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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Der Fuchs und der Rabe
Untertitel:
aus: Chinesische Volksmärchen, S. 27
Herausgeber: Richard Wilhelm
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1914
Verlag: Eugen Diederichs
Drucker: Spamer, Leipzig
Erscheinungsort: Jena
Übersetzer: Richard Wilhelm
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
E-Text nach Digitale Bibliothek Band 157: Märchen der Welt
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13. Der Fuchs und der Rabe

Der Fuchs versteht es zu schmeicheln und viele Listen zu gebrauchen. Einst sah er einen Raben, der mit einem Stück Fleisch im Schnabel auf einem Baum sich niederließ. Der Fuchs setzte sich unter den Baum, sah zu ihm empor und begann ihn zu loben.

„Eure Farbe“, begann er, „ist reines Schwarz; das zeigt mir, daß Ihr die Weisheit Laotses habt, der sein Dunkel zu wahren weiß. Die Art, wie Ihr Eure Mutter zu füttern wißt, zeigt, daß Ihr an kindlicher Liebe der Fürsorge Meister Dsongs für seine Eltern gleichkommt. Eure Stimme ist rauh und stark; das zeigt, daß Ihr den Mut besitzt, mit dem einst König Hiang durch seine bloße Stimme seine Feinde zum Fliehen brachte. Ihr seid wahrhaftig der König der Vögel.“

Der Rabe hörte es, ward hocherfreut und sprach: „Bitte sehr, bitte sehr!“

Aber ehe er sichs versah, fiel aus dem geöffneten Schnabel das Fleisch zur Erde.

Der Fuchs fing es auf, fraß es und sagte dann lachend: „Merkts Euch, mein Herr: Wenn jemand ohne Ursach Euch Lob entgegenbringt, so hat er sicher eine Absicht.“

Anmerkungen des Übersetzers

[388] 13. Der Fuchs und der Rabe. Quelle: mündliche Überlieferung.

Es ist anzunehmen, daß wir hier einfach die Äsopische Fabel in chinesischem Gewande vor uns haben. Charakteristisch ist die chinesische Einkleidung.

„Weisheit Laotses“. Vgl. Das Buch des Alten vom Sinn und Leben S. 30: „Wer sein Licht erkennt und dennoch im Dunkel weilt“ ... „Meister Dsong“, der getreueste Schüler des Kungdsï, der wegen seiner Pietät bekannt war. Der Rabe heißt in China der „pietätvolle Vogel“, da es heißt, daß die Jungen das Futter, das sie gegessen haben, wieder aus ihrem Schnabel hervorbringen, um ihre Alten damit zu füttern.