Christliche Symbolik/Könige, die heiligen drei

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Könige, die heiligen drei.

Das Evangelium Matthäi 2. spricht nur von den Weisen vom Morgenlande, nicht von Königen und auch nicht von dreien. Weil sie aber dreierlei Gaben brachten, Gold, Weihrauch und Myrrhen, hat man ihrer drei angenommen. Diese drei Gaben sind alte Symbole der Sonne. Vgl. Strauss, Kirchenjahr, 135. Mit der Sonne stehen sie in näherem Zusammenhang, auch deshalb, weil die Kirche festgestellt hat, dass die Weisen zwölf Tage nach der Geburt Christi gekommen seyen, am 6. Januar, am Tage Epiphaniae. Diese Zeit ist bedeutsam für den Sonnencultus, denn sie bezeichnet das wachsende Licht des neuen Jahres. Christus aber wurde in höherer Bedeutung als die geistige Sonne, als das Licht einer neuen sittlichen Welt genommen.

Herder (zur Theologie XI. 85. 90.) sieht mit Recht in den Weisen persische Magier, oder die personificirte Lichtlehre, die, als dem Christenthum am nächsten verwandt, der Idee nach ihm auch zuerst zu huldigen berufen war. Der rohere Polytheismus Vorderasiens, Aegyptens und Europa's war dem Christenthum absolut feindlich und konnte von ihm nur zerstört werden; aber jene reinere Lichtlehre der Parsen hatte etwas dem Christenthum Verwandtes, wenn auch auf niederer Stufe, und diese Beziehung sollte durch die Anbetung der Weisen ausgedrückt werden.

Nach Abulfaradsch (Hyde, Relig. d. alten Perser, Kap. 31. Rosenmüller, Morgenland I. 15.) weissagte Zoroaster selbst, der Messias werde von einer Jungfrau geboren werden, und bei seiner Geburt werde ein Stern erscheinen, der auch bei [498] Tage glänzen werde, und er befahl den Magiern, sie sollten zu dem neuen Messias hinziehen und ihm Geschenke bringen.

Von der Harth, Harenberg und Münter hielten die Weisen für jüdische Astrologen, weil doch nur Juden den König der Juden hätten suchen können; allein hier fällt die jüdische Beziehung gänzlich weg, Christus ist König der Welt und steht in Beziehung zu allen Völkern. Das soll ihn gerade von der jüdischen Einseitigkeit unterscheiden. Die Ankunft der fremden Weisen ist die erste Protestation gegen das engherzige Judenthum und öffnet allen Völkern die Pforte zu Christo.

Unbeachtet blieb bisher die nahe Beziehung der drei Weisen aus einer Stelle bei Ezechiel 8, 16. Bei diesem Propheten heisst es nämlich, die Juden hätten sich abgewandt vom Tempel des wahren Gottes und ihm den Rücken gekehrt, um die Sonne anzubeten. Dem entsprechend kehren nun die Weisen aus Morgenland der physischen Sonne den Rücken, um die geistige in Bethlehem anzubeten.

Auch Otfrieds Evangelienharmonie erblickt in den Weisen Personificationen der älteren Religionssysteme und erklärt das Verbot, nach Jerusalem zurückzukehren, so, als ob unter dem irdischen Jerusalem das alte Gesetz zu verstehen sey, zu dem man vom christlichen Standpunkt aus nicht mehr zurückgehen dürfe, sondern das einige Ziel sey von nun an nur noch das himmlische Jerusalem.

Auf den ältesten christlichen Grabmälern in den Katakomben tragen die drei Weisen phrygische Mützen, ihrer orientalischen Herkunft gemäss, und zwar ganz eben so wie die drei Männer im feurigen Ofen, die ihnen zum Gegenbilde dienen, und die mit dem Propheten Daniel zur babylonischen Gefangenschaft, also gleichfalls in's tiefere Morgenland gehören. Vgl. Aringhi I. 295, 327, 331, 387, 615, 617. II. 117, 143 etc. Die phrygische Mütze tragen sie auch in alten Miniaturen. Waagen, Deutschland I. 99. 105. Dessen Paris 208.

Die kirchliche Tradition kennt jedoch die drei Weisen als Könige, wozu die Stellen Psalm 72, 10 („Die Könige [499] am Meer und in den Inseln werden Geschenke bringen; die Könige aus Arabia und Saba werden Gaben zuführen. Alle Könige werden ihn anbeten, alle Heiden ihm dienen“), Jesaias 60, 3 („Und die Heiden werden in deinem Lichte wandeln und die Könige im Glanz, der über dir aufgeht“), und 60, 6. („Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und den Herrn verkündigen“) natürliche Veranlassung gaben. Weil hier von allen Königen und allen Heiden die Rede ist, glaubten Einige, nicht blos drei, sondern wenigstens zwölf Könige annehmen zu müssen, deren Namen in Assemanni bibl. Orient. III. 1. 309. verzeichnet sind. Allein die kirchliche Tradition blieb bei der Dreizahl stehen, entsprechend der Dreieinigkeit nach Hilar. de epiphania, oder den drei Welttheilen Asien, Europa und Afrika nach Innocent. III. serm. de epiph., oder den drei Menschenstämmen, den Nachkommen Sems, Chams und Japhets. Sepp, Leben Jesu I. 43. Raphael, in den Tapeten, liess alle Völker im Gefolge der drei Könige auftreten.

Die Namen der drei heiligen Könige sind nach der kirchlichen Tradition Melchior, Caspar und Balthasar. Beda, Opp. III. 649. Verschiedene andere Namen, die man hat fallen lassen, sind verzeichnet in Hofmanns Apokr. 128. Jacques d'Ausoles, Traité d' épiphanie, hält sie für Henoch, Elias und Melchisedek, macht sie also zu Vertretern einer längst vergangenen Zeit, was dem Grundbegriff der Verkündigung eines neuen Heiles für alle Zukunft nicht entspricht. Nach Beda empfing das Christkind das Gold von Melchior, dem ältesten, als König, den Weihrauch von Caspar, dem jüngsten, als Gott, die Myrrhe von Balthasar, dem rauhesten, als Mensch (denn Myrrhe bedeutet den bittern Tod, und mit Myrrhen werden Leichen einbalsamirt). Die drei Gaben bedeuten auch: Liebe, Gebet und Abtödtung.

In der Kirchenmalerei wurde nach und nach Melchior greisenhaft, aber als weisser Europäer, Caspar in männlicher Reife als brauner Asiat, und zuletzt Balthasar im Jünglingsalter als schwarzer Mohr dargestellt, doch erst im 15ten Jahrhundert. [500] Früher ist der dritte König noch kein Mohr, obgleich die obigen Stellen der Psalmen und des Jesaias auch früher schon darauf hinwiesen. Bei Molanus, hist. imag. 247. ist Caspar der älteste, Balthasar der mittlere, Melchior der jüngste und der Mohr.

Eine altdeutsche Legende von den heiligen drei Königen von Johann von Hildesheim bearbeitete Gustav Schwab 1822. Darnach begeben sich die Könige Caspar von Tharsis, Balthasar von Saba und Melchior von Arabien auf den Weg, dem Stern zu folgen, ohne von einander zu wissen, und treffen erst unterwegs zusammen. Auch hier ist Melchior der älteste, Balthasar der mittlere, und Caspar, der Mohr, der jüngste. Als sie das Christkind finden, das zugleich Gott, König und Mensch ist, opfern sie Weihrauch dem Gott, Gold dem König, Myrrhen (die Bitterkeit des Todes andeutend) dem Menschen. Heimgekehrt dann rotten sie das Heidenthum aus und lehren das Volk, in einem Stern des Kindes Bild anbeten. Endlich sterben sie im Genuss des heiligen Abendmahls. Ein altfranzösisches Volksbuch, La vie des trois rois, aus dem Lat., wird angeführt in Van der Bergh, nederl. Volksromans S. 159. Ein kurzes altdeutsches Lied von den heiligen drei Königen in Docens Miscell. I. 276.

Von den heiligen drei Königen gibt es noch folgende kleine Legenden. In derselben Nacht, in welcher Christus geboren wurde, legte ein Strauss des Königs Caspar zwei Eier, aus dem einen davon kam ein Lamm, aus dem andern ein Löwe hervor. Dem König Balthasar aber wuchs eine köstliche Blume, aus der ein Vogel hervorflog, Christi Geburt verkündend. Dem Melchior endlich wurde ein Kind geboren, das gleichfalls Christum und zugleich seinen eigenen Tod in 33 Tagen verkündete. Prätorius, Weihnachtsfrazzen S. 363. Stengelii ova paschal. embl. 14.

Wichtiger für die Symbolik ist die Zusammenstellung der heiligen drei Könige mit der tiburtinischen Sibylle in dem Augenblick, in welchem sie den Kaiser August in einer Vision die heilige Jungfrau mit dem Kinde sehen lässt. So auf einem berühmten Bilde im Berliner Museum, dem [501] Roger von Brügge zugeschrieben, Kunstbl. 1843. Nr. 61. Die drei Könige verkünden die Geburt des Messias dem Orient, die Sibylle dem Occident.

Man hat sich bemüht, auch den Stern zu erklären. Der berühmte Astronom Kepler rechnete aus, dass im Jahr 747 ab urbe condita eine Constellation des Jupiter, Saturn und Mars mit noch einem hellen Fixstern stattgefunden habe. Allein es handelt sich hier nicht von einer Constellation, sondern von einem einzigen, neuen, wunderbaren Sterne, und dieser hat keine andere Symbolik, als der Führer durch die dunkle Nacht des Heidenthums zu seyn, der Hoffnungsstern im vollen Sinn des Wortes. Ich werde unter dem Art. Stern auf ihn zurückkommen.

Nach der Legende wurden die heiligen drei Könige in Persien vom Apostel Thomas bekehrt und starben als christliche Bischöfe bei einer Feier des Abendmahls. Ihre Leichen kamen aus Persien nach Constantinopel in die Sophienkirche, von da nach Mailand, von wo sie Erzbischof Reinald für Köln raubte. Nähere Nachrichten über die Reise der drei Leichen findet man in Mombritt, vita s. Eustorgii, weil der heilige Eustorgius sie nach Mailand brachte, und in Crombach, hist. trium regum. Vgl. Millin, Lombardei, deutsche Ausg. I. 180.

Erzbischof Reinald nahm 1163, als Friedrich Barbarossa Mailand zerstörte, die drei heiligen Leiber mit sich nach Köln, wo sie seitdem in einem kostbaren Reliquienkasten verwahrt sind. Man findet daran noch ihre Namen mit Rubinen geschrieben, die Kronen aber auf den heiligen Köpfen sind nicht mehr echt. Dennoch zählt man noch 1540 Edelsteine auf dem silbernen und vergoldeten Prachtdeckel und sehr viele Bildwerke. Vgl. Füssli, Städte am Mittel- und Niederrhein, 2te Ausg. S. 410. Kunstblatt 1820. Nr. 102.

In den Gestis Romanorum 47. steht die Legende von einem dänischen Könige, der nach Köln pilgerte und für die Häupter der drei Könige drei kostbare Kronen zurückliess. Als er nun wieder heimgekehrt war, erschienen ihm die [502] heiligen Könige im Traum und schenkten ihm als Gegengabe drei Büchsen, die eine voll vom Gold der Weisheit, die andere von der Myrrhe der Busse, die dritte vom Weihrauch der Demuth. Erwachend sah er die Könige nicht mehr, fand aber die drei Büchsen, und lebte noch 33 Jahre im Glück und Segen.

Von Wichtigkeit für die Symbolik ist das Jahresfest der heiligen drei Könige am 6. Januar, sonst auch das Erscheinungsfest oder Epiphania genannt, zugleich der Tauftag Jesu und der Tag der Hochzeit zu Cana. Es hat für die Natur die Bedeutung einer grossen Lichtfeier, weil es vierzehn Tage nach der Wintersonnwende fällt und das erste Wachsen des Tageslichts anzeigt. Seine sittliche und geschichtliche Bedeutung aber ist, dass es als das Stern- und Dreikönigsfest den Heiden das neue Licht, als Christi Tauffest den Juden die Taufe als Weihe zum neuen Glauben bringt, und dass es endlich als Fest der Weinverwandlung zu Cana das Abendmahl und den Opfertod des Heilandes vorbedeutet.

Das heilige Dreikönigsfest wurde früher in der katholischen Kirche auf eigenthümliche Weise begangen. In älteren Zeiten mussten an diesem Tage die Fürsten vor dem Altare Opfer darbringen. Aber um an diesem Tage recht viele Könige zu haben, erwählte jede Familie sich einen König durch's Loos einer in einen Kuchen gebackenen Bohne. Wer diese Bohne in seinem Antheil fand, war für diesen Tag König oder Bohnenkönig. Auch ging ein schöner Knabe im Gewand eines Engels durch die Strassen, einen Stern auf hohem Stabe tragend, und sang ein sogenanntes Dreikönigslied. Vgl. Purpurviolen II. 159.

In Bezug auf die Kirchenbilder, auf denen die drei Könige dem Kinde huldigend ihre Gaben bringen, ist zu bemerken, dass, je mehr ihre Pracht mit der Armuth der Krippe contrastirt, um so mehr göttliche Hoheit in dem Kinde und der Mutter ausgedrückt seyn soll. Nichts ist unwürdiger, als hier menschliche Gemeinheiten anzubringen, wie z. B. Rubens gethan, der das Kind neugierig und behaglich [503] mit der Hand in den Goldstücken wühlen lässt, die der alte König ihm hinreicht (auf dem berühmten Bild in Antwerpen). Auch ziemt es sich nicht, wie oft geschehen ist, historische Portraits aus späterer Zeit in den Königen anzubringen. Dadurch wird die Aufmerksamkeit von der heiligen Geschichte ab in die profane gelenkt.