Das Maiblümchen ist giftig

Textdaten
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Autor: Dr. F.
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Titel: Das Maiblümchen ist giftig
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 13, S. 214
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[219] Das Maiblümchen ist giftig. Ja, auch dem lieblichen Maiblümchen (Convallaria majalis) hat sein Stündlein geschlagen. Wenigstens haben es die Mediciner durch pharmakologische Untersuchungen und Thierexperimente seines bisher so harmlosen Wesens entkleidet; denn seine Blüthe ist als „giftig“ erkannt worden. Schon seit alten Zeiten sind die Maiblümchen in Rußland ein beliebtes Volksmittel gegen schwere Nervenleiden, und dies hatte die dortigen Fachmänner veranlaßt, die bescheidenen Glöckchen einmal genauer vorzunehmen. Die Prüfung fiel sehr zu seinen Ungunsten aus; denn es ließen sich nicht nur die schon vor etwa zwanzig Jahren von Walz darin entdeckten zwei Gifte, das Convallamarin, (eine scharf-drastisch wirkende Substanz) und das Convallarin, ein dem Fingerhut ähnliches Herzgift, bestätigen, sondern außerdem ergaben die unter des berühmten Botkin Leitung angestellten Beobachtungen am Menschen auch noch, daß die Maiblümchen-Tinctur den Puls und Blutdruck in einem keineswegs unbedenklichen Grade beeinflußt – natürlich innerlich angewendet oder unter die Haut gespritzt. Wie oft schon mag ein solches Sträußchen „dem Herzen“ gefährlich geworden sein, wenn auch nur in bildlichem, poetischem Sinne! Jetzt scheint die Wissenschaft für dieses anheimelnde Bild der Dichtung eine wenig erfreuliche Deutung und unwillkommene Ergänzung gefunden zu haben. Doch – der Duft ist ungefährlich. Darum mögen sich die Liebhaber jenes reizenden Blümchens im kommenden Mai nur ja nicht davon abschrecken lassen, sich dieses Duftes zu freuen! Das Maiblümchen aber wird vielleicht noch für die ihm jetzt angethane Unbill durch eine Ehrenrettung entschädigt werden; denn wer weiß: möglichenfalls wird sein „Geist“ als „Tinctura Convallariae“ einmal eine Perle des Arzneischatzes werden und bei der Behandlung von Herzfehlern und deren Folgen eine Glanzrolle spielen. Dr. F.