Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Der Dresdner Mönch
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aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 103-105
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Quelle: Google-USA* und Commons
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[103]
110) Der Dresdner Mönch.

Der vielköpfige Hintzelmann S. 29. P. C. Hilscher, Nachricht von einem gewissen Mönche in Dresden, welcher sich als eine böse Vorbedeutung je zuweilen soll sehen lassen. Dr. 1729. 8. u. b. Hauber, Bibl. Mag. Bd. III. p. 547-617. S. Dess. Nachrichten v. d. Dresdner Elbbrücke, ebend. 1729. 8. S. 14 sq. Hasche, diplom. Geschichte von Dresden. Bd. V. a. S. 93. sq. 487. (überall blos einzelne Notizen). Schäfer Bd. I. S. 113 etc. Mündlich.

Wie die weiße Frau im Schlosse zu Berlin stets durch ihr Erscheinen den Tod eines Fürsten aus dem Hause Hohenzollern verkünden soll, so sollen sich nach der Volkssage auch ähnliche Vorbedeutungen bei einem dem sächsischen Fürstenhause drohenden Todesfalle zeigen. In Weimar erblicke man z. B., so berichten viele Schriftsteller, so oft jemand der durchlauchtigsten Fürsten aus dieser Linie das Zeitliche segnen wolle, ein Licht.[1] In Dresden soll früher, so oft ein grauer Barfüßer-Mönch sein abgehauenes Haupt unter den Arm und eine brennende Laterne in der Hand tragend auf dem Walle der Dresdner Bastei und an derjenigen nach der Elbe gelegenen Stelle der frühern Festungswerke, welche die Jungfer oder das grüne Haus genannt ward, sich sehen ließ, dies den [104] Tod eines Gliedes der churfürstlich sächsischen Linie angezeigt haben. Dieser Mönch war angeblich früher zweimal an dem obersten Simms des Hauptthurms der alten Kreuzkirche an den zwei Ecken der nach dem Walle zugehenden Seite in Stein gehauen; weil aber auf der nach der Seite der Stadt zugewendeten Ecke das Bildniß Christi angebracht war, so dachte man sich unter diesen beiden Mönchsgestalten auch den Teufel und seine Großmutter. Gewöhnlich kam er aus dem sogenannten Mönchsbrunnen auf dem Wilsdruffer Walle heraus, der bis 1726 gestanden hat. Den 22. April 1694 hat er sich auch im königlichen Schlosse als Anzeichen eines hohen Todesfalls sehen lassen (Johann Georg’s IV.); aber auch am 3. October 1698 hat er die Wachen an den Thoren von Altdresden geplagt und erschreckt, so daß sie sich von allen Posten einander zu Hilfe riefen und ein Soldat sich nur dadurch mit Mühe von dem Herabgeworfenwerden in den Graben schützen konnte, daß er sich am Schilderhause festhielt. Den Lieutenant, der die Runde gethan, hat er ebenfalls attakirt, dieser hat aber die Pike gefällt, worauf das Gespenst unsichtbar ward. Hierauf ist ein solcher Lärm entstanden, daß man die Trommel rühren und Niemand mehr die Wache verrichten wollte, wie aus den im Regimentshause an diesem Tage gethanenen Aussagen hervorgeht. Das Volk erzählte sich damals, jener Mönch habe einst die beiden Brüder Churfürst Moritz und August an der Stelle, wo jetzt das Moritzmonument steht, und die davon früher die Horche hieß, behorcht und sei zur Strafe dafür geköpft worden; erscheine aber seitdem als ein der churfürstlichen Familie Unglück verkündender Spukgeist. Ja man dachte sich sogar unter dem Bilde des Gott Vater unter dem Architrav dieses 1553 von Churfürst August auf dem sogenannten Hasenberge errichteten allegorischen Monumentes jenen spukhaften Mönch. Nach einer andern Sage (b. Lothar, Volkssagen. Leipzig 1820 S. 87) wäre aber dieser (graue oder braune) Mönch, der klein von Gestalt und sehr friedsam gewesen, übrigens nur die, so ihn geneckt, bestraft hätte, auch zu andern Gelegenheiten häufig im königlichen Schloß sichtbar [105] gewesen. So habe einst ein Churfürst einen Diener in ein bestimmtes Zimmer geschickt, um etwas zu holen, da habe dieser den grauen Mönch an einem Tische sitzen und schreiben sehen, erschrocken sei er zurückgeeilt und habe seinem Herrn, was er gesehen, gemeldet, der Churfürst sei schnell ohne Begleitung an denselben Ort gegangen, habe auch den Mönch noch schreibend gefunden und ihn gefragt: „was machst Du hier?“ Der aber erwiderte: „ich schreibe Deine Sünden auf.“ Da versetzte der wackere Fürst: „hat Dir Gott die Macht dazu gegeben, so thue es immerhin“, und begab sich, ohne andere Fragen zu thun, aus dem Zimmer. Mit diesem Gespenste darf jedoch das sogenannte weiße Gespenst nicht verwechselt werden. Dies war eine lange Frau in weißen Gewändern, welche nach der Volkssage sich früher ebenfalls sehen ließ, wenn ein Todesfall in der churfürstlichen Familie in der Nähe war: es zeigte sich besonders auf der Treppe der ersten zur zweiten Etage des ersten Thurmes rechts im großen Schloßhofe, da wo früher ein geheimes Cabinet und die churfürstliche Handbibliothek war, und so soll dasselbe z. B. den Tod der Gemahlin des Churfürsten Johann Georg’s II. Magdalene Sybilla im Jahre 1687 angezeigt haben, wie Maurer (Amph. Un. S. 386) erzählt. Endlich soll es sonst auch noch auf dem vom Schlosse aus in die frühere, jetzt weggerissene, am Bärengarten befindliche Hofapotheke führenden Gange umgegangen sein, doch hat man eigentlich nie wirklich etwas gesehen, sondern furchtsame Personen erzählten nur, daß, wenn sie Abends diesen Gang betreten, es gerade so sei, als wenn ein großer weißer Ballen hinter ihnen her gewälzt werde. (S. a. oben S. 25. Nr. 22. u. S. 41. Nr. 29.) Ueber das im Winter 1865-66 in den Zimmern über dem Gr. Gewölbe gehörte Geräusch und Poltern ist keine Aufklärung erlangt worden.


  1. S. Crusii Annales Suevici P. II. L. XII. c. 29. Zeiller, Epist. XIII p. 15. Weiß, Politische Reden, S. 586.