Beschreibung des Oberamts Neresheim/Kapitel B 33

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Utzmemmingen,
mit Altenbürg, Hof, und Ringles-Mühle, Haus.
Gemeinde III. Kl. mit 599 Einw., wor. 25 Ev. – Kath. Pfarrei; die Ev. sind nach Trochtelfingen eingepfarrt. 3 Stunden nordöstlich von der Oberamtsstadt gelegen.

In dem flachen Rohrbach-Thälchen hat der langgedehnte, unregelmäßig und weitläufig angelegte Ort eine stille, etwas abgeschiedene Lage; ein Theil desselben ist an den östlich sich erhebenden Riegelberg hinangebaut; Obstgärten umgeben den anmuthigen Ort. Die meist einstockigen, weiß getünchten Häuser, an denen vor oder neben häufig kleine Gärtchen liegen, sind freundlich, namentlich die 12 nach dem Brand im Jahr 1862 wieder neu aufgebauten; mit Ausnahme einiger Strohdächer besteht die Bedachung aus Ziegelplatten. Die Ortsstraßen sind in gutem Zustande und die Düngerstätten vor den Stallungen zweckmäßig angelegt. Der Riegelberg bietet sehr liebliche Aussichten in das Ries, sowie in das stillschöne waldige Rohrbachthal hinein.

| Die dem hl. Martin und hl. Sebastian geweihte Kirche steht erhöht im ummauerten Friedhof an der nordwestlichen Seite des Riegelberges mit schöner Aussicht in’s freundliche Egerthal; sie ist im Rococostil erbaut und wurde den 10. Oktober 1743 eingeweiht. Der Aufgang zur Kirche ist mit Linden besetzt. Das hübsche mit Stukaturen und großen Fresken geschmückte Innere hat im Schiff eine flache, im vieleckig schließenden Chor eine etwas gewölbte Decke und besitzt drei tüchtige Zopfaltäre, sowie mehrere Grabdenkmale: die schöne marmorne Grabplatte eines Wilhelm von Wöllwart, † 27. Februar 1592 zu Utzmemmingen. Dann ein Grabplättchen: Anno d. 1620 den 14. October starb das wol Edel und Tugentreich Jungfräulein Maria Anna, geborne von Diemantstein. ihres alters 19 tag. – Anno d. 1621 den 7. Februari starb das wol Edel Kneblein Johann Carle von Diemantstein, seines alters 51/2 Jar 19 tag. Gott welle den beden selen ain freliche urstendt verleihen. Amen. Dann sind noch zu nennen der Grabstein eines Pfarrers von Utzmemmingen, David Baur. † 1711, und der des Johann Peter von Jahnstein, des Schwäbischen Krayses Obrist Lieutenant. Die siebenregistrige Orgel wurde 1761 um 250 fl. angeschafft. Auch außen an der Kirche finden sich Grabsteine, des Liborius Eberle, Rittmeisters, † 2. August 1669, und des Johann Wanner, gräflich Fugger’schen Pflegers zu Niederalfingen, † 23. Dezember 1675. Der südlich am Chor stehende, mit einer großen schwarzen Zwiebelkuppel bedeckte Thurm enthält drei Glocken, wovon zwei aus dem vorigen Jahrhundert stammen und die Umschrift haben: Semper Jesus Maria et Joseph. An seinem ersten Geschoß ist ein gothischer, mit einem Bildwerk verzierter Schlußstein, der sich in der früheren Kirche befand, eingemauert. Die Unterhaltung der Kirche ruht auf der Gemeinde.

Das zweistockige, schon alte Pfarrhaus mit einem Ökonomiegebäude und geschlossenem Hofraum liegt freundlich am Fuß des Riegelbergs; die Unterhaltung desselben hat der Staat.

Das ehemalige Jahnstein’sche Schloß erkaufte die Gemeinde im Jahr 1839 und ließ es als Schulhaus einrichten und im Jahr 1856 mit einem Aufwand von 1047 fl. 39 kr. wesentlich erweitern und verbessern, es enthält ein Lehrzimmer, die Wohnung des Schulmeisters und die Gelasse für den Gemeinderath.

Außer diesem ehemaligen Schlößchen besteht noch am südöstlichen Ende des Orts das ehemalige Vohenstein’sche, jetzt dem Fürsten von Oettingen-Wallerstein gehörige Schloß (Wasserschloß); es gleicht mehr einem gewöhnlichen Bauernhaus und ist gegenwärtig von einem fürstlich Wallerstein’schen Forstwart bewohnt. Endlich das Pfeffer’sche Schloß im unteren Dorf, ehemals mit einer Mauer umgeben, jetzt Eigenthum des Gastgebers Lautenbacher. Im Ort hat ein nördlingen’scher Stiftungsförster seinen Sitz.

| Gutes Trinkwasser liefern hinreichend ein laufender und gegen 30 Schöpf- und Pumpbrunnen. Überdieß fließt der Rohrbach oder Röhrbach mitten durch das Dorf und nimmt daselbst den von Altenbürg herkommenden Maienbach auf. In der Nähe des Orts lagen zwei, nun in Wiesengrund umgewandelte Weiher; von einem derselben konnte der um das Vohenstein’sche Schloß gehende Graben mit Wasser gespeist werden; der Ort ist öfters Überschwemmungen ausgesetzt.

Durch Vicinalstraßen nach Nehermemmingen und Herdtfeldhausen ist der Ort mit der Umgegend in Verbindung gesetzt; die Entfernung bis zur nächst gelegenen Eisenbahnstation Pflaumloch beträgt 1/2 Stunde.

Die meist kräftigen, wohlgewachsenen Einwohner, deren Haupterwerbsquelle in Feldbau und Viehzucht besteht, befinden sich in mittelmäßigen Vermögensverhältnissen; mit Ausnahme des Fürsten von Wallerstein, der etwa 133 Morgen zerstreut liegende Güter hier besitzt, beträgt das Grundeigenthum des vermöglichsten Ortsbürgers etwa 75 Morgen, das des sog. Mittelmannes 20–30 Morgen und das der unbemittelteren Klasse 2–4 Morgen; einzelne haben gar keinen Grundbesitz und die Gemeinde verwendet etwa 300 fl. jährlich für Armenunterstützungen. Außer den gewöhnlichen, meist den örtlichen Bedürfnissen dienenden Gewerben bestehen zwei Schildwirthschaften, worunter eine mit Bierbrauerei, ein Kramladen und mehrere Kleinhändler, ferner im Ort drei Mühlen, je mit zwei Mahlgängen und einem Gerbgang, eine Ölmühle, außerhalb des Orts die Ringlesmühle mit zwei Mahlgängen und einem Gerbgang, und eine Ölmühle.

Die mittelgroße Markung, welche gegen Norden und Osten an das Königreich Bayern grenzt, dient zum weit größeren Theil dem Waldbau; der für den Feldbau benützte Theil hat eine ziemlich ebene, theilweise etwas hügelige Lage und im allgemeinen einen fruchtbaren Boden, der theils aus Lehm, theils aus den Zersetzungen des Süßwasserkalks, des weißen Jura und weniger des braunen Jura besteht. Bei Altenbürg ist ein großartiger Steinbruch im Trachyt angelegt, aus dem die Steine bis nach Ulm geliefert wurden. Die klimatischen Verhältnisse sind ziemlich günstig und nähern sich denen des Rieses; Hagelschlag, jedoch kein vollständiger, kommt öfters vor.

Die Landwirthschaft, welche sich in neuerer Zeit sehr gehoben hat, wird recht gut getrieben; man baut die gewöhnlichen Cerealien und an Brachgewächsen Kartoffeln, Futterkräuter, Ackerbohnen, weiße Rüben, Wicken, Erbsen, Linsen, viel Flachs und wenig Hanf. Von dem Getreideerzeugniß wird sehr viel auf der Schranne in Nördlingen abgesetzt. Der Wiesenbau ist ausgedehnt, aber zum großen Theil in Händen auswärtiger Besitzer, daher noch Futter zugekauft werden muß, das Futter ist größtentheils sehr gut, nur einige sumpfige Stellen liefern sog. saures Futter.

Die Obstzucht beschränkt sich hauptsächlich auf die um das Ort | gelegenen Baumgärten; man pflegt vorzugswelse Mostäpfel (Luiken), weniger Birnen und ziemlich viel Zwetschgen. Vom Obstertrag wird ein Theil nach außen abgesetzt, dagegen ebensoviel von außen eingeführt.

Die eigentliche, wie auch die Brach- und Stoppelweide wird an einen fremden Schäfer, der 400 Bastarde laufen läßt, um 450 fl. verpachtet; der Pferch trägt der Gemeinde nur 50 fl. ein, weil 95 Bürger pferchberechtigt sind.

Neben unbedeutender Pferdezucht ist die Rindviehzucht sehr namhaft und gut; ein brauner Landschlag mit Simmenthaler Kreuzung wird gehalten und zur Nachzucht sind zwei Farren (einer von Simmenthaler- und einer von der Landrace) aufgestellt; mit Vieh wird ein beträchtlicher Handel auf benachbarten Märkten und an Juden getrieben. Herbstaustrieb findet noch statt. Von Geflügel werden sehr viele Gänse (etwa 500 Stück) auf den Handel gezogen.

Die Gemeinde besitzt 73 Morgen Waldungen, deren jährlicher Ertrag um 3–400 fl. verkauft und zu Gemeindezwecken verwendet wird. Gemeindegüter tragen etwa 20 fl. ein. Armenstiftungen sind 316 vorhanden.

Auf der 1/4 Stunde südöstlich vom Ort, zunächst der Landesgrenze gelegenen Flur „Ofnet“ stand ein römischer Wohnplatz, von dem man vor 4 Jahren Grundmauern aufgefunden hat; noch jetzt findet man daselbst Bruchstücke von römischen Ziegeln und Gefässen, worunter von der bekannten Siegelerde. Auch an anderen Stellen will man unterirdisches Gemäuer gefunden haben, überdieß besteht die Sage, daß bei Utzmemmingen eine Stadt gewesen sei und schon 1280 wird die alte Stadt genannt. Die sog. alte Straße, die vermuthlich schon von den Römern angelegt wurde, führt von Herdtfeldhausen herab nach Utzmemmingen und weiter nach Nördlingen. Eine halbe Stunde südwestlich vom Ort soll auf der Anhöhe die Ruitersburg gestanden sein.

Die Geschichte dieses Dorfes zu schreiben, hat seine besondere Schwierigkeit, weniger weil es ganz in der Nähe ein zweites Memmingen giebt, das jetzt sog. Nähermemmingen; denn dieser Ort heißt in den ältern Urkunden einfach Memingen, während Utzmemmingen von Anfang an diesen Namen führt; sondern weil es zwei Utzmemmingen gab, so nahe beisammen, daß es häufig kaum oder gar nicht möglich ist, herauszufinden, welches von beiden gemeint ist. Das heutige Utzwingen nämlich (bayerisch) hieß einst auch Utzmemmingen und nur selten wird es unterschieden als Utzmemmingen „hinter Maihingen“ von unserem Utzmemmingen „bei Nördlingen“. Nun kommt noch dazu, daß Utzmemmingen in ungewöhnlich vielen Urkunden des 14. Jahrhunderts erwähnt wird, was die Vermuthung bestärkt, es dürften wohl zwei Orte dahinter stecken und die vielen in Utzmemmingen angesessenen und begüterten Familien zwischen beiden zu vertheilen sein. Vorderhand ist uns über Utzwingen nur soviel bekannt, | daß die Herren von Ellrichshausen späterhin das dortige Rittergut besessen haben; ihr Utzmemmingen wird also jederzeit Utzwingen sein.

Außerdem wird es am sichersten sein, auf die Gefahr einer Verwechslung hin, doch die Erwähnungen Utzmemmingens möglichst vollständig zu geben und um so mehr, weil nach örtlichen Überlieferungen einst fünf adliche Häuser sollen in unserem Utzmemmingen gewesen sein, von denen es im vorigen Jahrhundert heißt, vier seien noch zu sehen, ein fünftes sei ein Bauernhaus geworden; in Urkunden ist namentlich der Burgstal und das Schlößchen zu unterscheiden. In den Karolingerzeiten schenkte eine Bilihild im Riesgau Güter in Utzmanigen an’s Kl. Fulda, und es waren auch später noch zwei Güter fuldaisch Lehen. Im 12. Jahrhundert hat ein nobilis vir de Ozzemaningen eine Schenkung an’s Kl. Berchtesgaden gemacht, gleichwie damals auch ein Herr von Fronhofen a. d. Kessel (vgl. Frickingen). Im 13. Jahrhundert kommen vor 1246 Berengerus und 1257 Conradus de Uzmemingen und eine Adelheid von Utzmemmingen war 1280–90 Äbtissin zu Maria Medingen.

Die wichtigsten Grundherrn und Oberherren des Orts waren die Grafen von Oettingen, welche selbst mancherlei Güter verschenkten oder lehensherrlichen Consens gaben und die hohe Obrigkeit handhabten. Mitbegütert waren auch die edlen Herren von Hürnheim-Katzenstein, welche 1342, 51, 63, 66 allerlei Güterstücke verkauften.

Von ritterlichen Familien sind in der ältern Zeit vornehmlich patricische Familien von Nördlingen in Utzmemmingen begütert gewesen, und zwar erscheint zuerst ein Conradus dcts Lanchwaten, welcher bona sua in villa Ucemamingen an’s Kl. Medingen 1280 verkaufte; an’s Kl. Zimmern verkaufte wieder ein Conrad Lancwart Güter 1319 und Heinrich Langwarter machte 1373 sein castrum Uzm. den Grafen von Oettingen zum offenen Haus, nachdem ihm erlaubt worden war, einen Zwinger um seine Behausung zu führen. Noch 1410 besaß ein Jörg Lankquater Güter in Utzmemmingen.

Ein Otto dictus Verg de Utzm. verkaufte 1304 Güter bei Utzmemmingen und Holheim an’s Kl. Zimmern; ein Heinz der Verg zu Utzmemmingen lebte 1379, und da Luitgard die Vergin 1355 Gemahlin Sifrids von Vinningen gewesen ist, so waren wohl dieser Sifrid oder Sitz von Finingen oder „der Finninger zu Utzmemmingen gesessen“ 1356–62 Besitznachfolger der Verge.

Um 1343 besaß ein Hermann von Schmahingen eine Veste in Utzmemmingen und 1361 kommen vor: die erbaren Manne Cunrat von Segelawe und Sifrid von Vienningen, beide zu Utzmemmingen gesessen. Auch ein Hug von Segla gen., zu Utzmemmingen ges., kommt 1369 vor, der mit Willen seiner Brüder Chunrad und Hans seine Wiese bei der Kappelwiese an das Kl. Kirchheim verkaufte mit Genehmigung seines gnädigen Herrn Herdegen von Katzenstein.

| Ein Herr Wernher der Riesser von Utzmemmingen zeugte 1324 und da seine Wittwe vermählt war mit Conrad Gußregen, gen. von Reimlingen, so mag dieser seine Besitzungen in Utzmemmingen (1357, 65 . . verkaufte er Wiese und Zehenten in Utzmemmingen) durch diese Heirat gewonnen haben. 1375 soll er ein Lehen mit Graben, Garten, Theil am Zehenten, das Dorfgericht, Hirtenlehen, Badstube, Tafern, 14 Selden, 1 Mühle u. s. w. um 1600 Pfd. Heller an Anna, Hermanns von Burgau Gemahlin, verkauft haben. Da diese nicht wieder vorkommt, so mußte dieses Gut bald in andere Hände gekommen sein, etwa in die des Marschalls Engelhard von Donnersberg, welchem die Oettingen 1404 den Burgstal zu Utzmemmingen hinter Nördlingen verliehen, trägersweise für seine Hausfrau. Der gen. Marschall verkaufte den Burgstal an Oettingen 1412 samt andern Gütern; denn 1412 wurden von einem Landgericht zur Nürnberg einem Gläubiger die Güter, welche Graf Friedrich in Utzmemmingen, Harburg und Brachstadt von Engelhard Marschall gekauft hatte, zugesprochen als Nutzgewähr für 1000 Mark Silbers.

Ein Rudolf von Gundelsheim verkaufte 1335 Güter in Utzmemmingen um 93 Pfd. an’s Kl. Zimmern. 1345 und 48 erscheint Fritz der Elchinger, zu Utzmemmingen gesessen, der etliche Güterstücke verkaufte, worunter ein Baumgarten, „der seiner Mutter war.“ Des Fritz Elchingers Wittwe und Sohn, Peter, handelten 1351 und eine Margarethe von Elchingen legirte dem Kl. Christgarten 1390 Äcker im Pflaumlocher Feld. 1345. 48. kommt ein Chunrat der Zürter von Utzmemmingen vor, ein Ulrich der Zürter zu Utzmemmingen 1359 und 64 und 1386 wieder Conrad Zürter, gesessen zu Utzmemmingen, dessen Besitzungen theilweise öttingisch Lehen waren. Ein Heinrich oder Heinz von Blintheim, ges. zu Utzmemmingen, erscheint 1351. 59 und Seitz von Plintheim (Sifrit Blintheimer) zu Utzmemmingen 1373 und 75. – Rul und Sifrid von Eglingen verkauften 1369 einen Hof in Utzmemmingen an Oettingen und 1389 vergleicht sich des jüngern Hans Hanen (von Bopfingen) Weib wegen eines Lehen zu Utzmemmingen mit den Grafen. 1420 erscheint Hans Althaymer zu Utzmemmingen und 1456 hatten die Erben Anton Frickingen – Wilhelm von Jagstheim und Diemar I. von Roden, auch Güter in Utzmemmingen bekommen; Diemars II. Wittwe, Veronika von Schechingen, mit ihrem zweiten Mann, Philipp von Heuchelheim, verkaufte noch 1495 ein Seldgut in Utzmemmingen an Oettingen. Einen Unterthanen und Gülten in Utzmemmingen hatten auch die Schenken von Schenkenstein im ganzen 16. Jahrhundert und Rudolf Hack (s. Trochtelfingen) wurde 1493 mit einem Gute in Utzmemmingen belehnt.

Der Sohn des Wilhelm von Jagstheim – Sebastian, soll um 1480 den Rittersitz (am südöstlichen Ende des Dorfs, auf einem | kleinen Hügel) in Utzmemmingen gekauft haben, 1492 kaufte er da eine Mühle und seine Söhne werden von Oettingen belehnt (wie ohne Zweifel auch der Vater schon) mit dem Burgstal und der Behausung in Utzmemmingen mit Graben, Weihern, Wiesen, einem Hof und vier Selden. Von da an finden wir diese Herren (s. oben bei Kirchheim) vielfach (neben Ederheim) auch angesessen zu Utzmemmingen, bis David von Jagstheim, der noch ein Saalbuch über sein Gut angelegt hat, Schloß und Gut a. 1595 an seinen Stiefsohn Hans Conrad Gyß von Gyssenburg verkaufte um 13.000 fl. Von diesem kam das Gut an die Schertel; Hans Ludwig Schertlin von Binswangen wurde 1603 belehnt, 1611 und 25 Hans Felix – 1630 ff. Hans Conrad Schertlin von Binswangen und Utzmemmingen. Die alodialen Theile dieses Guts erbten durch Vermählung mit einer Erbtochter die Herren von Knöringen, die öttingen’schen Lehen aber erhielten die Herren von Vohenstein; 1642 wurde Hans Philipp von Vohenstein belehnt mit dem Burgstal zu Utzmemmingen samt Zubehör, als aber Ernst Albrecht von Vohenstein 1666 ff. 1693 ohne Kinder starb, ergriff Oettingen wieder Besitz und kaufte die Ansprüche der Wittwe mit 200 fl. ab. Zu diesem Rittergut hatten auch mehrere Unterthanen in Holheim, Forheim, Dirgenheim und Baldingen gehört; um des Verbands mit der Ritterschaft willen, forderte und behauptete der Kanton die Besteuerung. Das Utzmemininger Burggut verkaufte Oettingen noch einmal als Lehen an die Freiherrn von Baaden, einer Johanniterkommenthur in Kleinerdlingen, der andere Domherr zu Ellwangen; mit ihrem Tode fiel es zurück und wurde nun an Beständer ausgegeben. Im Besitz des zweiten Ritterguts (mit dem Schlößchen im untern Dorf, einst mit einer Mauer umgeben,) war um 1500 Rudolf von Nenningen, 1549 Hans v. N. zu Utzmemmingen. Schwestern von Nenningen verkauften 1563 ihre Behausung in Utzmemmingen mit Zubehör an Dietrich von Angeloch, welcher seine Behausung an Graf Friedrich von Oettingen überließ c. 1568. Graf Ludwig verkaufte wieder 1578 an Wilhelm von Wellwart zu Dorfmerkingen um 1150 fl. und dieser bekam Erlaubniß, um das Dorf Utzmemmingen her nach Hasen jagen zu dürfen. Seine Wittwe Margarethe, geb. von Gravenegg, heiratete wieder Hans Christof Haug von Döfingen, welcher dadurch auch „zu Utzmemmingen“ heißt, z. B. 1593. Etwas später kaufte Johann Kaspar Pfeffer, Oettingen’scher Rath, dieses Gut und allerlei weitere Grundstücke 1609, 07, 15, 16, 18, sein Nachkömmling aber, Ottilie Apollonia Pfeffer, vermählte von Guldenburg, überließ das Schlößchen 1680 ihrem Tochtermann, Kaspar Müller von Wilsdorf, welcher diese Behausung samt den dazu gehörigen Gütern an Hauptmann Johann Säckler verkaufte. Oettingen löste aber das Gut aus und verkaufte das „Pfeffer’sche Schlößchen“ zu | einer Brauerei und Wirthschaft an den Wirth Wunderle von Pflaumloch.

Ein drittes Gut und Schlößchen (im obern Dorf, unweit der Kirche) wurde 1579 als eröffnetes öttingisch Lehen an einen Müller von Wilsdorf, † 1592, vergeben, dessen Nachkommen (Bernhard, Gebhard, Kaspar, Gebhard II.) im Besitz blieben. Die Erben des Letzten, † 1733, verkauften 1737 an Wilhelm von Liebsdorf, welcher das Schlößchen abbrechen und einige Häuser dafür bauen wollte, 1749, was Oettingen verwehrte. Jener verkaufte nun seine Güter einzeln, das Schlößchen aber 1752 an den Nördlinger Posthalter Blum und andere bürgerliche Herren, von welchen der Weinhändler Mustilli 1766 im Besitz war. Ihm folgte Johann Friedrich von Jahnstein, Obristlieutenant, 1768, durch Kauf und von seinen Erben kam das Ganze an Privatleute; das Schlößchen ist jetzt Schulhaus. (Zwischen hinein fanden wir auch einen Wachtmeister Grosch von Reichenau als Besitzer eines Schlößchens in Utzmemmingen genannt, 1651.)

Sehr ansehnlich waren auch die geistlichen Besitzungen in Utzmemmingen (von denen freilich Einiges könnte Uzwingen gelten).

Schenkungen an’s Kl. Fulda (zur Hohenstaufenzeit zum Flochberg gehörig, später als Reichslehen 1330 den Oettingen verliehen) und an’s Kl. Berchtesgaden, sind schon erwähnt. Graf Ludwig von Oettingen schenkte 1280 dem Kl. Kaisersheim bona in villa Ucememingen. Derselbe Graf genehmigte verschiedene Käufe des Kl. Zimmern, z. B. 1287 von Otto de Natten und 1296 von Heinrich von Reichenbach(-Trochtelfingen). Andere Käufe machte Zimmern 1304, 12, 18, 19, verkaufte aber auch 1312 u. a. eine curia in Utzmamingen. Einen Jahrstag für ihren Vater, Herzog Ludwig von Teck, stiftete Gräfin Irmengard von Nellenburg 1363, u. a. auch mit Einkünften in Utzmemmingen. Eine Schenkung an’s Kl. Medingen, 1280, ist oben erwähnt. Das Kl. Kirchheim kaufte 1343, 45, 51, 69 . .; Heilsbronn besaß auch etliche Güter. Ein Degginger Hof bestand vor 1355, wo er samt Zehenten u. s. w. um 900 Pfd. Heller an’s Kl. Kaisersheim verkauft wurde, das 1369 die Bühlwiese um 78 Pfd. von Eckard von Emershofen erkaufte. Das Karthäuserkloster Christgarten erhielt von den Tötern zu Nördlingen den Kirchsatz in Utzmemmingen, 1389 bestätigt, und erwarb noch weitere Güter 1397, 98, 1400, 1465. Die Besitzungen Christgartens kamen später an die Karthause Buxheim und wurden 1710 an’s Kl. Deggingen verkauft. Neresheim erhielt einige Schenkungen 1424, 85 von den öttinger Grafen, und ebenso Kl. Maihingen, 1472 (ob im andern Utzmemmingen?), Kl. Lorch besaß auch Gülten, 1471 an die Deutschordenskommende Kapfenburg verkauft. Einiges besaß die | Johanniterkommende Kleinerdlingen, welche 1657 von der Stadt Nördlingen zwei Höfe, drei Selden und die Röhrenmühle zu Utzmemmingen eintauschte. Der Spital zu Nördlingen hat zu verschiedenen Zeiten Güterstücke in Utzmemmingen gekauft, besonders 1363 9 Selden von Herdegen von Katzenstein, und dem Spital in Wemdingen verpfändeten die Oettingen 1381 ihren Hof in Utzmemmingen um 500 Pfd.

Auch an Kirchen, zu Meßstiftungen und dgl. war manches gestiftet worden, z. B. 1445 zu einer Frühmesse in Birkachhusen; 1395 bei den Predigern zu Nördlingen ein Jahrestag gestiftet von Herdegen von Hausen; 1/2 Hof erhielt die St. Emeranskirche zu Nördlingen.

Die Hauptmasse dieser Besitzungen kam allmählig – durch Lehensheimfall, Säkularisation, Kauf und Tausch etc. an die Grafen von Oettingen, welche ohnedieß die Landeshoheit und hohe Gerichtsbarkeit übten. Neben den zwei Ritterorden und dem Nördlinger Spital behielt nur Kl. Deggingen seinen Besitz und an’s Kloster Kaisersheim wurden noch 1711 mehrere Unterthanen in Utzmemmingen, Pflaumloch, Dirgenheim, Holheim und der Wald Karthäuserhau samt Niedergerichtsbarkeit, Vogtei und Diensten von Oettingen vertauscht. Über ihre Besitzantheile aber stritten die verschiedenen Oettinger Linien selbst wieder unter einander. Späterhin war der Ort dem Justizamte zu Wallerstein zugetheilt, bis er nach Neresheim gewiesen wurde. Württemberg verband zuerst Dorfen und Herdtfeldhausen mit Utzmemmingen zu einer Schultheißerei.

Nach der Nördlinger Schlacht hat auch Utzmemmingen durch Brand und Plünderung viel gelitten. Sonst werden Brände erwähnt in den Jahren 1733, 40, 92, 1805, 13 . . ., 1819 eine Überschwemmung.

Utzmemmingen hat eine alte Pfarrei; 1278 wird D. Lupoldus decanus in Utzmemmingen genannt. Inhaber des Patronats und Kirchensatzes waren die Töter, nördlingen’sche Patricier, welche ihn der Karthause Christgarten schenkten c. 1395, nach deren Sekularisation die Grafen von Oettingen das Patronat besaßen und zwar die Wallersteiner Linie, weßwegen die Reformation nicht eingeführt wurde, die kurze Zeit 1632–34 ausgenommen, wo der schwedische General Hoßkirch, als Inhaber von der Grafschaft Wallerstein, reformirte. Neun Jahre lang soll kein katholischer Priester mehr im Ort gewesen sein.

Graf Albrecht Ernst von Wallerstein hat sein Patronat der Karthause Buxheim überlassen 1558, welche es samt dem dazu gehörigen Theil des Zehenten (den andern Theil besaß Kl. Kirchheim und die Kommende Kleinerdlingen hatte schon 1512 vergeblich Ansprüche gemacht,) und mit dem Heiligenlehen an das Kl. Deggingen verkaufte. Oettingen erhielt dieses Patronat wieder 1803 samt dem ganzen Zehenten.

| Eine Frühmesse bestand schon 1363; des hl. Nikolaus Lichtlehen wird 1375 erwähnt, 1369 eine Kappelwiese genannt.

Auch Juden scheinen einmal in Utzmemmingen gewesen zu sein, weil der Name „Judengarten“ vorkommt.

Zu der Gemeinde gehört:

b. Altenbürg, liegt 1/2 Stunde südlich vom Mutterort, still und verborgen in dem engen, tiefen Thälchen des hier entspringenden Maienbachs. Der Hof ist Eigenthum des Fürsten von Oettingen-Wallerstein und besteht aus einem sehr ansehnlichen Wohnhaus nebst großartigen Ökonomiegebäuden und einem ehemaligen Försterhaus; zu demselben gehört ein 247 Morgen großes, größtentheils arrondirtes Gut; (117 Morgen Äcker, 50 Morgen Wiesen, 4 Morgen Gärten, 75 Morgen Weiden, Öden etc.), das verpachtet ist und von dem Pächter gut bewirthschaftet wird. Östlich vom Ort lag ein großer, jetzt in Wiesengrund umgewandelter See, an dem eine Ölmühle stand. Zunächst an dem Hof erhebt sich ein runder, schön geformter, bewaldeter Hügel, auf dem eine Burg gestanden sein soll; gegenwärtig steht nur noch eine uralte Kapelle daselbst. Zu dem Hügel führen hübsch angelegte, mit Sitzen versehene Wege, die sich wie durch einen Garten um den Hügel bis zu dessen Kuppe schlängeln; es ruht eine besondere Stille und Anmuth auf dieser Stelle, die deshalb auch häufig von Fremden, namentlich von den Nördlingern besucht wird. Die dem hl. Hippolyt geweihte Kapelle besteht in ihrer Grundform aus zwei Quadraten, von denen das östliche (der Chor) von einem schweren spätromanischen, auf Achteckskonsolen ruhenden Rippenkreuzgewölbe bedeckt wird. An der Süd- und Ostseite des Chores erhielt sich ein Rundbogenfensterchen, die Nord- und Westseite scheint immer fensterlos gewesen zu sein, der Eingang liegt an der Südseite der Südwestecke zu und ist jetzt spitzbogig; darüber sieht man ein steinernes Kreuz, auf dem fünf runde Scheiben erhaben ausgemeißelt sind, (wohl eine Nachahmung jener in Gold getriebenen mit großen Edelsteinen besetzten Kreuze), – und nicht weit davon ragt aus der hohen Kehle des auch noch romanischen Dachgesimses ein Kopf heraus mit einem Zopf, der in ein Kleeblatt endigt. Einen bleibenden Eindruck macht dieses ganz einsam im tiefen Tannenwald stehende schon 700 Jahre alte Kirchlein. Nach der Sage soll an der Stelle der gegenwärtigen Kapelle ein römischer Sonnentempel gestanden sein. Noch zu Anfang dieses Jahrhunderts wohnte hier ein Einsieder.

Bei Altenbürg deutet der Name schon auf eine alte Befestigung hin, schwerlich aber stand da eine Ritterburg, sondern ein römisches Gebäude. Schon im 13. Jahrhundert heißt die Stelle urbs antiqua, und zwar verkauften die Grafen von Oettingen 1274 castrum urbs antiqua[1]; das Kloster Deggingen verkaufte 1280 eine | Wiese ad antiquam urbem. Kl. Zimmern vertauschte seine curia dicta Altenburk 1318 an Hermann und Herdegen von Katzenstein, die Herren von Katzenstein veräußerten sie wieder an die Töter zu Nördlingen, welche 1413 das Gut samt Waldungen um 1400 fl. an den Nördlinger Spital verkauften, der allerlei einzelne Güter dazu erwarb, z. B. 1611 vom Kl. Heilsbronn 1/2 Morgen Acker zum Steinbrechen. Der Spital verkaufte das Gut 1665 an Oettingen, einen Wald ausgenommen um 6650 fl.; Unterthanen gehörten nicht dazu, aber viele Güter und Wälder. Die Grafen erbauten sich nun ein Jagdhaus und ein Beständer besorgte die umliegenden Güter, wobei der Viehtrieb in Nördlinger Waldungen viele Processe hervorrief, ja 1719 geschah ein bewaffneter Einfall der Nördlinger auf den Hof.

Schon im 15. Jahrhundert bestand zu Altenbürg eine Kapelle zu St. Hyppolita, worüber sich der Spital Nördlingen 1499 mit dem Kl. Christgarten verglich; jährlich wurde (und wird noch, den 13. August) eine Messe da gelesen. Später hielten sich Einsiedler dabei auf, z. B. 1747, ein anderer noch in unserem Jahrhundert, welcher zum Früh- und Abendgebet die Glocke läutete.

c. Die Ringlesmühle, liegt 1/4 Stunde oberhalb des Mutterorts an dem Rohrbach (s. auch oben).

Die Ringlesmühle, c. 1580–90 von dem wallerstein’schen Vogte Ringler gebaut, gehörte zum Pfeffer’schen Schlößchen, wurde im dreißigjährigen Kriege abgebrannt und lag bis 1654 öde. (1373 werden Wiesen genannt zu Utzmemmingen, gegen die Rys-(Reis)mühle hin gelegen.)



  1. deutet ohne Zweifel auf die oben angeführte röm. Niederlassung.


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