Beschreibung des Oberamts Laupheim/Schwendi

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Schwendi.
Gemeinde III. Klasse mit 1.076 Einw., worunter 6 evangel. – Kath. Pfarrei. Die evangel. Einwohner sind nach Wain eingepfarrt.

In dem freundlichen Roth-Thale liegt auf der rechten Seite des Flüßchens, geschützt gegen Ost- und Nordostwinde, der in die Länge gebaute ansehnliche Ort, welcher mit seinen zwei Kirchen und den namhaften, der Gutsherrschaft v. Süskind gehörigen Gebäuden eine malerische Ansicht bietet. Von dem Orte selbst, noch mehr aber von dem östlich desselben gelegenen Kellerberg genießt man eine ansprechende Aussicht in das Roth-Thal, das hier über 1/8 Stunden breit ist. Das vielfältig gekrümmte Flüßchen, welches nicht selten austritt und zuweilen die Thalwiesen versandet, bespült noch den westlichsten Ortstheil. Der südwestlich von Schwendi entspringende Schindbach fließt eine Zeitlang neben der Roth her und verbindet sich unterhalb des Orts mit derselben. Gutes Trinkwasser ist im Überfluß vorhanden. Die Gebäude sind, mit Ausnahme der im städtischen Styl erbauten gutsherrlichen und der öffentlichen, meist gewöhnliche, aus Holz erbaute Bauernwohnungen, deren unteres Stockwerk zuweilen aus Stein aufgeführt ist, und deren Bedachung nur selten aus Stroh, sondern beinahe durchgängig aus Ziegelplatten besteht.

Am nördlichen Ende des Dorfs steht auf der Stelle einer ehemaligen Burg, von der man noch Grundreste findet, inmitten des mit einer festen Mauer umgebenen Begräbnißplatzes, die im Jahr 1561 von Markward v. Schwendi in germanischem Style erbaute Pfarrkirche zum heil. Stephan; später, namentlich im Jahr 1724 verändert und im Jahr 1845 verbessert, blieb derselben von| ihrer früheren Bauweise nur noch der mit einem halben Achteck schließende, mit Strebepfeilern versehene Chor, wogegen die spitzbogigen Fenster an Chor und Schiff in moderne rundbogige umgewandelt wurden. Der unten viereckige, gegen oben in ein Achteck übergehende Thurm trägt ein mit Blech beschlagenes Bohlendach. Das geräumige, sehr freundlich theils im Renaissance- – theils im Rococcogeschmack ausgestattete Innere der Kirche, dessen flache Decke mit Malereien geziert ist, enthält mehrere alte Grabdenkmale, und zwar: 1) Ein geharnischter Ritter auf einem Löwen stehend, mit dem Wappen der Herren v. Schwendi und v. Stain zu seinen Füßen und der Umschrift: „anno dom. 1547 starb die edel und tugendsam, fromm Dorothea ..... starb der edel und vest Marquart von und zu Schwendin und Schaffhausen etc.“ 2) das Wappen der Herren v. Schwendi und v. Elchingen mit der Umschrift: „anno dom. 1462 starb der edel und vest Fritz v. Schwändin; 1473 starb die edel, fromm Frau Agnes v. Aelchingen etc.“, 3) ein geharnischter Ritter auf einem Hund stehend, neben das Wappen v. Schwendi mit der Umschrift: „anno dom. 1544 starb die edel und tugendlich Fraw Barbara v. Hausperg, 1553 † die edel tugendsam Frau Bertha ..... v. Ems; „anno dom. 1558 † der edel und vest Wilhelm v. Schwendin etc., 4) ein geharnischter Ritter auf einem Hund stehend mit der Umschrift: „anno dom. 1561 starb die edel tugendsam Fraw Agnes von Schwendin geb. v. Stotzingen; „anno dom. 1539 † der edel und vest Junkher Hans v. Schwendin etc.“ und 5) das Grabmal des Reichsfürsten, Ernst v. Oettingen-Spielberg, Römisch K. Majestät Reichshofrath, † 1768 den 23. Mai. Unter dem Langhaus der Kirche befindet sich die ehemalige Gruft. Ein weit gesprengter Rundbogen führt zu dem um zwei Stufen höher gelegenen Chor, dessen flache Decke mit einer Freske, die Steinigung des heil. Stephan vorstellend, geziert ist. Der überaus reich verzierte Hochaltar enthält ein gut gemaltes Bild der heil. Maria. An dem Triumphbogen zwischen Schiff und Chor sind die Wappen der Herren von Schwendi und v. Stein mit folgender Unterschrift angebracht. „anno dom. 1561 hat der edel und vest Marquart von und zu Schwendin, der Zeit Pfleger zu Rötenberg, diese Kirche erbauen lassen. Über der südlich angebauten Sacristey, wie oberhalb der nördlich angebauten Josephskapelle hängen mehrere runde, aus Holz geschnittene, mit Wappen und Familienbilder geschmückte Gedenktafeln der Herren v. Schwendi aus dem 16. und 17. Jahrhundert, wie auch die ausgedehnte Stammtafel der Familie v. Schwendi. Die Kirche ist im Besitz von sehr kostbaren und künstlich gearbeiteten Kirchengeräthschaften | unter denen sich eine Monstranz und ein kunstreiches Rauchfaß auszeichnen.

Im südlichen Theile des Orts steht etwas erhöht die Kapelle zur heil. Anna, welche früher die Pfarrkirche gewesen sein soll; sie ist im ganz einfachen germanischen Style, nach einer in dem Innern der Kirche angebrachten Jahreszahl 1484 erbaut, und trägt auf der westlichen Giebelseite ein in neuerer Zeit aufgesetztes, mit einem Zeltdach gedecktes Thürmchen (Dachreiter). Der Eingang, sowie die Fenster an dem Langhause und an dem dreiseitig schließenden, mit Strebepfeilern versehenen Chor sind spitzbogig, jedoch ohne Füllungen in den Bogentheilen. Die Decke des Innern ist flach, dagegen besteht die des Chors aus einem schön construirten Netzgewölbe, auf dessen Schlußstein das Lamm Gottes gemalt ist, während an zwei Seitenmaschen Schilde mit dem Wappen der Herren v. Schwendi und v. Hohenlandsberg angebracht sind. Die Gewölbegurten gehen von Consolen aus, die theils Fratzengesichter – theils Wappenschilde vorstellen. Im Chor befindet sich ein im Allgemeinen wohlerhaltener Altarschrank, wohl das bedeutendste Werk mittelalterlicher Kunst im ganzen Oberamtsbezirk. Der Schrank selbst, eine Nische mit Goldgrund bildend, enthält drei gut geschnittene Figuren aus Holz, Maria, zu ihrer rechten Seite den heil. Laurentius, zu ihrer linken den heil. Veit. Die Altarflügel enthalten auf den inneren Seiten die Einzelfiguren der heil. Barbara und der heil. Katharina auf Goldgrund gemalt, die Außenseiten aber den heil. Johannes und den heil. Rochus. Die Flügelbilder sind 2′ breit und 4′ hoch. Die 5′ lange und 2′ breite Predella zeigt die Brustbilder der vier Evangelisten mit ihren Symbolen auf Goldgrund, Köpfe von großer Schönheit und charakteristischem Ausdrucke. Sämmtliche Bilder, namentlich die auf der Predella, sind vortrefflich ausgeführt, und erinnern lebhaft an die Werke Zeitbloms und überhaupt an die Ulmer Schule. Von geringerem Kunstwerthe und weit flüchtiger gehalten sind die größtenteils verdorbenen Bilder auf der Rückseite des Altarschranks, welche das von Engeln gehaltene Schweißtuch der heil. Veronica und das jüngste Gericht darstellen.

Eine kleine Feldkapelle mit dem Bilde der schmerzensreichen Mutter Maria steht 1/8 Stunde nördlich vom Ort an der Landstraße nach Groß-Schaffhausen; die Unterhaltung der Kirche und der Kapellen haftet auf dem vorhandenen Kirchenfonds, jedoch ist bei dessen Unzulänglichkeit die Gutsherrschaft bisher in’s Mittel getreten.

Das in der Nähe der Pfarrkirche stehende Pfarrhaus, welches | die Gutsherrschaft zu unterhalten hat, wurde nach einer an demselben angebrachten Jahrszahl 1551 erbaut, und befindet sich, trotz seines hohen Alters, in gutem baulichen Zustande.

Das Schulhaus, in welchem zugleich die Rathszimmer und die Lehrerswohnung sich befinden, wurde 1846 mit einem Gemeindeaufwand von 10.500 fl. neu erbaut.

In der Nähe der Kirche steht das erst in den Jahren 1852/53 an der Stelle des alten, vor einigen Jahren abgerissenen Schlosses, erbaute neue Schloß des Freiherrn von Süskind, ein großartiges, in einem sehr ansprechenden Style gehaltenes, massives Gebäude, das mit seinen theils neuen, theils noch von dem früheren Schloß herrührenden Neben- und Öconomiegebäuden eine sehr ansehnliche Gruppe bildet. Unter denselben befindet sich auch die im Jahr 1748 zweckmäßig und dauerhaft erbaute herrschaftliche Bierbrauerei, die ihr treffliches Bier weithin absetzt und jährlich 12–15.000 Simri Malz verbraucht. An das neue Schloß lehnt sich ein freundlicher Schloßgarten, von dem man eine liebliche Aussicht in das Roth-Thal genießt. Um das alte Schloß lief ein tiefer Graben, dessen letzte Spuren theilweise noch sichtbar sind[1].

Eine im Jahr 1745 von Graf Anton Ernst von Oettingen erbaute herrschaftliche Mühle mit vier Mahlgängen und einem Gerbgang, die in neuerer Zeit eine verbesserte Einrichtung erhielt, wird am westlichen Ende des Orts von der Roth in Bewegung gesetzt. Zunächst derselben an der Rothbrücke wurde im Jahr 1851 eine Gyps- und Oelmühle erbaut, und einige hundert Schritte weiter oben an dem Flüßchen steht eine Säg-, Öl- und Rändelmühle; an dem Schindbach befindet sich eine Lohmühle.

Im Ort bestehen zwei Schildwirthschaften.

Die Einwohner sind im Allgemeinen gut gewachsene, kräftige, lebensfrohe Leute; bei der gesunden Lage des Orts kommen ansteckende Krankheiten höchst selten vor, wie denn auch die Einwohner, namentlich die weiblichen, häufig ein hohes Alter erreichen. Feldbau und Viehzucht bilden die Haupterwerbsmittel; die Weberei, welche früher eine bedeutende Erwerbsquelle war, ist in Folge der Linnenfabriken sehr herabgekommen, was drückend auf die im Allgemeinen ziemlich unbemittelten Einwohner einwirkt; dagegen bietet die Grundherrschaft, welcher über 1/3 der Markung eigen ist, viel Gelegenheit zum Verdienst. Mit Ausnahme der Gutsherrschaft | beträgt der ausgedehnteste Güterbesitz etwa 80 Morgen, während die Mehrzahl der Einwohner nur einige Morgen Grundeigentum hat. Das auf der Markung zerstreut liegende, grundherrliche Gut, in etwa 300 Morgen Felder und 915 Morgen Waldungen bestehend, wird unter der Leitung des im Ort wohnenden Freiherrn v. Süskind rationell bewirthschaftet, was einen vorteilhaften Einfluß auf den landwirthchaftlichen Betrieb im Allgemeinen ausübt.

Der Boden der, mit Ausnahme des Roth-Thals, etwas unebenen Markung ist im Allgemeinen mittelfruchtbar, und in nördlicher Richtung gegen die Waldungen hin theilweise unergiebig; die ergiebigsten Felder liegen im sog. untern Feld, in der Richtung gegen Groß-Schaffhausen. Torf, welcher überdieß von geringer Beschaffenheit ist, wird nur an einzelnen Stellen des moorgründigen Roth-Thals gewonnen.

Das Klima ist mild und gesund, jedoch stellen sich zuweilen schädliche Nebel und Frühlingsfröste ein.

Im üblichen Dreifeldersystem baut man die gewöhnlichen Getreidearten, und in der zu 9/10 angeblümten Brache werden Kartoffeln, Futterkräuter, Bodenkohlraben, Wicken, Rüben, Reps, ziemlich viel Flachs und Hanf gezogen; Flachs kommt auch in eigenen Ländern zum Anbau, derselbe wird im Ort selbst versponnen. Der Hopfenbau, dessen Ertrag in die gutsherrschaftliche Brauerei verkauft wird, ist nicht beträchtlich. Auf den Morgen rechnet man einen durchschnittlichen Ertrag von 5–6 Scheffel Dinkel, 3–4 Scheffel Hafer, 3–4 Scheffel Gerste und 3–4 Scheffel Roggen. Die über den Ortsbedarf erzeugten Feldprodukte werden meist nach Biberach, weniger nach Ulm abgesetzt. Der höchste Preis eines Morgens Acker beträgt 300 fl., der mittlere 200 fl. und der geringste 100 fl.

Die Wiesen sind zweimähdig, und einige der Grundherrschaft gehörige, denen Wässerung zukommt, sogar dreimähdig; sie liefern ein gutes, nahrhaftes Futter, das übrigens zuweilen durch Überschwemmungen zur Zeit der Heuernte entweder weggeschwemmt wird oder doch nothleidet. Der durchschnittliche Ertrag wird zu 15 Centner Heu und zu 10 Centner Öhmd angegeben. Die Preise der Wiesen sind denen der Äcker gleich.

Die Obstzucht ist nicht beträchtlich und wird nur in der nächsten Umgebung des Orts betrieben; sie beschäftigt sich hauptsächlich mit den im Oberlande gewöhnlichen Äpfel- und Birnensorten, etwas Zwetschgen und Kirschen.

Eigentliche Weiden sind nicht vorhanden, auch die Brach- | und Stoppelweide wird seit einigen Jahren von der Gemeinde nicht mehr verliehen, im Spätjahr findet noch Viehaustrieb statt.

Da meist mit Kühen und Ochsen, und nur bei vermöglicheren Bauern mit Pferden gepflügt wird, so ist die Pferdezucht nicht bedeutend, dagegen wird die Rindviehzucht (hauptsächlich Allgäuer-Race) gut betrieben; namentlich zeichnet sich das der Gutsherrschaft gehörige Vieh aus, welche auch zur Nachzüchtung einen eigenen Farren hält. Überdieß werden noch drei Farren von einem Ortsbürger gegen Entschädigung von Seite der Gemeinde gehalten. Ein Theil des Milcherzeugnisses wird in der grundherrlichen Käserei verbraucht, welche gute Käse bereitet und in der Umgegend absetzt. Der Handel mit Vieh ist nicht beträchtlich.

Die Schweinezucht ist von keinem großen Belang, doch in neuester Zeit etwas im Zunehmen begriffen; es werden Ferkel und zum Theil auch gemästete Schweine nach Außen verkauft, dagegen führt man jährlich eine Anzahl Bayerschweine ein.

Das gezogene Geflügel wird meist an Händler verkauft.

Die Bienenzucht ist unbedeutend. Die Fischerei, welche neben den gewöhnlichen Weißfischen, Barben etc. zuweilen auch Hechte liefert, steht der Gutsherrschaft zu.

Von den Gewerben sind außer den schon angeführten Mühlen, der gutsherrschaftlichen Brauerei und der Linnenweberei, noch ein Blasbalgmacher und ein Goldschmid zu nennen; die übrigen dienen nur den nöthigsten örtlichen Bedürfnissen.

Neben der Volksschule, an der ein Schulmeister und ein Lehrgehilfe unterrichten, besteht eine im Jahr 1851 errichtete Industrieschule.

Vicinalstraßen sind nach Gutenzell, Schönebürg, Groß-Schaffhausen und Wain angelegt.

Über die Roth führen eine hölzerne Brücke und zwei Stege; außer diesen bestehen auf der Markung noch drei kleinere Brücken, welche über Seitenzuflüsse der Roth angelegt sind.

Der Ort hat das Recht alljährlich drei Vieh- und Krämermärkte (den 3. Mai, den 29. September und den 21. November) abzuhalten, von denen übrigens nur einer von Bedeutung ist.

Über den Gemeinde- und Stiftungshaushalt s. Tabelle III. Als besondere Stiftungen bestehen: die Klausner’sche für Studirende und Handwerkspersonen mit 1000 fl. Kapital, eine Handwerksstiftung mit 200 fl. und eine Armenstiftung mit 1143 fl.

An der Kirche stehen ein Pfarrer und ein Kaplan, das Patronatrecht zu beiden Stellen hat die Grundherrschaft. | Zu der Gemeinde gehört die einzeln stehende, 1/8 Stunde südwestlich vom Ort im Roth-Thal gelegene Kleemeisterei.

Außerhalb östlich des Orts steht auf einer Anhöhe der dem Freiherrn von Süskind gehörige Bierkeller mit einigen Gartenanlagen und einer äußerst anziehenden Aussicht.

Schwendi erscheint erstmals um 1100 als Seveindi unter den Orten, an welchen Kloster Ochsenhausen Güter erhielt (Wirt. Urk.- Buch 1, 323).

Das Dorf war der Stammsitz eines berühmten Rittergeschlechts; die ältesten bekannten Glieder desselben sind Marcwardus und Meingoz de Suendi, im Jahr 1129 Zeugen in einer Urkunde des Klosters Ochsenhausen (eb. 1, 380). Der Name Markward ist fortan geraume Zeit in der Familie vorherrschend (Urk. von 1181, Orig. Guelf. 2, 627, Ochsenhaus. Urk. v. 1296 Febr. 3, Kloster Salemer Urk. von 1304 Jun. 23, Urk. von 1333 Dez. 3 in Reg. Boic. 7, 60). Dominus Heinricus de Swendin war mit Graf Conrad von Grüningen im Jahr 1228 in Palästina, Hainz von Sch. und Hans von Sch., Gebrüder, lebten im Jahr 1373 (Reg. Boic. 9, 296). Als Wappen führten diese Herren einen blauen Schild mit einem goldenen Querbalken, über und unter welchem je drei silberne Wecken neben einander stunden, der goldgekrönte Helm trug eine silberne Kugel, und über derselben waren drei schwarze Federn; die Helmdecken waren blau und silbern.

Im 16. Jahrhundert gingen von Wilhelm († 1522) und Ruland – zwei Söhnen des im Jahr 1506 gestorbenen Wilhelm’s von Schwendi, welcher sich im ungarischen Kriege auszeichnete – zwei Linien aus. Der jüngeren entsproßte – ein Sohn Rulands – das berühmteste Glied dieses Geschlechts und einer der hervorragendsten Männer seiner Zeit überhaupt, nämlich Lazarus von Schwendi, Herr zu Hohenlandsberg (im Elsaß), kaiserlicher General unter Kaiser Karl V., Kaiser Ferdinand I, und Kaiser Maximilian II., von letzterem in den Reichsfreiherrnstand mit dem Titel Freiherr zu Landsberg erhoben. Zu seinem bedeutenden Waffenruhm gesellte dieser Lazarus auch den eines geschätzten Schriftstellers über das Kriegswesen; sein Bedenken über die „Freistellung der Religion“, in edler Form geschrieben, zeigt ihn als einen gemäßigten Protestanten; biederer Ausdruck vaterländischen Geistes zeichnet die kleinen Gedichte aus, welche er verfaßte (Gervinus Gesch. der deutschen Dichtung 3, 60, Ausg. 4). Das Schloß Hohenlandsberg, weßhalb dieser Zweig der Herrn von Schwendi der elsäßische heißt, erkaufte er nach Ableben seines Besitzers, Joachim von Lupfen, im Jahr 1563, und erhielt von Kaiser Ferdinand das Recht, über | dieses Lehen testamentarisch zu verfügen (Golbéry Antiquités d'Alsace 1, 34); außerdem besaß er als Pfand von Österreich die Herrschaften Burkheim bei Altbreisach, Tryberg im Schwarzwald, Kirchhofen im Breisgau bei Staufen, sowie die gleichfalls österreichischen Lehen Kaisersperg, Kienzheim und Winzenheim unweit Kolmar, sodann auch mehrere Güter in Österreich. Er starb den 28. Mai 1584 zu Kirchhofen und wurde in der Kirche zu Kienzheim, wo noch sein Grabdenkmal ist, beerdigt. (Sein Leben bei Bergmann Medaillen auf berühmte Männer des österreichischen Kaiserstaats 2, 190–211.) Sein Erbe wurde sein Sohn Wilhelm; Wilhelms Erbin, dessen einziges Kind, Klara Eleonore, Gemahlin in erster Ehe des Grafen Ludwig von Fürstenberg, in zweiter des kaiserlichen Feldobersten, Freiherrn von der Leyen. In der überlebenden älteren Linie v. Schwendi blieben einem Hauptzweig, welcher bei der katholischen Confession beharrte, die Stammgüter Schwendi und Groß-Schaffhausen. Ein gleichnamiger jüngerer Sohn des im Jahr 1522 gestorbenen Wilhelms wurde Stifter eines später nach der Mark Brandenburg übersiedelten, protestantisch gewordenen Nebenzweigs, in welchem Joh. Sigmund, preußischer General-Lieutenant und 1713/23 Gouverneur von Spandau wurde (v. Zedlitz-Neukirch neues preuß. Adelslex. 4, 203). Im Hauptzweig zeichneten sich aus die drei Urenkel des Gründers: Markward, administrator perpetuus des Hochstifts Passau, und Domherr des Erzstifts Salzburg und des Hochstifts Augsburg († 1634), Maximilian, 1648 bischöflich passauischer Kammerherr, Hofmarschall, Hofrathspräsident und Abgesandter beim westphälischen Frieden, und Eberhard, gefallen den 18. Juli 1595 bei der Belagerung von Gran. Diesen Hauptzweig beschloß im Jahr 1700 des ebengenannten Maximilians Sohn, Franz. Franz hatte mit seiner zweiten Gemahlin, Maria Margaretha Johanna, Gräfin von Fugger-Kirchberg, seine Erbtochter Johanna gezeugt. Diese, seit 1689 Gattin des Grafen Franz Albrecht von Oettingen-Spielberg († 1737), brachte nach ihres Vaters Ableben die Herrschaft Schwendi, zu der auch Groß-Schaffhausen gehörte, an das Oettingische Haus, in welchem der zweitgeborne solche Herrschaft als Apanage besitzen solle. Des genannten Grafen jüngerer Sohn, Anton Ernst (gefürstet 1765, † 1768) erhielt im Jahr 1752 die kaiserliche Belehnung über den Blutbann bei der Herrschaft Schwendi (Materialien zur Oetting. Gesch. 3, 383, vergl. auch Wegelin Landeshoheit 2, 169), deren namengebender Hauptort Sitz eines Oettingischen Oberamts war. Von dem fürstlichen Hause Oettingen-Spielberg kaufte den Ort am 20. Februar 1820 der Bankier Freiherr von Süskind | in Augsburg für 150.000 fl., dessen Sohn, Max Theodor, der jetzige Besitzer ist.

In ritterschaftlichen Zeiten steuerte Schwendi zum Kanton Donau; im Jahr 1806 kam er unter bayerische, im Jahr 1810 unter württembergische Landeshoheit.

Ein zum Theil in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Markward v. Schwendi erbautes Schloß ist am 21. Januar 1693 abgebrannt.

In einer Kloster Ochsenhauser Urkunde vom 3. Februar 1296 erscheint Al. (Albrecht) decanus in Swendin.

  1. Auf dem nun abgegangenen Schloßthurme hing eine alte Jagdglocke, die Sauglocke genannt, mit der man zur Jagd läutete; sie hatte die Umschrift: „Wenn der Jäger mich läßt erklingen, muß Bauer und Hund zum Jagen springen“