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26. Steinenkirch,
mit Oberroggenmühle, Ravenstein und Trasenberg. Gesammt-Einwohner 357.
a) Steinenkirch, evangel. Pfarrdorf auf dem Plateau des Albuchs in einer sanften Mulde mit 305 Einwohnern, | 21/2 Stunde nordöstlich von Geislingen, Kameralamt Geislingen, Forstamt Kirchheim; in alten Urkunden heißt es „Dörflein Stainikirch“ auch Steine Kirch. Den großen Zehnten bezieht der Staat, nur aus 70 Jauchert Wiesenländern und Holzmädern bezieht diesen die Pfarrei, so wie den ganzen kleinen und Blutzehnten. Ein Distrikt von 6 Jaucherten gibt den Groß- und Kleinzehnten an den Grafen von Rechberg. Über die Grundgefälle s. S. 91.

Der Ort, eben und ziemlich weitläufig gebaut, zählt 46 Wohnhäuser mit den erforderlichen Nebengebäuden, die Einwohner treiben hauptsächlich Ackerbau und Viehzucht. In früherer Zeit verdienten sie sich ziemlich Geld durch Pfeifenköpfe, auf welche sie Figuren einschnitten; Weibspersonen sammelten viele Kräuter für die Apotheke in Geislingen. Die Markung (die Parzellen mit eingeschlossen) beträgt 3360 Morgen, worunter 700 Morgen Waldung. Aus dem Gemeindewald von 165 Morgen erhält jeder Gemeindeberechtigte, deren es 33 sind, 1 Klafter Holz sammt Reisach. Die Gemeinde hat keine Kapitalien.

Das Patronat der Pfarrei und die Baulast des Pfarrhauses hat der Staat. Die Kirche (zu St. Ulrich) wurde erneuert in den Jahren 1659 und 1671. Im Jahre 1795 wurde sie von Grund aus sammt Thurm neu gebaut. Die Baulast trägt jetzt die ganz unvermögliche Stiftung; früher hatte sie das Kirchenbaupflegamt Ulm, welches auch die Baukosten im Jahre 1795 hergab. Vor der Kirchenthüre (dem Eingang in die Sakristei) ist ein alter abgenützter Grabstein mit einem bis zur Unkenntlichkeit ausgetretenen Wappen und der Inschrift: Anno Di. MCCCLXVI obiit Rudolphus. Wer dieser Rudolphus gewesen, ist nicht zu ermitteln.

Bei der Theilung von 1356 kam der Fronhof bei Steinenkirch, mit allem Zugehör und was dazwischen liegt, an Graf Ulrich d. ä. von Helfenstein; im Jahre 1396 war Steinenkirch unter dem an Ulm verkauften Theil der Grafschaft Helfenstein, jedoch sollte der Ort, da er an die Gemahlin Ulrichs, Marie, Herzogin von Bosnien, verschrieben | war, erst nach deren Tod der Stadt anfällig werden. In ulmischer Zeit gehörte Steinenkirch zum Amte Stubersheim. Die Gebäude des oben genannten Fronhofs sind jetzt verschwunden; unfern von ihrer ehemaligen Stelle ist eine große Hülbe, welche sich durch eine Quelle immer füllt – eine große Wohlthat für die Gegend. Die Brüder Hans und Jörg von Rechberg tauschten den Fronhof im Jahre 1529 von Ulm gegen ein Lehen zu Gingen, zwei Huben und ein Lehen zu Stötten ein (Rink S. 70).

b) Oberroggenmühle, ehemals ulmisch, mit 9 Einwohnern kathol. Konfession, welche nach Eybach eingepfarrt sind, 1/2 Stunde von Steinenkirch, im engen und tiefen, von schauervollen Felsen umgebenen Roggenthale an der Eyb – mit 171/8 Morgen Markung – gibt der Herrschaft Grundgefälle, an Geld 5 fl. 30 kr., an Früchten 1 Sri. Kernen. Ein halbe Viertelstunde rückwärts der Mühle, am Stöttener Berg, befindet sich das Mordloch, welches zum Vortheil des Müllers der noch schwachen Eyb einen Zufluß gibt. (Siehe S. 14.)

c) Ravenstein, Hof mit 19 evangelischen Einwohnern, nämlich einer Bauern- und einer Taglöhner-Familie, 1/2 St. von Steinenkirch, am obern Abhang des Gebirgs, mit 1181/2 Morg. Feldgütern. Den großen Zehnten bezieht zu 4/5tel der Staat, zu 1/5tel Rechberg, den kleinen Zehnten die Pfarrei Treffelhausen. Der Hofbauer bezieht aus den Rechbergischen Waldungen 17 Klafter Holz und 600 Stück Reisach.

Auf einen schauerlichen, etwa 300 Fuß hohen, Felsen hinausgebaut und das Roggenthal beherrschend stund früher das Schloß Ravenstein, von welchem noch ein Theil des Schloßgrabens und einige Mauertrümmer zu sehen sind. Wahrscheinlich gehörte es in den ältesten Zeiten den Herren von Ravenstein. Von Raiser, in der Zeitschrift für Baiern, Jahrg. 1817, Bd. I. S. 258 führt das Homiliar von Kloster Wettenhausen (in Baiern) an, wonach Herbort von Ravenstein schon im Jahre 1091 beurkundet seyn soll. Er tauschte mit Bewilligung seines Herrn Adelbert und dessen nicht | genannten Bruders eine wettenhausische Hube in Stotzingen gegen eine Hube in Seebach (bei Wettenhausen) ein. In der Hohenstaufenzeit erscheinen die Herren von Ravenstein in folgenden Urkunden:[1] 1156. Berengerus de Rauenesten. Zeuge in Speier in einer Urkunde K. Friedrichs I. für Kloster Maulbronn. Besold Doc. S. 796; 1157 (nicht 1156) Berngerus de Ravenstein, Zeuge in Trier in einer Urk. K. Friedrichs I., betreffend die Abtei St. Maximin. Hontheim Hist. Trev. 1. S. 579; 1189. Albertus de Rabinstain, Zeuge in Lorch in einer Urk. Herzog Friedrichs von Schwaben für das Kloster Adelberg. Besold Doc. S. 25; nach 1191. Adilbertus de Rauinistein, Zeuge in Memmingen in einer Urk. Herzog Konrads von Schwaben für Kloster Roth. Orig. im Stuttgarter Staats-Archiv; 1191. Albertus de Rauenstein, Zeuge in einer Urkunde Pfalzgraf Rudolfs für Bebenhausen. Besold Doc. S. 359; 1206. Albertus de Rauenstein verschenkt an Kloster Adelberg verschiedene Liegenschaften bei Göppingen. Original in Stuttg.; 1209. Albrecht Ravenstain canonicus, Albrecht de Ravenstain, Zeugen in einer Urkunde Bischof Sigfrids von Augsburg. Mon. Boic. 33, 50; 1209. Albertus de Ravestain, Zeuge in einer Urkunde desselben Bischofs. Mon. Boic. 10, 461; 1215. Berengerus de Rauenstein, Zeuge in einer Urkunde K. Friedrichs II. für Kloster Lorch. Besold Doc. S. 729. Wir haben ohne Zweifel hier einen Großvater Berenger, 2 Söhne Albrecht und einen Enkel Berenger von Ravenstein. In Ravenstein wird im Jahre 1259, den 25. Mai, von Graf Ulrich von Helfenstein eine Urkunde für Kloster Söflingen ausgestellt, in welcher H. de Rauinstain als Zeuge auftritt. Söflinger Deduktion. Urkunde Nr. 4, Original in Stuttgart. Als ravensteinischer Ammann erscheint im Jahre 1281 in einer Urkunde Sigfrieds von Weißenstein Magister Waltherus minister de Ravinstein. (Orig. in Stuttgart.) | (Vergl. über dieses Geschlecht von Raiser in der angeführten Zeitschrift. 1817. S. 160. 257.)

Zu Ende des 14. Jahrhunderts waren die von Zillenhard im Besitz von Burg Ravenstein, denn im Jahre 1393 nahmen sie die Gmünder dem Sigfried von Zillenhard weg und verursachten ihm einen Schaden von 2000 Gulden. Im Jahre 1472, den 9. Merz, verkaufte sie Heinz von Zillenhard, Vogt zu Göppingen, mit Steinenkirch und Trasenberg an Hansen von Rechberg zu Scharfenberg. Im Jahre 1543 verkaufte Jerg von Rechberg zu Hohenrechberg zu Ravenstein die ganze Besitzung an die Reichsstadt Ulm (Rink Geislingen S. 69. 70). Unter Ulm wurde die Burg im Jahre 1684 renovirt, im Jahre 1700 ganz abgebrochen. Bis zum Jahre 1700 hatte ein ulmisches Forstamt seinen Sitz in Ravenstein, es wurde aber damals nach Altheim Oberamts Ulm verlegt (von Memminger Ulm S. 159). Einmal ulmisch geworden theilte Ravenstein so wie Steinenkirch selbst die Schicksale des übrigen Ulmer Gebiets.

d) Trasenberg, auch Traßenberg, früher ulmisch, ein Hof mit 24 evangel. Einwohnern, nämlich 1 Bauern- und 1 Taglöhner-Familie, 3/4 Stunden von Steinenkirch auf der Alp mit 106 Morgen Feldgütern, gibt den großen Zehnten an Rechberg, den kleinen an die Pfarrei Treffelhausen und etwa für 24 fl. Gültfrüchte an den Staat. Die Holzgerechtigkeit aus rechbergischen Waldungen besteht noch in 91/2 Klafter und 500 Reisach.


  1. Die Nachricht von der erneuten Stiftung Kl. Elchingens durch Albert von Ravenstein, welcher im Jahr 1150 glücklich von einem Kreuzzuge zurückgekehrt war, habe ich auf keine gleichzeitige Quelle zurückführen können.
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