« Kapitel A 3 Beschreibung des Oberamts Wangen Kapitel A 5 »
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IV. Wohnorte.

1. Orte.
A. Anzahl, Gattung, Areal.
Das Oberamt enthält 870 Wohnplätze. Darunter sind 2 Städte: Wangen und Isny; 1 Dorf mit Marktgerechtigkeit: Kißlegg; 7 Pfarrdörfer: Eglofs, Eisenharz, Friesenhofen, Niederwangen, Ratzenried, Rohrdorf und Immenried; 14 Pfarrweiler: Beuren, Christatzhofen, Enkenhofen, Deuchelried, Bolsternang, Roggenzell, Schwarzenbach, Menelzhofen, Pfärrich, Amtzell, Siggen, Hinznang, Einthürnenberg und Leupolz; 1 Dorf: Neuravensburg; 346 Weiler; das übrige sind Höfe und einzelne Wohnsitze, darunter 1 Schloß (Praßberg) und 18 Mühlen. Das Areal sämmtlicher Gebäude und Hofstätten beträgt 8504/8 Morgen. |
B. Größe und Beschaffenheit.

Geschlossene Ortschaften sind nur Wangen, Isny und Kißlegg. Die übrigen Orte, auch wenn sie das Prädikat von Dörfern und Weilern tragen, sind doch weitläuftig auseinander gebaut und bestehen meist aus einzelnen Höfen. Da der ganze Bezirk mit Ausnahme der beiden Städte und des Marktes Kißlegg vereinödet ist, das heißt, aus arrondirten geschlossenen Bauerngütern besteht, so wohnt bei weitem der größte Theil der Bauern auf isolirten Höfen im Umfang ihres Eigenthums oder Lehengutes. Diese Abgeschlossenheit der Güter ist in diesen Gegenden theilweise uralt, theilweise erst in neuern Zeiten, besonders nach den einladenden Vorgängen des Fürstenthums Kempten und den von Kaiser Joseph gegebenen Impulsen durchgeführt. Den letzten und neuesten Fall von Vereinödung bietet der Weiler Pfaffenweiler in der Gemeinde Pfärrich, vom Jahr 1831. – Außer Kißlegg, Immenried und Friesenhofen ist im ganzen Bezirke kein einziges Dorf, das über 200 Einwohner zählte.

2. Gebäude.
A. Anzahl und Gattung.

Die Zahl sämmtlicher Gebäude beträgt nach dem neuesten Kataster 4360. Darunter sind:

Haupt- und Wohngebäude   3004
Ökonomie- und Nebengebäude 1218
Zu öffentlichen Zwecken 138
Summe 4360

Steuerbar sind 4189, steuerfrei 171 Gebäude. Unter den Hauptgebäuden sind Schlösser 9, Pfarrhäuser 29. Unter den Gebäuden zu öffentlichen Zwecken sind Kirchen 31, Kapellen 65, Spitäler, Kranken- und Armenhäuser 8. Schulhäuser 16, Rathhäuser 2, und 1 Haus, das Rath- und Schulhaus zugleich ist.

Auf 1 Wohnhaus kommen im Durchschnitte 64/10 Menschen; in Isny 65/10, in Wangen nur 54/10. |
B. Bauart und Material.
Die Häuser in den beiden Städten und in Kißlegg sind entweder ganz aus Backsteinen gemauert, oder sie haben ausgemauerte und übertünchte Riegelwände. Dagegen sind die Wohnungen auf dem Lande fast durchgängig ganz von Holz aufgeführt. Die östlichen Gemeinden unterscheiden sich hierin auffallend von den westlicheren. In jenen ist noch die ächte Allgäuer Bauart vorherrschend, wie sie in der Gegend von Leutkirch beginnt, und im Vorarlbergischen, selbst noch in Tyrol und in einigen Gegenden der Schweiz gewöhnlich ist. So ärmlich diese Bauart ist, und so düster die schwarzgraue Farbe der hölzernen Außenwände, so ist doch die Form dieser Bauernhäuser keineswegs ungefällig; vielmehr steht das platte Dach (Landerndach genannt) zu dem Ganzen in einem recht zierlichen Verhältniß. Das ganze Haus ist gewöhnlich sammt dem Dach nur 20–30 F. hoch und einstockig. Die Wände bestehen aus sparsam und schlecht mit einander verbundenen Riegeln, welche nicht ausgemauert, sondern mit Brettern verschlagen sind. Nur diejenige Ecke des Hauses, in welchem sich die Wohnstube befindet, ist gewöhnlich gemauert. Die ganz flachen Dächer sind mit Brettchen oder groben Schindeln gedeckt, welche nicht auf Latten angenagelt, sondern bloß aufgelegt und mit gewichtigen Steinen beschwert sind. Sie stehen mehrere Fuß über die Häuser vor, so daß das Ganze die Struktur des italienischen Bauernhauses in Holz nachahmt. Die Wohnhäuser der westlichen und zum Theil nördlichen Bezirke sind geräumiger und meistens zweistockig; die Wandungen bestehen aus dicht auf einander gelegten Balken, die Dächer sind weniger flach und mit aufgenagelten Schindeln bedeckt. Strohdächer finden sich häufig gegen Ravensburg hin. Immer mehr aber werden diese althergebrachten Bauarten durch eine gleichförmigere neue, von der Rücksicht auf die Feuerpolizei gebotene verdrängt. Ziegeldächer und ausgemauerte Riegelwände werden daher auch auf dem Lande häufiger. |
C. Werth und Eigenthum der Gebäude.

Der Werth sämmtlicher steuerbaren und in der Brandversicherung liegenden Gebäude beträgt:

a. nach dem Kataster 2.038.575 fl.
b. nach dem Brandversicherungsanschlag 4.006.400 fl.
(vom 1. Juli 1839)

Es beträgt also der Werth eines Gebäudes im Durchschnitt nach a. 486 fl., nach b. 956 fl. Eigenthum des Staates sind nur 7 Gebäude; davon befinden sich 3 in der Oberamtsstadt, 2 in Roggenzell, 1 in Amtzell, 1 (mit 2 Nebengebäuden) in Kißlegg. Die Grundherren besitzen 72, die Körperschaften 171 Gebäude. Die übrigen sind Eigenthum der einzelnen Einwohner.