Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Das Schillertheater
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 37, S. 628
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[628] Das Schillertheater. Dem Volk eine Schaubühne zu eröffnen, welche das Beste der ganzen dramatischen Litteratur bietet und doch zugleich auch dem Unbemittelten um einen geringen Preis offen steht – das ist ein Gedanke, dessen Nützlichkeit, ja Notwendigkeit schon oft erörtert wurde, aber ohne daß man bisher zu einem dauernden Ergebniß gelangt wäre. Jetzt aber scheint er endlich seiner Verwirklichung nahezukommen. In Berlin ist ein Ausschuß von hundert der angesehensten Männer aus den Kreisen der Litteratur und Künste, der Gelehrten und Schulmänner, der Beamten und Gewerbetreibenden zusammengetreten, um ein solches Volkstheater im wahren Sinne des Wortes zu schaffen. Nach dem Plane dieser Männer wird in einem ansehnlichen Theaterhause von einem eigens hierzu angestellten Personal das Schönste gespielt werden, was die Litteratur aller Zeiten und Völker an Dramen zutage gefördert hat. Nicht für die Wohlhabenden sind diese Vorstellungen bestimmt, sondern für die Armen und Unbemittelten. Diesen haben bisher die hohen Preise der Spekulationstheater den Genuß und das Bildungsmittel verschlossen, die eine richtig geleitete Schaubühne ihnen bieten könnte. Das Schillertheater aber wird ihnen diese Schätze öffnen. Die besten Plätze sollen hier nicht mehr als eine Mark kosten, die letzten auf dem obersten Rang sinken herab zum Preise von fünfundzwanzig und wohl auch nur zehn Pfennigen. Die aufgestellten Berechnungen beweisen, daß dieser Plan wohl durchführbar ist, obwohl man das altberühmte Wallnertheater, das keine geringe Jahresmiethe erfordert, für den Zweck ausgesucht hat.

Erstaunt wird man fragen: wie ist ein solches Unternehmen möglich? Kommen doch selbst solche Theaterdirektoren vielfach auf keinen grünen Zweig, die für ihre Plätze so hohe Preise nehmen, daß nur der Wohlhabende sie erschwingen kann! Wie in allen Fällen eines entschiedenen Fortschritts ist es immer eine glückliche Idee, die das scheinbar Unmögliche möglich macht, und zwar ist es hier der Gedanke, die vielen Berliner Vereine, den großen Handwerkerverein voran, mit dem Unternehmen zu verbinden. Alle bestehenden Theater, selbst solche, die den größten Ausstattungsluxus treiben, könnten ihre Vorstellungen zu einem viel geringeren Preise geben, wenn allabendlich das Haus ausverkauft wäre. Um also Vorstellungen zu einem ganz billigen Preise zu bieten, muß eine Gewähr für stets ausverkaufte Häuser vorhanden sein. Nun, das Wallnertheater hat 1200 Plätze, die Berliner Vereine haben über 100000 Mitglieder. Lassen sich hiervon 7200 feste Abonnenten für das Schillertheater gewinnen – und die sind bereits so gut wie gewonnen – dann ist das Unternehmen zur Noth gesichert. Jedes weitere Tausend verbessert seine Daseinsbedingungen, und bei 15000 Mitgliedern kommt sogar schon ein solcher Ueberschuß heraus, daß man das Ensemble verbessern und vielleicht auch an eine Ergänzung durch musikalische Kräfte denken kann.

Schiller war es, der den Traum träumte, das Theater zur Hochschule der ästhetischen Erziehung des Volkes zu machen. Wie die meisten seiner Ideale, so blieb auch dieses im Reiche des Gedankens gebannt. Aber das Schillertheater ist ein Schritt, sich seinem Ideal anzunähern. Nach wem könnte es besser benannt werden als nach ihm? Er ist sein geistiger Vater, und seine Muse wird auch die hauptsächlichste Nährmutter der jungen Volksbühne sein, denn mit einem Kreis Schillerscher Stücke wird sie das erste Jahr ihres Bestehens vorwiegend ausfüllen. Möge der schöne Plan gelingen!

D. N.