Beschreibung des Oberamts Heidenheim/Kapitel B 18

« Kapitel B 17 Beschreibung des Oberamts Heidenheim Kapitel B 19 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
18. Gemeinde Königsbronn,
bestehend aus dem ehem. Kloster Königsbronn und dem Ort Springen, welche beide als evangel. Pfarrdorf mit Marktgerechtigkeit unter ersterem Namen begriffen werden, und aus den Parzellen Itzelberg, Ochsenberg, Seegarten, Stürzel, Zahnberg und Ziegelhütte, mit 2059 Einw. (worunter 31 kathol. Filialisten von Ober-Kochen, Oberamts Aalen) auf vier Markungen im Gesammt-Flächengehalt von 99461/8 M. Dieser Bezirk liegt theils im Brenzthal, das hier seinen Anfang nimmt, theils auf dem Härdtfeld, theils auf dem Albuch. Nur das Thal hat Wieswachs und Bauland, die Höhen bis beinahe auf die Thalsohle herab bedeckt (mit Ausnahme der Felder vom Stürzelhof und Ochsenberg) eine ausgedehnte Waldfläche von 7145 Morgen, die mit der unbedeutenden Ausnahme von 553/8 M. ganz dem Staat zugehört. Da nur die Markungs- und übrigen Verhältnisse von Königsbronn und Itzelberg gleichartig, die von Ochsenberg | und Stürzel aber verschieden sind, so wird von jeder dieser beiden Parzellen in dieser Beziehung besonders gesprochen werden. 1) und 2) Königsbronn und Itzelberg haben zwei abgesonderte, mit Wiesen und Äckern im Thal liegende Markungen. Ein größeres geschlossenes Gut auf der Markung letzteren Ortes, das Bletzingersche, wurde 1842 verkauft und zum größeren Theile zerrissen. Geschlossene Güter sind nur noch die Höfe Seegarten, Zahnberg und Ziegelhütte; Königsbronn selbst aber als ein um das Kloster her entstandener und Gewerbe treibender Ort, hatte bis 1833 nur einzelne Güterstücke, aber keine eigentliche Markung. Das ganze ehemalige Klosterhofgut, bestehend aus Wiesen und Äckern, war Staatsdomäne. Diese wurde im J. 1833 (verm. Dekrets vom 19. Febr.) der Gemeinde Königsbronn (ohne Itzelberg) um 27.300 fl. käuflich überlassen. Die Gemeinde zerschlug das Gut und verkaufte es theilweise an einzelne Bürger, die nun ihre Felder als zehentfreie Güter nach Belieben bauen. Dreifelderwirthschaft besteht nur auf den genannten Höfen. Die kleinen Güterstücke von Königsbronn aber wie auch von Itzelberg sind eine Musterkarte von Kulturen aller Art. Der Anbau geschieht fleißig, der Ertrag aber ist für die stark bevölkerte Gemeinde nicht zureichend. Zur Besserung der Güter dienen außer thierischem Dünger und Gyps auch Wasserpflanzen mit Schlamm, und Kohlenstaub vermischt mit Menschendünger. Als musterhafter Ökonom, der um die Verbesserung des Feldbaus, und namentlich der Viehzucht in dieser Gemeinde entschiedene Verdienste hat, verdient der Gastwirth Sayler auszeichnende Erwähnung. Der Ackerbau hat auf diesen beiden Markungen 834 M. inne. Roggen, Dinkel, Gerste, weniger Haber, werden gewöhnlich gebaut, der Dinkel mit einem Ertrag von 9 Scheffel p. Morgen. Sehr stark wird die Brache, namentlich für Futterkräuter, benützt. Gartenbau wird von mehreren Privaten mit Liebe betrieben. Die Wiesen (2054/8 M.) sind ergiebig und zum Theil dreimähdig. Die oberen, von Königsbronn aufwärts, gegen das Kocherthal gelegenen Wiesen, 93 M., die dem Staat gehören und verpachtet sind, so wie auch die unteren, von Itzelberg abwärts, geben ein gutes, die mittleren aber ein saures Futter, weil hier wegen künstlicher Aufstauung des Wassers im Itzelberger See der Thalgrund versumpft ist. Die Obstzucht ist, seitdem die Bürger mehr eigenen Grundbesitz haben, sehr im Zunehmen; doch ist noch viel für ihre Veredlung zu thun. Über die in trefflichem Stand befindlichen Waldungen, s. oben. In diesen Waldungen hat die Gemeinde das Waiderecht. Die Viehzucht ist nicht von Belang. Zwei Landwirthe (Sayler und Bletzinger) ausgenommen, treiben die Einwohner ihr Vieh aus. Ortsangehörige Schafe finden sich nicht. Königsbronn | besitzt eine kleine, 1842 durch Ankauf eines jetzt abgeholzten steilen Berghöckers etwas vergrößerte Schafwaide, welche mit einer fremden Herde beschlagen wird und 135 fl. Pachterlös abwirft. Von jagdbaren Thieren sind die zahlreichen wilden Enten zu erwähnen, welche theils in den an den Itzelberger See gränzenden Waldungen, theils in dem eigens hiezu erbauten Häuschen im See selbst brüten. Die Jagd und Fischerei ist vom Staate verpachtet; letztere liefert hauptsächlich Goldforellen.[1] Königsbronn und Itzelberg sind mit Ausnahme der Oberamtsstadt die einzigen Orte des Bezirks, wo die aus dem Gewerbebetrieb fließende Nahrungsquelle die Bedeutung des Feldbaus und der Viehzucht bei weitem überwiegt, daher auch Lebensweise, Sitte und Tracht sehr dem Städtischen sich nähert. Als Mittelpunkt dieses Betriebs ist das K. Hüttenwerk zu betrachten, von welchem oben S. 79 das Nähere gesagt ist. Wie ein großer Theil der Einwohner bei dem Werke selbst feste Anstellung und damit eine gesicherte, oft reichliche Quelle des Erwerbes hat, so ist ein eben so großer Theil Sommers und Winters mit Taglohnarbeiten für das Werk beschäftigt. Mit dem Betriebe desselben sind zugleich viele Handwerker in Thätigkeit gesetzt, welche entweder unmittelbar für das Werk, oder auf eigene Rechnung, aber für dasselbe, oder endlich für Privaten arbeiten. Selbst die Schwächeren können zu jeder Zeit durch Arbeit auf dem Erzplatz etwas verdienen.[2] Es liegt in der Natur der Sache, daß es besonders Feuerarbeiter sind, die, angezogen durch den leichten Bezug des Materials und andere begünstigende Umstände, in Königsbronn und Itzelberg ihre Werkstätten aufgeschlagen haben. Man zählt in beiden Orten, außer 22 Hammerschmiedmeistern mit 33 Gehülfen, 13 Nagelschmiede mit 3 Gehülfen, 9 Hufschmiede mit 5 Gehülfen, 7 Schlosser mit 2 Gehülfen. Auch 6 Schreiner mit 5 Gehülfen sind für das Werk stark beschäftigt. Unter diesen Professionisten sind nur die Nagelschmiede durch Concurrenz gedrückt.[3] Bei der starken Consumtion blühen besonders die Gewerbe der Bäcker (9 Meister), Metzger (12), Wirthe (7) und Bierbrauer (3). Unter den Brauereien verdient die große | und schön eingerichtete Saylersche besondere Erwähnung, die gegenwärtig 2400 fl. jährl. Malzsteuer zahlt. Die übrigen Gewerbe sind: 12 Leinweber, 13 Schneider, 13 Schuhmacher, 2 Säckler, 1 Sattler, 3 Saifensieder, 2 Essigsieder, 4 Branntweinbrenner, 5 Küfer, 4 Wagner, 3 Maurer, 5 Zimmerleute, 1 Färber, 1 Hutmacher, 3 Hafner (die ihre Geschäfte schwunghaft betreiben, und ihre Fabrikate nach der Schweiz, Bayern und Österreich absetzen) und 1 Ziegler. Letzterer, mit Namen Scheerer, verfertigt aus feinem Thon 25-26.000 Stück feuerfeste Steine, womit er die inländischen Hüttenwerke und die bayrischen bei Immenstadt versieht. Aus dieser Hütte gehen alle Arten von Cylindern, Kesselsteinen, architektonischen Verzierungen etc. hervor, die einen immer größeren Ruf und immer weitere Verbreitung in das Inland und benachbarte Ausland erlangen.[4] Von Handelsgewerbenden bestehen ein Apotheker, vier Kaufleute, zwei Kleinhändler. Frachtfuhrleute giebt es mehrere. Die ehemalige Klostermühle ist 1837, da man ihre Wasserkraft zum Schmelzofen zog, eingegangen. Ein Krämermarkt, der jährlich einmal gehalten wird, ist nicht von Bedeutung. Ein Salzabstoßmagazin ist seit einiger Zeit in Königsbronn errichtet.

Ein Gemeindevermögen von 8000-10.000 fl. Kapitalien bildet sich für Königsbronn aus dem Überschuß der Verkaufs- über die Ankaufssumme für das 1833 erworbene Klosterhofgut. Sehr wichtig ist die Holzgerechtigkeit, welche auf 64 älteren Häusern in Königsbronn und Itzelberg ruht, vermöge der die Besitzer je vier Klafter Brennholz nebst Abholz und bei Neubauten und Reparaturen das nöthige Bauholz, oder dafür Brennholz im Werth des Bauholzes, aus den Staatswaldungen erhalten, wogegen auf diesen Häusern eine in Geld verwandelte Handfrohnpflicht lastet, deren Ablösung im Werk ist. Dem Staate zehent- und gültbar sind nur die alten Güter, nicht aber die 1833 neu acquirirte Markung. Abgelöst hat die Gesammtgemeinde: Gebäudeabgaben, Hundsthaler etc. 11 fl. 35 kr. jährl. Aufgehoben sind 16 fl. 8 kr. jährl. Gewerbezinse, aus dem Hirtenstab etc. In Unterhandlung ist die Ablösung des sogenannten Hausgenossengeldes.

Was nun die einzelnen Örtlichkeiten betrifft, so liegt Königsbronn 23/4 geom. Stunden nördlich von Heidenheim, an der nach Aalen führenden Staatsstraße, im Brenzthal, das eine kleine Stunde aufwärts unvermerkt in das Kocherthal übergeht. Der Ort, ein Marktflecken, zählt 1276 Einw. (worunter 14 Katholiken) in 160 Wohngebäuden, und ist der Sitz einer Hüttenverwaltung mit zwei | Assistenten (davon einer in Itzelberg) und einem Kassier, des Revierförsters vom Revier Zang und eines praktischen Arztes. Die Lage zwischen den waldigen und felsigen Bergen ist romantisch, die Luft gesund, wenn gleich die vielen Nebel, die feuchten Ausdünstungen und der scharfe Thalzug einige Angewöhnung erfordern. Königsbronn ist etwas zerstreut gebaut, [5] hat aber mehrere hübsche neue Häuser. Die Mitte des Ortes und des Thales nimmt in Gestalt eines unregelmäßigen Vierecks das alte Cisterzienser Kloster ein, dessen Hauptgebäude, nach der Zerstörung im 30jährigen Kriege in ziemlich unschöner Weise neu errichtet, von Angehörigen des Hüttenwerks bewohnt wird. Im Umfang der Klostermauer stehen ferner die ehem. Prälatur, im J. 1806 zu einem K. Jagdschlößchen eingerichtet, jetzt die Pfarr- und Försterswohnung, in Eigenthum und Unterhaltung des Staats; die Klosteroberamtei, jetzt die Wohnung des Hüttenkassiers; ein geräumiger Fruchtkasten, und die Pfarrkirche für die Gesammtgemeinde. Auch diese Kirche ist nach dem 30jährigen Kriege, vielleicht erst 1678 [6] erbaut worden; sie ist niedrig und nimmt sich etwas gedrückt aus. Auch der Thurm sollte eine ansehnlichere Höhe haben. Die Kirche enthält sehr viele Gedenktafeln aus Gußeisen, und ein steinernes Monument der 1355 verstorbenen Gemahlin des Grafen Ulrich von Helfenstein, Beatrix von Schlüsselberg; leider ist das schöne Denkmal sehr ungünstig aufgestellt und halb versteckt. Auch haben die Hüttenarbeiter das geschmackvolle Emblem in die Kirche gestiftet, welches sie beim Regierungsjubelfeste 1841 im Festzug zu Stuttgart getragen hatten. Durch Vertrag der Finanzverwaltung mit der Gemeinde im J. 1833 hat letztere die Kosten des innern Einbaus, jene aber die Erhaltung des Hauptgebäudes und des Daches an Kirche und Thurm zu prästiren. Von der alten Klosterkirche sind noch Überreste der Grundmauer mit Strebepfeilern des Chors in einer Höhe von 5’ über dem Boden vorhanden, welche die Umfassung des Pfarrgartens bilden. Im Sommer 1842 sind noch weitere Überreste und Theile des Fußbodens der alten Kirche ausgegraben worden. Den Klosterhof schmückt ein schöner Brunnen mit einem 1741 gegossenen eisernen Kasten und dem steinernen Standbild des Stifters, K. Albrecht I., welcher dem Kloster Wappen und Namen gab. (Über den Begräbnißplaß, s. Itzelberg.) | Der Ort außerhalb des Klosters führt den nach und nach ganz verschwindenden Namen Springen, von dem Ursprung der Brenz und der Pfeffer, welche hier, die eine am Fuß des Albuchs, die andere an dem des Härdtfelds, in Masse den Felsen entquillen. Aus der 18’ betragenden Tiefe des höchst malerischen Brenzbassins, überhangen von mächtigen Felsmassen, sprudelt eine Fülle Wassers empor, dessen Farbe in das Azurblaue spielt, und sich in sofern von dem weislichen Blau des Blauursprunges unterscheidet, mit welchem sonst Quelle und Fluß so große Ähnlichkeit haben. Kaum aus seinem Felsenbecken getreten, treibt der kräftige Bach das Eisenhammerwerk, bestehend in zwei Hütten (fünf Groß- und einem Kleinhammer); daneben stehen die Kohlenscheuern und ein Beamtenhaus. Dem Brenzursprung gerade gegenüber am entgegengesetzten Thalrande bricht die Pfeffer hervor, welche den Schmelzofen treibt, neben welchem zwei Flamm- und zwei Weißglühöfen mit den erforderlichen Kohlenmagazinen und einem Arbeiter- und Beamtenhaus sich befinden. Der Pfefferursprung bildet ein ähnliches, doch nicht so reiches und tiefes Bassin, wie die Brenz. Die Dürre des Sommers 1842 übte einen merklicheren Einfluß auf die Pfeffer, als auf jene. Das Wasser der Pfeffer soll mineralhaltig seyn; allein die Sage, daß, außer dem Gruppfisch, keine Fische in demselben fortkommen, bestätigt sich nicht. Unterhalb des Klosters am Pfarrhaus vereinigen sich beide Flüßchen, um die Dreherei für eiserne Walzen (mit einer Polir- und fünf Drehbänken) in Bewegung zu setzen, wo früher ein Drahtzug bestanden hat. Die Hüttenverwaltung ist ein neues, solid und hübsch gebautes Haus in sehr freundlicher Lage an der Straße nach Aalen.

Von Anstalten sind vorhanden: eine Volksschule mit drei Lehrern und einer Schulbibliothek, eine Klein-Kinderschule, eine Industrieschule, eine trefflich eingerichtete Fortbildungsschule und Zeichnungsanstalt für 14-22jährige Werksarbeiter, und ein sehr nachahmungswerther Bürgerverein (an welchem auch die Beamten Antheil nehmen) zur Verbreitung nützlicher Kenntnisse mit einer Bibliothek. Schul- und andere öffentliche Stiftungen sind nicht vorhanden. Nur eine jährliche Armenspende an Geld und Getraide im Betrag von 42 fl., 31 Sri. Dinkel und 42 Sri. Roggen wird auf den Grund einer unbekannten Stiftung vom Staat gereicht.[7] – Eine steinerne Brücke führt über die Pfeffer, eine hölzerne über die Brenz.

Unter dem Namen des kleinen und großen Brenzthals ziehen sich zwei Schluchten südlich und östlich in das Gebirge hinein; auf | dem Berge links, dem Gnannenkopf, finden sich zwei Gräben, die auf eine Befestigung schließen lassen; auch wurden früher Schutt und Ziegel dort aufgedeckt. Die Waldhöhe rechts, der Weikersberg, trägt den Namen eines verschwundenen Weilers, und einer zerstörten Burg, die noch in der Maierschen Karte vom J. 1710 eingezeichnet ist. Weitere abgegangene Orte auf hiesiger Markung sind: Steinhürn, jetzt ein Walddistrikt südlich von Baumgarten, in die Markung von Schnaitheim und Steinheim übergreifend, und in Königsbronnisch- und Anhausisch-Steinhürn sich theilend. Letzteres nennt das oft erwähnte Heidenheimer Salbuch als nach Heidenheim vogtbar. Spichtsohl oder Spicht, nördlich von Steinhürn, ebenfalls jetzt eine Waldfläche von ziemlicher Ausdehnung, war eines der Ur-Stiftungsgüter des Klosters. Wahrscheinlich gehört zu diesen Weilerstätten auch Breitensohl, ein an Spicht angrenzender Walddistrikt auf Königsbronner und Zanger Markung.

Am meisten zieht die Augen auf sich ein senkrecht aufsteigender Felsenkoloß, der Herwartstein, der mit seinem Fuß im Gebirge des Albuchs wurzelnd mit seinem Haupt vom Rand desselben absteht, und absichtlich durch einen Graben von diesem getrennt ist. Von dem Ursprung der Brenz ist dieser Fels nur ungefähr 250-300 Schritte entfernt. Von der festen Burg, Herwartstein, die auf dem Gipfel thronte, findet sich noch hin und wieder Mauerschutt, und (wie behauptet wird) ein ausgemauerter, jetzt nicht mehr zugänglicher, unterirdischer Gang, der nach dem Kloster hinabführte.

Die hiesige Lokalgeschichte reicht einige Zeit über die Entstehung des Namens Königsbronn und der dortigen Klosterkolonie hinauf. Anfänglich war diese Gegend im Besitz der Grafen von Helfenstein; von der ebengenannten Burg Herwartstein (Herwartstein 1303, Herborstein, in einer Urk. K. Heinrichs VII. vom 29. März 1312 aus Pisa. Orig. im Rechberg. Archiv) beherrschten sie dieselbe. Im Kampfe der schwäbischen Grafen mit K. Rudolf gehörten die Helfensteiner zu den hartnäckigsten und als schon alle die Waffen niedergelegt, hielt sich Graf Ulrich noch auf Herwartstein, bis auch ihn K. Rudolf bezwang und die Veste zerstörte (Herbst 1287). [8]

Hier, wo unter K. Rudolf Waffengetöse wiederhallte, gründete sein Sohn K. Albrecht in den J. 1302 und 1303 in dem stillen, anmuthigen Thale das Cisterzienserkloster, welches nach ihm Königsbronn genannt wurde. Die Ausstattung desselben geschah mit helfensteinischen, damals an Albrecht von Rechberg verpfändeten (s. S. 138) | Gütern, welche der König zu diesen Behufe mit 1500 Mark Silbers erkaufte. Laut Urkunde Graf Ulrichs von Helfenstein vom 30. Juli 1302 (Besold 635) waren es folgende: Die (von nun an aus der Geschichte verschwindende) Burg Herwartstein mit Zugehörungen, die Ortschaften: Springen, an welchen, frühe mit Marktrecht versehenen Flecken das Kloster dicht angebaut wurde, nebst dem dortigen Patronatrechte, Spikisol und Wickarsberg (Weickersberg, beide verschwunden, s. oben), Utzmannsweiler (unbekannt), Hermannsweiler, Bibersohl (Parzelle von Steinheim), Zannamberg (Zahnberg, Parzelle von Königsbronn), Utzelenberg (Itzelberg desgl.), endlich die Vogtei über Kl. Steinheim. Auf den Gütern, welche für die Mönche bestimmt waren, erhielten diese das Jagdrecht, welches im Übrigen der Graf von Helfenstein sich vorbehielt, wobei er jedoch den Mönchen das Recht einräumte, in seinem Forstbezirk bis auf die Summe von 500 Mark noch mehr Platz zu kaufen. Um desto ungehinderter über diese Güter verfügen zu können, kaufte K. Albrecht solche für seine Person, nicht für das Reich. Da die Grafen von Helfenstein einige der abzutretenden Güter von den Herzogen Otto, Heinrich und Ludwig von Kärnthen zu Lehen trugen, so entsagten die zwei erstgenannten Herzoge, zugleich auch im Namen ihres Bruders Ludwig, ihrer Lehensherrlichkeit zu Gunsten des Klosters, an dessen Gründung sie herzlichen Antheil nahmen (Urk. bei Gabelkh., Donauwörth den 9. Jun. 1303). Kl. Salmannsweiler war der Mutterort, woher Mönche nach Königsbronn verpflanzt wurden. Die Stiftungsurk. K. Albrechts ist bei Bes. S. 641 (vergl. S. 644) vom 29. Apr. 1303 datirt.

Im J. 1308 vermachte K. Albrecht dem Kloster den Kirchensatz in Reutlingen (Gabelkh.) [9] und hatte die Absicht, seiner Stiftung noch mehr zuzuwenden – 200 Mark Silbers aus der Abtei zu Linz, die Kirche zu Ehingen und eine Stelle unter den fürstlichen Abteien – allein sein frühzeitiger Tod verhinderte ihn hieran. Die 200 Mark erhielt das Kloster erst im J. 1375 von Herzog Leopold (Cleß C. 72).

Ein großer Wohlthäter des Klosters war K. Karl IV.; am 9. Decbr. 1347 schenkte er ihm, „weil es wegen seines Gehorsams gegen ihn und den päbstlichen Stuhl durch den Kaiser Ludwig vielen Schaden gelitten hatte,“ das Patronatrecht der Kirche in Pfullendorf (Urk. in Karlsruhe) und verschaffte ihm dazu auch die Willebriefe der Churfürsten. P. Clemens VI. aber befahl im J. 1348 dem | Bischof von Constanz diese Kirche dem Kloster zu incorporiren, was dieser im angeführten Jahre noch that. Die Stadt Pfullendorf nahm das Kloster den 28. Jan. 1360 ins Bürgerrecht auf Reg. Boic. 9, 4), wozu K. Karl IV. den 25. Nov. 1373 seine Bestätigung gab, wie er schon im J. 1361 den 30. Jul. den Stiftungsbrief des Klosters confirmirt hatte. K. Karl IV. war übrigens auch ein besonderer Gönner Graf Ulrichs von Helfenstein († 1372) und ließ sich, uneingedenk der Privilegien, welche die Cisterzienserklöster hatten – nämlich, daß sie von Vögten frei bleiben durften und nur allein vom Reiche abhingen – bestimmen, daß er den 13. Decbr. 1352 die Schutzvogtei Königsbronn an genannten Grafen Ulrich und dessen gleichnamigen Vetter um 600 Mark Silber versetzte (Reg. Boic. 8, 285), welche Handlung jedoch der Kaiser den 7. Jul. 1361 urkundlich widerrufen mußte (Besold S. 646). Zu Gunsten des Klosters beschränkte K. Karl die im J. 1365 an Helfenstein ertheilte Belehnung mit allen Eisenbergwerken in helfensteinischer Herrschaft und Wildbännen gelegen, und verbot im J. 1366 auf dem Czammanberge (Zahnberg) und auf allen andern Gütern des Klosters „Eisenerz zu graben und Eisenwerk zu machen“ Besold 649-51). Gleich nach dem Tode dieses Kaisers begab sich das Kloster in den Schutz Herzog Leopolds von Österreich – als Nachkommen seines Stifters – der es zu schirmen versprach (2. April 1379. (Besold 652) und im J. 1384 seinem Landvogt in Schwaben, Conrad von Stein von Reichenstein gebot, es vestiglich zu halten und zu schirmen (Besold 653). K. Ruprecht aber zog die Schirmvogtei von neuem an das Reich, nahm den 18. Aug. 1408 das Kloster in seinen Schutz und bestätigte dessen Privilegien; auch sein Nachfolger Sigismund that letzteres, Michaelis 1413, von Brenz aus. Doch gelang es den Grafen von Helfenstein, die Schutzvogtei des Klosters wieder zu erlangen, und der Bischof von Augsburg ermittelte zwischen dem Kloster und dem Grafen Johann von Helfenstein einen Vertrag (1426), worin der Abt versprach, des Grafen „unterthäniger, demüthiger Kaplan und ihm dienstlich seyn zu wollen, wogegen der Graf sich verpflichtete, sein gnädiger Herr und ihm in allen Dingen hülflich und räthlich zu seyn“ (Gabelkh.). Da aber Johann dem Kloster auf mancherlei Art beschwerlich fiel, es sogar beraubte, so daß der Convent sich bis auf 2-3 Mönche zerstreute und der Gottesdienst aufhörte, so klagten die Mönche bei K. Sigismund und dieser befahl nun im J. 1431 (Besold 656) der Gräfin Henriette von Württemberg, „da das Kloster ihr also gelegen, daß sie und ihre Amtleute ihm wohl mögen zu Hülfe kommen,“ solches in seinem Namen zu schirmen. Doch nahm er es den 7. Jul. 1434 Besold 658) schon wieder in seinen und seines Reichs unmittelbaren Schutz, | erneuerte auch alle seine Privilegien. Dasselbe that K. Friedrich III. den 15. Jan. 1444 Besold 661) und ertheilte ihm zugleich im J. 1446 (Ib. 663-69) das Vorrecht, daß niemand desselben Leute und und die auf seinen Gütern sitzen anders, als vor den Richtern des Klosters oder vor dem Gericht in Steinheim sollte belangen dürfen; auch bestätigte er ihm das Halsgericht in Steinheim sammt dem Blutbann und erlaubte ihm dasselbe mit verständigen Leuten von seinem Dorf „Westhaim“ zu besetzen etc. Demungeachtet erneute er gleich darauf, den 9. Jul. 1446, den Grafen Ulrich und Conrad von Helfenstein den Brief über die Pfandschaft der Vogtei des Klosters, welche ihren Vorfahren von K. Karl IV. für 600 Mark Silber verpfändet war (Chmel Reg. 213), und als im J. 1448 die Grafen die Herrschaft Heidenheim an Graf Ulrich von Württemberg verkauften, so kam auch das Kloster unter Württemberg.

Seitdem waren die Herren der Herrschaft Heidenheim im wiewohl angefochtenen Besitze der Klostervogtei, welche daher im J. 1450, nachdem Königsbronn im Städtekriege durch Raub und Brand großen Schaden erlitten,[10] an Bayern überging. Im ältesten, bayrischen Salbuch erscheint das Kloster „als eine Pfandschaft vom Reich, worüber der Herzog Schirmer und Fürsprecher ist.“ Herzog Georg von Bayern versprach es im J. 1481 zu schirmen im Namen Österreichs, „da es eigentlich dem Hause Österreich und dem Reiche gehöre, und es in allen Anlagen und Beschwerden so zu halten, daß es völliglich spüren sollte, es habe einen gnädigen Schutzherrn an ihm“ (Besold 673).

Während des bayrischen Krieges befahl K. Maximilian I. den 29. Aug. 1504 dem Abt und Convent ernstlich, „das Kloster für das königliche Interesse zu erhalten, und wenn jemand von ihm Huldigung und Gehorsam begehre, dessen sich zu weigern, und das kaiserliche Schreiben vorzuweisen“ (Besold 674); als im J. 1510 auf dem Reichstage zu Augsburg eine Türkenhülfe beschlossen ward, wurde das Kloster besonders angelegt; ebenso berief K. Maximilian I. den 1. Oct. 1517 den Abt auf den Reichstag zu Augsburg, wo wegen der Türkenhülfe Rath gepflogen wurde (Besold 676). Am 12. Decbr. 1522 bestätigte Kaiser Karl des Klosters Privilegien (Besold 683 etc.).

Somit entzog sich Königsbronn, wiederholter Einsprachen von Seiten Württembergs ungeachtet, der württembergischen Schirmvogtei. Die Äbte wurden auch fortwährend zu den Reichstagen berufen, sie unterzeichneten die Abschiede derselben und wurden als | unmittelbare Reichsstände behandelt. Die Einführung der Reformation stieß deshalb hier auf besondere Schwierigkeiten, denn von Österreich unterstützt, widersetzte sich ihr ganz entschlossen der Abt Melchior Ruff. Erst nach seinem Tode (1539) nahm sie ihren Anfang, aber noch den 7. Jul. 1544 erklärte K. Ferdinand, „es sei weder sein noch des Kaisers Gemüth, ihre Familienstiftung zerfallen zu lassen und ihr Recht daran aufzugeben“ und ermahnte den Convent zur Standhaftigkeit. Noch im nehmlichen Jahre wurde Ambrosius Boxler zum Abte erwählt, 1553 aber wegen schlechter Aufführung und Widerspenstigkeit gegen die württembergische Regierung[11] von Herzog Christoph seines Amtes entsetzt, und nach Urach ins Gefängniß gebracht. Sein Nachfolger, Johann Epplin, nahm den protestantischen Glauben an, und jetzt erst wurde die Reformation hier völlig eingeführt. Erst am 19. Mai 1588 aber kam ein Vergleich zwischen Österreich und Württemberg zu Stande, durch welchen ersteres gegen Übergabe des Klosters Paris im Elsaß seinen Ansprüchen auf Königsbronn völlig entsagte.

Nach der Reformation unter Württemberg wurde hier, wie in andern Klöstern, eine Schule errichtet, unter Abt Jac. Schropp im J. 1559. Sie zählte im J. 1569 zehn Studenten (Schwäb. Mag. 1776. St. 8. S. 567). Mit dieser Schule wurde zwar noch im J. 1584 die bisherige Klosterschule zu Anhausen vereinigt, sie wurde jedoch, wie mehrere, schon im J. 1595 ganz aufgehoben (Binder Kirchen- und Lehrämter 1, 81). Der merkwürdigste Zögling derselben ist Nicod. Frischlin.

Außer den bereits genannten Besitzungen hatte das Kloster noch an folgenden Orten Güter: Heubach, Jagsthausen (bei Westhausen), Kusterdingen, Nattheim (hier hatte es das Patronat), Oberkochen, Oggenhausen, Schlath (hier den Kirchensatz) Sachsenhausen (bis 1508), Söhnstetten, Sontheim im Stubenthale, Steinheim, welches Dorf nach und nach ganz zum Kloster kam. Im entlegenen Pfullendorf und Reutlingen hatte es Pflegen. Hintersassen des Klosters waren zu Heldenfingen, Hohenmemmingen, Schnaitheim, Jagsthausen und Schlath (Vergl. Cleß C. 73). Ansehnlichen Ertrag brachten ihm seine Eisenwerke in Königsbronn und Itzelberg (S. d. allg. Theil).

Von katholischen Äbten sind folgende bekannt: Heinrich 1302, Marquard, Bertold 1328, Heinrich 1366, Friedrich 1381, Johann 1388, Alwig, Nicolaus 1401, Johann von Rinderbach 1426, | Hildebrand 1434, Peter Stock 1461, Peter Siesapfel 1462-1469, Johann Offelin 1469-1475, Johann Sporer 1475-1491, Elias Seng 1491, Emeran Thiem 1507, Melchior Ruff 1513-1539, Ambrosius Boxler 1544, Joh. Epplin 1553, nahm die evangelische Lehre an (Kuen tomi 1 pars 2. S. 49, vergl. Sattl. Topogr. 558. Die protestantischen Äbte siehe bei Sattler und bei Binder 1, 81.)

Die Drangsale des 30jährigen Krieges trafen, wie die ganze Umgegend, so auch dieses Kloster, bis es durch den westphälischen Frieden, der Landesherrlichkeit Württembergs, welche eine mehrjährige Unterbrechung erlitten hatte, wiedergegeben wurde.

Der untere Hof zu Königsbronn wurde im J. 1623 dem Herzog Julius Friedrich von Württemberg-Weiltingen zum Genuß überlassen (Sattler, Herzoge 6, 196).

Das Klosteroberamt wurde 1806 aufgelöst und der Bezirk mit Ausnahme von Degenfeld, Oberkochen und Jagsthausen, dem Oberamt Heidenheim zugetheilt. In demselben Jahre hörte auch mit dem Tod des Prälaten Dreher die Prälatur auf, an deren Stelle eine Pfarrei errichtet wurde. Die Stelle eines Diacon, welcher zugleich Pfarrer in Zang war, wurde ebenfalls aufgehoben.

Eine kleine halbe Stunde an der Brenz abwärts und an dem großen Weiher, in welchen der Fluß gefaßt ist, liegt sehr anmuthig das Dorf (Weiler) Itzelberg mit 395 Einw. (worunter 8 Katholiken) in c. 45 Wohnhäusern, in ganz unregelmäßiger Anlage. Ein Theil des Hüttenwerks hat hier seinen Sitz, und zwar das Walzwerk für Stabeisen und Blech, zwei Puddlingsöfen nebst Quetsche und Walze und ein Großhammer. Der Ort hat eine eigene Volksschule, eine Fortbildungsschule mit 8 wöchentlichen Lehrstunden und eine Industrieschule. Der hiesige Friedhof ist der allgemeine Begräbnißplatz für die ganze Kirchengemeinde Königsbronn. Auf demselben stand eine Kapelle, die 1835 der Parzellargemeinde zum Zweck der Einrichtung einer Schule in derselben überlassen wurde. Sie ist nun mit reichlicher Staatsunterstützung in ein Schullokal mit Lehrerwohnung umgewandelt.

3) Ochsenberg, Weiler mit 357 Einw. (worunter 4 Katholiken) in 51 strohgedeckten Wohnhäusern, 5/8 St. von Königsbronn in rauher Lage auf dem Härdtfelde, ziemlich weitläuftig gebaut, ohne Quellwasser, und rings von Waldungen eingeschlossen. Die Markung beträgt 17885/8 M., die aber zum größten Theile (12396/8) dem Staat gehören. Namentlich besitzt der letztere von den 1033 M. Waldungen 988 M., der Ackerboden ist kalt, lehmig, kiesig; Anbau und Ertrag steht gegen die meisten Orte des Oberamts zurück; am meisten wird Roggen gebaut, der ungefähr 20 Sri. p. Morgen erträgt, nach ihm Dinkel und Haber. Der Wiesenbau ist sehr | beschränkt und nicht sehr ergiebig. Pferdezucht findet nicht statt, wohl aber Haltung von starken, zum Frachtfuhrwesen geeigneten Thieren. Die Rindviehzucht zu verbessern und auszudehnen sind die Bewohner eifrig bestrebt, finden aber in dem unzureichenden Wieswachs und der Ungunst des Bodens für Anpflanzung reichlicher und guter Futterkräuter große Hindernisse. Stallfütterung findet nicht statt; die Waide in den Staatswaldungen wird benutzt. Die Schafwaide wird nur mit fremden Schafen beschlagen, und trägt 200 fl. Pachterlös. Von Handwerkern hat Ochsenberg zwei Hafner, einige Lohnweber, und mehrere, in Königsbronn und Itzelberg gesellenweise arbeitende Maurer und Zimmerleute. Die ökonomischen Verhältnisse der Einwohner, eines sehr thätigen, biedern, aber ziemlich rohen und derben Menschenschlags, haben sich merklich durch das lebhaft betriebene Fuhrwesen gehoben, indem der Transport von Salz, Torf, Holz, Eisen etc. von hiesigen Bauern in Accord genommen wird, was eine jährliche Roh-Einnahme von c. 10.000 fl. abwirft. Auch wird durch Holzmachen in dem ausgedehnten Staatswaldungen etwas verdient. Das Gemeindevermögen ist gering. Die Söldbesitzer haben Holzgerechtigkeiten. Sämmtliche Zehenten bezieht der Staat. – Ochsenberg besitzt eine eigene Schule, welche Antheil an der Schulbibliothek in Königsbronn hat; auch wird die Industrieschule in Itzelberg von hiesigen Kindern besucht.

Auf einer etwas erhabenen Stelle unweit des Ortes, die „Neuwaid“ genannt, wo vor einigen Jahren Waffenstücke, kleine messingene Hufbeschläge, einige Münzen, darunter eine venetianische etc., ausgegraben wurden, soll ein Schloß gestanden haben.

4) Seegarten, Hof mit 5 kathol. Einw., auf der Markung von Königsbronn, am Ursprung des Ziegelbachs und unweit der Straße nach Aalen, dem Staat zehentbar. S. oben. Seegarten wurde zur Zeit des Abts Melchior Ruff von K. (1513-1539) von neuem erbaut und zu einem Hof eingerichtet. – Ein Bergvorsprung rechts an der Landstraße und an der Oberamtsgränze, heißt der Pulverthurm, auf welchem man Spuren von Verschanzungen zu finden glaubt.

5) Stürzel, Hof mit 8 Einw., zehentfreie, von 1839/57 für jährl. 890 fl. verpachtete Staatsdomäne von 2747/8 M. Der Name rührt ohne Zweifel von dem jähen Absturz des Albuchgebirges her, an dessen Rand der Hof in einer Höhe von mehr als 200’ über dem 1/8 St. entfernten Königsbronn liegt. Die Maierwohnung, eine große Scheune und ein neues Viehhaus machen die Gebäulichkeiten aus. Das Hofgut ist ganz von Staatswaldungen eingeschlossen, und wird von seinem gegenwärtigen Pächter, Laderer, in rationeller Weise vorzüglich bewirthschaftet, indem sich besonders die schöne | Viehhaltung auszeichnet. Repsbau wird seit einigen Jahren mit gutem Erfolg betrieben.

6) Zahnberg, Hof mit 12 Einwohnern auf der Markung von Königsbronn (s. oben), 1/2 St. nördlich von da, auf dem Berge gleiches Namens, einem Vorsprung des Härdtfeldes, dessen Westseite über der Aalener Straße den Namen Hohewarth führt. Die vorzügliche Thongrube[12] ist oben erwähnt worden. Dieser dem Staat zehentbare Hof ist vor Alters ein Weiler gewesen, worin 4 Soldhäuser gestanden; laut alten königsbronnischen Saalbuches wurde Zahnberg im 16. Jahrhundert von Christoph Rottner, Klostervogt zu Königsbronn, zu einem Hof eingerichtet.

7) Ziegelhütte, Hof mit 6 Einw. am Fuß des Gebirges und hart an der Oberamtsgränze, links von der Straße nach Aalen, 1/2 St. von Königsbronn. Über die Fabrikation gebrannter Thonwaaren, s. oben.

Noch zählte die Gemeinde bis in die neueste Zeit eine achte Parzelle, den 5/8 St. südlich von Königsbronn mitten im Walde düster und einsam gelegenen Hof Baumgarten. Dieser wurde im Spätjahr 1841 verlassen, indem die beiden Bauern, in deren Besitz er war, ihn an die Staats-Finanzverwaltung verkauften, welche nun das Areal zur Waldkultur verwendet.


  1. Zu Klosterzeiten bildeten die jetzt sehr guten Seewiesen bei der Ziegelhütte einen großen mit Karpfen besetzten Weiher.
  2. Z. B. nur allein durch Zerkleinern des Erzes kommen jährlich in Umlauf 2000 fl., durch Auflesen der verloren gehenden Eisentheile 500 fl., welche Summen Armen und Kindern und Arbeitslustigen jeder Art zu gut kommen.
  3. Eine Fabrikschlosserei, welche dem Staat gehörte und von einem Pächter betrieben wurde, ist 1835 eingegangen.
  4. Scheerers Verdienst wurde 1826 durch Ertheilung der silbernen Ehrenmedaille ausgezeichnet, s. landw. Corresp.-Bl. 1827. II. S. 186 ff.
  5. Die äußerste Häuserparthie, an der Straße nach Heidenheim, führt den Namen Sachsenhof.
  6. Eine kleine eiserne Tafel über der Sacristeithüre führt nämlich die Aufschrift: M. Georg Hauschius, Hattenhovensis, Abbas Regiofontanus anno 1678.
  7. Ein neues Schulgebäude wird gegenwärtig auf Kosten der Gemeinde errichtet.
  8. Eine Urkunde Herzog Rudolfs vom 7. Okt. 1287 ist im Lager vor Herwartstein datirt. Die Belagerung dauerte über 14 Tage. Arx, Gesch des Kant. St. Gallen 1, 416.
  9. Im Jahr 1533 verkauft das Kloster Königsbronn an die Stadt Reutlingen seinen dortigen Widumhof nebst Zehenten, Kirchensatz und Präsentation einiger Pfründen nebst jährlichen 10 Eimern Gültweins um 8000 fl. Cleß, C. 74.
  10. Weßhalb ihm die Nicolaikapelle in Pfullendorf inkorporirt wurde.
  11. Im Jahr 1552 zerstörte Markgraf Albrecht von Brandenburg das Kloster, weil es sich dem württembergischen Schutze entzogen habe; der Abt Boxler hätte es durch eine Geldsumme retten können, Cleß, C. S. 78.
  12. Der Thonerdebau auf dem Zahnberg (s. oben S. 44) hat inzwischen eine traurige Berühmtheit erhalten, indem den 15. Jan. 1844 der Schacht über zwei Arbeitern zusammenstürzte, und über den Bemühungen zu ihrer Rettung ein Dritter das Leben verlor. Den unter augenscheinlicher Todesgefahr bis zum 1. Febr. fortgesetzten Anstrengungen gelang es nicht einmal, die Leichen zu Tage zu bringen. Ein Kreuz auf dem Berge bezeichnet die Stelle, unter welcher die Verunglückten ihr Grab gefunden.
« [[Beschreibung des Oberamts Heidenheim/|]] Beschreibung des Oberamts Heidenheim Kapitel B 19 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).