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Nußdorf,
Gemeinde III. Kl. mit 992 Einw., wor. 1 Kath. – Ev. Pfarrei; die Kath. sind nach Hohen-Asberg eingepfarrt.

Zwischen den Thälern des Kreuzbaches und des Strudelbaches liegt hoch (1247,5 w. F. über dem Meere) der weithin sichtbare große Ort, der mit seinen beiden Kirchen und dem am südlichen Ortsende gelegenen Schloß eine malerische Ansicht darbietet. Vermöge dieser hohen freien Lage ist das Klima etwas rauher als in den tieferen Gegenden des Bezirks, daher auch die Ernte um etwa acht Tage später eintritt, als in dem nur 5/4 Stunden nordöstlich gelegenen Vaihingen; dagegen zeigt auf dieser den Frühlingsfrösten und kalten Nebeln weniger ausgesetzten Höhe das Obst ein besseres Gedeihen als in den Thälern, überhaupt ist die Umgegend sehr fruchtbar, und außer den gewöhnlichen Culturgewächsen kommen feinere Obstsorten, Welschkorn, Gurken, Bohnen und die Rebe noch fort. Hagelschlag gehört zu den Seltenheiten, indem nicht nur der Ort selbst, sondern auch die östlich gelegene Hochschaid, Wetterscheiden bilden.

Das freundliche, ziemlich regelmäßig angelegte Dorf ist an einen leicht geneigten nördlichen Abhang hingebaut, und nur das Schloß wie die Gottesackerkirche zum heil. Kreuz stehen ganz auf der Anhöhe; die Ortsstraßen sind gekandelt und reinlich gehalten, wie überhaupt in neuerer Zeit unter der Verwaltung des dermaligen Schultheißen Vieles für die Verschönerung des Dorfs gethan wird, namentlich wurden im Jahr 1853 mehrere vor der Pfarrkirche | stehende Holzschöpfe und die hohe Kirchhofmauer abgebrochen, so daß nun die Kirche frei und etwas erhöht an der Hauptstraße steht.

Die Pfarrkirche zum heil. Martin wurde im Jahr 1643 von den Franzosen beinahe ganz abgebrannt und im Jahr 1670 wieder neu, aber styllos aufgebaut, nachdem zu deren Erbauung 309 fl. 51 kr. eingesammelt worden waren. Der Chor, welcher noch von der früheren Kirche übrig geblieben zu sein scheint, schließt mit einem halben Achteck und trägt noch mit seinen Strebepfeilern und seinen spitzbogigen, gefüllten Fenstern das Gepräge des spät germanischen Baustils. Das weißgetünchte Innere hat nichts Ansprechendes, und wurde in den Jahren 1834/35, um mehr Raum zu erhalten, verändert, namentlich ward der Triumphbogen, der von dem Langhause zu dem mit einem Netzgewölbe versehenen Chor führte, weiter ausgebrochen und die an demselben angebrachte Kanzel abgenommen, die neue Kanzel dagegen auf eine Säule frei in den Chor gestellt, was gerade nicht sehr kirchlich aussieht. Der an der Westseite stehende, 84’ hohe, viereckige Thurm, ist noch alt und trägt ein einfaches Zeltdach. Von dem Thurme genießt man eine sehr schöne und ausgebreitete Aussicht nicht nur über das Flachland, aus dem sich der Asberg erhebt, sondern auch in das Enz-Thal und an den Stromberg. Von den drei Glocken ist die größte 1782 und die mittlere 1650 gegossen worden; die kleinste ist sehr alt und trägt weder Schrift noch Zeichen. Die Baulast der Kirche hat die Stiftungspflege.

Die schon gedachte, am südlichen Ende des Orts hochgelegene Kirche zum heil. Kreuz ziert ein im rein germanischen Styl gehaltener Chor, der mit einem halben Achteck schließt und über den First des styllos veränderten Langhauses emporragt; der nicht hohe Thurm ist in seinem unteren Theile viereckig und geht gegen oben in ein Achteck über, das ein schlankes Zeltdach deckt. Das Innere des Langhauses hat außer einem Wandgemälde und zwei zu beiden Seiten des Triumphbogens angebrachten Baldachinen nichts Bemerkenswerthes; dagegen enthält der mit einem schönen Netzgewölbe gedeckte Chor einen seltenen Reichthum von Decke und Wandmalereien etwa aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, von denen sich an dem Gewölbe das Schweißtuch mit einem ausdrucksvollen Christuskopf, die vier Evangelisten, die Kreuzerhöhung etc. besonders auszeichnen; über dem Chorbogen ist das jüngste Gericht, und an der südlichen Wand die Lebensgeschichte Jesu in 26 Feldern gemalt. Diese der Erhaltung würdigen Reste älterer Kunst gehen ihrem Untergange täglich mehr entgegen, wenn dem bereits eingetretenen Verfall der Kirche nicht vorgebeugt wird. Unter dem | Chor befindet sich die Gruft der gräflichen (vergl. Rieth) und freiherrlichen Familien v. Reischach; von den auf dem Boden angebrachten Grabdenkmalen ist das eines Hans, Jacob v. Reischach, † 1591 (einen Ritter, der auf einem Löwen kniet, vorstellend) besonders bemerkenswerth. Um diese Kirche liegt der Begräbnißplatz, welcher gegenwärtig auf Kosten der Gemeinde mit einer neuen Mauer und einem im germanischen Geschmack gehaltenen Eingang versehen wird.

Zunächst der vorbeschriebenen Pfarrkirche stehen das von Seiten des Staats gut erhaltene Pfarrhaus, das 1808 von der Gemeinde erbaute und 1834 verbesserte Schulhaus und das Rathhaus.

Ein Gemeindebackhaus wurde im Jahr 1836 in dem unteren Stockwerke des Armenhauses eingerichtet, und seit 1810 bestehen zwei öffentliche Waschhäuser; eine früher dem Staat und den Herren v. Reischach gemeinschaftlich gehörige Kelter mit vier Bäumen hat die Gemeinde im Jahr 1835 käuflich an sich gebracht. Auch ist als Gemeindeeigenthum ein Schafhaus vorhanden.

Zur besonderen Zierde dient dem Dorf das den Freiherrn v. Reischach-Nußdorf gehörige Schloß, ein auf der Stelle der ehemaligen Ritterburg erbautes, ansehnliches Gebäude, das aus drei Stockwerken besteht und an dessen nördlicher Seite ein Thürmchen angebracht ist. Zwischen dem Schloß und den südlich stehenden Öconomiegebäuden liegt ein ansehnlicher Hofraum, in dem unter einer schönwüchsigen Linde Tisch und Sitze angebracht sind. An diesen Gebäudecomplex schließt sich der ausgedehnte, mit einer Mauer umfriedigte Schloßgarten.

Gutes Trinkwasser liefern fünf Pumpbrunnen, die übrigens in trockenen Sommern so sehr nachlassen, daß Wasser von Rieth und Iptingen geholt werden muß; auf den Fall von Feuersgefahr und zum Tränken des Viehs sind sechs Wetten angelegt.

Die Einwohner sind schön gewachsene, kräftige Leute, und unterscheiden sich in dieser Beziehung auffallend von den Thalbewohnern. Was ihren Charakter anbelangt, so zeigen sie Ordnungsliebe, Sinn für Religion, und sind als die fleißigsten im ganzen Bezirk bekannt; ihre Vermögensumstände sind daher auch ziemlich befriedigend, indem neben einzelnen Wohlhabenden der sog. Mittelstand vorherscht. Der bedeutendste Güterbesitz beträgt 40 Morgen, der gewöhnliche 8 Morgen, während die Zerstückelung des Grundeigenthums bis auf 1/4 und 1/8 Morgen, und namentlich bei den Baumgärten noch weiter geht. Die Hauptnahrungsquellen der Einwohner sind Feldbau, Viehzucht und Weinbau; einzelne sichern sich ihr Auskommen durch Taglohnarbeiten, während die | Gewerbe im Ort kaum den nöthigsten Bedürfnissen entsprechen. Etwa 1/2 Stunde nordwestlich vom Ort liegt am Kreuzbach die Sorgenmühle mit drei Mahlgängen und einem Gerbgang, und zunächst derselben eine Ölmühle.

Die ziemlich große Markung besteht, mit Ausnahme der rechten Thalgehänge gegen den Kreuzbach, aus einer welligen Hochebene, und hat im Allgemeinen einen fruchtbaren Diluviallehmboden, dessen Unterlage, die Mergel der Lettenkohlengruppe, zuweilen der Oberfläche sehr nahe kommen und einen etwas naßkalten Thonboden bilden. Die ergiebigsten Güter liegen zunächst am Ort, auf Birkuff, im Fischer und im Traitrog.

Die Landwirthschaft wird mit Umsicht sehr fleißig betrieben; landwirthschaftliche Neuerungen, wie der Brabanter- und Suppinger Pflug, die Walze, einfache Joche, zweckmäßige Düngerstätten mit Gülleneinrichtung etc. sind allgemein geworden, auch wird dem Boden eine kräftige, reichliche Düngung zu Theil, wozu die Laubnutzungen aus den Gemeindewaldungen Vieles beitragen; außer den gewöhnlichen Düngungsmitteln wird der Gyps bei dem Kleebau angewendet und der aus den Wetten ausgeschlagene Schlamm zu Compost benützt. Man baut hauptsächlich Dinkel und Hafer, in geringerer Ausdehnung Gerste, und nur ganz wenig Roggen und Einkorn. In der zu 3/4 angeblümten Brache sieht man, wegen der nicht hinreichenden Wiesen, hauptsächlich auf den Anbau von Futterkräutern (dreiblätterigem Klee und Luzerne); außer diesen baut man viel Hanf, welcher sehr gut gedeiht, Mohn, etwas Winterreps, Welschkorn, Zuckerrüben, und in größerer Ausdehnung Kraut (Spitzkohl). Bei einer Aussaat von 6 Simri Dinkel, 5 Simri Hafer und 2 Simri Einkorn, erhält man per Morgen einen durchschnittlichen Ertrag von 8 Scheffel, in günstigen Jahren und guten Feldern von 12–14 Scheffel Dinkel, 6 Scheffel Hafer und 3–4 Scheffel Gerste. Die höchsten Preise eines Morgens Acker betragen 5–600 fl., die mittleren 250 fl. und die geringsten 40 fl. Dinkel und Hafer wird in großer Ausdehnung theils an Bäcker aus Stuttgart und Ludwigsburg, theils an Händler im Ort abgegesetzt. Bei der nicht bedeutenden Wiesenfläche haben sich viele Bürger auf angrenzenden Markungen (Iptingen, Aurich, Enzweihingen, Rieth, Groß-Glattbach) Wiesen angekauft. Die durchgängig zweimähdigen Wiesen, deren Preise sich von 300–350 fl. bewegen, können größtentheils bewässert werden und ertragen durchschnittlich per Morgen 25 Centner Heu und 8–10 Centner Öhmd. Die sehr beträchtliche Obstzucht wird besonders in der Nähe des Dorfs stark betrieben, so daß dieses wie in einem Obstwäldchen versteckt liegt. | Es werden vorherrschend Luiken, Fleiner, Reinetten, Lederäpfel, Wöhrlesbirnen, Bratbirnen, und außer diesen noch Palmisch-, Knaus-, Sauerbirnen etc. gezogen. Zwetschgen wollen nicht gedeihen, dagegen kommt der Nußbaum freudig fort. Die Jungstämme werden theils aus der vorhandenen Gemeindebaumschule, theils aus den Weinbergen und auch von auswärts bezogen. Mit Obst wird ein beträchtlicher Handel in die Umgegend getrieben. Von ziemlicher Ausdehnung ist der Weinbau, und überdieß besitzen die Einwohner noch Weinberge auf der Markung Rieth. Man pflanzt Affenthaler, Silvaner, Gutedel, Elblinge, selten Trollinger. Der Wein, ein ziemlich dunkler Schiller, wird in günstigen Jahren angenehm, und eignet sich auf das Lager; ein Morgen erträgt durchschnittlich 4–5 Eimer, und die Preise eines Eimers waren in dem Jahr 1840 60 fl., 1847 18–22 fl., 1848 20 fl., 1849 20 fl., 1850 und 1851 wurde er nicht verkäuflich, und 1852 27–32 fl. Die Preise eines Morgens Weinberg bewegen sich von 100–400 fl.

Die Gemeinde besitzt 700 Morgen Waldungen, von denen etwa 60 Morgen mit Forchen bestockt sind, die übrigen aber als Mittelwaldungen, meist aus Eichen und Buchen bestehend, im dreißigjährigen Umtriebe bewirthschaftet werden. Von dem zu 138 Klafter und 5400 Stück Wellen angegebenen jährlichen Ertrag erhält jeder Bürger 10 Stück Wellen, das übrige Holz wird verkauft und sichert der Gemeinde eine Einnahme von 2000 fl. Eigentliche Weiden sind nur wenige vorhanden, sie werden nebst der Brach- und Stoppelweide zur Schäferei verliehen, welche der Gemeinde 250 fl. Pacht, und für die Pferchnutzung 400 fl. jährlich einträgt. Die Schafe sind sämmtlich Eigenthum des Schäfers, welcher die Wolle nach Kirchheim und den Abstoß der Schafe in das Badische zum Verkauf bringt. Die sehr beträchtliche, mit einer rothen Landrace sich beschäftigende Rindviehzucht wird durch drei Zuchtstiere nachgezüchtet, welche ein Bürger gegen jährliche 120 fl. und die Benützung eines kleinen Faselviehgutes unterhält. Mastung kommt wenig vor, dagegen ist der Handel mit Vieh, besonders mit Stieren, sehr beträchtlich. Auch die Zucht der Schweine ist nicht unbedeutend und läßt einen Verkauf an Ferkeln, wie an Mastschweinen, nach Außen zu. Von Geflügel werden hauptsächlich Gänse der Federn wegen gehalten; die Bienenzucht aber zeigt wegen der hohen Lage des Orts keinen guten Fortgang. Was die Fischerei betrifft, so führt der Kreuzbach, in welchem die Herren v. Reischach das Fischrecht haben, etwas Forellen.

Durch Vicinalstraßen nach Aurich, Rieth, Eberdingen, Weissach und Iptingen ist dem Ort sein Verkehr hinreichend gesichert; die | Entfernung zur nächstgelegenen Eisenbahnstation Sersheim beträgt zwei Stunden.

Über den Gemeinde- und Stiftungshaushalt s. Tabelle III. Obschon die Gemeinde jedes Jahr für die Stiftungspflege in’s Mittel zu treten hat, so ist doch der Gemeindehaushalt so geordnet, daß eine Gemeindeschadensumlage bis jetzt nicht nöthig wurde. Schulstiftungen sind zu Anschaffung von Büchern für unbemittelte Kinder vorhanden.

Das Ortswappen ist ein Nußzweig zwischen zwei sechsstrahligen Sternen.

Der Ort kommt erstmals vor um 1100, als allhier das Kloster Hirschau zwei Huben erkaufte (Cod. Hirsaug. 34b); späterhin erhielt dieses Kloster wiederholt hiesige Gütergeschenke (Cod. Hirsaug. 42a, 42b, 69a), und brachte auch 1410 und 1436 einige Güter an sich.

Von hiesigen Ortsadeligen treten auf um 1100 Untrost mit einem Sohne Luitfried (Cod. Hirsaug. 42a) u. a., um 1130 auch ein Nibelunc von N. (eb. 45a), im Jahr 1160 Konrad von N. (Nuzdorf, Wirt. Urkundenbuch 2, 133). Später erscheinen begütert die Herren von Roßwaag. Petrissa, Otto’s von Roßwaag Wittwe, verkaufte dem Kloster Maulbronn den 29. Sept. 1283 Güter allhier, welche früher Heinrich von Aurich besaß, für 10 Pfund Heller mit Willen ihres Sohnes Otto.

Durch Elisabeth, eine Roßwaag’sche Erbtochter, kamen die hiesigen Roßwaag’schen Besitzungen in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts an Hans von Remchingen, welcher 1362 und darauf auch Hans von Nußdorf heißt. Von Sigmund von Remchingen erkaufte das Kloster Rechentshofen 1/8 Zehnten in Nußdorf im Jahr 1435 für 500 fl. Sonst waren die von Bernhausen und von Lomersheim hier begütert. Elisabeth von Urbach, Wittwe Ernsts von Cröwelsau, hatte einen Antheil am Großzehnten, welchen sie dem Kloster Mönchsroth (im Oettingischen) für 135 fl. rheinisch verkaufte (St. A. Kloster Hirschau). Einen Antheil am Ort hatten auch die Truchsessen von Höfingen. Hans Truchseß von Höfingen erkaufte im Jahr 1375 von Wilhelm von Hornberg dessen hiesigen Antheil. Den 25. Jan. 1426 erhielt bei der Theilung mit seinen Brüdern Hans und Burkard, der Domprobst in Augsburg, Heinrich Truchseß von Höfingen, Güter in N. (seine Brüder Güter in Vaihingen, Rieth und Ober-Riexingen), verkaufte aber schon am 2. Febr. d. J. sein ganzes Erbe an seine Brüder. Diese verpfändeten am 14. Dez. 1433 für 100 fl. ihren Antheil an N. dem Kloster Hirschau und lösten ihn nicht wieder ein. Genanntes | Kloster veräußerte übrigens bereits im Jahr 1468 diesen Theil wieder an Hans v. Reischach.

Württemberg erhielt die Ober- und Lehensherrschaft in N. mit der Grafschaft Vaihingen. Graf Eberhard der Greiner kaufte von Hans von Remchingen 1392 sein 1/6 des Dorfes für 200 fl. in Gold, der herzogl. württembergische Kirchenrath im Jahr 1768 Güter und Gefälle und Rechte von den von Leutrum, und im Jahr 1773 die herzogl. Rentkammer die Allodialgüter der Oberjägermeisterin v. Reischach zu Darmstadt.

Im Jahr 1639 ertheilte Herzog Eberhard III. an Johann Jacob v. Reischach, wegen siebzehnjähriger getreuer Dienste als geheimer Regimentsrath, seiner Leiden in der Gefangenschaft, und der eifrigen Bemühungen um Wiedereinsetzung in das Herzogthum, zu dem früheren hiesigen Besitz der Reischach’schen Familie hin noch 1/3 von N. als Mannslehen für ihn und seine Nachkommen. Würtemberg behielt aber die hohe Jurisdiction über den ganzen Ort. An der niederen Jurisdiction war, bis die neuere Zeit sie ganz an Württemberg brachte, diesem Hause , und den Herren v. Reischach zuständig, von welchen letzteren 26/78 königlich württembergische Lehen und daran 13/78 Antheil der Nußdorfer, und 13/78 Antheil der Riether Linie, die übrigen Theile aber Eigenthum dieser beiden Linien waren (Staatshandbuch auf 1807 und 1808). Die Einwohner waren zwischen Württemberg und von Reischach den Häusern nach abgetheilt; doch hatten beide Theile freien Zug gegen einander. Um 1800 waren hier 818 württembergische, 69 reischach’sche Unterthanen. Der reischach’sche Antheil steuerte zum Ritterkanton Neckar. Es waren in früheren Zeiten immer zwei Schultheißen im Ort, der eine für Württemberg, der andere für die v. Reischach’sche Familie, und es blieb so bis zum Jahr 1808, von welcher Zeit an nur Ein Schultheiß hier ist und zwar für Württemberg.

Das Patronatrecht über die hiesige Kirche wurde um 1130 von einem gewissen Eberhard von edler freier Geburt, welcher sie mit anderen Besitzungen von seinem Vater ererbt hatte, dem Kloster Hirschau vergabt. Dieses Kloster erhielt den 3. Juli 1395 von Pabst Bonifacius IX. Erlaubniß zur Incorporirung der Pfarrei, und am 27. August 1397 vollzog der Bischof von Constanz dieselbe. Im 15. Jahrhundert bestund neben der Pfarrei, für welche bei der Incorporirung die Congrua vorbehalten werden mußte, | eine Frühmesserei und eine Caplanei zur heil. Dreifaltigkeit. Von Hirschau kam das Patronat an die Herrschaft Württemberg, wie solches auch heutzutage der Krone zusteht.

Gefällberechtigt waren zur Zeit der Ablösungsgesetze von 1848/49 und erhielten in Folge der Vollziehung derselben an Ablösungs-Capitalien für Zehnten: die Finanzverwaltung 34.783 fl. 5 kr., die Pfarrei 21.200 fl.; für andere Gefälle: die Gutsherrschaft 268 fl. 55 kr., und die Gemeinde Nußdorf 132 fl. 32 kr.


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