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De vulgari eloquentia/II. Buch – Fünftes Kapitel

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aus: De vulgari eloquentia
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Fünftes Kapitel.
Von der Abfassung der Verse und deren Mannichfaltigkeit vermöge der Sylben.


Von der Wichtigkeit des Inhaltes glauben wir entweder hinlänglich gesprochen zu haben, oder doch Alles, was für unser Werk erforderlich ist. Daher eilen wir zur Hoheit der Verse, wobei zu wissen ist, daß unsere Vorgänger sich verschiedener Versarten bedient haben in ihren Kanzonen, was auch die Neuern thun; aber wir finden, daß Keiner bis jetzt die elfsylbige Zahl überschritten habe, noch unter die dreisylbige hinabgestiegen sei. Und wenn gleich des dreisylbigen Verses und des elfsylbigen und aller dazwischen liegenden die lateinischen Dichter sich bedient haben, so wird doch der siebensylbige und elfsylbige mehr gebraucht, und nach diesen der dreisylbigen vorzüglich; von welchen allen der elfsylbige der stolzeste zu sein scheint, sowol wegen der Zeitdauer als wegen des Umfanges für den Sinn, die Verbindung und die Wörter, von welchen allen die Darlegung sich mehr in jenem vervielfacht, wie offenbar einleuchtet; denn wo immer die gewichtigen Dinge sich vermehren, da auch das Gewicht. Und dies scheinen alle Lehrer erwogen zu haben, indem sie ihre Kanzonen mit jenem anheben, wie Gerhard von Bornello:

Ara ausirem encabalitz cantarz.

Dieser Vers ist, wenn er gleich zehnsilbig scheint, der Wahrheit gemäß elfsylbig, denn die beiden letzten Consonanten gehören nicht zur vorhergehenden Sylbe. Und wenn sie gleich keinen eigenen Vokal haben, verlieren sie die Kraft der Sylbe doch nicht. Das Zeichen aber ist, daß der Rhythmus daselbst durch Einen Vokal vollendet wird, was nicht sein könnte, wenn nicht durch die Kraft eines darunter verstandenen zweiten.

[139] Der König von Navarra:

De fin Amor si vient sen et bontè,

wo es sich zeigen wird, daß, wenn der Accent und dessen Ursache erwogen wird, der Vers elfsylbig sei.

     Guido Guinizelli:

Al cuor gentil ripara sempre Amore.

     Der Richter di Colonna von Messina:

Amor, che longiamente m’hai menato.

     Rinaldo von Aquino:

Per fin Amore vo sì lietamente.

     Cino von Pistoja:

Non spero che giammai per mia salute.

     Dessen Freund:

Amor, che muovi tua virtù dal cielo.[WS 1]

Und wenn gleich dieser elfsylbige Vers, wie er es werth ist, der berühmteste von allen zu sein scheint, so scheint er doch, wenn er mit dem siebensylbigen in ein gewisses Bündniß tritt, sofern er nur den Vorrang behauptet, noch herrlicher und höher sich zu erheben; aber dies mag weiterhin zur Erklärung verbleiben. Und wir sagen, daß der siebensylbige auf den folge, welcher der gebräuchlichste ist. Nach ihm ordnen wir den fünfsylbigen und endlich den dreisylbigen. Der neunsylbige aber, weil er der dreifache dreisylbige schien, war entweder nie in Ehren oder kam wegen Verachtung außer Gebrauch: die gleichsylbigen aber wenden wir nicht an wegen ihrer Rauhigkeit oder doch selten; denn sie behalten die Natur ihrer Zahlen, welche den ungleichen Zahlen, wie der Stoff der Form, nachstehen. Und so scheint denn, das Vorhergesagte zusammengefaßt, der elfsylbige Vers der stolzeste zu sein, und dies ist es, was wir suchten. Nun bleibt uns aber übrig, die erhabenen Volksverbindungen zu untersuchen und die gipfligen Worte, und dann erst, wenn Stäbe und Seile bereit liegen, werden wir Anweisung [140] geben, wie das verheißene Gebund, das heißt, die Kanzone, geknüpft werden müsse.



Anmerkungen (Wikisource)