Beschreibung des Oberamts Laupheim/Laupheim

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B. Ortsbeschreibung,

in alphabetischer Reihe der den Oberamtsbezirk bildenden 41 politischen Gemeinden oder Schultheißereien; jedoch unter Vorausstellung des Oberamtssitzes.

Die am Schluß beigefügten Tabellen gewähren übersichtliche Zusammenstellungen, I. der Bevölkerung, der Gebäude und des Viehstandes, II. des Flächenmaßes nach den verschiedenen Bestandtheilen und III. des Steuer-Catasters, des Gemeinde- und Stiftungshaushaltes.

Die Oberamtskarte zeigt die geographische Lage der Orte.


Laupheim,
[1]
Gemeinde II. Kl. mit 3.712 Einw., wov. 53 Evang. und 796 Juden. – Kath. Pfarrei; die Evang. sind nach Ober-Holzheim eingepfarrt, die Juden haben hier eine Synagoge.

Das marktberechtigte Pfarrdorf Laupheim liegt unter dem 27° 33′ 3,45″ östlicher Länge und 48° 13′ 47,75″ nördlicher Breite (Pfarrkirchenthurm), 26 geometrische Stunden von Stuttgart und 51/2 geom. Stunden von Ulm. Die Erhebung über dem Mittelmeer, und zwar die der Erdfläche an der Pfarrkirche, beträgt 1835,6 württemb. Fuß. Laupheim ist der Sitz des Oberamtsgerichts mit dem Gerichtsnotariat, des Oberamts mit der Oberamtspflege, des Oberamtsarztes und des Oberamts-Thierarztes (der Oberamtswundarzt wohnt noch in Wiblingen). Auch befindet sich hier eine Postexpedition, ein prakticirender Arzt und eine Apotheke.

| Der große, über 1/4 Stunde lange und stellenweise ebenso breite Ort, welcher sich früher in Groß- und Klein-Laupheim theilte, liegt in einer freundlichen, fruchtreichen Gegend am Einfluß des in der Nähe beginnenden Laubbachs in die Rottum, und ist theils an den nicht bedeutenden Thalgehängen gegen diese beiden Gewässer, theils in den Thalebenen ziemlich unregelmäßig hingebaut. Die meist einzeln stehenden, seltener zusammengebauten Wohnungen tragen häufig noch das Gepräge der Ländlichkeit und haben theilweise noch Strohbedachung, während neuere, namentlich die den hier wohnenden Israeliten gehörigen Häuser mehr im städtischen Style erbaut sind. Die durchschnittlich breiten, steinbeschlagenen Ortsstraßen wurden in neuerer Zeit vielfältig verbessert, und an die Stelle der mit Balken eingefaßten Seitengräben sind gepflasterte Kandeln getreten; die Düngerstätten sind meist im Rücken der Gebäude, oder doch außer Verbindung mit den Straßen angelegt. Am nordöstlichen Ende des Orts steht hochgelegen das seit 1843 an Privaten verkaufte sogenannte Groß-Laupheimer Schloß, welches, im Verein mit seinen Nebengebäuden und der nahen Pfarrkirche, die schönste Partie des Orts bildet. Der alte Theil, die ursprüngliche Lehenburg, ist auf die Ecke des Bergabhangs gegen den Laubbach gebaut und war auf zwei Seiten natürlich fest, während an der Ostseite ein tiefer, künstlich angelegter Graben, der vermuthlich früher auch an der Südseite lief, den Zutritt erschwerte. Dieses Gebäude hat 3 Stockwerke, und an den gegen Nordwesten und Südosten gekehrten Ecken desselben sind runde, an den zwei übrigen viereckige Thürme angebracht. Zunächst (nordwestlich) steht ein Gebäude, welches früher den Kindern und Wittwen der adeligen Familie – später dem grundherrschaftlichen Beamten als Wohnung diente; an dasselbe war eine mit einem Halbrund schließende Hauskapelle angebaut. An die südwestliche Ecke des alten Schlosses erbaute Carl v. Welden ein weiteres dreistockiges Gebäude (das neue Schloß) und ein namhaftes Öconomie-Gebäude, das sich rechtwinkelig an die südwestliche Ecke des neuen Schlosses anschließt; auch sind noch im Rücken desselben zwei weitere Nebengebäude vorhanden. Die Gebäude nebst Hofräumen und Garten umfriedigt eine Mauer, die ehemals mit runden Thürmen befestigt war, von denen sich zwei an beiden Seiten des Eingangs in den Schloßraum und einer an der nordwestlichen Mauerecke noch erhalten haben. Einer der ersteren dient als Wasserthurm, indem mittelst eines Druckwerks das Wasser vom Fuß des Schloßbergs bis zur Zinne des Thurms getrieben wird, um, von dieser wieder abwärts geleitet, die Brunnen des Schlosses zu speisen, in dessen Gelassen neuerlich | eine Bierbrauerei eingerichtet ist. An die südliche Seite der Schloßgebäude lehnt sich ein 72/8 Morgen großer Gemüse- und Baumgarten an. Die Aussicht von den Schloßgebäuden ist eine nicht sehr ausgedehnte, jedoch äußerst freundliche; das Auge überblickt hier im Vordergrunde das stattliche Laupheim, und über dieses hinweg das weitgedehnte Riß-Thal mit seinen lachenden Ortschaften; hinter demselben sind einzelne gegen die Donau ziehende Hügelreihen sichtbar, aus denen der Bussen, welcher auf seiner spitzen Kuppe die Kirche von Offingen trägt, majestätisch sich erhebt. Gegen Norden und Nordwesten gestattet der Punkt noch eine Aussicht in das freundliche Donauthal, die mit den Höhen des sogenannten Hochsträßes und des Deutschbuchs schließt; gegen Süden und Südwesten erscheinen bei heller Witterung in weiter Ferne die schneebedeckten Schweizergebirge. Die nächst diesen Schloßgebäuden stehende Pfarrkirche zum heil. Peter und Paul wurde im Jahr 1630 bedeutend renovirt und ohne Zweifel bei dieser Veranlassung ihre frühere Bauweise in die gegenwärtige einfache umgewandelt. Sie ist massiv aus Backsteinen erbaut, hat im Licht eine Länge von 114′, eine Breite von 50′ und eine Höhe von 74′ 7″. Bei der Unvermögenheit der bestehenden Kirchenpflege war die Kirchenbaulast früher Gegenstand vielfältiger Streitigkeiten. (Brigel, Beschreibung etc. S. 24 ff.) Als Zeuge des hohen Alters der Kirche steht an dem östlichen Ende derselben der massive, viereckige 112′ 4″ hohe Thurm [2]; er ist im Ganzen einfach gehalten und ohne Zweifel noch in seiner ursprünglichen Form, hat vier Stockwerke, von denen das oberste mit einem Rundbogenfries geziert ist und an den vier Ecken des Satteldachs streben schmucklose Säulchen empor. Auf dem Thurme (der eine große Anzahl Dohlen beherbergt) hängen drei Glocken, von denen die größte folgende Inschrift trägt: »Anno domini 1536 o rex glorie Christe veni cum pace;« auf der mittleren steht: »O rex glorie Christe veni cum pace ora pro nobis s. petre;« die kleinste wurde im Jahr 1848 gegossen. Das Innere der Kirche ist im Rococcogeschmack sehr freundlich und reinlich ausgestattet, namentlich wurde in neuester Zeit der Hauptaltar mittelst freiwilliger Beiträge auf eine würdige Weise erneuert; der mittlere Altar erhielt ein sehr ansprechendes neues Altarblatt, die Himmelfahrt Christi | vorstellend, gemalt von Carl Göser in Biberach, die zwei Seitenaltäre wurden mit Bildern, die Joh. Bapt. Magg von Laupheim malte, geschmückt. Überdieß enthält die Kirche einige Grabdenkmale, welche theils Gliedern der Familie v. Welden, theils Geistlichen angehören.

Das mit der Kirche durch einen Gang verbundene Pfarrhaus ist in einem gefälligen Styl massiv erbaut; es gehörte früher dem Kloster Ochsenhausen, dessen Wappen noch über dem Hauseingang angebracht ist, und ging im Jahr 1825 mit dem Ankauf von Ochsenhausen an den Staat über. Dabei befindet sich eine Scheune und eine Waschküche, sowie ein 13/8 Morgen 17 Ruthen großer Gras-, Baum- und Gemüsegarten.

Das jetzt zu Beamtenwohnungen und Kanzleien für das Oberamt und Oberamtsgericht dienende Klein-Laupheimer Schloß ward im Jahr 1769 im Rococcogeschmack erbaut, und ist ein sehr ansehnliches, dreistockiges Gebäude, welches mit freier Rundsicht am südlichen Ende des Orts auf einer Terrasse an dem linken Ufer der Rottum steht. Dasselbe hatte bis zum Jahr 1843 den letzten Besitzern des Ritterguts Klein-Laupheim als Wohnsitz gedient. Links von dem Schloß steht eine Remise, und an diese angebaut ist eine Landjäger-Kaserne, während in dem anstoßenden 13 Morgen großen ehemaligen Schloßgarten, auf Kosten des Staats gerichtliche Gefängnisse mit Wohnung für den Gerichtsdiener und von der Amtskorporation polizeiliche Gefängnisse mit der Wohnung des Oberamtsdieners nebst den Transportgefängnissen im Jahr 1844 neu erbaut wurden.

Am nördlichen Ende des Orts, wo die Ulm-Biberacher Landstraße von der nach Rißtissen führenden Vicinalstraße gekreuzt wird, steht die Kapelle zum heiligen Grab, welche Ritter Burkhardt von Ellerbach im Jahr 1440 erbauen ließ und im Jahr 1444 eine ewige Messe „uf der Straß, die in Ehre unser lieben Frauen St. Barbara, St. Leonhards und St. Antonis geweiht ist“, stiftete; ihre Einweihung geschah von Bischof Heinrich zu Constanz im Jahr 1449.

Im Jahr 1611 ließ Pfarrer Fogger in Bellenberg an der Nordseite der Kapelle einen Anbau errichten, welcher die Auferstehung Christi (das heilige Grab) gut in Stein ausgeführt mit der Überschrift „erit sepulchrum gloriosum“ enthält. Rechts am Rande ist der Name Welden und links Yrnheim Römersthal nebst Wappen und der Jahrszahl 1615 eingehauen. Eine über dem heiligen Grab auf Holz geschriebene Inschrift gibt folgende Nachricht:

„Ich Davit Fogger von Dischingen an der Thonau, Pfarrer | in Bellenberg, vor der Zeit 6 Jahre gewesen Caplan allhier zu unser lieben Frauven. Nachdem ich Ao 1608 von Jerusalem von dem heil. Grab und ausser dem heil. Land widerumb glücklich zu Haus gelangte, hab ich Gott zu Lob und zur Ehr der glorwirdigen Auferstehung Christi diese Capell nach rechtem und eigenthümlichem Form des Hayl. Grabs in Jerusalem allhier in dieß Orth gestiftet und auf meine Kosten aufbawen lassen, auch mit diesem Hailigthum des hail. Landes geziert und begabt. Gott der Allmächtige verleihe mir und allen Rechtgläubigen Christen eine fröhliche Auferstehung Amen. Ao Di. 1611.“

Seit dieser Zeit führt die Kapelle nicht mehr den Namen zu unserer lieben Frauen, sondern „zu dem heiligen Grab“ und ist als Wallfahrtsort, besonders in der Fastenzeit und in der Charwoche, viel besucht. In der Kapelle, welche im Jahr 1672 zu einem Filial der Pfarrkirche erhoben wurde, wird jeden Freitag Messe und bei Leichen auch die Predigten gehalten.

Von dem ursprünglichen Gebäude, das in den Renaissancegeschmack verändert wurde, haben sich an dem mit einem halben Achteck schließenden Chor die Strebepfeiler noch erhalten. Der an der Südseite stehende hohe schlanke Thurm ist von unten herauf viereckig und geht gegen oben in ein Achteck über, das ein mit Schieferplatten gedecktes Bohlendach trägt. Das freundliche Innere der Kapelle enthält drei Altäre, eine aus Marmor im Rococcogeschmack gearbeitete Kanzel und mehrere der Familie v. Welden angehörige Grabdenkmale aus dem vorigen und gegenwärtigen Jahrhundert. Um das ganze Gebäude ist einige Schuhe über der Erdfläche eine eiserne Kette gezogen, an die sich zwei Volkssagen knüpfen; die eine: es seien einst zur Zeit einer Viehseuche so viele Pferde gefallen, daß man von den Hufeisen derselben diese Kette zu bleibendem Andenken habe fertigen und um die Kirche legen lassen; die andere: es habe ein Fuhrmann, der im schlechten Weg mit seinem Fuhrwerk stecken geblieben sei, das Gelübde gethan, bei erhaltener Hülfe um die ganze Kapelle eine Kette machen zu lassen. An die westliche Seite der Kapelle ist das Meßnerhaus angebaut.

Der 13/8 Morgen 30 Ruthen große, ummauerte Begräbnißplatz grenzt an die Nordseite der Kapelle; in der Mitte desselben steht auf einer mit Zierbäumen umgebenen Rasenterrasse ein einfaches, aus Eisen gegossenes Betkreuz, dessen Querbalken die Aufschrift „Jesus, Erlöser!“ trägt.

Die an dem nordöstlichen Ortsende stehende Synagoge ließ die Israeliten-Gemeinde im Jahr 1836 mit einem Aufwand von 15.845 fl., zu dem der Staat 800 fl. beitrug, in einem einfachen, | modernen Rundbogenstyl massiv erbauen; in dem schmucklosen Innern derselben befinden sich zu beiden Seiten der Thora Emporstühle für die erwachsene männliche Jugend, während im Rücken zwei übereinander stehende Emporen für das weibliche Geschlecht dienen. Der für die Israeliten angelegte 3/8 Morgen große Begräbnißplatz liegt unfern (nördlich) der Synagoge und ist, wie diese, Eigenthum der Juden-Gemeinde.

Außer den Kirchen sind noch von öffentlichen Gebäuden zu nennen:

a) im Eigenthum der Gemeinde:

Das am Markt stehende zweistockige Korn- und Schrannengebäude, dessen unterer Raum zum Korn- und Victualienmarkt dient, während die im oberen Stockwerke befindlichen zwei Wohnungen theils vermiethet, theils als Wohnung an einen Schullehrer abgegeben sind, hat die Gemeinde von dem Staat mit Einschluß der Waghausgebühren um 4.311 fl. erkauft.

Auf dem Marktplatz steht das ansehnliche Schulhaus mit 4 Lehrzimmern und zwei Wohnungen der Unterlehrer; die Hauptlehrer wohnen in besondern Gebäuden, wovon eines der Gemeinde, das andere dem Staat gehört. In dem ehemaligen bei der Kirche gelegenen Schulgebäude, welches 1821 noch die einzige Schule war, wurde im Jahr 1852 eine fünfte Schule mit einem Unterlehrer errichtet.

Das Spritzen- und Materialienhaus an der neuen Krautgasse ist im Jahr 1843 mit einem Aufwand von 2000 fl. von der Gemeinde erbaut worden.

b) Die Kapellenpflege besitzt:

Das Kaplaneihaus, ein mit freier Aussicht auf dem Kirchberge im Jahr 1842 um die Summe von 5.770 fl. neu erbautes Gebäude.

c) Eigenthum der Armenstiftung ist:

Der auf dem Marktplatz stehende Hospital', ein zweistockiges, im Jahr 1598 massiv erbautes Gebäude mit Thürmchen und Uhr; seit der Aufhebung der sogenannten Pfründer (1795) dient das untere Stockwerk zu den Gelassen der Ortsbehörden. In den Gelassen des oberen Stockwerks befinden sich die Wohnungen des Ortsvorstandes und des Hospitalpflegers.

Hinter diesem Gebäude wurde im Jahr 1835 mit einem Aufwand von 2.365 fl. ein neues Armenhaus zur Aufnahme obdachloser Personen erbaut.

d) Die Israeliten-Gemeinde zählt als ihr Eigenthum:
Das der Synagoge gegenüber liegende Rabbinats- und Schulhaus, welches in den oberen Gelassen die Wohnung des Rabbinen, in den unteren die des Schulmeisters und 2 Lehrzimmer | enthält. Seit 1846 ist die Gemeinde Laupheim verpflichtet, das Schulgebäude zu unterhalten.

Das Armen- und Todtenhaus, unweit des Friedhofes, im unteren Stockwerk zu einer Todtenkammer mit Wachstübchen, im oberen zu einer Wohnung eingerichtet.

Das Frauenbad, wozu ein Theil eines Privathauses benützt wird.

e) Endlich ist der Metzgerzunft eigen: das im Jahr 1834 mit einem Aufwand von 1.700 fl. erbaute Schlachthaus am Laubbach.

An gesundem Trinkwasser hat der Ort Überfluß, indem beinahe in jedem Hause ein Pumpbrunnen sich befindet, und überdieß neben einem öffentlichen Brunnen, der vortreffliches Wasser liefert, noch weitere laufende Brunnen vorhanden sind. Auf dem Marktplatze ist eine periodisch fließende Quelle, der Pfändler genannt, gefaßt, die schon im Jahr 1400 bestand. Die Rottum fließt in zwei Armen, die sich übrigens in der Nähe des Klein-Laupheimer Schlosses wieder vereinigen, durch den unteren Theil des Orts und setzt dort zwei Mühlen in Bewegung; über die beiden Arme führen hölzerne Brücken.

Am Fuß des Groß-Laupheimer Schloßberges entspringen mehrere Quellen und bilden den Laubbach, welcher bei starken Regengüssen oder zur Zeit des Schneeabgangs aus einem südwestlich von Bühl beginnenden Trockenthale bedeutende Zuflüsse erhält, und, nachdem er schon bei seinem Beginnen eine Lohmühle in Bewegung gesetzt hat, sich bald in zwei Arme theilt, welche in nicht großer Entfernung von einander theils durch die östliche Partie des Orts, theils durch die angrenzenden Wiesengründe ihrer Vereinigung mit der Rottum bei der Klein-Laupheimer Mühle zueilen. Bei dem Anfange dieses Bachs besteht ein kleiner See, der als ein Rest des früher hier vorhandenen größeren, nun in Wiesengrund verwandelten Weihers zu betrachten ist; ebenso wurde der an dem Fußweg nach Baustetten gelegene Schelmenweiher trocken gelegt und dem Wiesenbau übergeben. Außer den angegebenen Gewässern berühren noch den westlichen Theil der Markung die Dürnau und mehrere kleinere Bäche (Gräben), wie der Gillgraben, der Floßgraben, der Zieppegraben, der große und kleine Höllgraben etc. Eine hölzerne Brücke führt auf dem Marktplatz über den Laubbach.

Außerhalb des Orts befinden sich noch 6 hölzerne Brücken auf der Markung, von denen die an der Vicinalstraße nach Rißtissen über die Rottum und die Dürnach angelegten die bedeutendsten sind.

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Was die Bevölkerungsverhältnisse betrifft, so zählte der Marktflecken Laupheim auf den 3. Dezember 1854 3712 Ortsangehörige, und zwar 1833 männliche, 1879 weibliche; derselbe hatte 1852 3519 Ortsanwesende, nämlich 1661 männliche, 1858 weibliche. Die Zählung am 3. Dezember 1846 ergab 3540 Angehörige, worunter 51 evangelischer, 2730 katholischer Religion und 759 Juden (Israeliten) sich befanden. Am 1. November 1832 war die Zahl der Angehörigen 2934, worunter 7 evangel., 2303 kathol. Confession und 624 Juden waren.

Die angehörige Bevölkerung hatte hienach von 1832 bis 1854 um 778 zugenommen, und zwar die christliche Bevölkerung um 26 Procent, die jüdische um 28 Procent, oder im jährlichen Durchschnitt um resp. 1,2 und 1,3 Procent.

Die Familienzahl betrug 1846 751; 1852 723. Es kamen hienach auf 1 Familie 4,7 und 4,4 Angehörige.

Ferner waren vorhanden

  1832
(1. Nov.)
           1846
(3. Dez.)
 
Verehelichte . . . . 918 1.180
Wittwer. . . . 45 54
Wittwen. . . . 110 105
Geschiedene. . . . 4
Unverehelichte . . . . 1.861 2.197
2.934 3.540

Die Zahl der Ehen belief sich demnach 1832 auf 459; 1846 auf 590.

In dem Jahrzehnt von 1836/46 betrug durchschnittlich die Zahl der jährlichen Geburten 160,4; darunter uneheliche 14,8. Es kommen hienach auf 1000 Einwohner 48,9 Geburten (oder 1 Geburt auf 20,5 Einw.); unter 100 Geburten waren 9,2 unehelich, oder die unehelichen verhalten sich zu den ehelichen wie 1 : 9,8. Dieses Verhältniß ist günstiger als das des Oberamts (1 : 7,2) und als das vom Königreich (1 : 7,8).

Gestorben sind nach demselben Durchschnitt jährlich 126,5 Personen (62,1 männliche, 64,4 weibliche); hienach kommen auf 1000 Einwohner 38,5 Sterbfälle (1 Gestorbener auf 25,9 Lebende) und zwar auf 1000 Einwohner männlichen Geschlechts 39,8, auf 1000 Einwohner weiblichen Geschlechts 37,4 Sterbefälle.

Auf 100 Gestorbene kommen 126,8 Geborene; der natürliche Zuwachs der Bevölkerung betrug von 1836/46 339 Seelen (190 männliche, 149 weibliche), die Zunahme durch | Wanderung 206 (81 männliche, 125 weibliche); die Zunahme überhaupt 501 (255 männliche, 246 weibliche).

Bei der Zählung auf den 3. Dez. 1846 fanden sich Übersechzigjährige hier 279 (127 männliche, 152 weibliche). Es kamen daher Angehörige dieser Altersklasse auf 1000 Einwohner 78,8, während auf ebensoviel im Oberamt 88,2, im ganzen Lande 75,7 kommen.

Die Einwohner zeigen im Allgemeinen einen gesunden, kräftigen Körperbau; sie verbinden mit einem religiösen, ordnungsliebenden Sinn häusliche Sparsamkeit, Fleiß und rege Thätigkeit, besonders in landwirthschaftlichen Geschäften. Ihre Kleidertracht ist die gewöhnliche ländliche (siehe hier den allgem. Theil), mit Ausnahme der Gewerbetreibenden und der jüdischen Einwohner, die sich städtisch kleiden. Unter den christlichen Eheleuten besteht meist allgemeine Gütergemeinschaft, während bei den Israeliten das Sondervermögensverhältniß durchaus üblich ist.

Die Nahrungsquellen der christlichen Einwohner, deren Vermögensumstände im Allgemeinen mittelmäßig sind, bestehen hauptsächlich in Feldbau mit Viehzucht und in Gewerbebetrieb; die Israeliten treiben Handel aller Art sowohl im Orte selbst als auswärts.

Die Ortsmarkung, welche die größte im Bezirke ist, hat, mit Ausnahme der leichten Gehänge gegen das Rottumthal und einigen Seitenthälchen, eine ziemlich ebene Lage.

Der Boden besteht aus einem für den Feldbau günstigen Diluviallehm, welcher theils von Geröllen, theils von einem festen Thon unterlagert wird; in den Thälern, namentlich in der Riedebene, ist derselbe von beinahe schwarzer Farbe und nähert sich dem Moorgrunde.

Das Klima ist ziemlich mild; übrigens äußern rauhe Winde und kalte Nebel zuweilen einen nachtheiligen Einfluß auf die Vegetation; die Ernte beginnt gewöhnlich den 21. Juli. Hagelschlag kommt nur selten vor, da die Gewitter nicht lange verweilen und bald dem Iller- oder Donauthale zuziehen; daher kommt es auch, daß bis jetzt nur wenige Güterbesitzer der Hagelversicherungs-Gesellschaft beigetreten sind.

Die Landwirthschaft ist in gutem Zustande; zweckmäßíge Neuerungen, wie die Anwendung des Suppinger Pflugs, die Benützung der Jauche etc., finden allmälig Eingang, und zur Besserung des Bodens wird außer dem gewöhnlichen Stalldünger noch der Pferch und bei dem Kleebau der Gyps angewendet. Die Bespannung des Pflugs geschieht theils mit Pferden, theils mit Kühen, bei welch’ | letzteren an der Stelle der lästigen Joche die Kummeten üblich sind.

Nach der Dreifelderwirthschaft baut man Dinkel, Hafer, Gerste, Roggen und nur wenig Hülsenfrüchte; in der zu 9/10 angeblümten Brache werden hauptsächlich viele Kartoffeln, Rüben, Bodenkohlraben, Klee, der meist grün verfüttert wird, und nur wenig Hanf und Reps gezogen. Der Flachsbau wird ziemlich ausgedehnt betrieben; übrigens ist, obgleich die Gemeinde im Jahr 1843 eine Wasserröste einrichten ließ, doch die Thauröste noch ziemlich allgemein, und auch bei der Nachbehandlung des Flachses wird der gehörige Fleiß nicht angewendet. Der Hopfenbau findet in geringer Ausdehnung statt, und Kraut kommt nur in besondern Ländern zum Anbau.

Der durchschnittliche Ertrag eines Morgens beträgt an Dinkel 7 Scheffel, an Hafer 4 Scheffel, an Gerste 3 Scheffel und an Roggen 4 Scheffel. Der höchste Preis eines Morgens Acker ist 450 fl., der niederste 125 fl. Die ergiebigsten Felder liegen in der Flur „heilige Gärten“, die geringsten auf der „Bibri“.

Der Anbau von Gemüsen und Küchengewächsen wird meist nur für den eigenen Bedarf gepflegt; auch ist die Obstzucht von geringem Belang, obgleich in neuerer Zeit von Seiten der Gemeinde auf das Pflanzen fruchttragender Bäume an Straßen u. s. w. Sorge getragen wird und eine Gemeindebaumschule seit dem Jahr 1846 angelegt ist.

Die meist zweimähdigen Wiesen, von denen der größere Theil bewässert werden kann, mehrere aber der Entwässerung bedürfen, sind sowohl hinsichtlich der Ertragsfähigkeit, als in ihren Preisen, welche sich von 75–300 fl. bewegen, sehr verschieden. Die ergiebigsten liegen in dem Rottumthale gegen Baustetten, die geringsten in der sogenannten Hölle und überhaupt in der Riedebene, wo häufig etwas saures Futter erzeugt wird. Der durchschnittliche Ertrag wird zu 8–20 Centner Heu und 3–10 Centner Öhmd per Morgen angegeben.

Seit der im Jahr 1790 eingeführten Stallfütterung haben sich die Wiesen sehr verbessert, auf welche das Austreiben des Rindviehs nur noch nach Michaelis stattfindet. Das Schafweiderecht gab früher zu manchen Streitigkeiten zwischen den beiden Gutsherrschaften und der Gemeinde Veranlassung, welche den 19. Januar 1833 dahin geschlichtet wurden, daß die Weide nebst Pferchnutzung von den Gutsherrschaften und der Gemeide gemeinschaftlich verpachtet und jedem Theil 1/3 des Erlöses zukommen solle. Durch Vertrag vom 6. Juli 1840 überließ die Staats-Finanzverwaltung, | als Nachfolgerin der Gutsherrschaften, ihren Schafweide- und Pferchrechtsantheil an die Gemeinde um 5000 fl., und seitdem verpachtet dieselbe die Sommerweide nebst Pferch um etwa 700 fl. jährlich.

Die Gemeinde ist im Besitz von 412/8 Morgen Nadelwaldungen, welche nur das Bedürfniß an Holz für öffentliche Zwecke an Brücken, Stege, Schranken u. s. w. zu befriedigen im Stande sind; die zur Pfarrei gehörigen 115/8 Morgen und die im Eigenthum von Privaten stehenden 184/8 Morgen Waldungen sind in neuerer Zeit zum Theil ausgestockt und der landwirthschaftlichen Benützung überlassen worden. Auch die Finanzverwaltung hat 1265/8 Morgen Waldungen zur Feldanlage bestimmt, so zwar, daß jährlich 10–12 Morgen zur Ausstockung kommen, wofür durchschnittlich 250 fl. per Morgen bezahlt werden. Der Rest der Waldungen ist so unbedeutend, daß die Ortsangehörigen ihr Holz auswärts beziehen, soweit der Bedarf nicht durch Torf ersetzt wird, der übrigens nicht auf der Markung selbst gewonnen, sondern von angrenzenden Gemeinden bezogen werden muß.

Was die Viehzucht betrifft, so werden Pferde mehr von einem kräftigen, zum Zuge tüchtigen Schlag, als von edleren Racen gezüchtet; die Bedeckung der Stuten geschieht auf der im Jahr 1853 im Ort errichteten, auch von Außen häufig benützten Beschälplatte. Von größerem Belang ist die Rindviehzucht, welche man theils zum Verkauf betreibt; eine kleine, aus dem Allgäu stammende Race ist die beliebteste und wird von etwa 15 Farren nachgezüchtet, deren Haltung den Viehbesitzern überlassen bleibt; zur Aufmunterung theilt die Gemeinde alljährlich an die Besitzer der schönsten und tauglichsten Farren 4 Preise aus. Eine Käserei besteht im Ort. Mit der Schafzucht geben sich nur einzelne Bürger ab; dagegen ist die Zucht der Schweine ziemlich ausgedehnt, jedoch werden immer noch Ferkel von Außen, namentlich aus Bayern bezogen; übrigens treibt man mit Schweinen einen lebhaften und einträglichen Handel.

Die Bienenzucht will, wegen des Mangels an nahe gelegenen Laubwaldungen, nicht gedeihen. Von Geflügel zieht man hauptsächlich viele Gänse, die theils in dem Ort selbst, theils in nahe gelegenen Städten mit Vortheil abgesetzt werden.

Gewerbe und Handel sind im Zunehmen begriffen; übrigens treibt noch mancher Gewerbsmann neben seinem Handwerk auch den Feldbau.

Nach der Aufnahme für die Zwecke des Zollvereins vom 3. Dezember 1852 bestanden in Laupheim:

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I. Fabrikations-Anstalten.

Für baumwollene und halbbaumwollene Stoffe 4 Webstühle mit 4 Arbeitern. Für Leinen und halbleinene Zeuge 16 Webstühle mit 28 Arbeitern. Bandweberei wird von 5 Arbeitern auf 4 Stühlen betrieben. Tuch wird von einem Arbeiter auf einem Handstuhl fabricirt. Garnbleicherei wird in einer Anstalt mit 2 Arbeitern betrieben. Eine Druckerei ist mit Drucktisch und 1 Druckmaschine versehen.

Die von Wasser getriebenen 2 Getreidemühlen haben 10 Gänge und beschäftigen einschließlich der Eigenthümer 10 Arbeiter. Zwei Ölmühlen beschäftigen 2 Arbeiter. In 2 Kalkbrennereien sind 2, und in den 2 Ziegeleien 11 Arbeiter beschäftigt.

Vier Bierbrauereien nehmen 15 Arbeiter in Anspruch. Die 5 Branntweinbrennereinen beschäftigen 5 und 1 Destillir-Anstalt 1 Arbeiter.

Für Käse- und Safranbereitung werden je 2 Arbeiter beschäftigt.


II. Mechanische Künstler und Handwerker.


Meister Gehilfen Meister Gehilfen
Bäcker 15 18            Korb- u. Wannenmacher 5 1
Conditoren 2 2   Maurer 6 50
Metzger 16 11   Steinhauer 1 1
Seifensieder 1 1   Kaminfeger 1 1
Gerber 2 4   Hafner 2 1
Schuhmacher 39 23   Glaser 5 1
Handschuhmacher 3   Gipser 2 2
Kürschner 1 2   Ciseleure 1 1
Sattler 4 3   Grobschmiede 8 10
Seiler 2 2   Schlosser 20 12
Schneider 17 19   Kupferschmiede 1 1
Knopfmacher 2 1   Flaschner 3 1
Putzmacherinnen            5 2   Nadler 1 2
Hutmacher 2   Uhrmacher 3 1
Färber 2 4   Goldarbeiter 2
Zimmerleute 6 36   Barbirer 2 1
Schreiner 21 14   Fischer 2
Wagner 5 1   Gärtner 4 4
Küfer und Kübler 8 3   Buchbinder 1 3
Drechsler 6 4   Wachszieher 1 1
Kammmacher 2   Hechel- und Rechenmacher 6 1
Bürstenbinder 1   Keßler 1


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III. Handels-Gewerbe.
Zahl der
Gewerbe
          Zahl der dabei
          beschäftigt. Personen
Getreidehändler 1 1
Holzhändler 2 2
Spezereihändler 20 22
Ausschnitthändler 8 8
Eisen- u. s. w. Waarenhändler            5 5
Sonstige Händler 8 8
Victualien-Händler 9
Hausirer 57 25
Lumpensammler 3
Pferde- und Viehhändler 32 10
Lohnkutscher und Frachtfahrer 8 8

Sodann zählt der Ort:

Schildwirthschaften 10, Gassen- und Speisewirthschaften 11.

Von Kunstgewerben sind ein Maler und ein Bildhauer zu nennen; auch ist eine Buchdruckerei vorhanden.

Der Handel mit Pferden und Rindvieh wird an den Jahrmärkten lebhaft betrieben, deren jährlich 9 abgehalten werden, und zwar den 23. Februar, den 12. April, den 31. Mai, den 26. Juli und den 11. Oktober Roß, Vieh- und Krämermärkte, ferner den 2. März, den 6. April, den 1. Juni und den 14. September Roß- und Viehmärkte; überdieß besteht wöchentlich je ein Victualien-Markt.

Mit Verkehrsmitteln ist der Ort hinreichend versehen; außer der 1/2 Stunde westlich vorbeiführenden Eisenbahn, zu deren geschmackvoll erbautem Bahnhof (Laupheim) eine Straße angelegt wurde, auf der ein besonders aufgestellter Omnibus den Verkehr vermittelt, führt die Ulm-Biberacher Landstraße mitten durch den Ort, und überdieß besteht seit einigen Jahren eine weitere Poststraße von Laupheim über Roth nach Dietenheim, welche den Ort mit der Illergegend in Verbindung setzt.

Vicinalstraßen gehen nach Bronnen, Walpertshofen, Baustetten, Unter-Sulmentingen und Rißtissen.

Über den Gemeinde- und Stiftungshaushalt s. Tab. III.

Übrigens sind mehrere einzelne Stiftungen zu nennen:

a) Die Hänli’sche Stipendien-Stiftung, deren Vermögen zwar nicht, aber doch deren Vortheile gewissermaßen dem Orte angehören. Vermöge Urkunde vom 26. August 1619 bestimmte Georg Hänlin, der Gottesgelahrtheit Doctor und Decan an der Hauptkirche zu Basel, den größten Theil seines Vermögens zur Unterstützung für Studirende zunächst aus seiner Verwandtschaft; nach | diesen an Gebürtige aus Bomezhausen (Bußmannshausen), Orsenhausen, Walpertshofen, Groß- und Klein-Schaffhausen, Schwendi und Laupheim; in Ermanglung dieser, an Gebürtige aus ehemals schwäbisch-österreichischen Orten. Der Bewerber muß es zum Schulgrad „Rhetorik“ gebracht haben und in Freiburg im Breisgau studiren. Die Vermögensverwaltung und Genußverleihung geht von dem akademischen Senate daselbst aus. Der Vermögensstand läßt die Theilnahme mehrerer Stipendiaten zu, und die Portionen, welche anfänglich nur in 70 fl. bestanden, und weiter herab nach dem Willen des Stifters nicht sinken sollten, haben sich bedeutend über diesen Betrag vermehrt.

b) Mit der Kapellenpflege waren bis zum Jahr 1844 vereint und sind nun zu der selbstständigen Schulkasse gezogen: die Schulstiftungen von Joseph Ganser mit 50 fl. und von dem im Jahr 1809 gestorbenen Dekan Harder mit 200 fl., beide bestimmt zu Schulbücher für unbemittelte Kinder; ferner das zu Prämien im Jahr 1836 gestiftete Kapital von 100 fl. von Schlosser Johann Dietrich, ebenso die Kapitalien der aufgelösten Sebastians- und Rosenkranz-Brüderschaften [3] mit 200 fl., deren Zinse durch Stiftungsrathbeschluß vom 18. Januar 1842 zu Prämien für austretende Schulkinder bestimmt wurden.

Als Wohlthätigkeitsanstalt besitzt die christliche Gemeinde den Hospital zum heil. Geist, der von einer Anna v. Freiberg, geborene v. Ellerbach, Gemahlin des Hans Pankraz, Freiherrn v. Freiberg zu Neusteußlingen und Laupheim, im Jahr 1585 gestiftet wurde. Das ursprüngliche Vermögen desselben bestand in 20.000 fl. und in einem Drittel an den grundherrlichen Gefällen des Ortes Bellenberg. Vor 1806 prätentirte Burgau die Administration desselben und übte sie auch wirklich aus. Die Zinse des inzwischen angewachsenen Kapitalstocks werden auf die Unterhaltung der Hospitaliten, zu Armenunterstützungen, Krankheits- und Beerdigungskosten u. s. w. verwendet. Auch an den Kosten der Kinder-Industrieschule bestreitet der Hospital den Gehalt der Lehrerin und die Heizung des Lokals.

Für unbemittelte Israeliten sorgen die seit etwa 50 Jahren unter dem Rabbiner David Levi zu Stande gekommene Einrichtung des mathan beseser (eine Art Armenkastenpflege), sowie zwei vorhandene Brüderschaften und ein im Jahr 1836 gestifteter israelitischer Frauenverein.

Was die Schulen betrifft, so bestehen 1) eine christliche | Volksschule, an der zwei Lehrer und drei Unterlehrer unterrichten, und 2) eine israelitische Schule mit einem Lehrer und einem Hilfslehrer.

Auf Kosten der Kapellenpflege besteht seit 1823 eine Zeichnungsschule und seit 1839 eine Sonntags-Gewerbeschule. Eine Näh- und Strickschule wurde 1838 gegründet, deren Kosten theils durch Beiträge der Centralleitung des Wohlthätigkeitsvereins, theils von der Hospitalpflege bestritten werden.

Die israelitische Industrieschule wurde mit Hilfe der israelitischen Kirchenkasse vor einigen Jahren gegründet.

An der katholischen Kirche, deren Geistliche der Staat nominirt, sind ein Pfarrer, ein Kaplan und ein Vikar angestellt.

Die israelitische Kirchengemeinde hat einen vom Staat ernannten Rabbinen und bestreitet ihre Ausgaben in eigener Verwaltung.

Das Ortswappen, welches Kaiser Rudolph II. im Jahr 1596 der Gemeinde ertheilte, ist der Breite nach quer getheilt. Im untern silbernen Halbtheile sind drei breite Laubzweige, einem auf goldenem Dreiberg stehenden grünen Stamm entsprossen. Der obere Halbtheil ist in zwei gleiche Viertel abgetheilt; das eine rechts, grün mit einem weißen Querbalken, das andere links, ganz roth.

Als einzelne auf der Ortsmarkung gelegene Wohnsitze sind zu nennen:

a) die 1/2 Stunde südöstlich vom Ort gelegene Ziegelhütte und
b) eine Mühle, welche 1/4 Stunde südlich von Laupheim an der Rottum liegt.

Eine Römerstraße führt unter den Benennungen „langer Weg, grasiger Weg“ von Ersingen her durch den untern Theil von Laupheim und weiter nach Baltringen; an dieselbe stößt 1/4 Stunde nördlich vom Ort die Flur „Mäuer“, eine Benennung, welche auf Grundreste abgegangener Gebäude schließen läßt. Da diese Flur gerade an einer Römerstraße liegt und überdieß in der Nähe derselben, auf Achstetter Markung, erst kürzlich Grundreste römischer Gebäude entdeckt wurden (s. unten die Ortsbeschreibung von Achstetten), so läßt sich annehmen, daß auch hier eine römische Niederlassung bestand.

Auf einem Bergvorsprung südlich vom Ort, unfern des sogenannten „Mäuerle“ soll eine Burg gestanden sein. Etwa 1/4 Stunde östlich von Laupheim wird eine Flur, auf der nach der Volkssage ehemals ein Ort stand, „Ringelhausen“ genannt.

Am nördlichen Ende des Orts, an der Landstraße nach Ulm, wurden in den Jahren 1840—1842 in der sog. Schachengrube eine große Anzahl Gräber entdeckt, welche menschliche Skelette enthielten, | bei denen Schwerter, sog. Sachse, Glasperlen u. s. w. sich vorfanden.


Geschichtliches. Laupheim erscheint am frühesten im Jahr 778 Jan. 20., Louphaim geschrieben, in einer St. Galler Urkunde (Wirt. Urk. Buch 1, 21), hierauf im Jahr 853 Aug. 13. in einer Urkunde des Hochstifts Freisingen (ebend. 140), diese beiden Male als Stätte einer gerichtlichen Verhandlung. Im Anfang des 10ten Jahrhunderts, damals bereits mit einer Kirche versehen, wird der Ort unter denjenigen genannt, in welchen das elsäßische Kloster Weißenburg Besitzungen hatte (Trad. Wizenburg, ed. Zeuss 298). Groß- und Klein-Laupheim wird bereits im Jahr 1340 unterschieden.

Ursprünglich waren als hiesiger Ortsadel angesessen Dienstleute der Grafen von Kirchberg; solche sind Landoldus de Lobhein in einer Urkunde vom 22. Okt. 1110 (Gerbert, Hist. nigr. silv. 3, Nr. 31), Berchtoldus miles de Lopheim 1181, Otto von Laupheim 1280, dessen überlebende Gemahlin Elisabeth, weil Otto ohne Leibeserben gestorben, etliche liegende Güter mit Gutheißen der Lehensherrschaft in das Kloster Heggbach stiftete (Pflummern Metamorphosis arcium).

Die Rechtsnachfolger dieser Herren von Laupheim waren die von Waldsee; diese Familie, deren Glieder dem Hause Habsburg in bedrängten Zeiten wesentliche Dienste leisteten, dabei aber auch in Österreich zu großer Macht und zu ansehnlichen Herrschaften gelangten, war schon im Anfang des 14. Jahrhunderts in hiesigen Besitz eingerückt. Am 2. Februar 1325 verpflichteten sich die Brüder Ulrich, Reinprecht und Friedrich von Waldsee, dem Herzog Lupold von Österreich während dessen Krieg mit König Friedrich unter andern Vesten auch Laupheim stets offen zu halten (Kurz Friedrich der Schöne 316, Lichnowsky Gesch. des Hauses Habsburg 3, Regesten Nr. 671). Aber schon am 7. Febr. 1331 veräußerten die Herren von Waldsee, nebst andern schwäbischen Besitzungen (namentlich Waldsee selbst), auch Laupheim an die Herzoge Albrecht und Otto von Österreich (St.A.).

Bald darauf trat das gleichfalls um Österreich sehr verdiente Haus der Herren von Ellerbach (im Burgau) unter österreichischer Lehensoberherrlichkeit in diesen Besitz ein. Am 24. Oktober 1334 verschrieb sich Burkhard der Jüngere von Ellerbach gegen die Herzoge Albrecht und Otto zu Österreich, daß er die Veste zu Laupheim von den Gebrüdern Friedrich, Ulrich und Heinrich von Freiberg um 2000 Pfund Heller lösen wolle (St.A.), was wenigstens später, wenn auch nicht mehr ganz unter denselben Personen, in | Erfüllung ging (Urk. Herzog Albrechts von Österreich vom 8. Juli 1357. Lichnowsky a. a. O. 3. Regg. Nr. 1950). Den 12. Mai 1407 belehnte Herzog Friedrich von Österreich Heinrichen von Ellerbach den Langen mit Burg und Dorf Laupheim sammt dem Kirchensatz (St.A. Lichnowsky a. a. O. 5. Regg. Nr. 887). Am 29. Dez. 1432 willigte Herzog Friedrich ein, daß Burkhard von Ellerbach Josten Stammler, Bürger zu Ulm, das lehenbare Dorf Laupheim für 2090 rhein. Gulden versetzte (Lichnowsky a. a. O. 5. Regg. Nr. 3183), was jedoch für Letzteren keinen längeren Besitz zur Folge hatte. Im Jahr 1442 trug Burkhard von Ellerbach dem K. Friedrich und dem Hause Österreich verschiedene Güter in Laupheim zu Lehen auf für den ihm geeigneten Zehenten daselbst. Derselbe Burkhard, ein ausgezeichneter Ritter, hatte im Jahr 1430 von Kaiser Sigmund wegen seiner dem Kaiser und Reich geleisteten Dienste die Freiheit erhalten, in seinem Markt Laupheim Stock und Galgen aufzurichten, auch Jahr- und Wochenmarkt zu halten (Brigel 94). Burg und Dorf Laupheim und der Blutbann daselbst erscheint sofort unter den sogenannten Schwabenlehen des Hauses Österreich (Wegelin Landeshoheit 2, 137), dessen Lehenhof auch unmittelbar zwei Lehengüter dahier hatte, in Groß-Laupheim den Haasenhof und in Klein-Laupheim die Sölde Ereserin, welche 1802 um 806 fl. eigen gemacht wurden (Brigel 93). In Laupheim erlosch im Jahr 1570 mit Eitel-Hans von Ellerbach die Ellerbachische Familie.

Das heimgefallene Lehen verlieh Erzherzog Ferdinand als damaliger Inhaber der vorder-österreichischen Lande, seinem Schwager, dem Landvogt der Markgrafschaft Burgau, Carl von Welser, welcher es schon den 12. Febr. 1571 an Hans Pankraz von Freiberg zu Neusteußlingen († 1581), den Gemahl Anna’s von Ellerbach († 1589), um 20.000 fl. mit lehensherrlichem Gutheißen verkaufte.

Hans Pankraz von Freiberg und seine beiden Brüder starben nach einigen Jahren ohne Leibeserben, worauf ihre Vettern, die eventuell mitbelehnten Herren von Welden, im Besitz des Lehens Laupheim nachfolgten, zunächst, 1582, Conrad von Welden, 1588 Carl von Welden, dessen drei Söhne im Jahr 1621 ihre Güter, welche sie eine Zeit lang gemeinschaftlich nutzten, in gleiche Theile theilten. Von diesen Theilen erhielt Carl Philipp von Welden, der ältere Sohn, Groß-Laupheim mit dem alten Schlosse, Ernst Ludwig, der Jüngere, Klein-Laupheim nebst 12.000 fl. zu Erbauung eines Schlosses (S. 97) in seinem Antheile. Ein dritter Sohn, Johann Dietrich, erhielt Hochaltingen im Ries (Lünig, Reichsarchiv 12a, 339). Gemeinschaftlich sollten den Besitzern von Groß- und | Klein-Laupheim bleiben: die hohe Obrigkeit, deren Ausübung jährlich zwischen ihnen wechseln sollte, die Frevel an den Wochenmärkten, das Rathhaus, die Schießstätte etc. (Brigel 99). Die Nachkommen der erstgenannten Söhne blieben bis zum Jahr 1840 im Besitz der beiden Laupheim, welche zum ritterschaftlichen Kanton Donau gehörten [4], verloren im Jahr 1805 ihre landesherrlichen Rechte an Bayern, welches solche am 13. Oktober 1806 vermittelst Staatsvertrag an Württemberg abtrat. Der letzte Besitzer von Groß-Laupheim war Constantin Freiherr von Welden, k. bayer. Ober-Appellationsgerichtspräsident in München († 1842), welcher mit Ausnahme des Klein-Laupheimer Lehenantheils am Ende die Gesammtherrschaft an sich gebracht hatte. Am 6. Mai 1840 wurde Groß- und Klein-Laupheim für 410.000 fl. von der Staatsfinanzverwaltung erkauft. Die gutsherrlichen Bestandtheile waren:

a) bei Groß-Laupheim die sämmtlichen Schloßgebäude, die Ziegelhütte und die Mahlmühle; an Gärten 386/8 Morgen 23,6 Ruthen, an Äckern 1783/8 Morg. 39 Ruth., an Wiesen 1224/8 Morg. 18 Ruth., an Waldungen 6544/8 Morg. Der Ertrag der Rechte und Gefälle wurde zu jährlich 3729 fl. 57 kr. angenommen;

b) bei Klein-Laupheim die sämmtlichen Schloßgebäude und das Bräuhaus, an Gärten 157/8 Morg. 27 Ruth., an Äckern 1017/8 Morg. 24 Ruth., an Wiesen 674/8 Morg. 47 Ruth., an Krautländern 4/8 Morg. 9 Ruth., an Waldungen 1265/8 Morg 11 Ruth.; Rechte und Gefälle mit einer Jahresrente von 2467 fl. 34 kr. Als weitere Gefällberechtigte erscheinen nach dem Kataster von 1823 der Hospital Biberach, die Kirchen-Kapellenpflege, die Herrschaft Kirchberg, die Grafen Waldbott-Bassenheim und Reuttner, die Pfarrei Laupheim und ein Private (Obervogt v. Beck).

Die hiesige Kirche ist eine sehr alte Mutterkirche, aus welcher mehrere Pfarreien abgezweigt wurden, wie Achstetten, Baustetten, Groß-Schaffhausen; auch pfarrte ursprünglich ein Theil der Einwohner Baltringens und Orsenhausens hieher. Ein Frühmeßbeneficium stiftete im Jahr 1400 Johannes Keller von Scheidegg, Pfarrer in Laupheim. Solches vereinigte der Bischof von Constanz Marcus Sitticus im Jahr 1594 mit der Pfarrstelle daselbst, legte aber dem Pfarrer die Verbindlichkeit auf, einen Hilfspriester zu | halten. Im Jahr 1445 errichtete Burkhard von Ellerbach die Kaplanei zum heil. Leonhard in Laupheim; er behielt sich das Patronatrecht vor und legte dem Kaplan die Verbindlichkeit auf, den Pfarrer daselbst in seinem amtlichen Wirken nach Bedürfniß zu unterstützen. Das Patronatrecht über die Pfarrkirche verlieh Herzog Friedrich von Österreich im Jahr 1413 dem Kloster Ochsenhausen. Papst Johannes XXIII.[ws 1] incorporirte sie noch in demselben Jahr dem Stifte, so zwar, daß ein jeweiliger Abt sie entweder durch einen Weltgeistlichen oder durch einen Conventualen seines Stiftes pastoriren lassen dürfe. Im Jahr 1414 ertheilte Heinrich von Ellerbach dem Kloster das Lehenrecht über diese Kirche, das Vogtrecht behielt er sich aber vor, wovon ihm jährlich das Kloster 12 Malter Roggen und 6 Malter Haber geben sollte. Mit dem Kloster Ochsenhausen kam das hiesige Kirchenpatronat im Jahr 1803 an den Fürsten Metternich, im Jahr 1825 an die Krone Württemberg. Der älteste bekannte Pfarrherr ist Cunradus notarius plebanus de Louphain in einer Urkunde Abt Hermanns von Blaubeuren vom 17. August 1260 (Schmid Pfalzgrafen von Tübingen, Urk. 22).

Von fremden Klöstern waren hier begütert: das Kloster Weißenburg im Elsaß im 10. Jahrhundert (s. oben), das Kloster Roth, welchem 1152 Pabst Eugen III. hiesige Besitzungen bestätigte, und welches noch im Jahr 1332 von dem Kloster Wiblingen hier ein Gut und Gerechtigkeiten erkaufte, ferner das Kloster Wiblingen, welchem den 1. Juni 1194 Pabst Cölestin III. eine gleiche Bestätigung ertheilte, das Kloster Ochsenhausen (s. oben), endlich das Kloster Heggbach (s. oben), welches 1578 seine hiesigen sechs Höfe mit etlichen Erbgütern und Geldzinsen an Hans Pankraz von Freiberg zu Neusteußlingen und Laupheim veräußerte. Auch die Kapellenpflege Biberach besaß acht Lehengüter; solche kamen darauf an die Familie Weihenmaier, von dieser durch Erbschaft an Konrad Kleinknecht in Ulm, welcher sie 1722 für 7550 fl. an das Kloster Ochsenhausen verkaufte. Genanntes Kloster veräußerte sie 1800 an die von Weldensche Herrschaft Großlaupheim (Brigel 93).

Juden wurden im Jahr 1730 erstmals, durch Damian Carl von Welden zu Großlaupheim, zunächst auf eine Reihe von 20 Jahren aufgenommen; es waren ursprünglich fünf Familien (vier von Illereichen und eine von Buchau). Später wurde ihnen der Aufenthalt auf immer gestattet; nach dem Vertrag vom 1. Okt. 1784, welcher auf 30 Jahre geschlossen wurde, vor dessen Ablauf aber die neuen Staatsveränderungen eintraten, wurde der Judenschutz auf vierzig Haushaltungen erweitert. Gegenwärtig ist hier die | zahlreichste Judengemeinde in Württemberg. (Das Nähere s. bei Brigel S. 10 - 15.)

Ein Theil des hiesigen Zehenten war an das Hospital Biberach gekommen. Am 19. März 1326 bestätigte Bischof Wolfram von Würzburg von seinem Hochstift zu Lehen gehende Güter diesem Spital, welcher noch in den Jahren 1372, 1387, 1422, 1456 hiesige Besitzungen meist Zehentantheile erwarb.

  1. Literatur: Johann Gottfried Brigel, Statistisch-geschichtliche Beschreibung des Ortes Laupheim, 1845.
    WS:Johann Gottfried Brigel war 1838–1850 Bürgermeister von Laupheim.
  2. Am 23. Juni 1829 schlug der Blitz in den Kirchthurm, zündete aber nicht, sondern zerstörte nur das Dach, den innern Chorstuhl am Eingang in den Thurm und einige Leuchter auf dem Altar; hiedurch sahen sich die Baupflichtigen veranlaßt, einen Blitzableiter auf die Kirche anbringen zu lassen.
  3. Die Sebastians-Bruderschaft war im Jahr 1613 in Folge einer Pest, der Rosenkranzbund im Jahr 1660 entstanden.
  4. Die Landeshoheit ist zwar von der österreichischen Markgrafschaft Burgau behauptet, aber von den beiden Welden’schen Herrschaften derselben nie zugestanden worden. Burgau war von dem Besteuerungsrecht und dem jus armorum et sequelae ausgeschlossen, beides war ritterschaftlich.
Anmerkungen [WS]
  1. Das ist der heute als Gegenpapst angesehene Johannes XXIII. (1370–1419)