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Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Der Niagara im Dienst der Industrie
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 20, S. 321, 335–336
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1887
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Blätter und Blüthen
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[321]
Die Gartenlaube (1887) b 321.jpg

Der Niagara im Dienste der Industrie.
Nach einem amerikanischen Entwurf gezeichnet von Rudolf Cronau.

[335] Der Niagara im Dienst der Industrie. (Mit Illustration S. 321.) In Amerika fehlt es nicht an unternehmenden Männern, welche furchtbare Abgründe überbrücken, himmelhohe Alpenketten durchbohren, die tosendsten Wasserfälle bändigen und gewinnbringenden Bestrebungen dienstbar machen. So sind die berühmten St. Anthonyfälle, welche der jugendliche Mississippi bei Minneapolis bildet, durch gewaltige Werke auf einer inmitten des Stroms gelegenen Insel nutzbar gemacht, und zahlreiche kleine und große Industrie-Anstalten beuten seine in alle Theile der Stadt geleitete Kraft aus, welche derjenigen von 12 000 Pferden gleich geachtet wird.

Mannigfach sind die Vorschläge gewesen, wie man in gleicher Weise auch dem Stromriesen Amerikas, dem gewaltigen Niagarafalle, beikommen könne. An abenteuerlichsten Projekten und Zukunftsbildern hat es nicht gefehlt: haben doch schon einzelne Projektemacher verlauten lassen, daß sie mit der aus der Kraft der Fälle erzielten Elektricität die viele, viele Meilen entfernt gelegene Riesenstadt New-York erleuchten wollen.

Daß die Stromfälle in solcher Weise unterjocht werden können, halten wir kaum für möglich und noch weniger für wünschenswerth, da die erforderlichen Anlagen und Bauten zweifelsohne die ursprüngliche Großartigkeit des Schauspiels, welches die Niagarafälle bieten, vernichten müßten.

Die Lösung des Projektes scheint jedoch in glücklichster Weise durch einen neueren Entwurf gegeben zu sein. Nicht der Niagarafall, sondern der Niagarastrom vor Bildung der Fälle soll dienstbar gemacht werden, und dies kann in der Weise erzielt werden, daß man weit oberhalb der Fälle einen Theil der Wassermassen in einen stark abfallenden, unterirdischen Tunnel leitet, dessen Mündung unterhalb der Fälle zu Tage tritt (vergl. die mit einem Kreuz bezeichnete Stelle auf der Abbildung). Somit wäre die Ausbeutung der Wasserkraft des Niagara möglich, ohne daß seiner Schönheit auch nur der geringste Abbruch geschieht. Der Abgang der seitwärts geleiteten Wassermengen würde nicht im mindesten auffällig sein, da, wie jeder Besucher der Fälle weiß, die Massen des Niagarastromes so bedeutende sind, daß der Ausfall nicht größer sein würde, als wenn man einen Becher voll Wassers einem enormen Reservoir entnähme.

[336] Und so können wir dem allzeit aufwärts strebenden amerikanischen Volke nur wünschen, daß es auch dieses große Projekt mit demselben Geschicke zur Ausführung bringen möge, mit dem es zum Staunen der alten Welt bereits so viele zu Ende geführt hat.