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Autor: unbekannt
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Titel: Das Trauerrad
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Erscheinungsdatum: 25. Mai 1897
Verlag: Berliner Gerichts-Zeitung
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Erscheinungsort: Berlin
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Quelle: Berliner Gerichts-Zeitung 1897-05-25
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Das Trauerrad. Sicher hat man es bisher nicht für angemessen gehalten, daß sich eine junge Witwe in der ersten Trauer um den dahingeschiedenen Gatten auf dem Zweirad sehen läßt. Die nimmer rastenden Erfinder auf dem Gebiete des Pneumatic hätten sonst längst eine Maschine konstruiert, die in ihrer äußeren Erscheinung vollkommen mit den Empfindungen einer tief betrübten Witwe übereinstimmt. Eine schneidige, junge Amerikanerin nun, die ganz kürzlich ihren teueren Gemahl verloren hat, sucht und findet den einzigen Trost in ihrem großen Schmerz, indem sie auf dem Rücken ihres treuen Stahlrosses in der Welt umherradelt. Von jeher eine enthusiatische Radlerin, hat sie nach kurzem Nachsinnen herausgefunden, wie sich der Radsport mit der Witwentrauer vereinigen läßt, ohne gegen den guten Ton zu verstoßen. Die Dame hat sich ihr Rad in ein Trauerrad verwandeln lassen, gegen das sich in der That nichts sagen läßt. Jedes Stück des blitzenden Metalls, selbst Speichen und Klingel sind mit schwarzem Email gedeckt, auch die Lenkstange ist mit schwarzem Krepp überzogen, und Schleifen von demselben düsteren Trauerstoff flattern melancholisch zu beiden Seiten des Vorderrades. Die Dame trägt natürlich ein Kostüm, ganz in tiefstem Schwarz gehalten: Jockeymütze, Stulphandschuhe, Stiefeletten und Gamaschen, alles legt Zeugnis ab von der schweren Trauer, die das Herz der Radlerin erfüllt. Selbst der nebenher laufende, seine Herrin begleitende kleine Pinscher, der früher in blendendem Weiß erstrahlte, erscheint jetzt pechrabenschwarz, denn ein farbenkundiger Malermeister hat das Tier ganz einfach in seinen schwärzesten Farbentopf gesteckt.