Textdaten
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Autor: Christian Fürchtegott Gellert
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Titel: Der Lügner
Untertitel:
aus: Sämmtliche Schriften. 1. Theil: Fabeln und Erzählungen, Zweytes Buch. S. 212
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1769
Verlag: M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch
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Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Erstdruck 1746/48
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[212]
Der Lügner.


Ihr Meister in der Kunst zu lügen!
Rühmt euren Witz, schlau zu betrügen.
So viel ihr uns davon erzählt:
So wett ich doch, daß euch die rechte List noch fehlt.

5
Ein schlechter Mensch, ihr werdet lachen,

Wird euch den Vorzug streitig machen.



     In London saß ein böser Bube
Nebst einem andern auf den Tod.
Ein Anatomikus trat in die Kerkerstube,

10
Und that auf seinen Leib dem einen ein Geboth.[1]

Doch Niklas schwur, daß ihn der Teufel holen sollte,
Eh er für diesen Preis dem Arzt sich lassen wollte.

     Herr, schrie der andre Delinquent,
Sagt, wie ihr um den Kerl so lange handeln könnt?

15
Laßt seinen magern Leib den Raben.

Seht, wie gesund ich bin, wie fett! Ihr sollt mich haben.
Und wißt ihr, was ihr geben sollt?
Ich will es billig mit euch machen,
Drey Gulden. Bin ich todt. so schneidet, wie ihr wollt,

20
Ich will von keinem Schnitt erwachen.

Kaum hatt er noch das Geld empfangen,
So rief der witzge Delinquent:
Gelogen! Herr, seht zu, wie ihr mich kriegen könnt!
Ich werd in Ketten aufgehangen.



  1. Es ist in London der Gebrauch, daß die Aerzte den verurtheilten Missethätern ihren Leib abkaufen.