büeberl, geh, bleib nit alloan!


          524.     Der Reiter und sein Mantel.     (I. 129.)

     Schrittmäßig.

     1. Schier drei=ßig Jahre bist du alt, hast manchen Sturm er=
lebt, hast mich wie ein Bru=der be=schü=tzet, und
[471] wenn die Ka=no=nen ge=blit=zet, wir
zwei ha=ben nie=mals ge=bebt.

     2. Wir lagen manche liebe Nacht, durchnäßt bis auf die Haut;
du allein, du hast mich erwärmet, und was mein Herze hat gehärmet,
das hab ich dir, Mantel, vertraut.

     3. Geplaudert hast du nimmermehr, du warst mir still und treu,
du warst getreu in allen Stücken, drum laß ich dich auch nicht mehr
flicken, du Alter, du würdest sonst neu.

     4. Und mögen sie mich verspotten, du bleibst mir teuer doch, denn
wo die Fetzen runter hangen, sind die Kugeln hindurchgegangen, jede
Kugel die macht halt ein Loch.

     5. Und wenn die letzte Kugel kommt ins deutsche Herz hinein:
lieber Mantel, laß dich mit mir begraben, weiter will ich von dir
nichts haben, in dich hüllen sie mich ein.

     6. Da liegen wir zwei beide bis zum Appell im Grab. Der
Appell macht alles lebendig, da ist es denn auch ganz notwendig, daß
ich meinen Mantel hab.

K. v. Holtei. 1827.


          525.     Der Kosak und sein Mädchen.     (III. 110.)

     Mäßig. Kleinrussisch.

     1. Schö=ne Min=ka, ich muß scheiden; ach du füh=lest nicht die
Leiden, fern auf freude=lo=sen Heiden, fern zu sein von dir!
Finster wird der Tag mir scheinen, einsam werd ich gehn und weinen;