Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Unbekannt
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der Nord-Ostsee-Canal
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 36, S. 592
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1880
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[592] Der Nord-Ostsee-Canal. Der schon vielfach erwogene Plan, die Nord- und Ostsee durch einen Canal zu verbinden, ist neuerdings wieder von dem Ingenieur Dahlström aufgenommen und ausführlich erläutert worden („Der Nord- und Ostsee-Canal als Durchstich mit Endschleußen etc.“), doch scheinen sich die Umstände auch jetzt nicht für die Ausführung viel günstiger zu gestalten als früher. Graf Moltke hatte (1873) im Reichstage geäußert:

„Wir bauen den Canal für Schweden und Rußland, für Amerika, Frankreich u. s. w. Nun kann man sagen, in diesem Falle würden diese Staaten sich auch an den Kosten der Anlage betheiligen. Vielleicht, meine Herren, aber dann würde dieser Canal ein internationaler, es würde dann auch der ganze militärische Nutzen verloren gehen; denn im Kriege würden wir den neutralen Canal gar nicht benutzen können, während wir noch im letzten Kriege sehr bedeutende Versendungen nach der Jahde bewirkt, selbst kleinere Kriegsschiffe durch den schon vorhandenen Eidercanal übergeführt haben. Ob der schon vorhandene Canal mit außerordentlich viel geringerer Summe sich nicht in besseren Zustand wird versetzen lassen, das will ich dahin gestellt sein lassen. – Was nun den militärischen Nutzen betrifft, so ist behauptet worden, daß wir durch den Canal die Möglichkeit gewönnen, die Flotte von einem Meer in das andere zu bringen, also in dem einen Meere doppelt so stark aufzutreten. Meine Herren, ganz richtig ist das auch nicht. Zunächst können wir in beiden Meeren engagirt sein. In einem Kriege mit Frankreich, dem Dänemark beiträte, können wir die Ostseeflotte in der Ostsee nicht entbehren. Allerdings könnten wir unter Umständen die Schiffe der Ostseeflotte in der Nordsee verwerthen, aber ich glaube, Schiffe wie den ‚Prinz Friedrich Karl‘ und den ‚König Wilhelm‘ können wir in der Ostsee gar nicht gebrauchen.“

Die Gartenlaube (1880) b 592.jpg

Der projectirte Nord-Ostsee-Canal des Ingenieurs Dahlström.

Der scharfsinnige Stratege schien inzwischen seine Ansicht modificirt zu haben. Zunächst weil jetzt in kaiserlichen Marine mehr mittelgroße und kleinere Schiffe gebaut werden und man von Panzerkolossen zurückgekommen ist, sodaß unsere Flotte jetzt zum größten Theil in beiden deutschen Meeren verwendbar ist. Ferner soll jetzt nicht der Staat den Canal in der Hauptsache bauen, sondern nur die Mehrkosten tragen zu den Anforderungen militärischer Zwecke. Endlich ist seit 1873 die Kauffahrteimarine von Segelschiffen zu Dampfern übergegangen, die jetzt zumeist den Verkehr der Klein- und Küstenschifffahrt in der Nord- und Ostsee unterhalten. Und die Zukunft gehört den Dampfern, die bei ziemlicher Fahrgeschwindigkeit und geringem Kohlenverbrauch auch günstige Winde benutzen und werthvolle Güter expediren können, ohne die normalen Frachtsätze zu überschreiten. England thut das längst, während wir unsere Ein- und Ausfuhr durch Dampfer gegenwärtig nur zum kleinsten Theil selbst besorgen und unsere Küstenschifffahrt arg darniederliegt. Wir brauchen einen Wasserweg, welcher die ganze deutsche Küste verbindet und die ersten See- und Handelsstädte einander näher bringt.

Der Canal fängt bei Holtenau an der Ostsee an, geht über Knoop, Königsförde und Rendsburg bis Wittenbergen, mündet hier in den alten Eidercanal, der nahe bei Brunsbüttel in die Elbe führt, und ist im Ganzen etwa dreizehneinviertel Meile lang, das ist etwas über die Hälfte des Suezcanals. Um ihn auch für die deutschen Kriegsschiffe passirbar zu machen, wird er fünfzig Meter Wasserfläche breit, also mehr als die doppelte Breite des größten Kriegsschiffes, und sechseinhalb Meter tief sein. Diese Tiefe wird nöthigenfalls durch Endschleußen noch vergrößert werden können. Die Kosten sind auf fünfundsiebenzig Millionen Mark veranschlagt, zu denen der Staat etwa die Hälfte beiträgt, während die andere Hälfte in Actien beschafft werden soll, deren Dividende nach Anschlägen der Ertragsfähigkeit fünf Procent erreichen wird. Da der Bau des Suezcanals zehn Jahre in Anspruch genommen hat, so würde der Nord-Ostsee-Canal wohl in fünf Jahren ausgeführt werden können. Dies der Plan des Ingenieurs Dahlström.

Die Regierung dürfte aber nicht geneigt sein, den Plan zu fördern. Wie überhaupt Fluß- und Canalbau in Deutschland unter befremdlicher Gleichgültigkeit zu leiden hat, so hat auch dieser Plan in den maßgebenden Kreisen wenig Freunde. Als im letzten Winter der Verein für Canalwesen das Dahlström’sche Project discutirte, hat sich Feldmarschall Moltke nachdrücklich dagegen erklärt. Es ist also nicht anzunehmen, daß sobald andere Auffassungen sich geltend machen werden. Ohne staatlichen Beistand aber kann hier nichts ausgeführt werden.