Das Freiligrathhaus in Aßmanshausen

Textdaten
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Autor: P.
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Titel: Das Freiligrathhaus in Aßmanshausen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 34, S. 580
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[565]

Das Freiligrathhaus in Aßmannshausen.
Nach der Natur gezeichnet von N. v. Astudin.


[580] Das Freiligrathhaus in Aßmannshausen. (Zu dem Bilde S. 565.) Zu Füßen des Niederwalds, von dessen Höhe das hehre Standbild der Germania als Wacht am Rhein auf die Fluten des herrlichen Stromes herabgrüßt, liegen rechts und links zwei Orte, die auf der Ruhmestafel des Rheinweins hoch oben stehen: Rechts breithingelagert das stattliche Rüdesheim, links eingeschmiegt in die Mündung des Hellenthals das kleinere Aßmannshausen. Während aber der goldne Rüdesheimer in anderen Rheingauer Marken bedeutende Rivalen hat, genießt der Aßmannshauser unter den Rotweinen des Rheingaus den ungeschmälerten Ruf, an Feuer, Kraft und Milde der allerbeste zu sein. Und dieser Aßmannshäuser Rote mit seinem Rubinglanz hat noch eine ganz besondere Weihe durch einen der besten deutschen Dichter erhalten, durch Ferdinand Freiligrath. In dem alten kleinen Wirtshaus zur „Krone“, das heute noch im Ort neben dem stattlichen Gasthof gleichen Namens, ein Wahrzeichen altrheinischer Herbergspoesie, steht, wohnte in den Frühlingstagen des Jahres 1844 dieser tapfre „Ritter vom Geist“ und brachte sein „Glaubensbekenntnis“ zum Abschluß, jene Sammlung von heiliger Begeisterungsglut entflammter Freiheitslieder, die in der „Stickluft“ jener Tage wie ein erlösendes Gewitter wirkten. Als „Vierundvierziger Aßmannshäuser“ bezeichnete der Dichter in seinem poetischen Vorwort diese feurigen Poesien. Seitdem ist vieles zur schönen Wirklichkeit geworden, was damals nur ein berauschender Dichtertraum war. Und während jetzt auf der Höhe des Niederwalds die triumphierende Germania die neugewonnene Kaiserkrone hoch in die Lüfte hält, darf das kleine schiefergedeckte Giebelhäuschen der alten „Krone“ unten als Denkmal gelten für den Anteil, den die Poesie unserer patriotischen Freiheitsdichter an den Kämpfen gehabt hat, die zur Erfüllung des Ideals eines in Freiheit geeinten Deutschen Reiches führten. Als vor drei Jahren ein Halbjahrhundert zu Ende ging seit jenem Frühling, in welchem Freiligrath sein „Glaubensbekenntnis“ am Rheinesufer gesungen, ist das Gebäude denn auch in diesem Sinne mit einer Büste des Dichters geschmückt worden. Emil Rittershaus, der nun auch verstorbene Rheinlandsänger hielt dabei die poetische Weiherede, die zündenden Verse derselben hat die „Gartenlaube“ (vergl. Jahrgang 1894. Seite 356) damals zum Abdruck gebracht.

Unsere heutige Abbildung des Häuschens selbst vergegenwärtigt gar stimmungsvoll die malerisch idyllische Lage, deren es sich von jeher erfreut. Indem es der Maler abgelöst vom verkehrsreichen Strom und im Zusammenhang mit dem lauschigen Hellenthal darstellt, läßt er so recht ins Auge fallen warum gerade dieses Wirtshaus am Rhein, wo doch so viele des „Herrgotts Arm“ ausstrecken, eine so bevorzugte Poetenherberge geworden. Sie war dies schon im vorigen Jahrhundert; in dem unsrigen sind schon vor Freiligrath Karl Simrock und Hoffmann von Fallersleben Stammgäste der „Krone“ gewesen; später wurde dies in ganz besonderen Grade Emil Ritterhaus, dessen schönste Rhein- und Weinlieder gleichfalls hier entstanden und der auch die letzten glücklichen Poetentage seines Lebens hier verbracht hat. Seiner Anregung ist es zu danken, daß das Zimmer, in welchem einst Freiligrath wohnte, vom jetzigen Besitzer in seinem damaligen Zustand wiederhergestellt und mit allerhand Andenken an Freiligrath ausgestattet wurde. Der schmucke Erker und das nächste Fenster auf unserer Ansicht gehören zu dem Zimmer, zwei weitere Fenster gehen nach dem Rhein hinaus und gewährten dem Dichter den Anblick des geliebten Stromes, dem der plätschernde Rehlingsbach unterhalb der Fenster vom Hellenthal aus zueilt. Der Berg links vom Eingang in dieses heißt der Hellenberg, und hier wächst die beste Marke, der „Hinterkirch“, vom Aßmannshäuser Roten. P.