Das Fest der Heiligen drei Könige im 17. Jahrhundert

Textdaten
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Autor: A. T.
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Titel: Das Fest der Heiligen drei Könige im 17. Jahrhundert
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 2, S. 36
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1896
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[36] Das Fest der Heiligen drei Könige im 17. Jahrhundert. (Zu dem Bilde S. 24 und 25.) In dem Hause des altberühmten Druckers Plantin in Antwerpen ist das Fest der Heiligen drei Könige herangekommen. Draußen ist’s ein heller Wintertag, und die lichte Schneelandschaft schimmert durch die kleinen Scheiben hinein in das Wohngemach des alten Patrizierhauses, in dem sich die Familie zum Mahle versammelt hat. Im Kamin zwar glimmen keine Kohlen, aber durch die offene Küchenthür prasselt es lustig herüber, und der Urgroßvater schaut aus seinem Bilderrahmen über der Thür heute froher hernieder als sonst. Seit jenen Tagen, wo ein dreißigjähriger Glaubenskrieg durch ganz Westeuropa tobte, ist’s doch beträchtlich besser geworden, überall herrscht Wohlstand und fleißiger Friede. Haus und Einrichtung sind zwar unverletzt durch die Kriegsstürme gegangen und die Urenkel essen noch an demselben Tische wie dereinst ihr Ahn und Urahn und lehnen an demselben Kaminsims mit der Aufschrift: Oost . West . E huis best – (Osten – Westen - daheim ist’s am besten!), aber unter den fortwährenden Kriegsunruhen hatten doch Geschäft und Reichtum gelitten. Sohn und Enkel haben aber das alte Druckerhaus wieder emporgebracht, und die kleinen blonden Lockenköpfe können frohgemut der Zukunft entgegenschauen.

Augenblicklich machen ihnen freilich die stattlichen Pfefferkuchentafeln, die das Dreikönigsfest gebracht hat, einen tieferen Eindruck als alle Zukunftsaussichten, und ihre ganze Aufmerksamkeit wird von den drei Königen gefesselt, die ihren Sang absingen. „Daar kwamen drie koningen met eene ster“, das klingt den Kleinen zwar vertraut genug, aber der Sternträger in der Mitte ist ihnen doch nicht recht geheuer. Der mit seinem schwarzen Gesicht und seinem weißen Turban ist ja der König von Mohrenland, wo die Menschen alle Heiden sind und zum Frühstück kleine Kinder fressen. Aber die Fiedel klingt und dazu tönt der Sang in seiner halb ernsten, halb lustigen Weise, und die drei Könige blicken drein, als wollten sie die Welt zu einer neuen Religion bekehren, und die Erwachsenen lauschen, und über dem ganzen Zimmer liegt die Weihestimmung, die alle ernsten volkstümlichen Feste begleitet.
A. T.