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Titel: Der Landbriefträger zur Winterzeit
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 48, S. 820
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[820] Der Landbriefträger zur Winterzeit. (Mit Illustration S. 805.) Hurrah, das ist einmal ein lustiger Schnee! Kniehoch deckt er Weg und Steg, einer Flausdecke gleich birgt er schützend die Saat des Feldes, schwer hängt er an allen Bäumen, silbern glänzt er auf den Dächern. Das giebt einmal Schneemänner, und Schneebällen, und Schlittenbahnen!

Ja, aber viele Leute haben mehr zu thun, als Schneemänner zu formen oder mit Bällen sich zu balgen, und gar manchem von ihnen nützt auch die beste Schlittenbahn nichts, wenn nicht eine Fee mit ihr, zugleich Roß und Schlitten beschert. Und die Fee, sagt der Landbriefträger, ist launisch; ihn hat sie noch nie mit ihrer Freigebigkeit überrascht.

Tag für Tag pilgert er durch sein weites Revier, Sommer und Winter, in Sonnenschein, Sturm, Regen und Schnee, auf holperigen Feld- und Waldwegen, in einsame Dörfer und abseits zu den fernsten Gehöften – und nirgends noch ist er ihr begegnet. Doch es macht nichts, freudlos ist sein mühevoller Weg darum doch nicht: verschieden sind die Lose, die seine Tasche birgt, aber immer gleich ist seine Treue in der Pflicht, sie auszutheilen, und das Bewußtsein davon ist sein Lohn und – hin und wieder ein freundliches Wort Beglückter, ein Druck der Hand, ein gern gewährter Imbiß. Da mag an rauhen Wintertagen der Schnee dann unter seinen Füßen knirschen oder fußhoch aufgehäuft sein, das; kaum der Weg noch zu erkennen ist – unverdrossen geht es vorwärts, Brief nach Brief wird bestellt, bis endlich die schwere, vollgepackte Tasche leer und der Weg wieder einmal vollendet ist.

Freilich, auch an Beispielen, daß der Weg nicht mehr vollendet wurde, daß der Athem vor dem Munde, das Blut in den Adern eisig erstarrte, fehlt es nicht. Oft sind im strengen Winter die zu überwindenden Hindernisse fast übermenschlich groß, und der Beruf des Landbriefträgers ist dann ein namenlos harter. Da stärkt das Bewußtsein steter Pflichterfüllung nicht die müden Glieder, wenn sie keine Statt zum Ausruhen finden, als im toddrohenden Schnee; da hilft kein Bewußtsein geleisteter Dienste, wenn auf verspätetem Wege das letzte mitgenommene Brot lange verzehrt ist und keine neue Stärkung winkt – da hilft allein die Rast am warmen Herde, der dargereichte Trunk, ein kräftiges Mahl! Und wenn an solchen Tagen der Landbriefträger kommt und pocht, da rufe zweimal herein und beweise Anerkennung und Dank mit der That!

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