Das Bischofskreuz bei Lehen

Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Das Bischofskreuz bei Lehen
Untertitel:
aus: Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau
Herausgeber: Heinrich Schreiber
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1867
Verlag: Franz Xaver Wrangler
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Erscheinungsort: Freiburg
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Quelle: UB Freiburg und Commons
Kurzbeschreibung:
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41. Das Bischofskreuz bei Lehen.

(Ueber die Verwandtschaft des Straßburger Bischofs Konrad von Lichtenberg mit den Grafen von Freiburg; dessen Einmischung in deren Streitigkeiten mit ihrer Stadt und dessen Tod in offener Feldschlacht am 1. August 1299: Geschichte der Stadt. Thl. II. S.89. ff.)


„Ich seh’ ein Banner wallen! Dort unten blitzt ein Speer,
Und hinter Speer und Fahne zieht feste Macht einher.
Drum auf! in’s Horn geschmettert! – O Stadt dir dräut Gefahr!
Wohl kenn’ ich auf dem Banner des Feindes grimmen Aar!“

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So rief der Thurmwart oben, der in die Weite sah,

Und des Straßburgers Mannen erschaut der Stadt so nah.
In’s Horn stieß er gewaltig; daraus rang sich der Schall,
So über die Veste hinausflog bis an den äußersten Wall.

„Auf! auf! zu den Waffen gegriffen! das blanke Schwert erfaßt!

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Die Lanze fest geschwungen! gerüstet ohne Rast! –

Gen Lehen hin! gen Lehen! dort steht der feindlich’ Troß;
Inmitten strahlt der Bischof auf blütheweißem Roß!“

Da holte Jeder Waffen, wie er sie eben braucht.
Der faßt des Schwertes Habe, das in die Scheid’ er staucht;

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Der schwingt den Schaft der Lanze; der legt um das Haupt den Hut;

Der hebt sich auf sein Rößlein; der trinkt sich Mannesmuth.

Und zu den Thoren ziehen die Schaaren alle aus.
Wohl fliegen über die Haide die Rosse wie Windesgesaus;
Und Hörner blasen lustig, und Männer rufen laut,

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Und Säbel klirren knirschend; – das Land ist roth bethaut.
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Wer stürzt dort aus der Metzig? schwinget dort das Beil,
Das noch vom Blute rauchet? Das ist doch Keinem zum Heil!
Ueber’s Blachfeld springt er spähend. Wen sucht seines Auges Strahl?
Wer ist der Auserwählte? Wen trifft der rothe Stahl?

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Den Bischof auf dem Gaule, den hat das Beil erreicht.

Seht, wie er wanket und schwanket! o seht, wie er erbleicht!
Das Beil beißt gar so grimmig; es frißt so tief und schnell;
Es rinnet aus dem Harnisch des Blutes rother Quell.

Er stürzet von dem Gaule; verronnen ist das Blut.

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Zu tief ging des Mordbeils Nagen und seines Bisses Wuth.

Erschlagen liegt der Bischof von Straßburg an dem Rhein,
Erschlagen ist der Bischof Konrad von Lichtenstein.

Und wie seine Stimm’ verstummet, verhallt der laute Schall,
Des Herren Egons Reiter, die halten ob dem Fall.

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Die Schützen und die Knechte, geharnischte Pikenier,

Und Edle und Gemeine verhalten des Kampfes Gier.

„Der Konrad ist gestürzet! der Bischof ist erschlah’n!“
So rufen Alle und fliehen gar tummelig über den Plan.
Sie fliehen und rasten nicht eher als bis sie an den Rhein

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Ohn’ ihren Bischof gekommen, den edeln Lichtenstein.


Frei ist die Stadt. Es ziehen die Mannen allzumal
Ein zu den freien Thoren im Abendsonnenstrahl.
Hei! Was ein Lustgejauchze und wilder Freude Schrei
Erfüllet alle Lüfte in wilder Melodei!

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Den Schlächter auf den Schultern, so zieh’n sie in die Stadt,

Darinnen Keiner besser, denn er geschlachtet hat.
Und stimmen in das Rufen bei loher Fackeln Schein,
Derweil die Argentiner heimfahren über den Rhein.



Das Alles ist geschehen, sowie ich es euch sag,

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In Freiburgs Angesichte am heil’gen Markustag.

Da man zählt zwölf hundert und neun und neunzig Jahr,
Seit unser Herr und Heiland, der Christ geboren war.

Und daß ich recht berichte, das seht ihr an dem Kreuz,
Das an dem Weg von Freiburg nach Lehen steht linkerseits.

55
Das hat man ihm errichtet von rothem Sandgestein,

Dem Straßburger Bischof Konrad von Lichtenstein.

(. ar ... . a .....r.)