Beschreibung des Oberamts Nagold/Kapitel A 5

« Kapitel A 4 Beschreibung des Oberamts Nagold Kapitel A 6 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
V. Nahrungsstand.


1. Hauptnahrungsquellen.

Feldbau, Viehzucht, Holzhandel, Gewerbe, Beschäftigung in den Waldungen und in den Fabriken bilden die Haupterwerbsquellen der Bezirkseinwohner. Die industriellen Gewerbe sind vorzugsweise in der Oberamtsstadt, in Altensteig, in Wildberg, in Ebhausen und Wöllhausen vertreten. Vielen Verdienst bringt die Holzflößerei, die Verarbeitung des Holzes in Schnittwaaren, Schindeln. Pfählen etc., die Kohlenbrennerei, das Einsammeln von Holzsamen und von Waldbeeren.


2. Vermögen.

Über den Geldwerth des unbeweglichen Vermögens und des Viehstandes läßt sich folgende Berechnung aufstellen:

A. Werth der Gebäude.

Dieser beträgt nach dem Gebäude-Kataster mit Einschluß des Areals 2.823.865 fl., während der Brandversicherungs-Anschlag für den ganzen Bezirk sich auf 4.112.842 fl. belauft.

|
B. Geldwerth des steuerbaren Grundeigenthums.

Der Geldwerth des allgemein steuerbaren Grundeigenthums berechnet sich laut den von dem Kataster-Revisorat nach dem Stand vom 1. Juli 1860 gefertigten Kataster für die direkten Steuern unter Zugrundlegung der Reinertrags-Schätzungen des 1823ger Steuerprovisoriums folgendermaßen:

      Morg. Areal der Ortschaften
(sind unter dem Steuer-Anschlag der Gebäude begriffen).
Kapital-Werth im 25fachen
Betrag.
1866/8 Mg. Küchengärten und Länder à 6 fl. 2 kr. Reinertrag 1127 fl. 05 kr. 28.177 fl. 05 kr.
3265/8 Mg. Gras- und Baumgärten à 11 fl. 15 kr. 2939 fl. 37 kr. 73.490 fl. 25 kr.
31.7774/8 Mg. theils zellglich, theils willkürlich gebaute Äcker (worunter 56077/8 Mg. Wechselfelder) à 3 fl. 9 kr. 100.152 fl. 58 kr. 2.503.824 fl. 10 kr.
65397/8 Mg. Wiesen, nämlich
     zweimädige 60854/8 Mrgn. à 7 fl. 51 kr. 47.755 fl. 51 kr. 1.193.896 fl. 15 kr.
     einmädige 4543/8 Mg. à 1 fl. 59 kr. 903 fl. 13 kr. 22.580 fl. 25 kr.
Kapital-Werth im 40fachen
Betrag.
19.4973/8 Mg. Waldungen à 58 kr. Reinertrag 18.806 fl. 54 kr. 752.276 fl. 0– kr.
1995/8 Mg. Weiden und Öden à 4 fl. 15 kr. 849 fl. 51 kr. 33.994 fl. 0– kr.
Der Ertrag der Schafweide auf allen Markungen zu 5659 Schafen à 18 kr. geschätzt 1697 fl. 45 kr. 67.910 fl. 0– kr.
Der Ertrag der Flüsse, Bäche, Weiher etc. 18 fl. 52 kr. 754 fl. 40 kr.
Zusammen 4.676.903 fl. 0kr.
C. Geldwerth des Viehstandes.
Nach der jüngsten Aufnahme (vom 31. Dcbr. 1861) und den früher dießfalls angenommenen Sätzen für die verschiedenen Thiergattungen (Memminger, Beschr. v. Würt. 1841 S. 506) beträgt der Werth der |
Pferde über 3 Jahren 0921
1032 à 50 fl.
51.600 fl.
unter 3 Jahren 0111
Rinder Ochsen u. Stiere über 2 Jahre 1033
7480 à 25 fl.
187.000 fl.
Kühe und Kälber 4516
Schmalvieh 1931
Schafe spanische 0072
6227 à 6 fl.
37.362 fl.
Bastardschafe 3012
Landschafe 3143
Schweine
3249 à 8 fl.
25.992 fl.
Ziegen
725 à 5 fl.
3.625 fl.
Bienenstöcke
1537 à 5 fl.
7.685 fl.
Geldwerth des Viehstandes
     313.264 fl.

Gesammtbetrag des unbeweglichen Vermögens sammt dem Viehstand (nach dem Steueranschlag):

A. Werth der steuerbaren Gebäude 2.823.865 fl.
B. Werth des steuerbaren Grundbesitzes   4.676.903 fl.
C. Werth des Viehstandes 0.313.264 fl.
Totalsumme
7.814.032 fl.


3. Wirthschaft.
A. Urproduction (Landbau).
a) Gewinnung von Mineralien.

Hier sind nur zu erwähnen:

Steinbrüche: die im bunten Sandstein gelegenen Orte sind entweder mit Steinbrüchen, aus denen sie rothen Thonsandstein gewinnen, versehen oder sie benützen die los herumliegenden Gebirgstrümmer. Eigentliche Steinbrüche in dem rothen Thonsandstein (Quadersandstein) haben die Orte Nagold, Eb- und Wöllhausen, Egenhausen, Gültlingen, Pfrondorf, Rohrdorf, Rothfelden, Schönbronn, Sulz, Warth und Wildberg. Der Plattensandstein wird auf den Markungen Eb- und Wöllhausen, Effringen, Schönbronn und Warth gebrochen. Wellenmergel kommt an verschiedenen Stellen in der Mitte und in den östlichen Theilen des Bezirks vor und wird zuweilen zur Besserung der mageren Sandböden angewendet. Den Hauptmuschelkalk, welcher hauptsächlich zu Straßenmaterial, zuweilen auch als Baustein und zum Kalkbrennen benützt wird, gewinnt man, theils aus Brüchen, theils aus den vielfältig herumliegenden Bruchstücken, auf den Markungen Nagold, Beihingen, Eb- und Wöllhausen, Egenhausen, Emmingen, | Gültlingen, Haiterbach, Iselshausen, Mindersbach, Ober-Schwandorf, Ober-Thalheim, Pfrondorf, Rohrdorf, Rothfelden, Schietingen, Sulz, Unter-Schwandorf, Unter-Thalheim, Walddorf u. Wildberg. Jüngerer Süßwasserkalk (Tuffstein) wird gebrochen auf den Markungen: Emmingen, Gültlingen, Haiterbach, Iselshausen, Pfrondorf und Unter-Schwandorf. Gyps wird nur bei Iselshausen gewonnen. Lehm kommt allenthalben, jedoch nicht in großer Ausdehnung vor und wird auf den Markungen Nagold, Altensteig (Stadt), Eb- und Wöllhausen, Effringen, Egenhausen, Gültlingen, Haiterbach, Rohrdorf, Rothfelden, Spielberg etc. abgebaut. Töpfer-Erde trifft man bei Gültlingen, Haiterbach etc. (Über die Steinbrüche, Lehmgruben etc. s. auch die Ortsbeschreibungen). Noch ist zu erwähnen, daß früher in der Nähe von Wildberg Bergbau getrieben wurde.
b) Pflanzenbau.
1. Verhältnisse des Feldbaues im Allgemeinen.

Nach den Ergebnissen der Landesvermessung beläuft sich die Grundfläche unseres Bezirks auf 90.4052/8 Morgen, deren Vertheilung nach Gemeindemarkungen in Benützungsarten aus der angehängten Tabelle II ersichtlich ist. Davon kommen auf das Areal der Ortschaften, Wege, Steinbrüche, Weiden, Ödungen und Gewässer 52911/8 Morgen. Land- und forstwirthschaftlich werden behandelt 85.1141/8 Morgen. Das nicht bebaute Land (Weiden, Ödungen mit Ausschluß der Wälder) verhält sich zu dem bebauten wie 5,86:94,14 = 1:16, und zu dem für landwirthschaftliche Zwecke im engern Sinne benützten wie 5,86:45,36 = 1:8.

Wenn Gärten und Länder als Einheit angenommen werden, so ist das Verhältniß sämmtlicher Kulturarten unter sich folgendes:

Gärten und Länder 1,00
Ackerfeld 26,54
Wiesen 5,94
Waldungen 31,13
Weidefläche 0,95

Von 100 Morgen Grundfläche kommen:

auf Gärten und Länder 1,46
auf Äcker 38,68
auf Wiesen 8,66
auf Waldungen 45,36
94,16
| Der Rest von 5,84 Morgen wird eingenommen:
durch das Areal der Gebäude und Hofstätten mit       0,39
durch Weiden und Öden 2,87
Steinbrüche, Thon u. andere Gruben 0,02
Gewässer 0,33
Straßen und Wege 2,23
5,84

Vertheilung des Eigenthums. Von den vorhandenen 90.4052/8 Morgen besaßen im Jahr 1851 der Staat 12.4104/8 Morgen, die Gemeinden 24.2475/8 Morgen, die Stiftungen 59 Morgen, die Grundherrschaften 17753/8 Morgen.

Das Grundeigenthum war in gedachtem Jahr in 77.364 Parzellen vertheilt, wovon eine im Durchschnitt zu 1,17 Morgen sich berechnet.

Anbau. Obgleich die klimatischen Verhältnisse des Bezirks in Folge der ziemlich beträchtlichen Erhebung über die Meeresfläche und der im Westen gelegenen sehr ausgedehnten Nadelwaldungen nicht sehr günstig, zuweilen sogar ungünstig sind und der Boden im Durchschnitt nur ein mittelmäßiger genannt werden darf, so ist doch der landwirthschaftliche Betrieb, namentlich in den Muschelkalkgegenden auf einer ziemlich hohen Stufe und liefert zum Theil einen Ertrag, der den besseren Gegenden des Landes nur wenig nachsteht. Das für den Ackerbau benützte Terrain der Muschelkalkformation bildet theils hügelige Hochebenen, theils mäßig ansteigende Thalgehänge, während die Thalebenen für den Wiesenbau benützt werden. Ein ganz anderes Bild bietet die waldreiche Gegend des bunten Sandsteins, wo der Ackerbau beinahe ausschließlich auf den flachen Hochebenen und der Wiesenbau außer den Thalebenen auch in sanften Mulden des Plateau’s getrieben wird. In dieser Partie hat sich die Landwirthschaft nur Lücken in die weit gedehnten Waldungen gebrochen und der Ertrag ist hier ein weit geringerer als auf dem Muschelkalk. Die meisten Orte dieser Waldgegend bilden gleichsam eine Reihe zusammenhängender Bauernhöfe, in welche der kleinere Besitz der Taglöhner eingeschoben ist. Das gewöhnliche Besitzthum eines sogenannten Waldbauern umfaßt 30–60 Morgen und erreicht mit den dazu gehörigen Waldungen nicht selten 100 bis 120 Morgen. Im Allgemeinen ist das Grundeigenthum in den Waldorten weit nicht so klein getheilt, wie den übrigen Orten des Bezirks oder gar wie in dem Unterlande.

Größere Güter, deren rationeller Betrieb einen nützlichen Einfluß | auf die Umgegend äußert, sind das gutsherrliche Gut in Berneck mit Roßrücken, das gutsherrliche Gut zu Unter-Schwandorf, und das Gut des Gutsbesitzers v. Stein in Gaugenwald.

Das Erzeugniß an Früchten, besonders an Dinkel, ist sehr verschieden und erlaubt manchen Orten, namentlich solchen, die auf Muschelkalk liegen, einen erheblichen Verkauf nach Außen (vorzugsweise auf den Schrannen in Calw und Nagold), während den Bewohnern der Waldorte das eigene Erzeugniß nicht zureicht und dieselbe deshalb auf Zukauf angewiesen sind. Die produktivsten Orte, die noch ziemlich Früchte noch Außen absetzen, sind: Emmingen, Gültlingen, Iselshausen, Pfrondorf, Rothfelden, Schietingen, Sulz, Walddorf und Wildberg. Von Handelsgewächsen werden vorzugsweise Flachs, Hanf, Kraut, etwas Reps, Mohn, Hopfen, Raukarden und Zuckerrüben gebaut. Die früher auf dem sogenannten Walde ausgedehnt getriebene Kultur des Flachses hat in neuerer Zeit sehr abgenommen.

Der Ertrag an Wiesenfutter ist in manchen Orten, besonders in solchen, die in dem Nagold-, Waldach-, Steinachthale etc. liegen sehr erheblich, und erlaubt, unterstützt von einem ausgedehnten Kleebau, einen namhaften Rindviehstand, während die auf den Hochebenen gelegenen Orte, vorzugsweise die Waldorte, nicht so viel Wiesenfutter erzeugen, daß sie einen im Verhältniß zu ihrem landwirthschaftlichen Betrieb nothwendigen Viehstand zu halten im Stande wären. Durch den Ertrag der sogenannten Brand- und Mähfelder wird hier der Futtermangel nur einigermaßen ersetzt und der künstliche Futterbau ist meist unbedeutend. Deshalb trifft man auch noch in einzelnen Waldorten den Viehaustrieb, der sich übrigens täglich mehr vermindert und bald gänzlich aufhören wird. Die Obstzucht ist im Allgemeinen nicht unbedeutend, der Obstertrag aber nur in einigen Orten, wie in Nagold, Gültlingen, Pfrondorf, Schönbronn, Walddorf, Warth etc. von einiger Erheblichkeit und erlaubt in günstigen Jahren noch Verkauf nach Außen, während in den übrigen Orten das Obst entweder kaum den eigenen Bedarf befriedigt oder noch von Außen zugekauft werden muß. In den Waldorten aber ist der Obstertrag ganz unbedeutend und in dem Enzthal wird gar keine Obstzucht getrieben.

Bei Nagold wurde früher Weinbau getrieben und in Wildberg reift in günstigen Jahren die Traube an den Kammerzen.

Verbesserte Ackergeräthe, wie Flander-, Brabanter- und neuere Wendepflüge (sog. Dreher), eiserne Eggen, einfache Joche etc. haben | beinahe allgemein Eingang gefunden; auch sind von mehreren Gemeinden Walzen zur allgemeinen Benützung angeschafft worden. Für rationelle Düngerbereitung geschieht Vieles durch Beispiel und Belehrung: die Gülle wird in den meisten Orten fleißig gesammelt und als weitere Düngungsmittel kommen, außer den gewöhnlichen, noch Gyps, Hallerde, Asche, Compost, Abfälle von Wolle, Leim- und Potaschesiedereien etc. in Anwendung. Das Brennen (Motten) der Felder ist nur in einigen Waldorten noch üblich (s. hier. den Abschnitt „Ackerbau“). Der Hauptübelstand in dem landwirthschaftlichen Betrieb der Waldorte besteht in dem großen Mangel an guten Streumaterialien, da einerseits zu wenig Futter und anderseits zu wenig Halmfrüchte erzeugt werden. Das von den Halmfrüchten gewonnene Stroh muß beinahe ausschließlich zur Nahrung für das Vieh verwendet werden und die nöthige Streu bezieht man, jedoch beschränkt, aus den Waldungen.

Der im Jahr 1841 gegründete landwirthschaftliche Bezirks-Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, durch Belehrung, Aufmunterung zu Gründung von Fortbildungsschulen, Anschaffung verbesserter landwirthschaftlicher Geräthschaften und tüchtiger Zuchtstiere (vorzugsweise Simmenthaler Race) die Landwirthschaft zu heben und den Sinn für dieselbe immer mehr zu wecken.

Werth und Ertrag. Der Werth des Bodens ist, wie dessen Ertrag, sehr verschieden. Im Allgemeinen bewegen sich die Preise eines Morgens Acker von 10–1000 fl., am häufigsten von 100–300 fl. Die durchschnittlich höchsten Preise mit 100–1000 fl. hat Nagold und die geringsten mit 10–120 fl. Warth. Am verschiedensten sind die Preise auf der Markung Sulz, wo sie sich von 40–1000 fl. bewegen. Die Wiesenpreise bewegen sich im Allgemeinen von 50 bis 1400 fl. pr. Morgen; die durchschnittlich höchsten Preise mit 300 bis 1400 fl. hat Sulz, die geringsten mit 50–200 fl. Warth und Schönbronn.

Der durchschnittliche Ertrag eines Morgens Ackerlandes beträgt an Dinkel 4–12 Scheffel, an Haber 2–8 Scheffel, an Gerste 2–7, ausnahmsweise bis 10 Scheffel, an Roggen 2–5 Scheffel, an Waizen 3–5 Scheffel. Ein Morgen Wiese liefert im Durchschnitt 25–45 Centr. Futter.

Der nach den Schätzungen für das Steuerprovisorium angenommene Reinertrag und der hiernach berechnete Kapitalwerth der Bodenfläche des Bezirks ist schon bei der Berechnung der Bodenfläche des Vermögens S. 54 angegeben.

|
2. Einzelne Kulturen.

a) Ackerbau. Dem Ackerbau sind nach den Ergebnissen der Landesvermessung 34.9632/8 Mrg. gewidmet; hievon gehören 2385/8 Mrg. dem Staate, 6796/8 den Gemeindekörperschaften und 227/8 den Stiftungen.

Die regelmäßige Wirthschaftsweise in dem weit größeren Theil des Bezirks ist die Dreifelder-Wirthschaft, während nur in den Orten Altensteig (Dorf), Beuren, Ettmannsweiler, Fünfbronn, Simmersfeld, Garrweiler und Überberg Wechselwirthschaft (Feldgraswirthschaft) getrieben wird. Willkürliche Wirthschaft treiben die Gemeinden Berneck, Enzthal, Gaugenwald (theilweise), Unter-Schwandorf (mit Ausnahme des adeligen Guts) und Warth (im östlichen Theile der Markung). Bei der Dreifelder-Wirthschaft findet entweder vollständiger – oder theilweiser Bracheinbau statt; vollen Bracheinbau haben Nagold und Altensteig, Stadt, den geringsten mit 1/4 der Brache Ebershardt, Rothfelden und Mindersbach. Die sogenannte Feldgraswirthschaft, in ihren Grundzügen ein öfters sehr rationeller Fruchtwechsel, dem aber, wenn derselbe beinahe bis zur gänzlichen Erschöpfung des Bodens fortgeführt worden ist, eine nichts weniger als rationelle 5–15jährige natürliche Berasung folgt. Die auf diese Weise berasten Güter (sog. Mähfelder) werden theils mit der Sense abgeerntet, theils dem Vieh als Weide überlassen. Sollen diese von Unkräutern aller Art durchzogenen Felder wieder für den Fruchtbau benützt werden, so ist dieß kaum anders möglich, als durch das Abschälen und Brennen des Rasens, das nur in seiner zerstörenden Wirkung auf die Wurzeln der Unkräuter seine Entschuldigung finden kann.

Die bei der reinen Feldgraswirthschaft übliche Fruchtfolge ist nach dem Brennen des Rasens: 1. Kartoffeln, Kopfkohl, Hanf, Rüben, auch Gerste, zu letzteren vier Früchten noch gedüngt; 2. Winterroggen, hiezu wo möglich noch einmal gedüngt; nach vorausgegangener Gerste auch Haber; 3. Flachs oder Haber – beides ohne Düngung; 4. Haber, hiezu gedüngt; 5. Klee oder auch natürliche Berasung; 6. Klee, wiederholt gemäht oder Wiese; 7–9. oder 12. Wiese. Ferner 1–4. wie in der vorausgehenden Fruchtfolge; 5. nochmals Haber ohne Düngung; 6. Haber gedüngt; sodann Klee oder Berasung eine unbestimmte Zeit lang (s. auch die in Württemberg üblichen Feldsysteme u. Fruchtfolge von Dr. Karl Göriz S. 25 ff.). Von den Cerealien baut man Dinkel, Haber, Roggen, Gerste, Waizen und Einkorn. Der Dinkelbau ist in den Waldorten untergeordnet und wurde erst in neuerer Zeit eingeführt; dagegen herrscht hier der Anbau des Habers und Roggens bedeutend vor. Von anderen Feldgewächse werden sowohl in der Brache als ein Wechselbetrieb | und in der willkürlichen Wirthschaft gezogen: Kartoffeln, Futterkräuter (vorherrschend dreiblättriger Klee, übrigens auch Luzerne und Esparsette), Kohlraben, Kraut, Rüben, Wicken, Erbsen, Linsen und in milderen Gegenden des Bezirks Ackerbohnen, Zuckerrüben etc. Von Handelsgewächsen pflegt man vorzugsweise Flachs, Hanf, Reps, und, jedoch weniger, Angersen; mehrere Orte, haben in neuerer Zeit Versuche mit dem Anbau des Hopfens gemacht, die gute Erfolge hatten. Rauhkarden werden in Walddorf gezogen und Nagold baut etwas Mohn.

b. Der Gartenbau beschränkt sich hauptsächlich nur auf das eigene Bedürfniß. Ausgedehntere Gartenanlagen finden sich nicht im Bezirk. Die Gemüse- und Blumengärten nehmen sammt den Ländern im Bezirke die Fläche von 13174/8 Morgen ein.

c. Wiesenbau. Nach den Ergebnissen der Landesvermessung besitzt der Oberamtsbezirk 75242/8 Morgen zweimädige, 3001/8 Mrg. einmädige, zusammen 78243/8 Mrg. Wiesen, von welchen dem Staat 1072/8 Morgen, den Gemeinden 1191/8 Morgen und den Stiftungen 32/8 Morgen gehören. Die in den Thälern gelegenen Wiesen liefern meist gutes, reichliches Futter und erlauben 2–3 Schnitte, während die sogenannten Bergwiesen einen geringeren Ertrag, jedoch von vorzüglicher Güte abwerfen und in trockenen Sommern meist nur einen Schnitt gestatten. Auf mehreren Markungen findet gar keine Wässerung der Wiesen statt, auf den meisten können sie theilweise, auf einzelnen, wie Altensteig (Stadt), Berneck, Garrweiler, Enzthal und Unterthalheim, beinahe durchgängig bewässert werden. Im Allgemeinen ist, mit wenigen Ausnahmen, der Wiesenbau nicht so ausgedehnt, daß nicht die meisten Orte genöthigt wären, Futtersurrogate zu pflanzen um den für die Landwirthschaft nöthigen Viehstand zu erhalten; bei einzelnen Gemeinden steht der Mangel an Futter einer ausgedehnteren Viehzucht und somit einer besseren Entwicklung der Landwirthschaft entgegen.

d. Der Obstbau wird im Allgemeinen in ziemlicher Ausdehnung getrieben und von Seiten der Gemeindebehörden an vielen Orten nach Kräften unterstützt. Je nach den klimatischen Verhältnissen der Orte werden verschiedene Obstsorten gepflegt; feineres Tafelobst zieht man nur in der Oberamtsstadt, auf dem gutsherrlichen Gut in Berneck, in Gültlingen, Pfrondorf, Walddorf und Wildberg jedoch in unbedeutender Ausdehnung, während im Allgemeinen vorzugsweise späte Mostsorten und Zwetschgen gepflanzt werden. Die am häufigsten vorkommenden Sorten sind Luiken, Fleiner, Süßäpfel, Zipperäpfel, Goldparmäne, Murkenthaleräpfel. Rosenäpfel, Reinetten, Backäpfel, Stuttgarter Äpfel, Lederäpfel, Knausbirnen, | Palmischbirnen, Wadelbirnen, welsche Bratbirnen, Harigelsbirnen, Steinlacherinnen, Kohlbirnen, Schnabelsbirnen, Bogenäckerinnen, Ammerthaler-Birnen, Scheerenbirnen, Frankfurter Birnen etc. Zwetschgen werden ziemlich viel gezogen, während die Kirschen, mit Ausnahme der schwarzen süßen Waldkirsche, seltener vorkommen. Im Allgemeinen wird das Obst für den eigenen Bedarf gemostet oder gedörrt und nur in einzelnen Orten, wie in Gültlingen, Pfrondorf, Rothfelden, Walddorf und Warth kann in günstigen Jahren von dem Obstertrag auch nach Außen abgesetzt werden. Baumschulen bestehen in Nagold, Altensteig (Stadt), Haiterbach, Unterthalheim, Walddorf und Warth; von diesen Baumschulen ist die in Walddorf sehr bedeutend und versieht die ganze Umgegend mit Jungstämmen. Überdieß werden die Jungstämme theils von einzeln Obstzüchtlern selbst nachgezogen, theils von Hohenheim und von Händlern bezogen.

e. Waldbau. Nach den Ergebnissen der Landesvermessung beträgt die Waldfläche des Oberamtsbezirks 45.290 Morg., wovon 43.658 Morg. mit Nadelhölzern, 632 Morg. mit Laubhölzern, 800 Morgen mit Laub- und Nadelhölzern gemischt bestockt und 200 Morgen unbestockt sind. Dem Staat gehören 11.942 Morg. und den Gemeinden 20.437 Morg. Die Waldfläche umfaßt etwa 50,1 % der Gesammtfläche des Bezirks und es kommen auf einen Einwohner 1,9 Morg. Wald; der Oberamtsbezirk gehört somit zu den waldreicheren des Königreichs.

Die Waldungen, welche den Forstamtsbezirken Altensteig, Wildberg und Sulz und den Revieren Altensteig, Simmersfeld, Nagold, Schönbronn, theilweise Stammheim Enzklösterle und Thumlingen zugewiesen sind (s. hier den Abschnitt „Eintheilung der Ämter“) verbreiten sich über den ganzen Bezirk und sind im nordwestlichen Theile zusammenhängend und nur wenig von Feldern unterbrochen, während in dem nordöstlichen und in dem südlichsten Theile des Bezirks die Landwirthschaft die Waldungen überwiegend zurückgedrängt hat.

Der dem Wald überlassene Boden ist im Allgemeinen der Holzproduction günstig und besteht größtentheils aus den Trümmern und Zersetzungsprodukten des bunten Sandsteins und nur im südlichen und östlichen Theile des Bezirks aus den Verwitterungen des Muschelkalks (s. hier den Abschnitt „Boden“).

Die Waldungen bestehen größtentheils aus Nadelhölzern (Fichten, Weißtannen und Forchen), die theils reine Bestände bilden, theils mit einander, oder mit Laubhölzern gemengt vorkommen. Die Lärche und die Weimuthskiefer erscheinen selten und dann immer künstlich | angepflanzt. Von Laubhölzern, welche den weit geringeren Theil der Waldungen ausmachen, sind es vorzugsweise die Buchen, welche unter die Nadelhölzer gemischt sind und selten in reinen Beständen erscheinen. Eingesprengt kommen vor: Eichen, Birken, Hainbuchen, Aspen, Salweiden, Vogelbeere, Mehlbeere, Ahorne etc. (über die vorkommenden Laubhölzer s. auch den Abschnitt „Pflanzen.“).

In Folge der hohen Lage und des rauhen Klimas werden die Waldungen, namentlich in dem nordwestlichen Theile des Bezirks, nicht selten von Sturmschaden und Schneedruck heimgesucht; auch der Borkenkäfer hat schon Schaden angerichtet.

Die Waldungen, besonders die dem Staat gehörigen, sind im Allgemeinen in gutem Zustande, während die Gemeindewaldungen und noch mehr die Privatwaldungen, wegen der an sie gemachten unverhältnißmäßigen Anforderungen, namentlich auch durch Streurechen, häufig in minder gutem Zustande sich befinden. Indessen wird auch von Seiten der Gemeinden für die Emporbringung der Waldungen, mittelst geregelter Wirthschaft und künstlicher Aufforstung Vieles gethan.

Der vorherrschende, in den beinahe allgemein vorkommenden Nadelhölzern bedingte Betrieb ist die Hochwaldwirthschaft und zwar in den Staats- und größeren Gemeindewaldungen mit schlagweisem und allmäligem Abtrieb und natürlicher Verjüngung, in kleineren Gemeindewaldungen und in den Privatwaldungen mit Plänterhieb. Der Mittelwaldbetrieb kommt selten vor. Die festgesetzte Umtriebszeit für die Fichte und Weißtanne ist 120 Jahre, wonach sich auch der Umtrieb der unter sie gemengten anderen Holzarten richtet.

Die Eiche, Weißtanne und Forche läßt man auf günstigen Standorten einzeln oder in kleinen Horsten zuweilen ein höheres, nach Umständen auf 200–250 Jahre ansteigendes Alter erreichen, um seltene werthvolle Nutzhölzer zu erziehen.

Nicht nur für die Waldungen des Staats, sondern auch für die meisten der Gemeinden sind geregelte, von Forstverständigen entworfene Wirthschaftsplane vorhanden; die Gemeinde Altensteig (Stadt) hat für die Bewirthschaftung ihrer Waldungen einen eigenen Gemeindeförster aufgestellt.

In dem Bezirk beträgt das Nutzholz der Nadelwaldungen 60 %, das der Laubwaldungen 5 % der ganzen Holzproduktion; der durchschnittliche jährliche Zuwachs wird zu 0,5 Klafter per Mrg. angegeben.

Von Nebennutzungen sind zu nennen: 1. die Gewinnung der Eichen- und Fichtenrinde; 2. das Harzsammeln, welches in den Staats- und Gemeindewaldungen ganz aufgehört hat, aber zuweilen noch | unerlaubter Weise zum Nachtheil der Waldungen ausgeübt wird; 3. die Waldstreu, als Laub, Heide, Pfrieme, Heidelbeere, Moos, dürres Waldgras, Farrenkraut etc. ist wegen des verhältnißmäßig unbedeuten Stroherzeugnisses sehr gesucht und wird nicht selten zum Nachtheil des Walds, welcher eine Hauptnahrungsquelle der Einwohner bildet, gewonnen. Die so taugliche Nadelreisstreu kommt leider nicht in der gehörigen Ausdehnung zur Benützung; 4. die Gräserei wird ziemlich stark getrieben und es wird das Rupfen mit der Hand überall gestattet; auch die junge Heide dient häufig zur Winterfütterung; 5. die Waldweide ist in mehreren Orten noch üblich, übrigens wird die Stallfütterung immer mehr eingeführt; 6. die Gewinnung des Nadelholzsamens ist bei eintretenden Samenjahren von namhafter Bedeutung und sichert mancher Familie eine erkleckliche Nebeneinnahme; 7. das Eckerig ist von keinem Belang, indem Eichen und Buchen nur untergeordnet vorkommen.

Außer den gewöhnlichen Waldnutzungen werden wildwachsende Beeren, wie Heidelbeeren, Preiselbeeren, Himbeeren, Erdbeeren und Brombeeren sehr häufig gesammelt und theils roh verkauft oder verspeist, theils bereitet man aus denselben, besonders aus den Heidel- und Himbeeren, Branntwein, mit dem ein ausgedehnter, einträglicher Handel getrieben wird.

Der Holztransport geht in der Regel von den Bergen nach den Thälern an die Floßwasser, welche das meiste Holz weiter führen; bis dahin geschieht die Fortschaffung des Holzes aus den Waldungen je nach der Jahreszeit entweder auf der Achse oder auf Schlitten, und für das Stammholz wird der Lottbaum oder Halbwagen angewendet. Nicht selten wird auch das Holz in Rutschen (Riesen) die steilen Berge hinuntergeschafft und zu den Einbindstätten gebracht.

Die Floßstraßen im disseitigen Bezirk sind die Nagold, die Enz und der Zinsbach, an welchen folgende Einbindstätten bestehen:

An der Nagold:

bei der Stadt Nagold,
bei Wildberg,
die Monhardter Stube,
die Altensteiger Stube.

An der Enz:

die Poppelthaler Stube,
die Meierstube,
die Gompelscheurer Stube.

Am Zinsbach:

die Zinsbach Stube.
| Außer diesen Einbindstätten wird an verschiedenen Stellen vorübergehend eingebunden, wobei nur sogenannte Keutter errichtet werden.

Der Holzertrag reicht nicht nur zur Befriedigung des Bedürfnisses der Bezirksbewohner, sondern erlaubt noch einen sehr beträchtlichen Verkauf nach Außen. Das Brennholz geht hauptsächlich nach Stuttgart und in die Gegend von Herrenberg, das Langholz nach Mannheim.

Die Ausfuhr betrug im Jahr 1860 etwa 1000 Klafter Brennholz, 500.000 Kub. Fuß Tannen-Langholz, 700.000 Kub. F. Schnittwaaren, 4000 St. Hopfenstangen und 20.000 K. F. verarbeitetes Holz (Küblerwaaren, Schindeln).

In den Staatswaldungen wird alles Holz, soweit es nicht als Berechtigungs- und Besoldungsholz abzugeben ist, im Aufstreich verkauft, während man in den Gemeindewaldungen einen Theil des erzeugten Brennholzes unter die Ortsbürger vertheilt und nur den Rest an die Meistbietenden verkauft. In neuerer Zeit haben einzelne Gemeinden angefangen, das schlagbare Holz als Langholz zu verwerthen und einen Theil des Erlöses an die berechtigten Ortseinwohner, als Ersatz für die herkömmlichen Brennholz-Gaben, auszutheilen, wobei dann immer noch eine namhafte Summe in die Gemeindekasse fließt.

Von holzverzehrenden Gewerben sind zu nennen: die Fabriken des Bezirks, Bierbrauereien, Branntweinbrennereien, Ziegelöfen, Schmiedessen, Bäckereien etc.; überdieß wird eine ansehnliche Holzmasse alljährlich an die Köhlereien abgegeben (s. hier. auch den Abschnitt „Kunst- und Gewerbefleiß“). Holzersparende Anstalten, wie öffentliche Back- und Waschhäuser, zweckmäßige Feuerungseinrichtungen etc. sind noch nicht in der wünschenswerthen Anzahl vorhanden; ebenso könnte der Reichthum an Bau- und Werksteinen noch manches Stück Bauholz ersparen.

Die Holzpreise betrugen:

in dem Forstbezirk Altensteig:
Nutzholz (pr. Kubikfuß)
in den Jahren:
1800   1820   1840
Eichenholz 21/2–4 kr. 4–5 kr. 12–12,5 kr.
Buchenholz       21/2–4 kr. 4–5 kr. 6–07,8 kr.
Nadelholz 20/0–3 kr. 2–5 kr. 7–12,0 kr.
|
Brennholz (pr. Klafter):
1800 1820 1840
Eichene Scheiter  48 kr. – 5 fl. 0 1 fl. 20 – 1 fl. 30 4 fl. 10 – 05 fl. 13 kr.
Buchene    „ 48 kr. – 5 fl. 0 2 fl. 00 – 6 fl. 00 7 fl. 44 – 10 fl. 11 kr.
Nadelholz  „ 30 kr. – 2 fl. 24 1 fl. 00 – 4 fl. 00 4 fl. 20 – 06 fl. 02 kr.
In dem Forstbezirk Wildberg:
Nutzholz (pr. Kubikfuß):
Eichenholz   8,9–14,9 kr.
Buchenholz 10,4–12,4 kr.
Nadelholz 7,2–12,5 kr.
Brennholz (pr. Klafter):
Eichene Scheiter 1 fl. 20–06 fl. 5 fl. 18–12 fl. 36 kr.
Buchene    „ 2 fl. 00–12 fl. 10 fl. 02–15 fl. 0– kr.
Nadelholz  „ 1 fl. 0007 fl. 6 fl. 35–08 fl. 38 kr.
In dem Forstbezirk Sulz:
Nutzholz (pr. Kubikfuß):
Eichenholz 7 kr. 15 kr.
Buchenholz 6 kr. 6–07,8 kr.
Nadelholz 31/2–6 kr. 6–10,2 kr.
Brennholz (pr. Klafter):
Eichene Scheiter 5 fl. 9 fl. 0– kr.
Buchene    „ 6 fl. 6 fl. 13–14 fl. 0– kr.
Nadelholz  „ 4 fl. 4 fl. 22–07 fl. 56 kr.


In neuerer Zeit sind die Holzpreise bedeutend gestiegen und betrugen nach den Aufstreichsverkäufen im Jahr 1860:

in dem Forstbezirk Altensteig:
für Nutzholz:
der Kubikfuß
Eichen
151/2 kr. durchschnittlich,
der Kubikfuß
Buchen
09 kr.
der Kubikfuß
Nadelholz:
a. Langholz:
schwächstes
Sortiment 08 kr.
stärkstes
18 kr.
b. Sägholz:
schwächstes
Sortiment 12 kr.
stärkstes
16 kr.
Für Brennholz:
Das Klafter
eichene Scheiter
08 fl.
Das Klafter
buchene   „
10 fl.
|
Das Klafter
Nadelholz:
a. Prügel
04 fl. durchschnittlich,
b. Scheiter
08 fl.
In dem Forstbezirk Wildberg:
für Nutzholz:
der Kubikfuß
Eichen
31 kr.
der Kubikfuß
Buchen
14 kr.
der Kubikfuß
Nadelholz:
a. Langholz:
schwächstes
Sortiment 08 kr.
stärkstes
17 kr.
b. Sägholz:
schwächstes
Sortiment 12 kr.
stärkstes
16 kr.
Für Brennholz:
Das Klafter
eichene Scheiter
16 fl.
Das Klafter
buchene   „
17 fl.
Das Klafter
Nadelholz:
a. Prügel
08 fl.
b. Scheiter
10 fl.
In dem Forstbezirk Sulz:
für Nutzholz:
der Kubikfuß
Eichen
28 kr.
der Kubikfuß
Buchen
12 kr.
der Kubikfuß
Nadelholz:
a. Langholz:
schwächstes
Sortiment 09 kr.
stärkstes
17 kr.
b. Sägholz:
schwächstes
Sortiment 10 kr.
stärkstes
15 kr.
Für Brennholz:
Das Klafter
eichene Scheiter
12 fl.
Das Klafter
buchene   „
11 fl.
Das Klafter
Nadelholz:
a. Prügel
6 fl. 36 kr.
b. Scheiter
8 fl. 36 kr.

Das Leseholz, wie auch das Stock- und Stumpenholz wird fleißig gewonnen.

Die Holznutzung außerhalb der Waldungen beschränkt sich auf | die an den Flüssen und Bächen gepflanzten Weiden, Erlen, Pappeln etc. wie auf Waldbäume, die auf Weideplätzen stehen, und auf das dürre Holz von Obstbäumen.

Waldservituten. Die Bewohner der Gemeinde Enzthal haben, soweit nicht einzelne ablösten, alles Bau- und Sägholz zu ihren Gebäuden gegen Ersatz des Hauerlohns, sowie die Steine unentgeldlich aus Staatswaldungen zu beziehen. Ferner bezieht diese Gemeinde gegen Hauerlohns-Ersatz 400 Klafter Brennholz nebst dem abfallenden Reisach.

Die Besitzer der Kaisersägmühle und der Neusägmühle sind gleichfalls zu Bauholz berechtigt.

Der Gemeinde Enzthal steht auch ein Weidrecht zu fährigen Zeiten und der Bezug von Waldstreu zu.

Die Waldfrevel haben sich in neuerer Zeit sehr vermindert; namhafte Eingriffe durch Entwendung von werthvollerem Holz sind selten geworden, am häufigsten kommen noch Streu-, Gras und Weidevergehen vor.

f. Weidewirthschaft. Das Areal der eigentlichen Weiden beträgt nach den Ergebnissen der Landesvermessung 12467/8 Morg.; hievon sind mit Obstbäumen 91 Mrg. mit Holz 2114/8 Mrg. und ausschließlich mit Gras bewachsen 9443/8 Mrg. Mehrere Orte benützen noch die Waldweide, auch werden graswüchsige, nicht regelmäßig bewirthschaftete Felder abgeweidet. Die Schafweiden sind hauptsächlich in den vorzugsweise Feldbau treibenden Orten von Bedeutung und werden dort nebst der Brach und Stoppelweide an fremde Schäfer oder an Ortsbürger verpachtet, was den Gemeindekassen zuweilen beträchtliche Einnahmen verschafft. Übrigens verpachten auch mehrere Waldorte ihre, jedoch nicht ausgedehnte Schafweiden oder lassen die Ortsbürger eine Anzahl Schafe auf denselben laufen.

c. Viehzucht.
Nach der Aufnahme vom 1. Januar 1859 beträgt die Zahl der Pferde 1032, worunter 111 Fohlen unter 2 Jahren; es kommt auf 100 Morgen Fläche 1,1 Pferd. Eigentliche Pferdezucht wird im Bezirk nicht betrieben und nur Haiterbach hält einige Mutterstuten, die nach Horb zur Bedeckung gebracht werden. Auch die Pferdehaltung ist, mit Ausnahme der Orte Haiterbach und Sulz, nicht bedeutend und der Bezirk nimmt in dieser Beziehung in der Reihe der Oberamtsbezirke die 55. Stelle ein. An Rindvieh zählte nach der gedachten Aufnahme der Oberamtsbezirk 1033 Ochsen und Stiere, 6316 Kühe und 1931 Stück Schmalvieh, sonach kommen auf 100 | Morgen Fläche 10,3 Stück Rindvieh. Auf 100 Einwohner kamen 4,2 Pferde und 37,9 Stück Rindvieh. Bei der Aufnahme vom 1. Jan. 1844 kamen auf 100 Morgen nur 32 Stück. Nach der Zahl des Rindviehs nimmt der Bezirk in der Reihe der Oberämter die 43. Stelle ein. Der Viehstand besteht in den eigentlichen Waldorten aus einem ziemlich mittelmäßigen Landschlag, sogen. Waldvieh, und untergeordnet aus der Allgäuer Race, die auch in mehreren Orten des Bezirks gehalten wird. In vielen Orten, namentlich in dem östlichen und südlichen Theile des Bezirks, trifft man einen tüchtigen, häufig rothen Landschlag, der in den Orten Nagold, Gültlingen, Mindersbach, Ober-Thalheim, Rothfelden, Schönbronn, Sulz, Walddorf, Warth und Wildberg durch reine und Bastard-Simmenthaler Farren veredelt wird. Die Farrenhaltung geschieht im Allgemeinen Namens der Gemeinden von einzelnen Bürgern gegen Nutzniesung von Faselviehgütern, woneben meist noch ein Geldbeitrag von Seiten der Gemeindekassen gereicht wird. In Wildberg hat die Farrenhaltung der Pächter der Staats-Domäne Reuthin und in Unter-Schwandorf der Pächter des adeligen Guts.

Der Handel mit Vieh ist im Allgemeinen nicht unbeträchtlich und bildet für einzelne Orte eine Haupterwerbsquelle; es wird nicht nur mit Schmal- und Melkvieh, sondern auch, wie in Altensteig (Dorf), Beuren, Garrweiler, Gültlingen, Mindersbach, Schietingen, Schönbronn und Warth, mit Mastvieh ein lebhafter Handel auf benachbarten Märkten, wie auch durch Viehhändler in das Großherzogthum Baden und nach Frankreich getrieben.

Die Schafzucht wird in den meisten Orten, jedoch in nicht bedeutender Ausdehnung, theils von den Ortsbürgern betrieben, theils lassen fremde Schäfer ihre Heerden gegen Pachtgelder auf einzelnen Markungen laufen. In einigen Orten im westl. Theil des Bezirks werden entweder gar keine oder nur wenige Schafe gehalten, während die Orte Nagold, Egenhausen, Gültlingen, Haiterbach, Sulz und Wildberg die Schafzucht in größer Ausdehnung betreiben. Am 1. Januar 1859 besaß der Bezirk 72 spanische, 3012 Bastard- und 3143 Landschafe, zusammen 6227 Stück. In Vergleichung mit den übrigen Oberamtsbezirken des Königreichs nimmt der Bezirk hinsichtlich der Anzahl der Schafe die 21. Stelle ein. Die Wolle wird theils an Tuchmacher in den Orten selbst oder in der nächsten Umgegend, theils nach Calw und Kirchheim abgesetzt. Der Abstoß der Schafe geschieht zuweilen nach Frankreich.

Die eigentliche Zucht der Schweine ist im Allgemeinen unbedeutend und nur in Nagold, Eb- und Wöllhausen, Gültlingen, | Sulz, Altensteig und Wildberg von einiger Bedeutung. Wildberg hat die ausgedehnteste Schweinezucht und setzt viele gezogene Ferkel nach Außen ab ohne von Außen zuzukaufen; auch Gültlingen verkauft viele Ferkel bezieht aber beinahe eben so viele von Außen, während die übrigen Orte ihre Ferkel entweder alle oder theilweise auswärts aufkaufen. Die gezogenen, wie die aufgekauften Ferkel werden theils für den eigenen Bedarf, theils zum Verkauf gemästet. Im Allgemeinen ist die Schweinezucht im Zunehmen und hat sich besonders in neuerer Zeit durch die Einführung der englischen Race vorzugsweise in den milderen Gegenden des Bezirks sehr verbessert; außer dieser wird die bayerische und die gewöhnliche Landrace, besonders in den Waldorten gehalten. In Vergleichung mit den übrigen Oberämtern nimmt der disseitige Bezirk nach der Gesammtzahl der Schweine die 32. Stelle ein. Die Zahl der am 1. Jan. 1859 vorhandenen Schweine betrug 2249.

Die Ziegenzucht, welche meist von Unbemittelten der Milch wegen getrieben wird, ist nur in den Orten Nagold, Eb- und Wöllhausen, Walddorf und Wildberg von einigem Belang. Im Januar 1859 waren 725 Stück Ziegen im Bezirk.

Die im Allgemeinen zurückgekommene Bienenzucht hebt sich durch die Einwirkung des landwirthschaftlichen Vereins und ist in Emmingen, Gültlingen, Rohrdorf, wo sich der Wirth Conrad Breuning in der Bienenzucht auszeichnet, Simmersfeld, Spielberg, Sulz und Unter-Schwandorf von einiger Bedeutung. Die höchste Zahl der Stöcke beträgt in einer Gemeinde (und zwar in Gültlingen) 168. Im Januar wurden im Bezirk 1537 Stöcke gezählt.

Die Geflügelzucht beschränkt sich nur auf den eigenen Bedarf.

d) Jagd und Fischerei.

Die Jagd ist in Folge des Jagdgesetzes vom 17. August 1849 sehr zurückgekommen, indessen beherbergt der tiefere Wald noch immer einiges Edelwild und wird überdieß durch einen mäßigen Rehstand und durch Auer- und Haselwild belebt. Der Hase, das Feldhuhn und die Wachtel kommen mehr in den fruchtreicheren Gegenden des Bezirks vor, während sich die Schnepfe auf ihren Wanderungen mehr oder weniger im ganzen Bezirk zeigt und zuweilen daselbst brütet. Von dem Raubzeug kommen vor: der Fuchs, der Stein- und Edelmarder, der Iltis, die wilde Katze, das große und kleine Wiesel, der Dachs und zuweilen der Fischotter.

Die Jagdfrohnen und die früheren Hundeaufstockungs-Verbindlichkeiten sind sämmtlich abgelöst.

| Die Fischerei, welche sich vorzugsweise mit schmackhaften Forellen, Weißfischen, Schuppfischen, seltener Aschen und zuweilen mit Aalen beschäftigt, ist gerade nicht von Bedeutung.

Das Fischrecht ist theils im Besitz von Gemeinden und Privaten, theils vom Staat, welch’ letzterer es durch Verpachtung ausübt (s. hier. auch die Ortsbeschreibungen).

B. Kunst, Gewerbefleiß und Handel.
I. Fabrikationsanstalten.

Die Gewerbsthätigkeit im Bezirk wendet sich theils mechanischen Fabrikationszweigen, theils – und hauptsächlich in den Waldgegenden – dem Handel mit Walderzeugnissen zu.

Fabriken sind im Bezirk folgende:

8 Wolle- (Streichgarn-) Spinnereien in Altensteig, Ebhausen, Rohrdorf, Ober-Schwandorf und Nagold, mit zus. 4820 Spindeln und 180 Arbeitern; der tägliche Verdienst der Letzteren hält sich zwischen 18 bis 54 kr. – 4 Tuchfabriken in Rohrdorf und Altensteig mit zusammen 7 Maschinenstühlen und 24 Handstühlen woran 42 Arbeiter beschäftigt sind. – 5 Walkmühlen.

Außerdem mögen hier aufgezählt werden:

6 Zündwaarenfabriken, 8 Kalkbrennereien, 11 Ziegeleien, 5 Gypsmühlen, 11 Ölmühlen, 7 Lohmühlen, 25 Sägmühlen, 1 Pottaschesiederei, 2 Rußhütten, 29 Mahlmühlen mit 96 Mahlgängen, 64 Bierbrauereien, 152 Branntweinbrennereien.

Von Belang, wenn auch in handwerksmäßigem Betrieb sind: die Gerberei in Altensteig und Nagold, die Tuchmacherei in Nagold und Rohrdorf, die Zeugmacherei in Ebhausen und Wildberg, die Strumpfweberei in Nagold und Haiterbach, die Färberei in Nagold und Rohrdorf, die Küblerarbeiten in Haiterbach.

Erwähnenswerth ist die Fabrikation von Conditoreiwaaren und Kaffee-Surrogat von Louis Sautter in Nagold.

2 Papiermühlen bei Wildberg und Gültlingen fabriciren hauptsächlich Pappendeckel.

Eine größere Rasenbleiche ist in Rohrdorf.

Dampfmaschinen bestehen bis jetzt im Bezirk nicht, sondern es wird als bewegende Kraft nur das Wasser benützt.

Im Handel mit Walderzeugnissen ist der Langholzhandel zuerst zu nennen. Derselbe wird in mehreren Gemeinden, hauptsächlich aber in Altensteig, Berneck und Nagold betrieben; es setzen die Holzhändler ihre Waare theils schon in Calw und Pforzheim, theils | in Heilbronn und Mannheim ab. Sie benützen hiezu die Nagold-Floßstraße, in der Enzgegend – die Enz. Von den Seitenbächen der Nagold ist nur der Zinsbach zur Langsholzflößerei eingerichtet.

Scheiterholz findet seit einer Reihe von Jahren auf der Nagold nicht mehr statt, aber auf der Enz. Im Schnaitbach hat sich die Stadt Altensteig das Recht dazu auch noch gewahrt.

Ein großer Theil des Stammholzes wandert in die Sägmühlen und wird sodann in der Form von Dielen, Brettern, Bödseiten Rahmschenkeln, Latten, Bauhölzern, in Handel gebracht. Einige der 25. Sägmühlen, wovon einzelne auch Kreissägen haben, gehören Gesellschaften, deren Mitglieder sich nach Verhältniß ihrer Antheile in die Benützungszeit theilen.

Große Thätigkeit herrscht seit mehreren Jahren, je gegen das Frühjahr hin, im Handel mit Hopfenstangen, namentlich in das sog. Gäu nach Rottenburg und nach Tübingen, wo die Hopfenkultur große Ausdehnung erlangt hat, und die Nachfrage nach Hopfenstangen deren Preis steigert.

In Holzsamen macht Chr. Geigle in Schönbronn bedeutende Geschäfte auch über die deutschen Marken hinaus. Derselbe hat sich auch eine Samen-Auskling-Anstalt eingerichtet.

Die Zahl der Holzhändler, wozu übrigens die in vielen Gemeinden befindlichen Zwischenhändler nicht gerechnet werden, beträgt 6. Sie befassen sich hauptsächlich mit Langholz.

Dieses kommt gewöhnlich in den gebräuchlichen vier Sorten Holländerholz, Meßholz, Fünfziger und Gemeinholz in den Handel, und wird vom Händler in der Regel schon gefällt und zugerichtet, zuweilen übrigens auch auf dem Stock im Wald erkauft. Das Einbinden des Holzes in Flöße geschieht an den sog. Polterplätzen. In der Regel übernehmen einige Männer dieses Geschäft im Accord, entweder nach dem Kubikinhalt des Holzes zu 1 kr. per Kub. F., oder nach der Zahl der Stämme zu 10 kr. bis 1 fl. 30 kr. per Stamm, wobei die erforderlichen Floßwieden eingerechnet sind. Die Flöße werden meist in Pforzheim in größere Flöße umgebunden und auf der Enz und dem Neckar nach Mannheim geführt, so weit sie nicht unterwegs schon zum Verkauf kommen. Die Kosten des Transportes vom Wald bis Mannheim belaufen sich auf 4–5 kr. per. Kub. F. Die Länge der Flöße ist verschieden; die meisten derselben sind 800–1000′ lang, haben eine Breite bis zu 13′ und es soll ein solcher Floß von 6 Männern geführt werden. Die Produkte der 25 Sägmühlen werden zum Theil in der Gegend selbst verbraucht, zum großen Theil aber auch versendet und im letzteren Fall häufig | auf die Langholzflöße als Oblast geladen. Ihr Gesammtwerth läßt sich auf etwa 100.000 fl. per Jahr berechnen. Durchschnittlich liefert ein Säggang täglich 80 Schnitte.

Überdieß befinden sich nach den Steuerkatastern im Bezirk folgende:

II. Mechanische Künstler und Handwerker.
Meister Gehilf. Meister Gehilf.
Bäcker 184 49   Kupferschmiede 6 3
Barbire 12 Maurer u. Steinhauer 133 142
Buchbinder 7 5 Metzger 74 17
Bürstenbinder 5 4 Musiker 3
Conditoren 5 5 Pflästerer 12 4
Dreher 12 9 Sattler 30 15
Färber 12 12 Schlosser 39 22
Flaschner 7 5 Schmiede 67 41
Fischer 5 Schneider 169 30
Gärtner 1 Schreiner 89 63
Gerber 43 28 Schuhmacher 248 135
Gold- u. Silberarbeiter 3 1 Seifensieder 7 5
Glaser 20 11 Seiler 22 13
Hafner 27 17 Tuchmacher 23 43
Hutmacher 8 2 Uhrenmacher 5 4
Kaminfeger 2 Wagner 35 22
Kammacher 2 2 Zimmerleute 80 75
Kübler und Küfer 99 32
III. Handels-Gewerbe.
Buchhandlung und Buchdruckerei 1 2 Gast- u. Schildwirthschaften 161 20
Kaufleute 65 29 Speise- und Gassenwirtschaften 37 6
Krämer etc. 39 Fuhrleute 33 20
Apotheken 4


« Kapitel A 4 Beschreibung des Oberamts Nagold Kapitel A 6 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).