Textdaten
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Autor: Christian Fürchtegott Gellert
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Titel: Das Hospital
Untertitel:
aus: Sämmtliche Schriften. 1. Theil: Fabeln und Erzählungen, Zweytes Buch. S. 180-182
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1769
Verlag: M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch
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Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Erstdruck 1746/48
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[180]
Das Hospital.


Elmire war zur Witwe worden,
Und nahm sich vor, nicht mehr zu freyn.
Allein sie war noch jung; was macht man ganz allein?
Ich dächte doch, sie könnte wieder freyn.

5
Der Witwenstand ist ein betrübter Orden!

Elmire sahs und schritt zur zweyten Wahl.
Allein sie war das erstemal
Nicht gar zu wohl verwahret worden.
Denn leider sind die Zeiten so betrübt,

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Daß es viel böse Männer giebt.

Elmire that daher ein feyerlich Gelübd,
Indem sie sich zur zweyten Ehe schickte:
Sie wollte, wenn es ihr mit ihrem Manne glückte,
Ein Hospital für fromme Männer baun,

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Denn sie war reich. Und kurz, sie ließ sich wieder traun.


     O welche Lust erfolgt oft nach dem Leide!
Das war ein Mann, ein allerliebster Mann!
Fromm, wie ein Kind, gefällig wie die Freude,
Und der auf nichts, als ihr Vergnügen sann.

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Wie hätte sie sich ihn denn besser wünschen mögen?


     Sie ließ geschwind den Grund zum Hospitale legen.
Vier Wochen strichen hin. Nun war der Grund gelegt,
Und bald wird man das erste Stockwerk sehen;
Doch nein, Elmire kömmt, und heißt, vom Zorn bewegt,

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Die Mäurer aus einander gehen.
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Wie! sollt es nicht mehr gut in ihrer Ehe stehen?

Das kann nicht möglich seyn, sie sind ja kaum getraut!
Nun kurz und gut, es ward nicht fortgebaut.
Und ungefehr nach einem halben Jahre

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Lag dieser Mann auch auf der Bahre.

Der liebe Mann!

     Die Frau schwört Stein und Bein,
Ihr Lebelang nicht mehr zu freyn;
Und doch war sie nach zwey und funfzig Wochen

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(Der Bau muß ja vollendet seyn)

Bereits das drittemal versprochen.

     O das war erst ein würdiger Gemahl!
Verständig, zärtlich und verbindlich,
Nicht eigensinnig, nicht empfindlich;

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Er bat da nur, wo jener wild befahl;

Die Blicke seiner Frau erfüllt er als Befehle.
Kurz, beide waren recht Ein Herz und Eine Seele.

     Die gute Frau! ich gönn ihr diesen Mann.
Allein sie wollte doch nicht trauen.

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Sie fieng nicht gleich, wie ehmals, an zu bauen.

Ich lobe sie darum, und hätt es selbst gethan:
Der Henker mag den Männern trauen,
Wenn man so leicht zweymal sich irren kann.

     Sie fand nunmehr nach einem halben Jahre

50
Den Gatten noch so liebenswerth,

Als an dem Tag, da er, gefragt vor dem Altare,
Ihr durch ein seufzend Ja! sein zärtlich Herz erklärt.

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Der Bau wird fortgesetzt. Ich seh Elmiren kommen.

Wie freundlich sieht sie dießmal aus!

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„Ach Meister, fördert doch das Haus!

„Warum habt ihrs denn angenommen?
„Ich geb euch ja das Geld voraus:
„Laßt doch noch mehr Gesellen kommen.“

     Ey das geht gut! Ich kann mich nicht genug erfreun:

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Das muß ein rechter Ehmann seyn!


     Die Mäurer fördern sich, und binnen vierzehn Tagen
Sieht man das erste Stockwerk stehn:
Und nun läßt sich Elmire wieder sehn.
Man siehts ihr an, sie hat etwas zu sagen,

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Vielleicht sah sie die Mäurer müßig stehn;

Denn leider pflegts so her zu gehn.
Vielleicht hat man am Bau etwas versehn?
Das sollte mich doch selbst verdriessen.
Itzt öffnet sie den Mund; nun wird sichs zeigen müssen.

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Ach, fängt sie heftig an, zu schreyn:

Hört auf, und reißt den Plunder ein!
Ich lasse keinen Stein mehr tragen.
Wofür verbaut ich denn mein Geld?
Für Männer, die die Weiber plagen?

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Denn andre giebts nicht auf der Welt.


     Die böse Frau! Man sollte sie verklagen.