Beschreibung des Oberamts Riedlingen/Kapitel B 13

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13. Dürmentingen mit dem Fasanenhof und Seelenhof.
a. Dürmentingen, ein kath. Pfarrdorf an der Kanzach und der Buchauer Poststraße, 11/2 St. von Riedlingen,| mit 624 Einw. C. A. Heiligkreuzthal; F. Tax. Standesherrschaft, F. Amtsbezirk Buchau, F. V. Sießen, Sitz eines Rentamts und Revierförsters. Das Patronat ist landesfürstlich; die Zehnten bezieht die Pfarrey, von 115 M. Taxis.

Gefälle beziehen: Staat 1 fl. 21 kr. Taxis 624 fl. 24 kr. und 23 Sch. Kernen und Mühlfrucht; Pfarrey 8 fl. Heilige 26 fl. 11 kr., 306/8 Sch. D. 92/8 Sch. H. 2 Sch. R. und 92/8 Sch. Gerste. Dazu kommen Landgarbengefälle des Fürsten mit 2075 fl. 26 kr., der Pfarrey 90 fl. 32 kr.. Auch bezieht der Staat 7 Sch. Roggen Vogtrecht von Pfarrer und 2 Bauern und andere kleine Gefälle.

Dürmentingen liegt an beyden Wänden des, hier ziemlich tief eingeschnittenen, Kanzachthals. Der Ort hat eine schöne, i. J. 1806 neu gebaute Pfarrkirche mit einer sehr gut stehenden Heiligenpflege. Vor dem Orte, auf der Höhe, bey dem Gottesacker, steht auch noch eine ansehnliche Kapelle, mit einem Meßnerhause, die Loretto-Kapelle, wohin die Straße mit kleinen Kapellen (Stationen) und einer Pappelallee besezt ist. Die Kapelle hat einen Fond von 12.000 fl. In die Pfarrey gehören Burgau, der Fasanenhof und die Wolfartsmühle, und früher waren auch noch Seelenhof, Bischmannshausen und Göffingen eingepfarrt. Das Patronat besaß, von der Reichenau her, Constanz, mit diesem kam es an Baden und durch Ausgleichung 1807 an Würtemberg.

Der Ort hat 2 Schildw., 1 bedeutende Brauerey, 1 Ziegelhütte, 1 Mahlmühle mit 4 G., 1 Sägmühle und 2 Gypsmühlen. Unter andern Stiftungen befindet sich auch ein Armenhaus, ehemaliges Leprosenhaus, bey dem Orte.

Dürmentingen war vormals eine unmittelbare Reichsherrschaft, wozu das Dorf mit ungefähr 130 Mg. eigenthümlichen Gütern, der Fasanenhof, Seelenhof und Buchay gehörten. Die Herrschaft war Östr. und ist jezt Würt. Lehen. Als besondere Vogtey kommt Dürmentingen schon in der Urkunde K. Karls d. Gr. v. J. 811 unter den Schenkungen Eginons an die Reichenau vor, S. 8; eine Schenkung die durch den nachherigen Besitzstand des Klosters bestätigt wird.| Später erscheint D. in der Urkunde K. Ottos I. v. J. 961 mit einzelnen Gütern als Tauschgegenstand zwischen dem Kloster Schwarzach und dem Bischof von Chur. S. 10. Es wird bey dieser Gelegenheit zum Ertgau gerechnet, und noch in späterer Zeit übte die Grafschaft Friedberg, welche aus jenem Gau hervorging, die landeshoheitlichen Rechte über die Vogtey D. aus. Im 13ten Jahrhundert findet man D. wie Friedberg und die Güter um den Bussen, im Besitze der Grafen von Nellenburg und Veringen und von leztern (nach dem lat. Verzeichnisse der östr. Besitzungen von 1292, von Graf Heinrich von Veringen) wird es mit jenen Gütern 1291 an Östreich verkauft. Östreich verpfändete Dürmentingen an Graf Ruedi von Sulz. Von diesem kam die Pfandschaft an den Truchsessen Hans von Waldburg, wurde dann in den großen Pfandbrief von 1406 aufgenommen und endlich 1680 in eine ewige Mannsinhabung verwandelt. S. Bussen. Es erscheint dabey immer als eigene Vogtey. Der Umfang und die Rechte dieser Vogtey sind in einer Dürmentinger Urkunde von 1407 also bezeichnet: „grenzend an die Vogtey Bussen und sich erstreckend bis Riedlingen; inner derselben liegen Burgau und Heudorf, deren Besitzer von Gundelfingen und von Stein Vogtrecht inner dem Etter beyder Orte üben; hohe Gewalt aber, Raiße, Folge, auch Wildbann zur Grafschaft Friedberg gehören.“

Nach dem Östr. Pfandschaftsrodel von 1313 geniest Ludwig von Hornstein für die lehenbare Burghut auf dem Bussen (omne bladum) alle Fruchtgefälle, mit wenigen Ausnahmen zu D. und noch 1444 besitzen die von Hornstein bedeutende Güter daselbst. Dem Kloster Reichenau hingegen war um diese Zeit nur noch Kirche und Kirchensatz übrig geblieben.

Die Hornsteinischen Güter hatte schon der Truchseß Eberhard 1444 und 1445 für 1100 und wieder 150 fl. erkauft. Es befand sich darunter auch ein Haus, neben dem Rentamte, worin einige Truchsessen ihren Wohnsitz hatten. Von den Truchsessen wurde 1673 auch ein Oberamt zu D. errichtet,| das gegenüber von dem Oberamte Scheer die sogenannte untere Grafschaft Friedberg mit der Herrschaft Bussen umfaßte. Von dieser Zeit an erscheint auch Dürmentingen immer als unmittelbare Reichsherrschaft, während die Herrschaft Bussen unter Östr. Landeshoheit blieb. 1786 wurde es mit der Grafschaft Friedberg und dem Bussen an das F. Haus Thurn und Taxis verkauft. S. 16. In den Zwiefalter Annalen kommt beym Jahr 1132 auch eine Mechtildis de Dirmetingen, Schwester der Edlen von Sunderbuch vor. Eine halbe Stunde südlich von D. stand in dem dortigen Tannenwalde ein Truchsessisches Jagdschloß, später ein Vergnügungsplatz für die Umgegend, das 1818 abgebrochen wurde.

b. Der Fasanenhof ist ein F. Taxissches Gut mit 5 Einw. 1/4 St. von Dürmentingen, das verpachtet ist. Den Zehnten bezieht die Pfarrey D. Das Gut dankt seine Anlage den Truchsessen, und der Name drückt die ursprüngliche Bestimmung aus.

c. Seelenhof, ein Filial von Kanzach; der Ort besteht aus 2 F. Taxisschen Lehenhöfen und dem Wohnsitz eines F. Revierförsters mit 11 k. Einwohnern. Amtsverhältnisse wie bey Dürmentingen. Die Zehnten bezieht die Pfarrey.

Gefälle bezieht der Fürst 47 fl. 42 kr., dazu Landgarbengefälle mit 291 fl. 42 kr., wovon aber wieder ungefähr 66 fl. an Gegenleistungen gehen.

Der Ort liegt an dem Federseeriede und es gehört das große Seelenhofer Torfried mit einem herrschaftl. Torfstiche dazu. S. 64. Seelenhof machte immer einen Bestandtheil der Herrschaft Dürmentingen aus und war bis 1815 auch nach D. eingepfarrt.