Der Heimat zu!
[756] Der Heimat zu! (Zu dem Bilde S. 741.) Der Heimat zu ist der Kiel des Schiffes gerichtet, das sich im Hafen von New York soeben zur Abfahrt in Bewegung gesetzt hat; der Heimat zu wenden sich nun auch die Gedanken der einsamen Reisenden, deren Blicke noch abschiednehmend an dem Bild der gewaltigen Stadt hängen, aus der sie so großartige Eindrücke mit in das Vaterland heimnimmt. Ja, Großes und Schönes hat sie in Amerika gesehen, wo sie in der Familie lieber Verwandten, die, einst von Deutschland eingewandert, in New York zu Wohlstand und Ansehen kamen, einige Jahre zugebracht hat. Im Verkehr mit ihren Cousinen hat sie selbst etwas vom Schliff einer jungen Amerikanerin angenommen, und unter Thränen hat sie sich von ihnen, von den Verwandten und Freunden losgerissen, die ihr bis an den Einschiffungsplatz das Geleit gaben und zum Abschied kostbare Blumensträuße ihr in die Hand drückten. Mit Wehmut denkt sie all der schönen Stunden, die sie hier im Kreise guter Menschen verlebt, zugleich mit innigem Dank gegen die, welche ihr so viel Teilnahme und Freundschaft erwiesen. Aber schon beginnt der Gedanke an die Heimat ihre Seele aufzurichten. Eines konnte ihr die Fremde doch nicht gewähren, was sie in der Heimat in Fülle besaß und ihr warm entgegenschlagen wird, wenn sie wieder zum erstenmal ihr Haupt an das treue Herz der Mutter schmiegen darf. Und an der Stelle des Abschiedsschmerzes überkommt sie die wohlige Sehnsucht, mit der einst Goethe auf der Rückkehr aus Italien das Wort niederschrieb: „Heimatwärts – liebewärts!“