Das englische Unterhaus

Textdaten
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Autor: Robert Mudie
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Titel: Das englische Unterhaus
Untertitel:
aus: Das Ausland, Nr. 56–57. S. 223–224, 227–228.
Herausgeber: Eberhard L. Schuhkrafft
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1828
Verlag: Cotta
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Erscheinungsort: München
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[223]

Das englische Unterhaus[1].


Man hört gern vom englischen Parlament reden; man ist neugierig, seine Formen, seine Gebräuche und seine Redner zu kennen. Es ist interessant, diese an Erinnerungen und Ueberlieferungen so reiche Versammlung, die seit Jahrhunderten in demselben Saal, wo die Großväter ihrer Großväter saßen, ererbte Fragen untersuchte, mit den Kammern zu vergleichen, welche in Frankreich seit gestern sich bildeten – ohne Geschichte, ohne Vergangenheit, nur von der Zukunft erfüllt, – welche aus Mangel an Erfahrung bald furchtsam, bald kühn sind, im Ganzen weniger Einsicht und Kenntnisse aufweisen, aber im Einzelnen vielleicht erhabenere Geister und selbstständigere Talente besitzen. Aus Zeitschriften, politischen Werken und trockenen Beschreibungen konnte man bisher sich wohl einen allgemeinen Begriff von der brittischen Kammer der Gemeinden bilden; das Innere dieser Versammlungen aber, ihre Gestalt, ihr Familien- und Privatleben sind noch wenig bekannt. Auf zweierlei Art können solche Gegenstände geschildert werden, entweder historisch oder durch eine Reihe von Anekdoten. Was hier von dem englischen Unterhaus angeführt wird, gehört der zweiten Art an; es ist eine Sammlung unverbundener Beschreibungen, die vor zwei Jahren in England erschienen, und soviel wir wissen, noch nicht übersetzt wurden – weder in’s französische, noch in’s deutsche. Ob des Verfassers Art zu sehen die richtige ist, können wir nicht verbürgen, auch möchten wir seinen Geschmack nicht jederzeit vertheidigen. Da er sich aber zu keiner politischen Parteimeinung bekennt, so flößt er uns Vertrauen ein, wobei wir denn seine satirischen Einfälle für das, was sie seyn mögen, gelten lassen. Man kennt den Geschmack der Engländer, die gern eine ironische Beschreibung unter dem Schein einer ernsthaften Gutmüthigkeit verbergen. Allerdings findet man in solchen Schilderungen nicht selten auch das Gesuchte, das Dunkle, das Wunderliche. Selbst Swift ist nicht frei von erkünstelter Laune. Ihr Scherz aber hat etwas Rationelles, das nur schüchtern von der Kritik angegriffen werden darf. – Soviel zur Erklärung der nachfolgenden, übrigens möglichst treuen Uebersetzung.

Man wird es dieser Beschreibung sogleich ansehen, daß sie einer Zeit angehört, wo Herr Canning, noch nicht zur Allmacht im Ministerium gelangt, scheinbar noch uneinig mit der Opposition der Whigs, diese schonend bekämpfte, und den Grund zu einer Macht legte, deren Dauer für seinen Ruhm und für das Beste des Landes leider nur kurz war. Es war dieß die Zeit, wo, verbunden mit Herrn Peel, damaligem [224] Minister des Innern, unterstützt von Herrn Robinson, Kanzler der Schatzkammer, und von Herrn Huskisson, Präsidenten des Handelsbureaus, Herr Canning das Haus der Gemeinden, Großbritannien und Europa auf jedes seiner Worte aufmerksam machte. Man kennt die nachfolgenden Ereignisse; alle von der Zeit herbeigeführten Veränderungen haben jedoch das Wesen der im Jahr 1826 erwählten Kammer nicht so sehr entstellt, daß die Schilderung des Parlaments von 1825 nicht gleichfalls auf dieselbe passen sollte. Der Verfasser schildert die Sitten der Kammer, und diese wechseln weniger schnell als die politischen Systeme. Wir lassen den Verfasser selbst reden.

Die St. Stephans-Kapelle.

Die St. Stephans-Kapelle ist, während der Hälfte des Jahres, der große Gegenstand aller Unterhaltung des brittischen Publikums; und immer findet sie Mittel, die Menschen, auch während der andern Hälfte, zu nöthigen, sich mit ihr zu beschäftigen, sie nicht zu vergessen. Der kleinste Theil dieses Publikums weiß umständlich, wie dieser Ort aussieht, und auf welche Art die Geschäfte dort verhandelt werden. Nimmt man an, daß der Taubenschlag, den der silberne Schlüssel einer halben Krone dem Publikum öffnet, jeden Abend von neuen Zuhörern angefüllt würde, so würde man hundert Jahre brauchen, ehe die lebende männliche Bevölkerung den Ort besucht hätte; wollte man noch die Frauen und Kinder hinzufügen, so erforderte es eine noch viel längere Zeit.

Das Volk weiß nichts von dem Hause der Gemeinen, und macht sich Begriffe von ihm, die eben so gut auf Dinge im Monde passen möchten. Es sieht beide durch Ferngläser, die nichts weniger als ungefärbt sind, sondern den Gegenständen die häßlichste Farbe geben, sie der einen Hälfte nach vergrößern, während sie sie in der andern Hälfte verkleinern, und beide Seiten vollkommen entstellen. Man nehme die Morgenzeitungen, in welchen von einer langen Debatte Nachricht gegeben wird, und vergleiche sie miteinander, so wird man ein und dieselbe Rede auf so verschiedene Art angegeben finden, daß ein Leser, der nur eins dieser Blätter liest, durchaus eine ganz andere Vorstellung von dem Redner haben muß, als ein anderer Leser, der nur ein anderes Journal zu Rathe gezogen hat. Hierzu kommt noch, daß die allgemeine Uebersicht, die selbst von unsern besten Zeitungen gegeben wird, dem Ganzen, wie es in der Wirklichkeit war, gewöhnlich sehr unähnlich ist.

Nimmt man die Kammer, wie sie in den Berichten der Zeitungen vorgestellt wird, so kennt man sie ungefähr so genau, als man auf dem Meere den Wallfisch oder die amerikanische Seeschlange kennt: man sieht den Rachen, hört das Brausen der Nasenlöcher, bemerkt die Bewegung des Schweifes, die Schlangenwindungen; die große Masse des Thiers bleibt aber unter dem Wasser verborgen. Man hat Burdett für die Tage, wo man Parade machen will, Brougham, wo es auf Thaten ankommt, Huskisson und Robinson für die Geschäfte, Herrn Canning um die Fliegen zu verscheuchen, und Herrn Hume[2], den man wie den Bettler nicht loswerden kann. Diese Herren, getrennt oder vereint, sind noch nicht die Kammer der Gemeinen, diese mächtige Maschine, welche das Volk repräsentirt und den Beutel des Landes in Händen hat; sie sind die Culminationspunkte, die Thürme der Stadt, oder die Mondberge, und geben so wenig einen Begriff von dem ruhenden, festen Substrat des Parlaments, als die Thürme von London den Beschauer mit den Häusern bekannt machen, welche die ganze Bevölkerung und ihren Reichthum enthalten. Dieses Substrat besteht in dem, was man die Weisheit des Parlaments nennt. Da es nun in seinen individuellen Elementen nicht besonders weise ist, so spricht man von collektiver Weisheit, um anzudeuten, daß sein größtes Verdienst in der Aneinanderfügung besteht. Kurz, das Parlament ist weise, gerade wie es eine Staatsperüke auch ist; das einzelne Haar bedeutet nichts, aber vereint geben sie dem Haupte, das sie zieren, ein Ansehen von Klugheit und Gravität, den in solchem Grade selbst der Vogel der Minerva nicht besitzt. Die Individuen, welche das Parlament bilden, erzeugen um kein Haar anders die collektive Weisheit. Sir F. Ommaney ist gerade nicht der verständigste Mann in England, Hr. Dundas ist kein Solon des neuen Athens, Hr. Wynne[3] ist kein Merlin des Fürstenthums (Wallis) und Hr. Richard Martin besitzt nicht die ganze Viehliebe (philobrutosity)[4] des Bruderreichs; gleichwohl bilden sie, durch Addition oder auch durch die Division[5], ein Element und zwar ein ganz gutes Element der collektiven Weisheit, d. h. derjenigen Weisheit, deren Rauch selten durch die Rauchfänge der Zeitungen geht, außer wenn sie die Namen der Majorität oder Minorität anführen.

[227] Es liegt uns am Herzen, die öffentliche Aufmerksamkeit auf diese solide Substanz der Kammer zu richten. In dieser Absicht wollen wir, so weit die Kraft der Feder und des Pinsels reicht, einen Act der austheilenden Gerechtigkeit ausüben; denn wir halten es für höchst ungerecht, daß diejenigen, welche verurtheilt sind, in langen, ermüdenden Abenden geduldig zuzuhören, und im Dienst des Vaterlandes ihre Stimme zu geben, ohne Lohn ausgehen sollen. Ehe wir indessen schicklicherweise diese Ungerechtigkeit verbessern können, ist es nöthig, daß der Leser in die Kammer hinabsteige, und die ehrenwerthen Parlamentsglieder in ihrer collektiven Capazität in Augenschein nehme.

Bilde dir also ein, geneigter Leser, daß irgend ein großer Paradetag gekommen sey, einer jener Tage, der seit Wochen in der Tagesordnung roth angestrichen ist, und dreimal aufgeschoben wurde, um seine Wichtigkeit, gleich einem rollenden Schneeball, zu vergrößern; bilde dir ein, daß die Bittschriften-Maschine im ganzen Lande pro und contra in Bewegung gesetzt wurde, so daß der Tisch der Kammer oben und unten mit soviel Kuhhäuten beladen ist, als in einer Woche in Smithfield verkauft werden; daß die Redner-Flügelmänner sich einen Monat lang mit Reden abgequält, daß das zweite Glied ihre Stelle eingenommen, daß die Stummen sich abgetheilt, und man die Zahl der Gläser (versteht sich Wein-, nicht Stundengläser) verkündet, die jeder Redner zu verarbeiten hat[6]; bilde dir ein, es sey ungefähr zwei Uhr, und du, der einen weiten Weg zu machen hat, der die größte Sehnsucht in sich spürt, von der Weisheit erleuchtet, von der Beredsamkeit des Senats erwärmt zu werden, habest deine Taschen mit Sandwiches[7] gefüllt, und dich durch die Menge mit den Ellenbogen bis nach Westminster-Hall[8] hindurch manövrirt. Du hältst dich, versteht sich, nicht dabei auf, die bewundernswürdigen architektonischen Verhältnisse der prachtvollsten Scheune zu bewundern, die in den drei Königreichen zu finden sind; du achtest nicht auf den auserlesenen Geschmack, mit welchem die Thürme und der Eingang restaurirt sind; du sagst kein Fluchwort über den Unsinn, der in diesem Augenblick das häßliche Haus der neuen Gerichtshöfe über ein altes treffliches Gebäude aufführt, wie ein Schneckengehäusel auf dem Kiel eines Schiffs. Du gehst darüber hinweg und kommst in einem Anlauf in den dunkeln Durchgang, durch welchen der Britte tappend eine oder die andere Kammer erreichen soll. Du schlüpfst in den Lobby[9], und betrachtest den Platz, wo Percival getödtet wurde, und die Bank, auf welche Bellingham sich ruhig und gefühllos setzte, nachdem er den schauderhaften Mord verübt hatte; und wenn du dann keck und neugierig genug bist, so steckst du die Nase halb in die Oeffnung der Thüre, durch welche die collektive Weisheit tropfenweise eindringt, um auf die Bänke Papierstückchen mit dem Namen und Stande des Bruchs der Weisheit zu kleben, welche an diesem Abende darauf sitzen soll[10]. Ehe du aber Zeit findest, mehr zu sehen, als drei Fenster, rund umher mit symbolischen Köpfen verziert, und den obern Theil eines schwarz angeräucherten Stuhles, der, (mit Ausnahme daß die königlichen Thiere [11], um dem Ganzen zu entsprechen, hier größer sind) dem Stuhl des sehr Ehrwürdigen in den Freimaurerlogen ähnlich ist, schiebt dich der Thürwächter ohne Umstände von der Stelle hinweg, welche nur von den Collektivfüßen betreten werden soll. Hast du zufälligerweise schwache oder wenigstens reizbare Nerven, so bemächtigt sich deiner die Furcht vor dem Stabträger, oder die Besorgniß, du möchtest Strafe zahlen müssen; du entfernst dich also so schnell [228] als du kannst, und auf deinem Rückzuge stößest du an den Korb einer alten Jüdin, deren Orangen du auf den Boden des Lobby ausstreuest. Hast du diese That vollbracht, so läufst du Sturm gegen die Treppe, und, wenn du fest auf den Beinen und geschickt mit den Ellenbogen bist, so bahnst du dir einen Weg bis zur Thüre des Lobby der Parlamentsboten, doch nicht ohne daß deine Sandwiches einen höflichen Versuch machten, während dem Pressen von der Seite in deinen Magen zu dringen. Hier bleibst du nun zwei Stundenlang aufrecht stehen; und während deine Rippen mit den Ellenbogen gestoßen und deine Zehen mit Füßen getreten werden, siehst du das breite kahle Haupt des Herrn Wright hin und herwandern, so oft er durch eine besondere Thür diejenigen einläßt, deren Schlüssel neuer ist, als deine halbe Krone[12]. Der Sprecher tritt ein, die Thüre öffnet sich, und du wirst von dem Absatz über den Stufen bis zur Höhe der Thür nach der Gallerie geschleudert, gleich als hättest du eine in Explosion gerathende Last Pulver auf dem Rücken. Du betrittst die Gallerie, und alle Plätze der ersten Reihe sind bereits eingenommen, einen einzigen für eine Person ausgenommen, gerade in der Mitte. Irgend ein Spaßmacher ladet dich ein, ihn zu besetzen, aber hier befindest du dich gerade hinter dem Uhrkasten, wo du schlechterdings nichts sehen kannst. Ehe du deinen Irrthum einsiehst, sind alle Plätze besetzt, außer einem ganz hinten, auf welchen du dich nieder setzest. Du hast aber kaum Zeit Athem zu schöpfen, so treiben das Morning-Chronicle oder die Times dich wieder fort, indem sie dir sehr höflich einen halben Platz in der nächsten Reihe geben, und blasen dir von Zeit zu Zeit die Namen der Parlamentsglieder ein, welche ihre Hosenträger in die Höhe ziehen, ihre Bemerkungen auswendig lernen, oder mit ihren Fersen an die untern Bänke schlagen.

Du hast jetzt Zeit, um dich herum zu blicken, und das Erste, was dir auffällt, ist das finstere, kleinliche Ansehen der Kammer[13]. „Wie, die St. Stephans-Capelle, der Schauplatz so vieler großen Reden, die Bühne der collectiven Weisheit, ist kaum halb so groß und nicht den dritten Theil so schön als meine Pfarrkirche?“ Die Wände sind schwerfällig und angeräuchert, und die Decke ist so niedrig, daß du dich dem Ersticken nahe glaubst. Du siehst dich rechts und links um, und staunest über den kleinen Raum, der dem Fremden angewiesen ist. Da du überdem nicht weißt, daß die Seiten-Gallerien nur für die Parlamentsglieder bestimmt sind, welche ausruhen oder schlafen wollen, so wunderst du dich, hier Niemanden zu sehen.[14] Dir gerade gegenüber steht der Tisch, auf dessen dir zunächst befindlichem Rande der Scepter liegt; an dem andern Rande sitzen die Sekretäre. Höher siehst du den Sprecher, mit der anmuthigsten Miene und Perücke; irgend ein junger Laienbruder zischelt mit ihm, gerade um irgend einem auf der Gallerie gegenwärtigen Constituenten, vielleicht dir selbst zu zeigen, daß er sich dem Lehnstuhl nähern darf.[15] Dir zur Linken sind die Minister auf der dem Tische zunächst stehenden Bank, hinter ihnen die ministeriellen Hülfstruppen, nämlich die Country-Gentlemen[16], hinter denen eine ungeordnete Menge sitzt. Dir zur Rechten auf der ersten Bank placirt sich die schwere Artillerie der Opposition, und hinter ihr die leichten Truppen; die Bänke beider Seiten endigen sich zirkelförmig, und verlieren sich vereinigt hinter dem Stuhle des Sprechers; dieß ist eine Art von neutralem Boden, wo die Tories und die Whigs Artigkeiten und Prisen Tabak gegeneinander auswechseln.

Hinter dir sitzen die Morgenzeitungen, schneiden Federn und Bleistifte, und lobpreisen die am Abend vorausgesehenen Redner im umgekehrten Verhältniß ihrer vorausgesehenen Reden. Du bist verwirrt, wenn du bemerkst, daß Menschen, deren Worte und Gesichter so viel Verstand verrathen, nicht nur mit Gleichgültigkeit, sondern mit wahrem Ekel über Dinge sprechen, die zu sehen und zu hören du so weit hergekommen bist. Sey aber so gut, zu bedenken, daß ihre Augen und Finger die Mühe haben, Reden niederzuschreiben, die für dich nur ein Gegenstand der Unterhaltung sind; daß ihr Gedächtniß sich auf die Folter spannen müßte, sollten sie sich erinnern, sollte ihr Urtheil auseinanderlegen und zusammenfügen, wie alle Knochen, Muskeln, Adern und Nerven in dem Körper der Rede in einandergriffen; daß sie, mit einem Worte, auf den Flügeln des Windes, der bald dahersaust wie die Wechselwinde des Meere, bald seufzet wie Zephyr, bald brüllt wie der Sturm, oder sich im Wirbel umherdreht, die Rede ergreifen, ihr Körper und Stabilität geben, und sie so in die weite Welt schicken müssen.

Hast du dich nun gehörig umgesehen, und horchst mit dem einen Ohr, ob von dem Sitz der Zeitungen irgend ein Urtheil, eine geistreiche Bemerkung sich vernehmen lasse, so tönt in dein anderes Ohr eine melodische Stimme, welche die Namen der Mitglieder abruft, aber so feierlich klingt, daß du dir einbildest, es gebe Jemand der Kammer Unterricht in der Mathematik; bald jedoch erfährst du, daß der Sprecher nur die Förmlichkeit des Zählens der Mitglieder vornimmt. Kommt er bis zu 39, so zählt er sich selbst, und die Geschäfte nehmen ihren Anfang.[17]

  1. M. vergl. Attic Fragments. London 1825.
  2. Joseph Hume, Abgeordneter für Aberdeen, halb radikaler Whig, ist durch seine vielen und langen Reden bekannt, so wie durch die Rechnungen, die er vorlegt, und durch die Auskünfte, die er verlangt; nützlich ist er durch eine kleinliche Nachspürung, aber wenig genau in seinen Anführungen und Rechnungen.
  3. Sir F. Ommaney sitzt nicht mehr im Parlamente. Hr. W. Dundas ist Abgeordneter von Edinburg, dem neuen Athen. Die Familie Dundas, deren Haupt Lord Melville (gegenwärtig Präsident des Controlle-Bureaus), wurde durch die großen Staatsämter merkwürdig, die sie der Gunst des Herrn Pitt verdankt. Die Wynne sind eine der größten Familien des Fürstenthums Wallis. Es gibt im Parlament mehrere Mitglieder dieses Namens.
  4. Das Wort philobrutosity ist von der Erfindung des Verfassers. Hr. Richard Martin, Parlamentsglied für die Grafschaft Galway in Irland, ist durch den mitleidigen Eifer bekannt, womit er das Interesse der Hausthiere gegen die Gleichgültigkeit oder Grausamkeit ihrer Herren vertheidigt. Er hat zu der Parlamentsakte im dritten Jahre Georgs IV beigetragen, wodurch jede den Pferden, Mauleseln, Kühen etc. zugefügte Härte, als Vergehen anerkannt und mit einer Geldbuße bestraft wird.
  5. Ein Wortspiel, das sich auf die Art in der Kammer zu stimmen bezieht. Soll nämlich gestimmt werden, so theilt sich die Kammer in zwei Theile, und man zählt die Mitglieder jeder Seite. Dieses Verfahren nennt man die Division.
  6. Man erkennt in dem Obigen verschiedene politische Gebräuche Englands. Die Petitionen sind hier ein Mittel, wichtige Erörterungen zur Sprache zu bringen; man bespricht sich darüber in Clubbs, in besonders dazu angestellten Vereinen, und bei politischen Mahlzeiten. Die Anführer bringen sie in Vorschlag und vertheidigen sie in langen Reden. Während der Mahlzeit werden diese Reden durch Toasts unterbrochen, deren Zahl vorausbestimmt ist, und die gewöhnlich von regelmäßigen Ausruhungen begleitet werden, die sich auf ein gegebenes Zeichen und nach Vorschrift wiederholen.
  7. Sandwiches sind Schnittchen von Schinken oder Wildbret zwischen dünnen Butterbrötchen.
  8. Der große Saal im Westminsterpalast; das gothische Gewölbe ist schön. Dieser Saal steht in Zusammenhang mit der Treppe beider Kammern, und dient als Vorhof zu dem Hof der königlichen Bank, zu dem gemeinen Gerichtssaal, zu der Kanzelei etc.
  9. Es ist dieß eine kleine, niedrige und dunkele Kammer, welche allein die Treppe von dem Sitzungssaal scheidet. Man kommt ohne Billet in dasselbe, und findet hier nur Constables, welche von Zeit zu Zeit die Fremden bei Seite schieben, damit die Parlamentsglieder freien Durchgang erhalten. In diesem Zimmer wurde Percival ermordet. Hier werden auch Orangen verkauft, welche für die brittischen Redner das sind, was ein Glas Zuckerwasser für die französischen ist.
  10. Dieß ist die Art, wie sich sie Parlamentsglieder ihre Sitze versichern.
  11. Der englische Löwe und das schottische Einhorn.
  12. Wahrscheinlich Goldstücke von neuerem Gepräge als die halben Kronen.
  13. Der Sitzungssaal, übrigens ziemlich geschmackvoll gebaut, ist klein, und sieht dem geschlossenen Chor der französischen Kirchen ähnlich. Man vergl. die Beschreibung und die Abbildung in der Schrift des Herrn v. Stael: „Briefe über England.“
  14. Der Saal hat die Form eines Parallelogramms, und nur drei Fenster, im gothischen Geschmack, an der kleinen Seite über dem Stuhl des Sprechers. Dem Fenster gegenüber befindet sich eine Gallerie, die dem Publikum und den Journalisten geöffnet ist, und etwa hundert Personen faßt. Diese Gallerie läuft verengert an den beiden langen Seiten des Saales fort; dieser Theil aber ist für die Parlamentsglieder bestimmt, da der untere Saal, seit der Vereinigung der drei Königreiche, die ganze Versammlung nicht mehr fassen kann.
  15. Der Tisch, der Scepter, der Lehnstuhl, die Kleidung des Sprechers und der Sekretäre, alle diese Aeußerlichkeiten sind noch gerade so, wie man sie auf dem bekannten Kupferstich sieht, der Cromwell vorstellt, wie er das Parlament auflöst.
  16. Die Country-Gentlemen sind die Landjunker Großbritaniens, so eigensinnig und eigennützig als die auf dem Festlande, doch darin ausgezeichnet, daß sie die Gesetze kennen, im Lande Achtung genießen, und aufgeklärte Begriffe von der Verwaltung wie vom Staatshaushalt haben. Sir Eduard Knochtbull und Sir Thomas Lethbridge stehen an ihrer Spitze.
  17. Die Fortsetzung wird in einem späteren Blatte folgen.