Der Gesang vom Frieden des Chmelnicki in Bilaja Cerkov’ und von dem Kosakenkriege

Textdaten
Autor: Anonymus
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Titel: Der Gesang vom Frieden des Chmelnicki in Bilaja Cerkov’ und von dem Kosakenkriege
Untertitel:
aus: Франко І. Твори. Т. 10., S. 126–130
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum: Anfang der 1880er Jahre
Erscheinungsdatum: 1977
Verlag: Наукова думка
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Erscheinungsort:
Übersetzer: Iwan Franko
Originaltitel: „Повстання після Білоцерківського миру“
Originalsubtitel:
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Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
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[126]
Der Gesang vom Frieden

des Chmelnicki in Bilaja Cerkov’
und von dem Kosakenkriege

Hat’s denn unser Hetman Chmelnicki wohl getan,
Daß er in Bilaja Cerkov’ Frieden schloß mit Polen,
Mit den wohlgeborenen Herren?
Er ließ die Polen, die wohlgeborenen Herren,

5
Bei den Kosaken, bei den armen Bauern

In Quartieren stehen,
Doch die alte Unterdrückung nicht wiederholen.

[127]
Ach, du unsre schöne Sonne,

Unser Bogdan du, Chmelnicki!

10
Hattest du es wohl bedacht,

Hattest du es recht getan,
Daß du Frieden hast geschlossen
Mit den wohlgebornen Herren,
Mit den Polen, unsern Feinden?

15
Und du ließest unsre Feinde,

Diese stolzen, edlen Polen,
Wieder fester sich einnisten,
Ach, in unserm armen Lande.
Nur mit Steuern uns bedrücken,

20
Nur uns martern und verfolgen

Ließest du, o Hetman, nicht.
Doch sobald die stolzen Polen,
Wie ein Rabenschwarm, begierig,
Sich bei uns herniederließen,

25
Bei Kosaken und bei Bauern

Überall Quartier erhielten,
Da begann das alte Wehe,
Da begann die alte Qual.
Alle Schlüssel von dem Wirte

30
Nahmen sie und wurden Wirte

Selbst in seinem eignen Haus.
In den Stall den Wirt sie schicken
Und mit seinem Eheweibe
Ruhn sie auf den Polstern aus.

35
Kommt der Kosak oder Bauer

Von dem Stall und schaut ins Fenster:
Ach, da liegt der edle Pole
Neben seinem Eheweibe
Auf den Polstern ruhend süß.

40
Und der Arme hat im Beutel

Einen sauern, letzten Gulden,
Doch von Gram und Schmach gepeinigt
Geht er balde in die Schenke
Und verpraßt des Geldes Rest.

45
Und der edle, stolze Pole

Wachet auf vom üpp’gen Schlaf,
Wandelt sich das Dorf entlang,
Wie ein Schwein sich langsam schleppend,
Und er schärft noch das Gehör,

50
Um zu hören, ob der Kosak,
[128]
Ob der Bauer irgendwo

Ihn nicht schmähet, ihm nicht flieht…
Und wie in die Schenke er eintritt,
Denket nicht, daß ihm der Kosak

55
Freundlich bietet ein Glas Met

Oder ein Glas starken Branntweins,
Nein, der Kosak wirft das Glas ihm
Ins Gesicht und spricht ganz ruhig:
Ei, ihr edeln, stolzen Polen!

60
Ist’s euch nicht genug, daß ihr uns

Alle Schlüssel habt genommen,
Daß ihr seid geworden Wirte
Hier in unsern eignen Häusern!
Müßt ihr noch euch immer drängen

65
Da in unsere Gesellschaft?

Ratlos wie die kleinen Kinder
Sammelten sich die Kosaken,
Sich gemeinsam zu beraten.
Eine Bittschrift sie dort schrieben.

70
Schickten sie dem Hetman Bogdan.

In der Schrift da war geschrieben:
Vater Hetman, du Chmelnicki,
Du Jenobius von Tschehrin,
Warum zürnst du uns so sehr?

75
Warum hast du unbarmherzig

Uns verlassen in der schnöden,
In der schweren Sklaverei?
Alle Freude, alle Freiheit
Wurde uns vom Feind genommen.

80
Edle Herrn, die stolzen Polen,

Nahmen von uns alle Schlüssel
Und sind Wirte selbst geworden
Hier, in unsern eignen Häusern!

Liest die Bittschrift Hetman Bogdan,

85
Liest die Schrift und spricht die Worte:

Eh’, Kosaken, Kinder, Freunde,
Arme Freunde, arme Kinder,
Wartet noch ’ne kurze Zeit:
Von dem Feste der Pokrowa

90
Bis zu heil’gem Osterfeste.

Dann erblüht der holde Frühling,
Dann hat unsre Not ein Ende.

[129]
Eh’ noch kam der holde Frühling,

Sputet sich Chmelnicki gut,

95
Sammelt seine tapfren Krieger,

Sammelt sie vor Sonnenaufgang,
Rüstet sie zum Kriege aus,
Mit den Worten sie ermahnend:
Eh’, Kosaken, Kinder, Freunde,

100
Arme Freunde, arme Kinder!

Höret mich und sputet euch,
Reitet hin nach Ukraina,
Fallet dort als wie ein Blitzstrahl
Auf die edeln, stolzen Polen,

105
Unsre Feinde, rasch herab,

Haut und schlägt und stößt sie nieder,
Tränkt mit ihrem Blut den Boden,
Rettet unsern heil’gen Glauben,
Unsre Brüder vor der Schmach!


110
Hei, bald merkten, bald entdeckten

Edle Herren, stolze Polen,
Die Gefahr, die ihnen droht.
Flohen sie in dunkle Wälder,
Bargen sich in die Gebüsche.

115
Wälderwärts die Kosaken laufen,

Und die Polen im Gebüsche
Ducken sich erzitternd nieder.
Doch bald ist der Feind entdeckt,
Und der Kosak gibt barmherzig

120
Dem vor Angst halbtoten Polen

Mit der Axt den Gnadenhieb,
Stößt ihn nieder, leise sprechend:
Eh’, ihr Polen, stolze Herren,
Laßt doch das Versteckenspielen!

125
Gehet doch zu unsern Weibern,

Die euch sehnlich schon erwarten!
Betten stehn zurechtgerichtet,
Weiche Polstern sind schon fertig.
Euch, ihr Edeln, zu empfangen!

130
Und die Polen ängstlich zittern,

Stürzen sich auf ihre Knien
Vor Kosaken und vor Bauern,
Nennen sie gar zärtlich: Brüder.

[130]
Ach, Kosaken, Brüderherzen!
135
Habt doch Mitleid mit uns Armen,

Laßt uns nur lebendig laufen,
Wenn auch nur in einz’gen Hemden,
Daß die Weichsel wir erreichen,
Unsern lieben Heimatfluß.

140
Gott erbarmte sich der Polen,

Gab zur Flucht ihnen schön Wetter;
Auf der Weichsel sprang das Eis.

Hei, wie sich Kosaken warfen,
Um zu retten ihre Brüder,

145
Ihre Brüder, stolze Polen!

Griffen wohl sie bei den Haaren,
Tauchten sie ins Wasser unter,
Duckten sie mit glattem Eise
So noch sprechend stets dabei:

150
Ei, ihr Polen, stolze Herren!

Einst vor langer, langer Zeit
Hielten unsre tapfren Ahnen
Hier an diesem Flüßchen Wacht
Und verbargen, wie man sagen,

155
Manchen Schatz in seiner Tiefe.


Wenn ihr diese Schätze findet,
Seid so gut, bringt sie hervor,
Und als Findgeld wollen wir
Euch die Hälfte überlassen

160
Und mit euch in Lieb und Freundschaft

Wie mit Brüdern fortan leben.
Doch indessen, seid nicht böse,
Und in den Kristallpalästen
Lebet wohl gedenkend unser!