Beschreibung des Oberamts Laupheim/A 2

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II. Natürliche Beschaffenheit.
1. Bildung der Oberfläche.
Der ganze Bezirk gehört dem aufgeschwemmten Schuttlande Oberschwabens an, welches von der an mehreren Stellen zu Tage tretenden Molasse unterlagert wird. In diesen einfachen geognostischen Verhältnissen ist auch die Einförmigkeit in der Physiognomie des Bezirks begründet, die weder durch Gebirge noch imposante freistehende Berge etc. entschiedene, kräftige Züge ausspricht, sondern im Allgemeinen ein von Süden nach Norden geneigtes Flachland bildet, durch welches sich in der gleichen Richtung mehrere Gewässer, unbedeutende, nicht tiefe Thäler gefurcht haben und in diesen der| Donau zufließen. Mittelst dieser Einfurchungen haben sich je zwischen zwei namhafteren Flüssen oder Bächen Höhenzüge gebildet, von deren Scheiteln eine Menge Mulden, Schluchten und Thälchen nach beiden Seiten ausgehen und beinahe rechtwinkelig auf die Hauptthäler ziehen. Die Seitenthälchen und Schluchten greifen meist tief in die Höhenzüge ein und unterbrechen die Hochplatten derselben so sehr, daß diese nur selten eine namhafte Ausdehnung zeigen, sondern stets von einander entgegen ziehenden Rinnen vielfältig unterbrochen werden. Den hier angegebenen Charakter trägt hauptsächlich der Höhenzug zwischen Iller und Roth, welcher die sogenannten Holzstöcke bildet und gegen die Donau hin als flachwelliges Hügelland ausläuft. Wie schon bemerkt wurde, hat sich in denselben die Weihung eingefurcht und ihn in zwei Hauptpartieen getheilt, von denen die eine zwischen Iller und Weihung — die andere zwischen Weihung und Roth hinzieht; in die Ausläufer der letzteren greift das Schwiehe-Thal ein und theilt diese wiederum in zwei Partieen. Ein weiterer Höhenzug zwischen Roth und Rottum, welch letztere nach der Vereinigung mit der Dürnach den Namen Westernach erhält, hat bei seinem Eintritt in den Bezirk an der südlichen Oberamtsgrenze, beinahe den gleichen Charakter wie die Holzstöcke, den er aber bald ablegt, um in einen breiten, flachhügeligen Rücken überzugehen. Unterhalb Achstetten wird der Rücken schmal und läuft bald ganz aus; an der Endspitze desselben nähern sich die Westernach und die Roth bis auf eine Entfernung von einigen hundert Schritten, und laufen seltsamer Weise in einer gemeinschaftlichen Thalebene, ohne sich zu vereinigen, in die Donau. Endlich ist noch des Höhenzugs zwischen der Rottum und der Dürnach zu erwähnen, der ebenfalls an der südlichen Oberamtsgrenze in den Bezirk eingeht, sich aber schon bei Mietingen verliert und in einen sanften Flachrücken unterhalb Laupheim ausläuft. Diese Ausläufer der beiden letzterwähnten Partieen bilden den mildesten Zug in der Physiognomie des Bezirks und unterscheiden sich strenge von dem übrigen Theil desselben; sie sind daher auch meist für den Feldbau benützt, während der größere Theil der eigentlichen Höhenzüge die Heimath der Waldungen bildet.
a. Erhebungen und Höhenbestimmungen.

Der höchste Punkt des Oberamtsbezirks fällt in die Nähe der südlichen Bezirksgrenze, in den etwa ¼ Stunde östlich vom Glaserhof gelegenen Wald „Buchhalde“, mit einer Erhebung über das Mittelmeer von 2118,7 württemb. Fuß = 1868,0 Par. Fuß; der tiefste Punkt desselben ist die Einmündung der Iller in die Donau,


| welcher sich 1642,6 württemb. Fuß = 1448,0 Par. Fuß über die Meeresfläche erhebt. Die allgemeinsten Erhebungen bewegen sich zwischen 1700 und 1900 württemb. Fuß über dem Meere.


Außer diesen Höhen sind folgende trigonometrisch gemessen:

    Würt. F. Par. F.  
  über dem Meere.
Laupheim Kirchthurm, nördliche Giebelspitze 1948,0 1717,5
     "      "            Erdfläche 1830,0 1613,5
     " Gottesacker-Kapelle zum heil. Grab, Thurmknopf 1880,3 1657,8
     "      "            Erdfläche 1785,6 1574,4
     " Erdfläche am Haupteingang des oberen Schlosses 1829,7 1613,3
     " Erdfläche am Thor des Schloßhofes 1819,1 1603,9
     " Erdfläche am Eingang des neuen Schlosses 1763,9 1555,2
     " Erdfläche am Eingang des Postgebäudes 1742,8 1536,6
     " Erdfläche am Haupteingang des Bahnhofes 1740,5 1534,6
     " Niveau der Rottum unter dem neuen Steeg 1735,5 1530,2
     " Bronnenberg, Signal 1833,3 1616,4
     " Kapellenösch, Signal 1785,2 1574,0
     " Ober-Bibere, Signal 1776,8 1566,6
Achstetten, Kirchthurmknopf 1864,4 1643,8
     " Erdfläche am Kirchthurm 1747,9 1541,1
     " Kreuz des Kapellethurms 1829,5 1613,1
     " Erdfläche am Thurm der Kapelle 1781,7 1570,9
     " Erdfläche am Haupteingang des Schlosses 1752,8 1545,4
Altheim Kirchthurmknopf 1883,7 1660,9
     " Erdfläche am Kirchthurm 1820,6 1605,2
     " Langweg, Signal 1846,6 1628,2
Baltringen, nördliche Giebelspitze des Kirchthurms 1923,5 1695,6
     " Erdfläche am Kirchthurm 1829,1 1612,7
     " Erdfläche am Eingange des Wirthshauses 1794,0 1581,8
     " Niveau der Dirnach unter der steinernen Brücke 1790,0 1578,2
     " Auhalde, Signal 1871,4 1650,0
     " Betzenmad, Signal 1785,9 1574,6
     " Bruckmad, Signal 1777,5 1567,2
     " Hinteraspen, Signal 1827,8 1611,5
     " Hornberg, Signal 1821,9 1606,4
     " Kodlensberg, Signal 1979,0 1744,9
     " Mordäcker, Signal 1832,0 1615,3
     " Ried, III., Signal 1757,6 1549,7
     " Riedspitz, Signal 1796,9 1584,3
     " Steinbruch, obere Grenze der Sandschichte 1934,9 1706,0
     "      "           Grenze zwischen der Sandschichte und dem Molasse-Sandstein 1900,9 1676,0
     " Unterried, Signal 1777,7 1567,4
     " Voggen, Signal 1765,7 1556,8
     " Vorderaspen, Signal 1839,5 1621,9
     " Weiden, Signal 1817,5 1602,5
Baustetten, nördliche Giebelspitze des Kirchthurms 1951,7 1720,8
     " Erdfläche am Kirchthurm 1868,8 1647,7
Bihlafingen, Kirchthurmkreuz 1904,7 1679,4
     " Erdfläche am Kirchthurm 1842,6 1624,6 |
     " Erdfläche an der südlichen Giebelseite des Pfarrhauses 1835,0 1617,9
     " Ulmerweg, Signal 1891,0 1667,3
Burgrieden, nördliche Giebelspitze des Kirchthurms 1985,0 1750,2
Bronnen, Kirchthurmknopf 1834,6 1617,6
Bußmannshausen, südliche Giebelspitze des Kirchthurms 1908,4 1682,6
     " Erdfläche am Kirchthurm 1822,6 1607,0
     " Erdfläche an der östlichen Giebelseite des Schlosses 1887,3 1664,0
Bühl, Kirchthurmknopf 1935,6 1706,6
     " Erdfläche am Kirchthurm 1860,9 1640,7
Dellmensingen, Kirchthurmknopf 1795,0 1582,6
     " Erdfläche am Kirchthurm 1690,9 1490,8
     " Erdfläche am Eingang in das Schloß 1677,0 1478,6
     " Erdfläche am Rathhaus 1690,2 1490,2
     " Niveau der Roth unter der Brücke am Schloß 1670,0 1472,4
     " Einmündung der Roth in die Donau 1662,3 1465,6
     " Einmündung der Westernach in die Donau 1664,8 1467,9
Dietenheim, südliche Giebelspitze des Kirchthurms 1930,2 1701,9
     " Erdfläche am Kirchthurm 1781,8 1571,0
     " Kirchthurmknopf der Gottesacker-Kapelle 1843,9 1625,8
     " Erdfläche am Kapellenthurm 1791,8 1579,8
     " Thurmknopf der Lindenkapelle 1821,1 1605,6
     " Erdfläche an der Lindenkapelle 1788,2 1576,6
     " Illerbrücke, Markstein am westlichen Ende derselben 1780,7 1570,1
     " Niveau der Iller unter der Brücke 1773,0 1563,2
     " Erdfläche an der Landesgrenzsäule Nr. XIII 1791,9 1579,9
     " Erdfläche an der Landesgrenzsäule Nr. XIV 1779,1 1568,6
Donaustetten, Kirchthurmknopf 1774,0 1564,1
Dorndorf, nördliche Giebelspitze des Kirchthurms 1870,5 1649,2
     " Erdfläche am Kirchthurm 1806,6 1592,9
     " Staig, Signal 1878,8 1656,5
Gögglingen, Kirchthurm-Dachtrauf 1753,0 1546,0
Groß-Schaffhausen, Kirchthurmknopf 1931,8 1703,3
     " Erdfläche am Kirchthurm 1861,8 1641,5
     " obere Fläche des ehemaligen Steinbruchs 1900,5 1675,6
     " Sohle des ehemaligen Steinbruchs 1875,5 1653,6
     " Breite, Signal 1911,6 1685,4
Hüttisheim, nördliche Giebelseite des Kirchthurms 1967,9 1735,1
     " Erdfläche am Kirchthurm 1864,5 1643,9
     " Erdfläche an der Kapelle 1786,5 1575,2
     " Humlangen, Kirchthurmknopf 1901,8 1676,8
Illerrieden, nördliche Giebelspitze des Kirchthurms 1865,9 1645,1
     " Erdfläche am Kirchthurm 1789,7 1578,0
     " Sandgrube 1836,0 1618,8
     " Berg, Signal 1846,4 1628,0
Mietingen, nördliche Giebelspitze des Kirchthurms 1895,5 1671,3
     " Erdfläche am Kirchthurm 1803,6 1590,2 |
     " Thurmknopf der Liebfrauen-Kapelle 1883,4 1660,6
     " Erdfläche an der Kapelle 1831,0 1614,4
     " Thurmknopf der Luciäkapelle 1844,0 1625,9
     " Erdfläche an der Kapelle 1806,7 1593,0
     " Erdfläche am Rathhaus 1815,7 1600,9
     " Niveau des Mühlkanals am Einlaß 1796,1 1583,6
     " Niveau der Rottum an der oberen Brücke 1799,2 1586,3
     " Steinbruch bei der ehemaligen Burg, Hängendes des Molassesandsteins 1834,0 1617,0
     " Gutgeländ, Signal 1904,1 1678,9
     " Hühnerfeld II., Signal 1838,0 1620,5
     " Kehräcker, Signal 1870,9 1649,6
     " Unterösch, II., Signal 1819,5 1604,2
Ober-Balzheim, Kirchthurmknopf 2033,3 1792,8
     " Erdfläche am Kirchthurm 1926,2 1698,3
     " Erdfläche am Schloß 1918,5 1691,5
     " Baurenfeld, Signal 1830,7 1614,1
Ober-Holzheim, Kirchthurmknopf 1978,2 1744,2
     " Erdfläche am Kirchthurm 1865,4 1644,7
Ober-Kirchberg Giebelspitze des Kirchthurms 1890,0 1667,0
     " Erdfläche am Schloß 1806,0 1593,0
Orsenhausen, südliche Giebelspitze des Kirchthurms 1910,5 1684,4
     " Erdfläche am Kirchthurm 1830,1 1613,6
     " Erdfläche am Rathhaus 1815,6 1600,8
     " Erdfläche am Haupteingang in das Schloß 1778,3 1568,0
     " Hatterg’hau, Signal 1942,6 1712,8
Regglisweiler Kirchthurmknopf 1961,8 1729,7
     " Erdfläche am Kirchthurm 1854,6 1635,2
     " Dörre, Signal, Erdfläche an der Landesgrenzsäule Nr. XVIII 1936,2 1707,2
     " Weißewand, an der höchsten Stelle 1936,0 1707,0
     " Erdfläche an der östlichen Giebelseite des Schlosses Brandenburg 1874,7 1652,9
     " Erdfläche an der Landesgrenzsäule Nr. XVI 1896,6 1672,2
     "       "         "    "              "               "  XVII 1928,2 1700,1
     " Niveau der Iller am Wirthshaus 1750,2 1543,1
     " Stockfeld, Signal 1962,8 1730,6
Roth, nördliche Giebelspitze des Kirchthurms 1909,0 1683,2
     " Erdfläche am Kirchthurm 1805,0 1591,4
     " Erdfläche am Rathhaus 1768,4 1559,2
     " Niveau der Roth unter der Brücke 1756,2 1548,4
Schnürpflingen, Kirchthurmknopf 1958,7 1727,0
     " Erdfläche am Kirchthurm 1874,6 1652,8
     " Frauenholz, Signal 1889,8 1666,2
Schönebürg, nördliche Giebelspitze des Kirchthurms 2017,0 1778,4
     " Erdfläche am Kirchthurm 1946,2 1716,9
     " Oberrösch, Signal 1978,5 1744,4
     " Niveau der Rottum beim Einfluß in den Oberamtsbezirk 1854,4 1635,0
     " Hochdorf, Kapellenthurmknopf 1925,5 1697,7
     "      "        Erdfläche an der Kapelle 1885,1 1662,1 |
     " Huggenlaubach, Fahne auf dem südlichen Giebel des östlichen Hauses 1934,1 1705,3
     "       "                 Erdfläche am Haus 1886,1 1663,0
     " Niveau der Roth beim Einfluß in den Oberamtsbezirk 1847,6 1629,0
     " bei Huggenlaubach, Signal 1966,8 1734,1
Schwendi, Kirchthurmknopf 1983,4 1748,8
     " Erdfläche am Kirchthurm 1866,2 1645,4
     " Erdfläche am Eingang in das Schloß 1836,0 1618,8
     " Erdfläche am oberen Thor gegen die Bierbrauerei 1845,3 1627,0
     " Erdfläche an der südlichen Giebelseite des Bierkellers 1924,4 1696,7
     " Wainer-Weg, Signal 1926,4 1698,5
Siessen Kirchthurmknopf 2006,9 1769,5
     " Erdfläche am Kirchthurm 1890,6 1666,9
     " Weihungszell, Kapellethurmknopf 1886,9 1663,7
     " Erdfläche an der Kapelle 1844,4 1626,2
Sinningen, Kirchthurmknopf 1911,7 1685,5
     " Erdfläche am Kirchthurm 1843,9 1625,7
     " Erdfläche an der Landesgrenzsäule Nr. XIII 1850,5 1631,5
     " Oberamtsgrenze am Einfluß der Iller in den Bezirk 1855,0 1635,6
     " Niveau der Iller am Einfluß in den Bezirk 1849,0 1630,2
Steinberg nördliche Giebelspitze des Kirchthurms 1931,3 1702,8
     " Erdfläche am Kirchthurm 1848,3 1629,6
     " Obere Fläche der Sandgrube 1771,7 1562,1
     " Nieveau der Weihung an der Brücke bei der Heuweiher Mühle 1716,8 1513,7
     " Krauttheil, Signal 1856,9 1637,2
Stetten, südliche Giebelspitze des Kirchthurms 1825,7 1609,7
     " Erdfläche am Kirchthurm 1740,0 1534,1
     " Postweg, Signal 1729,9 1525,3
Sulmingen, südliche Giebelspitze des Kirchthurms 1953,5 1722,4
     " Erdfläche am Kirchthurm 1851,0 1632,0
     " Erdfläche am Haupteingang in das Gasthaus zum Lamm 1837,3 1620,0
     " Niveau der Dirnach bei der Brücke an der Mühle 1823,0 1607,3
     " Steinbruch, obere Grenze der Sandschichte 1865,4 1644,7
     "       "          Hängendes des Molassesandsteins 1851,4 1632,4
     " Blasenberg, Signal 1960,0 1728,1
     " Bolz, Signal 1979,7 1745,5
     " Hohberg, Signal 1950,1 1719,3
     " Horbösch, Signal 1950,5 1719,7
     " Lutzgasse, Signal 2014,5 1776,2
     " Steeglache, Signal 1907,3 1681,6
     " Wanne, Signal 1917,1 1690,3
     " Weiler, Signal 2011,6 1773,6
     " Weilerg’hau, Signal 1954,5 1723,3
     " Wetzles, Signal 2035,0 1794,3
Unter-Balzheim, nördliche Giebelspitze des Kirchthurms 1923,0 1695,5
     " Erdfläche am Kirchthurm 1841,8 1623,9 |
     " Butzenegert, Signal 1822,0 1606,4
Unter-Kirchberg, Dachtraufe des Kirchthurms 1840,0 1623,0
Wain, südliche Giebelspitze des Kirchthurms 1961,3 1729,3
     " Erdfläche am Kirchthurm 1881,4 1658,8
     " Erdfläche am Haupteingang in das Schloß 1905,0 1679,6
     " Bethlehem, Erdfläche am Eingang in das Gasthaus zum Adler 1882,1 1659,4
     " Niveau der Weihung unter der Brücke 1873,0 1651,4
     " Galgenberg, Signal 2052,6 1809,8
     " Oberbuchhof, Signal 2093,7 1846,0
     " Glaserhof, Erdfläche am Wohnhaus 2058,0 1814,5
Walpertshofen Kirchthurmknopf 2035,8 1795,0
     " Erdfläche am Kirchthurm 1950,7 1720,0
     " Erdfläche am Eingang in das Pfarrhaus 1944,8 1714,7
Wangen, Muckenberg, Erdfläche an der Landesgrenzsäule Nr. XIX 1823,7 1608,0
Weinstetten, Staig, nördliche Giebelspitze des Kirchthurms 1817,3 1602,3
     "     "     Erdfläche am Kirchthurm 1741,8 1535,7
Wiblingen, Erdfläche am Schloßthor 1671,0 1473,0
b. Abdachung und Wasserscheide.

Der ganze Bezirk zeigt, wie auch aus dem Laufe seiner Gewässer hervorgeht, eine Abdachung von Süden nach Norden. Da sämmtliche Gewässer des Bezirks in die Donau fließen, so kann hier von der europäischen Wasserscheide nicht die Rede sein, dagegen soll die Scheidelinie zwischen den unmittelbaren Einflüssen in die Donau und zwischen denen mittelst der Iller angeführt werden. Dieselbe zieht auf der südlichen Bezirksgrenze in das Oberamt und läuft in vielbewegter Kurve zwischen dem Glaserhof und Ober-Buchhof durch auf das Weitholz, von da über den Pfaffenberg (zwischen Wain und Schwendi), Dachsberg, Sauberg, Rommelsberg, zwischen Bihlafingen und Schnürpflingen, wie zwischen Weinstetten und Humlangen durch auf den Fuchsbühl und weiter bis in die Nähe von Altheim; hier wendet sie sich und führt 1/8 Stunde nördlich an Unterweiler vorüber zu der Wiblinger Ziegelhütte, von da bis an die südwestlichsten Häuser von Wiblingen und weiter bis zu der Illereinmündung.

c. Erdfälle und Höhlen.
Vermöge der geognostischen Verhältnisse kommen Erdfälle und Höhlen nicht vor, dagegen entstehen in Folge der lockeren Erd- und Gerölleablagerungen nicht selten Erdstürze, welche namentlich | in nassen Jahrgängen oder nach starken Regengüssen an den steileren Thalgehängen gerne erfolgen. Am häufigsten kommen sie in dem Illerthale vor, wo der wilde Fluß zuweilen die Thalwände untergräbt und auf diese Weise Erdstürze verursacht. So stürzte z. B. im Jahre 1589 ein Theil des Schlosses Ober-Kirchberg in Folge einer Erdsenkung ein und im Jahre 1816 spaltete sich der Abhang gegen die Iller von dem gegenwärtigen Schloß bis zu dem ½ Stunde südlich gelegenen alten Schloßberge, was an vielen Stellen namhafte Erdrutschen veranlaßte. Den 10. Januar 1619 entstand eine beträchtliche Erdspalte zwischen der Kirche und dem Gottesacker bei Unter-Kirchberg; bei Brandenburg kamen an der sogenannten weißen Wand schon öfters Erdrutschen vor, von denen die letzte 1844 erfolgte (siehe auch die betreffenden Ortsbeschreibungen).
d. Ebenen.

Von Ebenen sind zu nennen: die theilweise beträchtliche Thalweitung auf der linken Seite der Iller, ein Theil des Gögglinger Rieds und die Ebene, in welcher die Dürnach (weiter unten die Westernach) der Donau zufließen.

2. Gewässer.

Der Flächengehalt sämmtlicher Gewässer im Bezirk, d. h. der Flüsse, Bäche, Seen und Teiche, beträgt nach den Ergebnissen der Landesvermessung 7946/8 Morgen.

a. Quellen.[1]

Der Bezirk ist sehr quellenreich und sämmtliche Orte sind mit gutem Trinkwasser hinreichend versehen; nur in einigen Orten, wie z. B. in dem hochgelegenen Walpertshofen, lassen in ganz trockenen Jahrgängen zuweilen einzelne Brunnen nach, ohne daß jedoch wirklicher Wassermangel entsteht. Das meiste Trinkwasser wird aus Pumpbrunnen gewonnen, die überall in großer Menge vorhanden sind. Laufende Brunnen fehlen mehreren Orten ganz; die meisten hat Illerrieden. Das Wasser ist beinahe durchgängig schmackhaft und gesund, mit Ausnahme von Dietenheim, Weinstetten u. s. w.

Periodisch fließende Quellen, sogenannte Hungerbrunnen, aus deren Erscheinen auf ein unergiebiges Jahr geschlossen | wird, kommen nicht selten vor und zeigen sich unter anderen in Laupheim, bei Roth und bei Steinberg.

Von Mineralquellen ist nur die Quelle zu Brandenburg zu erwähnen, deren Bestandtheile bei der Ortsbeschreibung von Brandenburg näher angegeben sind; das Wasser des abgegangenen Bades bei Huggenlaubach enthält wenig oder gar keine fremde Beimischungen.

b. Flüsse und Bäche mit ihren Thälern.

Der Bezirk besitzt einen großen Reichthum an fließenden Gewässern und wird an der nördlichen und nordwestlichen Grenze von Deutschlands Hauptfluß (Donau) mehrfältig berührt; ihm fließen, wie schon bemerkt wurde, in nördlicher und nordwestlicher Richtung sämmtliche Gewässer des Oberamtsbezirks zu, und an der nördlichsten Spitze desselben erhält er durch die an der östlichen Bezirksgrenze hinziehende Iller, welche zugleich die Landesgrenze gegen Bayern bildet, den beträchtlichsten Zufluß aus Württemberg. Durch diesen Zufluß gekräftigt, wird die Donau, welche vor der Vereinigung mit der Iller nicht einmal floßbar ist, von Ulm an schiffbar und bezeichnet diese Stadt als wichtigen Ausgangspunkt einer bedeutenden Wasserstraße, beginnend an den Pforten der Alp und am Eingang in die große bayerische Ebene.

Der Fall der Gewässer ist in der östlichen Hälfte des Bezirks stärker als in der westlichen, wo sich die Flüßchen und Bäche etwas träge und vielfältig gekrümmt durch die zum Theil moorigen Thalebenen hinziehen; dagegen haben die Thäler der kleineren Flüsse einen ziemlich gleichen, jedoch stärkeren Fall, als die der Donau und Iller, so daß der Fall der kleineren Flüsse nur durch die vielen Krümmungen derselben wesentlich vermindert wird.

Was die Thäler betrifft, so sind diese mit Ausnahme des Donau- und Iller-Thals meist enge und haben nicht hohe, aber ziemlich steile durch Seitenthälchen und Schluchten vielfältig unterbrochene Thalwände.

Der bedeutendste Fluß ist die Donau, welche nördlich von Dellmensingen zuerst die Bezirksgrenze berührt und dieselbe bald wieder verläßt, um bei Donaustetten abermals die Grenze etwa ½ Stunde lang zu bilden. Nördlich von Donaustetten tritt sie in den Bezirk ein, fließt an Gögglingen vorüber und ¼ Stunde nördlich von diesem Ort auf die Bezirksgrenze, an der sie vollends, mit Ausnahme einer kleinen Einlenkung in die Markung Wiblingen, bis zur nördlichsten Spitze des Oberamts bleibt, wo sie bei der | Einmündung der Iller den Bezirk verläßt und in das Oberamt Ulm eingeht. Der Fluß, welcher in seiner Breite von 120—350 Fuß wechselt, durchschlängelt in ziemlich großen, regellosen unsicheren Krümmungen, mit einem Fall von 10,9 württ. Fuß = 9,6 Par. Fuß auf die Stunde, die weit gedehnte, moorgründige Thalebene und bildet in derselben mehrfach verzweigte Nebenarme und Altwasser. Das Bett der Donau besteht aus Geröllen, und die meist kahlen, nicht mit Gesträuchen bewachsenen Ufer sind unbeträchtlich, daher der Fluß im Frühjahr bei schnell eintretendem Thauwetter öfters Überschwemmungen verursacht, die jedoch wegen der breiten Thalsohle keine großen Verheerungen anstellen.

Neben dem Rothfisch führt der Fluß hauptsächlich geschätzte Karpfen und Hechte.

Zwei Brücken, eine steinerne bei Wiblingen und eine hölzerne bei Gögglingen stellen den Verkehr mit dem jenseitigen Ufer her.

Die Thalebene der Donau ist, so weit dieselbe an dem Bezirk hinzieht, beinahe durchgängig ½ Stunde breit und besteht meist aus sogenannten Riedern (Moorgründe) und Wiesen; die Thalgehänge der rechten Seite, welche dem Bezirk angehören, bilden ganz niedere, jedoch steile Terrassen, während die linken Thalabhänge eine weit beträchtlichere Höhe erreichen.

In die Donau fließen:

a) Die Iller, ein wilder, reißender Fluß, der aus dem Nordabfall der Alpen über Kempten dem oberschwäbischen Schuttlande zueilt und, die Natur eines Gebirgsflusses nirgends verläugnend, bei Sinningen auf die östliche Bezirks- und zugleich Landesgrenze kommt. Diese mit mehrfachen Abweichungen in einer Länge von 8½ Stunden bildend, vereinigt er sich ¾ Stunden nordwestlich von Wiblingen mit der Donau und trübt mit seinem meist schmutzig-gelblichen Wasser die klaren Fluthen des Hauptstroms. Der starke Fall des Flusses (nach der Thalbahn 22,5 württ. Fuß = 19,8 Par. Fuß per Stunde), wie die bedeutenden Nebenzuflüsse, besonders aber der Wasserreichthum, welcher ihm im Frühjahr bei Abgang des Schnees aus den Vorarlberger Alpen und aus den Algäuer Bergen zugeführt wird, sind die Ursache, warum die Iller häufig große Überschwemmungen und Verheerungen in der Thalebene, wie an den Ufern und Uferbauten anrichtet. Dabei leistet die, aus lockerem Gerölle, Alpenschutt und Sand bestehende Thalebene der wilden Laune des Flusses keinen Widerstand, daher dieser unschlüssig, welchen Weg er nehmen soll, sich häufig ein neues Bett aufsucht und mittelst der Masse von mitgeführtem Schutt etc., Sand- und Geröllebänke, wie auch eine Menge Nebenarme bildet. So | wird der Fluß nicht nur seinen Ufern, die er untergräbt und einstürzt, sondern auch den in seiner Nähe für den Feldbau benützten Flächen gefährlich und verhindert sogar in seiner nächsten Umgebung jeden künstlichen Anbau. Dagegen haben sich an den beiden Ufern die verschiedenartigsten Gesträuche angesiedelt, die ausgedehnte Buschwaldungen, Griese genannt, bilden, und den wilden Charakter des Flusses noch steigern.[2] Die Iller, welche den Bezirk in einer Länge von 9¼ Stunden durchzieht und in ihrer Breite von 125—300 Fuß wechselt, ist nicht schiffbar, dagegen dient sie als vielbenützte Wasserstraße für Flöße, welche aus dem angrenzenden Bayern, wie aus den oberschwäbischen Gegenden Württembergs und somit auch aus dem diesseitigen Oberamtsbezirk Bauholz, Brennholz, Schnittwaaren etc. in großer Menge nach Ulm liefern. Von den Fischen, welche der Fluß beherbergt, sind besonders der Rothfisch (Salmo Hucho) und die Äsche (Salmo Thymallus) zu nennen.

Der Verkehr mit dem jenseitigen Gebiet wird durch die Brücke bei Ober-Kirchberg und durch einen Steeg bei Wiblingen wie durch die Nachenfähren bei Wiblingen, Wochenau, Illerrieden, Brandenburg, Dietenheim, Balzheim und Sinningen unterhalten.

Das Thal der Iller, welches jedoch nur auf der linken Seite des Flusses den Bezirk berührt, ist im Allgemeinen ¾—1 Stunde — der württembergische Antheil aber durchschnittlich ¼—½ Stunde breit; eine Ausnahme macht die Partie bei Brandenburg, wo der Fluß auf der württembergischen Seite sogar die Thalgehänge berührt und auf eine Strecke von ¼ Stunde gar keine Thalebene zuläßt. Der gleiche Fall tritt etwa ½ Stunde südlich von Ober-Kirchberg ein, indem sich hier die Thalebene größtentheils verliert und der Fluß entweder den Thalgehängen ganz nahe kommt oder nur mäßig von denselben entfernt bleibt. Bemerkenswerth ist der Lauf einzelner Nebeneinflüsse der Iller, welche auf große Strecken in einiger Entfernung neben dem Fluß hinziehen, ehe sie sich mit demselben vereinigen; zuweilen haben sich zwischen dem Hauptfluß und den Nebenbächen flach hinziehende Schutterhöhungen und somit gleichsam sanfte Thälchen in der Hauptthalebene gebildet. Die Thalgehänge sind meist mit Laubhölzern bewaldet, steil, mäßig hoch und durch eine Menge Seitenthälchen und Schluchten vielfältig unterbrochen; an Stellen, wo der Fluß die | Thalgehänge berührt, wie bei Brandenburg, Ober- und Unter-Kirchberg, werden dieselben sehr steil und bilden eine schroffe, gleich fortlaufende Wand, die übrigens nicht die Höhe erreicht, wie die übrigen mehr südlich gelegenen Thalabhänge. Der Totaleindruck, den ein Blick in das Illerthal hervorbringt, ist ein sehr freundlicher; die weite, mit Feld- und Wiesengründen abwechselnde Thalebene, in der sich, wie an den Gehängen derselben, stattliche Orte lagern, bildet einen angenehmen Contrast gegen den wilden mit Buschwäldchen besäumten Fluß und verleiht dem Thale, in Vergleichung mit den übrigen Thälern des Landes, einen ganz eigenthümlichen Charakter. Im Illerthale liegen die Orte Sinningen, Ober- und Unter-Balzheim, Dietenheim und Illerrieden; oben an den nächsten Thalgehängen liegen Brandenburg, Ober- und Unterkirchberg und Wiblingen.

In die Iller gehen:

Der Giesenbach, meist nur Giesen genannt, südlich von Kirchberg in dem Oberamt Biberach unter dem Namen Mauchenbach entspringend, kommt er bei Sinningen in den Bezirk, fließt an diesem Ort und unfern Ober- und Unter-Balzheim vorüber nach Dietenheim, um sich ¼ Stunde nordöstlich von letztgenanntem Ort mit der Iller zu vereinigen. Während seines 2½stündigen Laufes durch den Bezirk erhält der in der Illerthalebene sich fortschlängelnde Bach mehrere unbedeutende Seitenzuflüsse, den Moosbach, Breitenbach etc. und treibt drei Mühlen bei Sinningen, Ober- und Unter-Balzheim, zwei Mühlen in Dietenheim und die Öl-Mühle unterhalb letzteren Orts.

Der Riedgraben in der Illerthalebene bei dem Ober-Fürbuchhof entspringend, mündet nach einem 5/4stündigen Lauf bei Brandenburg ein.

Etwa 1/8 Stunde westlich von Regglisweiler beginnt der Wangenerbach, welcher durch ein enges Thälchen nach Wangen fließt, und, nachdem er einige kleine Bäche aufgenommen hat, ¼ Stunde unterhalb des genannten Orts sich in die Iller ergießt. Bei Illerrieden vereinigen sich einige unbedeutende Gewässer und bilden den Giessen- oder Eschbach, der eine Länge von 5/4 Stunden hat und am Fuß des Schloßbergs, ½ Stunde südöstlich von Ober-Kirchberg, in die Iller mündet.

Der Hornbach entspringt ¼ Stunde südlich von Oberweiler, fließt durch Beutelreusch und Ober-Kirchberg, um nach einem Lauf von einer Stunde unterhalb des letztgenannten Orts einzumünden. Sein enges Thal ist Anfangs ganz unbedeutend und erhält erst unterhalb Beutelreusch steile, übrigens nicht hohe Thalgehänge.

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Die Weihung, bei Autenweiler beginnend und nach 5½stündigem Lauf mit einem Fall von 40 württ. Fuß = 35,3 Par. Fuß auf die Stunde (nach der Thalbahn), unterhalb Unter-Kirchberg einmündend, berührt die Orte Autenweiler, Wain, Auttagershofen, Weihungszell, Beuren, Schnürpflingen, Buch und Unter-Kirchberg. Der muntere Bach, welcher mittelst mehrerer in ihn einmündenden Seitenbächen bald zu einem Flüßchen heranwächst, treibt Mühlen in Wain, in Auttagershofen, bei Weihungszell, in Schnürpflingen, bei Staig und in Kirchberg. Nachdem im Jahre 1851 die unstäte Iller ihren Lauf abermals verändert und sich bis gegen Unter-Kirchberg gedrängt hatte, wurde das vorher in der Illerebene noch längere Zeit fortfließende und erst unterhalb Wiblingen einmündende Flüßchen schon bei Unter-Kirchberg abgeschnitten und von dem wilden Fluß aufgenommen.

Von seinen Seiteneinflüssen sind zu nennen:

Der bei Weihungszell einmündende Nußbach, der Steinenbach, welcher zwischen Beuren und Schnürpflingen einfließt, der südlich von Ammerstetten entspringende — und bei Staig einmündende Reichenbach. Das Thal der Weihung, dessen mit Wiesen kultivirte Sohle durchgängig schmal ist, hat von seinem Beginn bis nach Weihungszell nur unbeträchtliche Gehänge, welche Anfangs mit Wald bewachsen sind, bald aber in Ackergelände übergehen und im Verein mit den in dem Thale sich lagernden Ortschaften eine freundliche Partie bilden. Unterhalb Weihungszell ändert sich der Thalcharakter; die Thalwände, namentlich die rechten, werden namhafter, steiler und sind mit wenigen Unterbrechungen meist bewaldet, bis sie in der Gegend von Staig wieder für den Feldbau benützt werden und diesem vollends bis zu dem Illerthale dienen.

Der Fischbach, welcher ¼ Stunde südlich von Unterweiler beginnt, an dem Hof Fischbach vorüberfließt und sich nördlich von Unter-Kirchberg mit der Iller vereinigt; früher mündete der Bach in die Weihung, seit diese aber von der Iller abgeschnitten wurde, fließt der Bach unmittelbar in den Hauptfluß.

Ferner fließt in die Donau:

b) Ein Bach bei Gögglingen ohne Namen, bei Donaustetten beginnend.

c) Die Roth; entstanden aus drei kleinen Bächen, welche sich bei Kloster-Roth vereinigen, tritt sie östlich von Huggenlaubach in den Bezirk, fließt an den Orten Dietenhofen, Schwendi, Groß- und Klein-Schaffhausen, Bußmannshausen, Orsenhausen, Roth, Bürg, Bronnen, Achstetten, Stetten und Dellmensingen vorüber, um ½ Stunde nördlich von letzterem Ort in die Donau zu münden.

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Während ihres 5¾stündigen Laufes, den sie in dem Bezirke mit einem Fall von 33,7 württ. Fuß = 29,7 Par. Fuß per Stunde (nach der Thalbahn) zurücklegt, treibt sie Mühlen bei Schwendi, Bußmannshausen, Roth, Bürg, Achstetten, Stetten und Dellmensingen.

In die Roth gehen ein:

Der Laubach bei Huggenlaubach, der Schindbach bei Schwendi, wo er eine Mühle in Bewegung setzt, der eine Stunde lange Hüttenbach oberhalb Klein-Schaffhausen, der Orsenhauser-Bach bei Orsenhausen, das Rothbächle bei Roth, das eine Mühle treibende Bronnenbächle bei Bronnen, zwei unbedeutende Bäche zwischen Burgrieden und Ober-Holzheim, ein Bach ohne Namen bei der Holz-Mühle, der Urspringbach bei Achstetten, der Stettener-Bach bei Stetten und die bei Dellmensingen einmündende Schmiehe; letztere entspringt unter dem Namen Sau ½ Stunde südlich von Bihlafingen, fließt durch ein enges, freundliches Thälchen und berührt die Orte Bihlafingen, wo sie einen Seitenbach aufnimmt, Hüttisheim und Dellmensingen; während ihres 2¼stündigen Laufes setzt sie oberhalb Hüttisheim eine Mühle in Bewegung. Das Roththal hat einen milden, stillen, übrigens etwas eintönigen Charakter; durch die 1/8—¼ Stunde breite, wiesenreiche, zuweilen moorige Thalsohle schlängelt sich in vielfältigen Krümmungen träge das mit Erlen und Weiden besaumte Flüßchen, dessen Ufer ganz unbedeutend sind, so daß dasselbe ohne große Hindernisse aus seinem Bett treten kann und deßhalb öfters die Thalebene überschwemmt. Die Thalgehänge sind anfänglich ziemlich steil, übrigens nicht hoch und häufig mit Wald bestockt; weiter unten, namentlich von Roth abwärts, mildern sich die Abhänge immer mehr, und die Ackerkultur hat hier die Waldungen gänzlich von denselben verdrängt. Unterhalb Stetten tritt der Fluß in die Riedebene und verliert auf der linken Seite die Thalabhänge, welche ihn auf der rechten Seite bis zu seiner Einmündung begleiten. Thalaufwärts gesehen drängen sich die vielen stattlichen, zum Theil mit Schlössern gezierten Ortschaften, welche in der Thalebene wie an den Thalgehängen liegen, zu einem freundlichen Bilde zusammen, das im Hintergrunde mit den schneebedeckten Häuptern der Schweizeralpen schließt.

d) Die Westernach, welche nur 1/8 Stunde oberhalb der Rotheinmündung bei der Riedmühle im Oberamt Ehingen in die Donau einmündet; sie entsteht aus den eine Stunde nördlich von Laupheim sich verbindenden Flüßchen Rottum und Dürnach, erstere, bei Füramoos in dem Oberamt Biberach entspringend, erreicht den Bezirk bei Schönebürg und nimmt ihren Weg | über Mietingen, Baustetten und Laupheim. Während dieses vier Stunden langen Laufes, den sie innerhalb des Bezirkes mit einem Fall von 35,7 württ. Fuß = 31,5 Par. Fuß per Stunde (nach der Thalbahn) zurücklegt, treibt das fleißige Flüßchen Mühlen in Schönebürg, Mietingen, Baustetten und Laupheim. Das Thal der Rottum hat viele Ähnlichkeit mit dem der Roth, nur ist es nicht so breit und etwas weniger tief eingefurcht; unterhalb Laupheim tritt das vielgekrümmte Flüßchen in die Riedebene und behält nur noch auf der rechten Seite einen ganz unbeträchtlichen, jedoch etwas steilen Abhang.

In die Rottum münden, neben andern unbedeutenden Zuflüssen, der Reichenbach zwischen Hochdorf und Mietingen, der Missengraben und der Edelgraben bei Mietingen, der Laubbach bei Laupheim u. s. w.

Die bei Mittelbuch im Oberamt Biberach entspringende Dürnach erreicht den Bezirk ½ Stunde südöstlich von Sulmingen, fließt durch diesen Ort und durch Baltringen, wo sie bald in die weitgedehnte Riedebene tritt und in dieser ihren geschlängelten, trägen Lauf bis zu dem Vereinigungspunkt mit der Rottum fortsetzt. In dem Bezirk legt die Dürnach einen Weg von 35/8 Stunden mit einem Fall von 35,7 württ. Fuß = 31,5 Par. Fuß auf die Stunde (nach der Thalbahn) zurück, und setzt während desselben zwei Mühlen, eine in Sulmingen, die andere in Baltringen, in Bewegung. Von den Seitenzuflüssen nennen wir die von Äpfingen herkommende Sau, welche ¾ Stunden nordwestlich von Baltringen in die Dürnach mündet.

Das Dürnachthal ist freundlich, ziemlich enge und mit theilweise stark markirten, jedoch nicht hohen Thalwänden versehen, die sich unterhalb Baltringen auf der linken Seite ganz verlieren, während auf der rechten eine ganz unbedeutende Terrasse in einer Entfernung von 1/8—¼ Stunde sich bis zur Rottum fortsetzt.

Bei der Vereinigung der Rottum mit der Dürnach erhält nun, wie schon bemerkt wurde, das Flüßchen den Namen „Westernach“, welche noch 17/8 Stunden lang bis zu ihrer Vereinigung mit der Donau in der Riedebene sich fortschlängelt, und nur bis unterhalb Achstetten von der Fortsetzung der oben angeführten Terrasse auf der rechten Flußseite begleitet wird. Der Fall der Thalbahn beträgt auf die Stunde 29,7 württ. Fuß = 26,2 Par. Fuß. Den bedeutendsten Zufluß in die Westernach bildet der aus der Riedebene kommende Ranglenbach.

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c. Stehende Gewässer.

Eigentliche Seen finden sich nicht im Bezirk; dagegen war er früher ziemlich reich an künstlich angelegten, durch Dämme geschwellten Weihern, die übrigens größtentheils im Laufe des gegenwärtigen — und zu Ende des vorigen Jahrhunderts trocken gelegt und der Feldkultur übergeben wurden. Über die noch vorhandenen — wie über die abgegangenen Weiher siehe die Ortsbeschreibungen. Die von Seen und Weihern eingenommene Fläche beträgt nach den Ergebnissen der Landesvermessung nur 576/8 Morgen.

3. Naturschönheiten.

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Vermöge der geognostischen Verhältnisse, welche in dem ganzen Bezirke einer Formation, der mit einem mächtigen Gerölleschutt überlagerten Molasse angehören, fehlen hier tiefe Thäler, Felsenpartieen, Wasserfälle u. s. w., dagegen sind Punkte mit freundlichen und zum Theil ausgedehnten Fernsichten nicht selten. Die schönsten Aussichten genießt man an dem obern Rande oder den Terrainvorsprüngen der linken Illerthalgehänge, wie auf dem Schloß zu Ober-Balzheim, bei dem Neuhauser Hof, bei Brandenburg, auf dem Muckenberg bei Wangen, auf dem Schloßberg südlich von Ober-Kirchberg, auf dem Schloß zu Ober-Kirchberg, in dem Pfarrhaus zu Unter-Kirchberg u. s. w., wo das Auge nicht nur das weite Illerthal, sondern auch das jenseits des Flusses gelegene bayerische Hügelland weithin überblickt; an vielen Stellen sind überdieß die majestätischen Tyroler-Alpen noch sichtbar, einen überaus schönen Hintergrund der Landschaft bildend. In den nördlich gelegenen Gegenden des Illerthals schweift der Blick über das Donauthal mit der ehrwürdigen Kreisstadt Ulm, das malerische Schloß Erbach, das ehemalige Kloster Elchingen und einen Theil des Südabfalls der Alp. In dem westlichen Theile des Bezirks sind es hauptsächlich die Punkte bei dem obern Schloß und auf dem Bronnerberg zu Laupheim, die Höhe bei Ober-Holzheim, Walpertshofen, Burgrieden, das Schloß Achstetten, der Kirchthurm in Hüttisheim u. s. w., wo man über das hügelige, zum Theil flachwellige Land hinweg in das freundliche Donauthal mit der Alp im Hintergrunde, wie in einige Seitenthäler der Donau freundliche Aussichten genießt; gegen Westen übersieht man die von der Dürnach, Westernach und | Riß durchzogene Riedebene, hinter der sich die Höhenzüge der benachbarten Oberamtsbezirke hinziehen, aus denen der kegelförmige Bussen sich erhebt und dem Auge einen angenehmen Ruhepunkt gewährt. Überdieß sind noch an vielen Stellen in südlicher Richtung die schneebedeckten Schweizergebirge sichtbar, welche dem freundlichen Panorama noch einen besonderen Reiz verleihen. Auf den Holzstöcken bietet der östlich von Wain gelegene Galgenberg eine sehr ausgedehnte und anziehende Aussicht.

4. Boden.

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Die Bodenverhältnisse des Bezirks sind sehr verschieden und gehören im Allgemeinen zu den mittelfruchtbaren des Landes; ein zu Production der Feldfrüchte sehr tauglicher, etwas leichter, sandiger, meist ziemlich tiefgründiger Diluviallehm kommt hauptsächlich bei Unter-Kirchberg, Wiblingen, Gögglingen, Donaustetten, Dellmensingen, Stetten, Achstetten, Bronnen, Laupheim, Baustetten, Mietingen, Baltringen etc. vor, während derselbe in geringer Mächtigkeit von 1—1½ Fuß noch über einen namhaften Theil des Bezirks verbreitet ist, und entweder von Schuttgeröllen, Sand oder von Thon unterlagert wird, welch’ letzterer auf den Boden einen beträchtlichen Einfluß äußert und denselben etwas naßkalt macht. Auf den Anhöhen und Hügelzügen besteht der Boden meist aus minder fruchtbaren Erdarten, indem hier entweder ein kalter schwerer Thon (Letten) oder ein rother, mit Sand gemengter Mergel die Oberfläche bildet; zuweilen erscheint auch ein magerer Gerölleschutt, dem beinahe jede Humusdecke abgeht. In der Ebene des Illerthals hat sich in Folge früherer großartiger Überschwemmungen und in Folge des sich beinahe jedes Jahr wiederholenden Austretens des Flusses eine Masse von Geröllen, Geschieben, Schutt, Gruß etc. abgelagert, die an vielen Stellen theils einen künstlichen Anbau gar nicht zuläßt, theils einen für die Kultur minder günstigen Boden liefert. Dagegen lagert in der Donauebene und in der Westernach- und Rißebene, wie in den übrigen kleineren Thälern des Bezirks beinahe durchgängig Moorgrund, der meist saures Futter liefert und an vielen Stellen nur mit Mühe kulturfähig gemacht wurde. Die Ergiebigkeit des Bodens ist demnach in der Illerthalebene in nassen Jahrgängen besser, als in trockenen, während auf den Anhöhen, die meist einen naßkalten, die Feuchtigkeit anhaltenden Boden haben, in trockenen Jahrgängen mehr Ertrag erzielt wird; den fruchtbaren | mit sandigem Diluviallehm überlagerten Gegenden ist eine mittelfeuchte Witterung die zuträglichste.

5. Luft und Witterung.

Die Luft ist meist frisch und rein; vorherrschende Winde sind S.W., S. und W.; am seltensten N.W. und S.O.; ziemlich selten auch reine Ostwinde. Die mittlere Temperatur steht gegen diejenige von Stuttgart durchschnittlich um 1—1,5° zurück, ebenso die Maxima und Minima,[5] so daß die Differenzen durchschnittlich um einige Grade geringer sind. Dagegen kommen Frühlings- und Spätjahrsfröste häufig vor, Letztere zuweilen mit Reif verbunden schon Ende Augusts. Dennoch gedeihen, außer allen Sorten von Obst, Bohnen, Gurken und sogar Melonen in geschützter Lage. Die Ernte tritt um 8 Tage später ein als im Unterland und in der Bodenseegegend.

Barometerbeobachtungen liegen aus dem Bezirk selbst keine, wohl aber aus der benachbarten Stadt Biberach, welche mit einem großen Theil des Bezirks gleiche Höhe und Lage hat, vor, woselbst Prof. Proß nach dreimaligen täglichen Beobachtungen in den Jahren 1831—1834 incl., auf 15° R. reduzirt, den mittleren Stand auf 26 . 6,719 Par. Zoll berechnete, während er in denselben Jahren in Stuttgart = 27 . 4,888 betrug.

Gewitter sind häufig und zuweilen heftig. Dem Hagelschlag sind besonders die Orte Stetten, Hüttisheim, Holzheim und Bilafingen ausgesetzt.

6. Gebirgsarten und Mineralien.

Die geognostischen Verhältnisse des Bezirks sind, obgleich sie auf den ersten Anblick ganz einfach erscheinen, dennoch etwas verwickelt, und in manchen Fällen bietet die Bestimmung der Formations- und Schichtengrenzen einige Schwierigkeiten. Der Bezirk gehört, wie das übrige Oberschwaben, dem großen Becken zwischen der Donau und dem Bodensee, oder im weiteren Sinne, zwischen dem Jura und den Alpen an, welches auch das Flachland der östlichen Schweiz und die bayrische Ebene umfaßt, und theils mit Mollasse, theils mit den dieselbe überlagernden Diluvial- und Alluvialbildungen ausgefüllt ist.

So tritt nun auch in dem Oberamtsbezirk Laupheim die eigentliche | Mollasse (Mollassesandstein) als Unterlage auf, wie sie denn an einigen Stellen längs des Illerthalrandes von Unter-Kirchberg bis Ober-Balzheim, sodann bei Sulmingen, Baltringen, Mietingen, Schaffhausen zu Tage steht, und bei Schwendi beim Graben eines Kellers gefunden wurde.

Über dem Sandstein entwickelt sich in ziemlicher Mächtigkeit ein feiner, gelblicher Quarzsand, dem kleine Quarzgeschiebe beigemengt sind, während die alpinischen Geschiebe demselben fehlen.

In diesen Sandschichten scheiden sich zapfenförmige, in der Richtung von Westen nach Osten liegende Knauer von Molassesandstein aus, welche zuweilen wunderbar abgeflößt und wellig geformt sind; ihre Größe ist öfters beträchtlich und erlaubt eine Benützung zu Bau- und Werksteinen. Dergleichen Sandschichten treten bei Illerrieden, Ober-Holzheim, Steinberg, Weinstetten, Wain, Schwendi, Brandenburg, an mehreren Stellen des Illerthales und sonst zu Tage.

Über diesen Sandschichten, die wir als das oberste Glied der Mollasseformation betrachten müssen, lagern zum Theil in beträchtlicher Mächtigkeit Diluvialgeschiebe mit Sand und sandigem Lehm gemengt, und bilden den größten Theil der Oberfläche des Bezirks; nicht selten erscheint auch ein reiner Diluviallehm an der Oberfläche, der zur Fruchtbarkeit der Gegenden um Laupheim, Achstetten, Bronnen, Dellmensingen, Stetten, Baustetten, Baltringen, Mietingen etc. wesentlich beiträgt. Die Diluvialgeschiebe sind größtentheils alpinisch und bestehen vorherrschend aus bläulichem oder gelblich-grauem, mitunter auch schwarzem Alpenkalk mit weißen Kalkspathadern, Quarzfels, Hornblendegestein, Gneiß, Granit, Glimmerschiefer u. s. w.

Torf, der meistens auf Diluvialgeschieben lagert, kommt in großer Ausdehnung vor und bildet die Oberfläche in den weiten Thalebenen der Donau, der Westernach, der Dürnach, wie auch stellenweise in den minder breiten Thälern der Roth, der Rottum u. s. w.

Alluvialgebilde haben sich an dem Fuß der Thalgehänge und in den Thalebenen abgelagert, namentlich setzt die reißende, öfters austretende Iller alljährlich Sand und Geschiebebänke in der Nähe ihrer Ufer ab.

Betrachten wir die im Bezirk anstehende Mollasseformation mit ihren organischen Einschlüssen etwas näher, so erscheinen nach den in neuerer Zeit bei Ober- und Unter-Kirchberg angestellten Beobachtungen (s. württ. naturwissenschaftliche Jahreshefte, Jahrgang 1848, S. 258 ff., und Jahrbücher für Mineralogie etc. von Leonhard und Bronn, Jahrgang 1848, s. 781 ff.) drei, beziehungsweise vier verschiedene Ablagerungen, und zwar von unten nach oben folgende: | 1) Eine Süßwasserbildung, welche ausschließlich fossile Reste von Landpflanzen und Süßwassermollusken einschließt.

2) Eine Ablagerung mit einem Gemenge von Landpflanzen, See- und Süßwasserfischen und Mollusken, welche auf eine periodische Anwesenheit von Brackwasser schließen läßt.

3) Über der letzteren Partie lagern Schichten mit Einschlüssen von Süßwasserconchylien und Landpflanzen.

4) Ein gelblicher, feinkörniger Sand mit Fündlingen von Mollassensandstein und zapfenförmigen Sandknauern.

Überdieß ist des erst in neuerer Zeit aufgefundenen tertiären Kalks an der Donau bei Wiblingen zu erwähnen.

Was nun die organischen Einschlüsse speziell betrifft, so erscheinen in dem feinkörnigen Mollassesandstein bei Groß-Schaffhausen (1875,5 württ. Fuß = 1653,6 Par. Fuß über dem Meere), wohl erhaltene Blätterabdrücke von Carpinus macroptera (Brong.), Ceanotus polymorphus (Al. Braun), Populus ovalifolia und Salix Lavateri (A. Braun).

In dem grobkörnigen Molassesandstein bei Baltringen (Hängendes 1900,9 württ. Fuß = 1676,0 Par. Fuß über dem Meere) finden sich folgende:

a) Mollusken: Ostrea longirostris (Lamk), O. callifera (Lamk), Pecten scabrellus (Lamk), Turritella terebra (Lamk), Cytherea, Cardium.

b) Fische: Carcharias Megalodon (Ags.), C. polygyrus (Ags.) Lamna contortidens (Ags.), L. cuspidata (Ags.) Oxyrhina hastalis (Ags.), Hemipristis serra (Ags.), Notidanus primigenius (Ags.), Myliobates Studeri (Ags.), Sphärodus irregularis (H. v. Meyer), S. depressus (H. v. M. ), S. parvus (H. v. M.), Tetrapturus, Chimära.

c) Reptilien: Testudo (Trionyx?) molassica (Jäger) und Zähne von Sauriern.

d) Säugethiere:

α) Meer-Säugethiere: Arionius servatus (H. v. M.), Baläna mollassica (Jäger), Physeter mollasticus (Jäger), Halianassa Studeri (H. v. M.), Trichecus mollassicus (Jäger), Zähne von Phoca ähnlichen Thieren.

β) Land-Säugethiere: Mastodon angustidens (Cuv.) Rhinoceros incisivus (Cuv.), Lophiodon mollassicus (Jäger), Equus mollassicus (J.), Cervus lunatus (H. v. M.), C. mollassicus (Jäger), Paleomeryx Scheuchzeri (H. v. M.), Castor mollassicus (Jäger). Zähne von bärenartigen Thieren.

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Von diesen angeführten Fossilien finden sich bei Mietingen (Hängendes des grobkörnigen Mollassesandsteins 1834,0 württ. Fuß = 1617,0 Par. Fuß über dem Meere) Cytherea chione (?), übrigens in solcher Menge, daß diese Muschel den größten Theil des Gesteins bildet, Fragmente von Ostrea longirostris, auch Zähne von Sphärodus und Carcharias. Die übrigen gehören Baltringen allein an.

In der Mollasse bei Unter-Kirchberg finden sich sieben verschiedene Petrefactenschichten, von welchen die sechste von oben nach unten das von Finanzrath Eser im Jahr 1847 entdeckte Fischlager enthält. Die daselbst vorkommenden Versteinerungen sind folgende:

a) Pflanzen: Quercus Drymeja (Unger), Früchte von Quercus palaeo-coccus (Unger), Typha Oeningensis (A. Braun), Populus latior (A. Braun), Salix Lavateri (A. Braun). S. media (A. Braun), S. myricoides (A. Braun), Eseria (Heer), monocotyledonische Pflanze, Ulmus plurinervia (Unger), Frucht einer Carya (Heer), Früchte einer Gefäßkryptogame (Heer), Ericeen-Blättchen (Heer), Fragemente eines Farrenkrauts, vielleicht Aspidium (Heer).

b) Mollusken: Paludina varicosa (Bronn), P. acuta (Lamk), Neritina fluviatilis (Lamk), Cyclostoma glabrum (Schübler), Annodonten, Mytilaceen und Cardien, Dreissena amygdaloides (Dunker), Dreissena clavaeformis (Krauss), Anodonta anatinoides (v. Klein), Margaritana Wetzleri (Dr. Krauss), Unio Kirchbergensis (Krauss), Unio Eseri (Kraus), Cardium sociale (Kraus), Cardium solitarium (Kraus).

c) Fische: Clupea lanceolata (H. v. M.), C. ventricosa (H. v. M.), C. gracilis (H. v. M.), Rhombus Kirchberganus (H. v. M.), Gobius multipennatus (H. v. M.), Cyprinus priscus (H. v. M.), Smerdis formosus (H. v. M.), minutus (Ags).

d) Säugethiere: Amphicyon Eseri (Plieninger).

In dem Petrefactenlager bei Ober-Kirchberg lassen sich sechs Schichten, zusammen etwa 50 Fuß mächtig unterscheiden.

Die oberste Schichte (1777 württ. Fuß = 1567 Par. Fuß über dem Meere), ein gelblich weißes, kalkiges Trümmergestein, das von regelmäßig geschichtetem grauen Thone unterlagert wird, enthält Anadonta, Limnäus, Paludina acuta, Fischschuppen etc. Die zweite Schichte, ein ockerfarbiges und bläulich-graues, sandiges Conglomerat, ist sehr reich an Mytilaceen und Cardien-Resten. Von Schichte 3—4 ist nur die mittlere petrefactenführend; sie enthält in gelbem Sand Cardien und Unio Eseri (Krauss). In der untersten 20—25 Fuß mächtigen Schichte Paludina varicosa | in solcher Menge, daß die Sandwände durch sie weiß gefleckt erscheinen und schon von Ferne erkannt werden können.

7. Pflanzen- und Thierreich.
A. Pflanzen.

Die Flora des Bezirks ist im Allgemeinen die des württembergischen Oberlandes (Oberschwaben), die einen großen Reichthum an seltenen Pflanzen besitzt und sich durch manches von dem Hochgebirge herabgestiegene Alpenpflänzchen an die Flora der Alpen anschließt. Namentlich hat die tief in den Alpen entspringende Iller die Gebirgspflanzen am weitesten, zum Theil bis an ihre Mündung, verbreitet und somit auch dem diesseitigen Bezirk einen subalpinischen Charakter, der einen Hauptzug in der oberschwäbischen Flora bildet, aufgedrückt.

a) Bäume. Vorherrschend ist die Rothtanne, Fichte (Pinus picea, Du Roi); zu ihr gesellt sich zuweilen, jedoch immer seltener werdend, die Weißtanne, Edeltanne (P. abies, Du Roi), die Forche, Föhre (P. silvestris), selten die Lärche (P. larix).

Von den Laubhölzern finden sich folgende: Die Eiche (Quercus robur und pedunculata), die Buche (Fagus silvatica) nicht selten, die Hainbuche (Carpinus Betulus), die Birke (Betula alba), die Ulme (Ulmus campestris), die Esche (Fraxinus excelsior), die Aspe (Populus tremula), die Linde (Tilia grandifolia und parvifolia), die Erle (Alnus glutinosa und incana), die unter dem Namen Hundserle bekannte grüne Erle (A. viridis) kommt nur als Strauch vor; der Ahorn (Acer Pseudo-Platanus, platanoides und campestre), die Saalweide (Salix caprea), der Kirschbaum (Prunus avium), die Steinkirsche (P. Mahaleb), bei Ober-Kirchberg, die Traubenkirsche (P. padus) häufig, der Vogelbeerbaum (Sorbus aucuparia) häufig. Weiden haben sich namentlich an der Iller in vielen Arten angesiedelt, von denen wir nur die selteneren nennen, wie Salix incana, acuminata, daphnoides, alba, rosmarinifolia, phylicifolia, letztere an der Donau.

b) Sträucher. Außer den gewöhnlichen Wald- und Heckensträuchern finden sich: der Tamariskenstrauch (Tamarix germanica) an der Iller, der Sanddorn (Hippophäe rhamnoides) ebendaselbst, der Kreuzdorn (Rhamnus cathartica), der Faulbaum (R. frangula), die Zimmtrose (Rosa cinnamomea), der Haselstrauch (Corylus avellana) sehr häufig, der Hirschholder (Sambucus racemosa), der Wasserholder (Viburnum opulus), der Schlingstrauch (V. lantana), | der Seidelbast (Daphne mezereum), die Heidelbeere (Vaccinium Myrtillus), die Preiselbeere (V. vitis idäa), Steinbeere (Rubus saxatilis), Wachholder (Juniperus communis) etc.

c) Kräuter. Von Gift- und Arzneipflanzen finden sich: die Tollkirsche (Atropa belladonna), der Stechapfel (Datura stramonium), das schwarze Bilsenkraut (Hyoscyamus niger), der gefleckte Schierling (Conium maculatum), der giftige Wütherich (Cicuta virosa), der heilsame Baldrian (Valeriana officinalis), die ächte Kamille (Matricaria Chamomilla), der Wohlverlei (Arnica montana) bei Krauthof, das Fingergras (Digitaria humifusa) bei Wiblingen, der Fieberklee (Menyanthes trifoliata), das gemeine Seifenkraut (Saponaria officinalis), der Teich-Kalmus (Acorus calamus), die Haselwurz (Asarum europaëum), der officinelle Steinsaame (Lithospermum officinale) an der Iller, der gefleckte Aron (Arum maculatum) bei Wiblingen, der Sauerklee (Oxalis acetosella), der Attich (Sambucus ebulus) u. s. w.

Von selteneren krautartigen Pflanzen nennen wir: das schmalblättrige und das breitblättrige Wollgras (Eriophorum angustifolium et latifolium), die Segge (Carex cespitosa, silvatica, elongata, stricta, tomentosa, alba), die große Astranz (Astrantia major), die pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia), das Wasser-Kreuzkraut (Senecio aquaticus), das sarrazenische Kreuzkraut (S. sarracenicus) an der Donau, die Alpen-Wachsblume (Cerinthe alpina) bei Wiblingen, die Lysimachie (Lysimachia thyrsifolia) bei Brandenburg, der Wiesen-Silau (Silaus pratensis) bei Wiblingen, das Alpen-Leinkraut (Linaria alpina) ebendaselbst, der Eisenhut (Aconitum neomontanum) ebendaselbst, das wilde Süßholz (Astragalus glycyphyllus), der Ervenwürger (Orobanche caryophyllacea), die vieleckige Maiblume (Convallaria polygonatum), die vielblüthige Maiblume (C. multiflora) das Zweiblatt (Majanthemum bifolium), der Hahnenfuß (Ranunculus lanuginosus, lingua, aquatilis und fluviatilis), der Färberginster (Genista tinctoria), die Nelke (Dianthus deltoides und superbus), die gemeine Schafrapunzel (Jasione montana), das nickende Leimkraut (Silene nutans), die Nachtkerze (Oenothera biennis), die Wasserfeder (Hottonia palustris) bei Wiblingen, der gemeine Froschbiß (Hydrocharis morsus ranae), der Sumpfdreizack (Triglochin palustre), der doldenblüthige Wasserliesch (Butomus umbellatus), die mehlige Schlüsselblume (Primula farinosa), die überhängende Vogelmilch (Ornithogalum nutans) bei Wiblingen, das Cyperngras (Cyperus fuscus) bei Wiblingen, die weiße Seerose (Nimphea alba), die gelbe Sumpfrose (Nuphar lutea), das | gemeine Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia), das glänzende Saamkraut (Potamogeton lucens), das durchwachsene Saamkraut (P. perfoliatus), der gemeine Armleuchter (Chara vulgaris) der Frühlings-Enzian (Gentiana verna) häufig, die Wald-Spierstaude (Spiraea aruncus), der Wasser-Ampfer (Rumex aquaticus)) in einem Graben bei Wiblingen, der haarige Knörpel (Sedum villosum) bei Wochenau, die Gartenmünze (Mentha sativa) bei Wiblingen, der Wasserschlauch (Urticularia vulgaris), das quirlförmige Tausendblatt (Myriophyllum verticillatum), die gemeine Moorsimse (Scheuchzeria palustris), der knotige Sparg (Spergula nodosa), das viereckige Johanniskraut (Hypericum quadrangulum), der Herbstwasserstern (Callitriche autumnalis), die breitblättrige Rohrkolbe (Typha latifolia), der gemeine Wolfstrapp (Leonurus cardiaca), der Schilf (Arundo Phragmites), das gemeine Fettkraut (Pinguicula vulgaris), das Riedgras (Calamagrostis Epigejos) bei Wiblingen, das Mannagras (Glyceria spectabilis) bei Wiblingen, der Ackerkrummhals (Lycopsis arvensis), der Rippensame (Pleurospermum austriacum) bei Wiblingen, die Wiesenraute (Thalictrum aquilegifolium und flavum) an der Iller bei Wiblingen, die gelbe Osterblume (Anemone ranunculoides), der kleine Mausschwanz (Myosurus minimus), das eirunde Hornkraut (Cerastium glomeratum), der fadenförmige Klee (Trifolium filiforme), das Wasser-Fünfblatt (Comarum palustre), das schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium Dodonäi), die kümmelblättrige Silge (Selinum carvifolia), das perlartige Ruhrkraut (Gnaphalium margaritaceum), die Schuppenwurz (Lathraea squamaria) bei Dorndorf, die bunte Hanfnessel (Galeopsis versicolor), das Wanzen-Knabenkraut (Orchis coriophora) bei Wiblingen, die Torfbinse (Scripus boëothryon), das Hornblatt (Cerathophyllum demersum), der Wasserfenchel (Phellandrium aquaticum), die zweiblättrige Stern-Hyacinthe (Scilla bifolia), das Wunderveilchen (Viola mirabilis), der Sumpf-Löwenzahn (Leontodon palustris), die warzige Wolfsmilch (Euphorbia verrucosa) bei Wiblingen etc.

Von kryptogamischen Gewächsen nennen wir: den männlichen und weiblichen Tüpfelfarren (Aspidium filix mas et femina), das Engelsüß (Polypodium vulgare), den Bärlapp (Lycopodium clavatum), das Schaftheu (Equisetum Thelmateja) und silvaticum) etc.

B. Thiere.
Von den Säugethieren des Waldes ist das wilde Schwein längst — der Hirsch aber erst seit einigen Jahren vollends verschwunden; | von den übrigen kommen noch vor: zuweilen das Reh, häufiger der Hase, der Fuchs, der Dachs, die wilde Katze, der Iltis, der Edel- und Steinmarder, das Eichhorn, das Wiesel, ziemlich häufig der Fischotter, früher auch der Biber. Von Vögeln nennen wir außer den ganz gewöhnlichen: den Milan (Falco milvus), den Wespenfalken (F. apivorus), den Wanderfalken (F. peregrinus), den Thurmfalken (F. tinnunculus), den Hühnerhabicht (F. palumbarius), die Kornweihe (F. pygargus); als Seltenheit erscheinen zuweilen der graue Geier (Vultur cinereus), der braune Geyer (V. fulvus), der Seeadler (Falco albicilla), der Steinadler (F. fulvus), der Fischadler (F. haliaëtus), der Schlangenadler (F. leucopsis), letzterer wurde vor mehreren Jahren bei Dietenheim erlegt. Von Eulen nisten im Bezirk: die Wald-Ohreule (Strix otus), die Uhu-Ohreule (Strix bubo) nur selten in den Waldungen bei Balzheim, der Schleierkauz oder die Goldeule (St. flammea), der kleine Kauz (St. passerina), der Steinkauz (St. noctua). Von krähenartigen Vögeln trifft man zuweilen die Mantelkrähe (Coracias garrulus), die Elster (Corvus pica), den Eichelhäher (C. glandarius), die Krähe (C. corone), den Kohlraben (C. corax), die Dohle (C. monedula), letztere nicht selten bei Laupheim. Von den Klettervögeln kommen hauptsächlich verschiedene Spechtarten und unter diesen auch der Schwarzspecht (Picus martius) vor; ferner der Wiedehopf (Upupa epops), der Kukuk (Cuculus canorus), der Eisvogel (Alcedo ispida). Von den Singvögeln ist am zahlreichsten der Staar (Sturnus vulgaris), die Baumlerche (Alauda arborea), die Feldlerche (A. arvensis), die Gartenammer (Emberiza hortulana), die Zaunammer (E. cirlus) selten, die Rohrammer (E. schoeniclus), der Buchfink (Fringilla coëlebs) sehr häufig, der Berghänfling (F. montium) im Donauthal, der Fichtenkreuzschnabel (Loxia curvirostra), der Mauerläufer (Tichodroma muraria) selten, die Wasseramsel (Cinclus aquaticus), der Wiesenpieper (Anthus pratensis), der Brachpieper (A. campestris), die gelbe Bachstelze (Motacilla flava), der Flußrohrsänger (Sylvia fluviatilis) selten an der Donau, die Rohrdrossel (S. turdina), Sumpfrohrsänger (S. palustris), die Nachtigall (S. luscinia), nur an der Iller, der Schwarzkopf (S. atricapilla) häufig, der graue Würger (Lanius minor), der weißhalsige Fliegenschnäpper (Muscicapa albicollis), die Uferschwalbe (Hirundo riparia) häufig. Von hühnerartigen Vögeln sind zu nennen, außer den verschiedenen Taubenarten, das Feldhuhn (Perdix cinerea), die Wachtel (P. coturnix), das Haselhuhn (Tetrao bonasia) bei Ober-Kirchberg, | der Fasan (Phasianus colchicus), früher hier künstlich gehegt, ist nun verwildert und brütet an der Iller von Brandenburg bis Dietenheim. Sumpfvögel: die Trappe (Otis tarda) erscheint als Seltenheit und ist vor einigen Jahren bei Illerrieden erlegt worden, der Wachtelkönig (Crex pratensis), die Wasserralle (Rallus aquaticus), das kleine Sumpfhuhn (Gallinula pusilla) selten, das Teichhuhn (G. chloropus), das Wasserhuhn (Fulica atra), der Kibitz (Vanellus cristatus), der Goldregenpfeifer (Charadrius pluvialis), der Mornellregenpfeifer (C. morinellus), der Flußregenpfeifer (C. minor) der helle Wasserläufer (Totanus glottis), die Gambette (T. calidris), der Kampfhahn (Tringa pugnax), der bogenschnäblige Strandläufer (T. subarquata), der Zwergstrandläufer (T. pygmaea), der kleine Strandläufer (T. minuta), breitschnäbliger Strandläufer (T. platyrhyncha), die kleine Becassine (Sclolopax gallinula), die Becassine (Sc. gallinago), die Waldschnepfe (Sc. rusticola), der Brachvogel (Numenius arquata), der Purpurreiher (Ardea purpurea), der graue Reiher (A. cinerea), die Zwergrohrdommel (A. minuta), die Rohrdommel (A. stellaris) einzeln an der Donau, der schwarze Storch (Ciconia nigra) wurde schon öfters an der Donau erlegt, der weiße Storch (C. alba) allgemein. 'Schwimmvögel: Die Saatgans (Anser segetum), die graue Gans (A. cinereus), im Winter sehr häufig, die Stockente (Anas boschas) häufig, die Pfeifente (A. penelope), die Knäckente (A. querquedala), die Kriekente (A. crecca), die Spiesente (A. acuta), die weißköpfige Ente (A. leucocephala), die Reiherente (A. fuligula), der große Säger (Mergus merganser), der weiße Säger (M. albellus), der kleine Steißfuß (Podiceps minor), der Ohrensteißfuß (P. auritus) selten, der Eistaucher (Colymbus glacialis), die Lachmöve (Larus ridibundus) häufig, die Sturmmöve (L. canus) selten, die Silbermöve (L. argentatus) selten, die Seeschwalbe (Sterna hirundo), die Lachseeschwalbe (St. anglica) brütet an der Iller etc.

Von Reptilien kommen vor: Die Ringelnatter (Coluber natrix) in der Nähe von Wiblingen sehr häufig, während sie in den höher gelegenen Gegenden des Bezirks seltener getroffen wird, die Kreuzotter (Vipera berus) soll bei Balzheim beobachtet worden sein, die Blindschleiche (Anguis fragilis), alle gewöhnlichen Frösche und Kröten, die gemeine Eidechse (Lacerta stirpium), der gefleckte Salamander (Salamandra maculosa), der Wassermolch (Triton cristatus) u. s. w.

An Fischen, deren schon einige bei Beschreibung der Flüsse erwähnt worden sind, finden sich: der Weißfisch (Cyprinus nasus), | der Schuppfisch (C. Cephalus), die Barbe (C. barbus), der Karpfen (C. carpio), seltener, das Rothauge (C. erythrophthalmus), der Blättling (C. latus), die Pfelle (C. phoxinus), der Halbblättling (C. alburnus), die Forelle (Salmo Fario) selten, die Äsche (S. Thymallus) in der Iller, der Hecht (Esox lucius), die Treische (Gadus lota), der Bersching (Perca fluviatilis), die schwarzgestreifte Staire (Acerina Schrätzer) nur in der Donau, der braune Zingel (Aspro Zingel) ebendaselbst, der Rothfisch (Salmo Hucho) am häufigsten in der Iller; ein Weller (Silurus glanis) soll vor etwa zwanzig Jahren bei der Holzmühle gefangen worden sein.

Von Crustaceen nennen wir außer dem Flußkrebs den Kiefenfuß (Apus cancriformis), welcher in Pfützen zuweilen gefunden wird.

Von Mollusken erscheinen hauptsächlich an der Iller: die Bernsteinschnecke (Succinea amphibia), die Schnirkelschnecken (Helix arbustorum, hortensis, fructicum, in der weißen und rothen Varietät, monodon, villosa), die Vielfraßschnecke (Bulimus montanus) u. s. w.; dagegen kommt Helix nemoralis entweder gar nicht oder nur sehr sparsam vor. An der Donau, an Rieden und stehenden Gewässern erscheinen zahlreiche Wassermollusken wie die Tellerschnecken (Planorbis marginatus, carinatus, vortex, contortus), die Blasenschnecke (Physa fontinalis) bei Gögglingen, die Schlammschnecken (Limnäus auricularis und stagnalis), die Sumpfschnecken (Paludina vivipara und impura), die Teichmuschel (Anodonta anatina), die Kreismuschel (Cyclas cornea, caliculata) etc.

Die Insekten sind so zahlreich vertreten, daß ihre Aufzählung zu weit führen würde; wir nennen daher nur den kleinen Schröter (Lucanus dorcas); dieser seltene Käfer kommt hauptsächlich in den Waldungen bei Balzheim vor.

  1. Siehe auch die Ortsbeschreibungen.
  2. Während die Ufergemeinden sich oft zu kostspieligen Uferbauten und Schutzmitteln genöthigt sehen, bietet indessen die Natur hiezu hülfreiche Hand, indem die an den Ufern des Flusses in großer Menge und Ausdehnung vorkommenden Buschhölzer, namentlich Weiden, für den Uferbau die nöthigen Faschinen liefern.
  3. Siehe auch die Ortsbeschreibungen.
  4. Siehe hierüber auch die Ortsbeschreibungen.
  5. Daß aber in diesen Gegenden auch sehr hohe Thermometerstände vorkommen können, beweist das Jahr 1834, wo derselbe am 13. Juli in Biberach + 27,9° R. erreichte, während er in Stuttgart + 28°, also nur 0,1° mehr betrug