Das letzte Fahrzeug der Schiffbrüchigen

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Titel: Das letzte Fahrzeug der Schiffbrüchigen
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aus: Die Gartenlaube, Heft 33, S. 559
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1879
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[559] Das letzte Fahrzeug der Schiffbrüchigen. Auf weiten Seereisen macht der gelangweilte Passagier die Bekanntschaft der Spielkarten, der Exportbiere, schlechter Romane und anderer höchst überflüssiger Dinge, allein ein Rettungsgurt wird ihm in den allerseltensten Fällen vorgestellt. Ich habe auf hoher See Nächte durchlebt, in denen der Zusammenstoß zweier Schiffe nur mit genauer Noth abgewendet wurde, und andere, in denen der Sturm das Schiff zum Wrack machte, allein die Schreckensnächte gingen vorüber, ohne daß ich in’s Klare darüber kam, ob ein Rettungsgurt am Bord des Schiffes sei oder nicht. In jenen schweren Stunden mag solch ein unscheinbarer Korkgürtel nur schwachen Trost bieten, allein immerhin ist für den Bedrohten ein schwacher Trost besser als gar keiner, und der Passagier findet „in der rauhen ungestümen Wellenwiege“ eher den Schlaf, wenn er weiß, es giebt nach dem Untergang des Schiffes noch eine letzte Hoffnung. Schon aus diesem Grunde sollten die Schiffsrheder eine genügende Anzahl von Rettungsgürteln für ihre Schiffe erwerben. Die Passagiere und Matrosen aber müßten, sobald sie die Fahrt antreten, von dem Vorhandensein der Rettungsapparate in Kenntniß gesetzt und genau darüber unterrichtet werden, wie dieselben zu gebrauchen sind.

Schon in früheren Jahren wurde die Nothwendigkeit der obligatorischen Einführung der Schwimmgürtel betont, allein theils des hohen Preises, theils der ungenügenden Leistungsfähigkeit der Apparate wegen sträubten sich manche Rheder gegen dieses Ansinnen. Das letzte Jahr aber brachte uns Katastrophen auf hoher See, welche die Nothwendigkeit ausreichender Rettungsmittel so laut und überzeugend predigten, daß wohl der Widerstand besiegt wird und man fortan jede Schiffsausrüstung für unvollkommen bezeichnen muß, der die genügende Anzahl von Rettungsgürteln fehlt.

„Der große Kurfürst“, das majestätische deutsche Kriegsschiff, „die Princeß Alice“, der Londoner Vergnügungsdampfer, und endlich „die Pommerania“ aus Hamburg, sie alle fielen im Laufe von fünf Monaten Zusammenstößen zum Opfer und sanken auf fast glatter Wasserfläche. Wie viele Menschenleben hätten in diesen furchtbaren Katastrophen gerettet werden können, wären Rettungsapparate in genügender Zahl und Zweckmäßigkeit vorhanden und wäre das reisende Publicum mit dem Gebrauch derselben vertraut gewesen!

Der „Nautische Verein“, welcher vor längerer Zeit unter dem Vorsitze des Capitains John Gibson in Berlin seinen Vereinstag abhielt, hat sich mit dieser brennenden Frage auf das eingehendste beschäftigt. Vorher schon hatte der Vorstand des Vereins an alle deutschen Rheder die Aufforderung gerichtet, für jede an Bord ihrer Schiffe befindliche Person einen zweckmäßigen Schwimmgürtel anzuschaffen. Der Verein selber wollte die neuesten Rettungsapparate prüfen und die, welche sich als zweckmäßig erwiesen den Rhedern empfehlen. In Folge eines Aufrufes waren mehr als dreißig Schwimmgürtel und Schwimmwesten eingesandt worden, dazu eine Anzahl von radförmigen Korkkränzen oder Bojen, deren äußerer Umfang mit einem Stricke derart besetzt ist, daß dieser dem Schiffbrüchigen[1] einen festen Anhalt bietet. Die Rettungsapparate wurden auf ihre Tragfähigkeit im Bassin einer Schwimmanstalt geprüft. Capitain Graffunder, derselbe, welcher bei der Nachricht vom Untergange der „Pommerania“ die Capitaine der Passagedampfer so eindringlich vor den schnellen Fahrten warnte, denen so manche Rücksicht geopfert werde, erörterte, bevor die Versuche angestellt wurden, die Frage, in welchen Situationen ein Rettungsgürtel gute Dienste leiste. Außer den von uns geschilderten Fällen giebt derselbe noch folgende an: Auf offener See fällt Jemand über Bord. Rettungsbojen werden dem

  1. Vorlage: Schriffbrüchigen