Beschreibung des Oberamts Neuenbürg/Kapitel B 24

« Kapitel B 23 Beschreibung des Oberamts Neuenbürg Kapitel B 25 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
Ober-Lengenhardt,
Gemeinde III. Kl. mit 278 Einw.; Filialdorf von Schömberg.


Auf der Hochebene zwischen dem Enz- und Nagoldthale ist der 1/4 Stunde lange, weitläufige Ort an einer weit ausgerundeten, wiesenreichen Mulde (Anfang des Längenbachthals) amphitheatralisch hingebaut und gestattet eine schöne Aussicht an die Alp, in die untere Enzgegend, an den Stromberg, in das Strohgäu, in die Gegend von Böblingen etc. Das reinlich gehaltene Dorf bietet mit seinen meist ansehnlichen, Schindelbedeckten Wohnungen einen freundlichen Anblick, der durch die bis an die Häuser reichenden frischen Wiesengründe, wie durch die im Rücken des Orts sich anlehnenden Baumgärten noch erhöht wird.

Das gut erhaltene Schulhaus enthält außer dem Lehrzimmer noch die Wohnung des Schulmeisters und ein Zimmer für den Gemeinderath. Das Trinkwasser fließt in ganz trockenen Sommern nur spärlich, so daß die Einwohner genöthigt sind, das Wasser auswärts an dem Ursprung des Längenbachs zu holen. Die Einwohner, deren Vermögensumstände zu den geringen gehören, suchen sich ihr Auskommen durch Feldbau, Viehzucht und Arbeiten in den Waldungen zu sichern, während die Gewerbe, mit Ausnahme einer Schildwirthschaft, sich nur auf die gewöhnlichsten Handwerker beschränken. Bei einer Aussaat von 7 Sri. Hafer und 6 Sri. Roggen beträgt der durchschnittliche Ertrag 4–5 Scheffel Hafer und 3–4 Scheffel Roggen pr. Morgen. Obstbäume sind zahlreich vorhanden, liefern aber selten reichlichen Ertrag und überdieß nur ein rauhes Obst. Die Markung ist klein und größtentheils mit Waldungen bestockt. Im Übrigen sind sämmtliche Verhältnisse dieselben, wie in dem Mutterort Schömberg.

| Zunächst am Ort führt die Vicinalstraße von Schömberg nach Liebenzell vorüber. Die Entfernung von der nordwestlich gelegenen Oberamtsstadt beträgt 21/2 Stunden, und die von dem Mutterort 1/4 Stunde.

Die Gemeinde bezieht 2/12 von 170 fl. der jährlichen Kirchspiels-Einkünfte und besitzt etwa 300 Morgen Waldungen.

Über die übrigen Vermögensverhältnisse der Gemeinde- und Stiftungspflege s. Tabelle III.

An Württemberg kam Ober-Lengenhardt im J. 1603 mit Liebenzell.

« Kapitel B 23 Beschreibung des Oberamts Neuenbürg Kapitel B 25 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).