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Textdaten
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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Der Rammelsberg
Untertitel:
aus: Deutsche Sagen, Band 2, S. 164-166
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Nicolai
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Erscheinungsort: Berlin
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Originaltitel:
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Quelle: Commons,Google
Kurzbeschreibung:
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Eintrag in der GND: [1]
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Deutsche Sagen (Grimm) V2 184.jpg
Bearbeitungsstand
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[164]
469.
Der Rammelsberg.
Happel rel. cur. I. 753.
Behrens a. a. O. S. 145. 146.
Melissantes u. d. W.
Bange, thür. Chron. 33b.
Fischart’s Gargantua c. 15. fol. 133a.

Zur Zeit Kaiser Otto I. auf der Harzburg hauste, hielt er auch an dem Harzgebirge große Jagden. Da geschah es, daß Ramm (nach andern Remme) seiner besten Jäger einer, an den Vorbergen jagte, der Burg gegen Niedergang, und ein Wild verfolgte. Bald aber wurde der Berg zu steil, darum stand der Jäger ab von seinem Roß, band es an einen Baum, und eilte dem Wild zu Fuße nach. Sein zurückbleibendes Pferd stampfte ungeduldig, und kratzte mit den Vorderhufen auf dem Grund. Als sein Herr, der Jäger Ramm, von der Verfolgung des Wildes zurückkehrte, [165] sah er verwundert, wie sein Pferd gearbeitet und mit den Füßen einen schönen Erzgang aufgescharrt hatte. Da hub er einige Stufen auf und trug sie dem Kaiser hin, der alsbald das entblößte Bergwerk angreifen und mit Schürfen versuchen ließ. Man fand eine reichliche Menge Erz, und der Berg wurde dem Jäger zu Ehren Rammelsberg[1] geheißen. Des Jägers Frau nannte sich Gosa, und von ihr empfing die Stadt Goslar, die nahe bei dem Berg gebaut wurde, ihren Namen. Das Flüßchen, das durch die Stadt rinnt, heißt ebenfalls Gose, deßgleichen das daraus gebraute Weißbier. Der Jäger wurde in der Augustins - Capelle begraben, und auf dem Leichenstein mit seiner Frau in Lebensgröße ausgehauen; Rammel trägt in der Rechten ein Schwert über sich, und Gosa eine Krone auf dem Haupt.

Nach andern hat nicht der Jäger, sondern eines Jungherrn Pferd Rammel geheißen, das man ein Mal an dem Berge anband, wo es so rammelte und stampfte, daß seine wohl geschärften Hufeisennägel eine Goldader bloß machten.

Noch sieht man auf dem Rammelsberge einen Brunnen, der Kinderbrunnen genannt, worauf [166] zwei steingehauene Kinder stehen; daher, weil unter Heinrich II. eine schwangere Frau bei diesem Brunnen zweier Söhnlein entbunden wurde. Kaiser Otto soll auf dem Berg oben an dem Platz, Namens Werl, ein Schloß oder einen Saal gehabt haben, vor dem er einst einem gefangenen König das Haupt abschlagen ließ. Späterhin schlug das Bergwerk ein Mal ein, und verdarb so viel Arbeiter, daß vierthalb Hundert Witwen vor dem Berge standen, und ihre Männer klagten; darauf lagen die Gruben Hundert Jahr still, und Goslar wurde so einsam, daß in allen Straßen hohes Gras wuchs.


  1. In den Rammelsberg soll mehr Holz verbaut seyn, als in die Städte Braunschweig und Goslar. Man hatte ein altes Lied, das so anfängt:

    De Ramelsburgk hefft enen gulden Font,
    drumb tragen wi en stolten Mont etc.