« Kapitel B 5 Beschreibung des Oberamts Brackenheim Kapitel B 7 »
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Frauenzimmern,


Gemeinde III. Kl. mit 526 Einw., wor. 3 Kath. – Ev. Pfarrdorf; die Kath. sind nach Stockheim eingepfarrt. 3/4 Stunden südwestl. von der Oberamtsstadt gelegen.
Der Ort ist an einem warmen sonnigen Hügel auf der linken Seite des genau nach Osten ziehenden Zaberthales hinaufgebaut und auf der Höhe des Hügels, der das Himmelreich genannt wird, erhebt| sich die Kirche, das Pfarrhaus, und was von dem ehemaligen Frauenkloster noch übrig blieb. Der ziemlich unebene Ort, den die von Brackenheim nach Güglingen führende Landstraße durchschneidet, macht, weil manche seiner Häuser, namentlich an der Hauptstraße, in etwas vernachlässigtem Zustande sind, keinen besonders ansprechenden Eindruck. Die Aussicht von den hochgelegenen Punkten des Ortes und der Markung aus ist gerade nicht sehr weit, aber gegen Osten, Süden und Westen äußerst lieblich; denn man befindet sich hier so recht in der Mitte des gesegneten, obst-, wein- und waldreichen, mit blühenden Städtchen und Ortschaften belebten und mit altersgrauen Burgruinen bekrönten Zabergaues.

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Die einst dem h. Martin geweihte Kirche liegt etwas getrennt vom Ort, an dessen nordwestlichem Ende, und wird von dem noch ummauerten Friedhof umschlossen; sie stammt aus romanischer Zeit, dem Stil nach aus dem Ende des zwölften und Anfang des dreizehenten Jahrhunderts, und hat im Osten einen starken, mit seinem ersten Geschosse den Chor vertretenden Thurm. Ihr Schiff wurde einst von sehr zierlichen romanischen Kleeblattfenstern erhellt, von denen sich in der Süd- und Nordwand je eines erhalten hat, sonst sind leider lange moderne Flachbogenfenster, wahrscheinlich ums Jahr 1600, eingebrochen. An dem Fenster der Südseite sieht man noch alte romanische Skulpturen, oben einen menschlichen Kopf, links davon einen verschlungenen Drachen und rechts wieder einen menschlichen Kopf, der ein palmettenartiges Blatt im Munde trägt. An der kahlen Westseite sitzt über der (ursprünglichen) Rundbogenthüre ein gutgearbeiteter romanischer Löwe, und auf dem Giebel ein Steinkreuz. Ganz aus der alten Zelt stammt auch noch der Thurm, der sich im ersten Geschoß gegen Osten mit einem Kleeblattfenster öffnet und im zweiten von schönen rundbogigen Doppelfenstern durchbrochen wird, deren Bögen auf weit ausladendem Aufsatz und dieser auf stark verjüngter Säule ruhen. Die Säulen haben sehr steile attische Füßchen mit Eckknollen und einfache Blätterkapitelle. Auch sieht man auf dem Dachboden der Kirche noch das ursprüngliche am Thurm hinlaufende Dachschrägegesims, welches beweist, daß das frühere Dach nur bis zum Anfang des zweiten Thurmgeschosses ging. Im Innern ist das Schiff flachgedeckt, der Triumphbogen halbrund, darüber eine schwörende Hand eingemauert; der Altar soll dadurch zur Freistatt erklärt worden sein. Der Chor (im Thurm) hat ein hohes kraftvolles romanisches Rippenkreuzgewölbe, das von vier in den Ecken stehenden stämmigen Säulen ausgeht, diese wieder mit attischen Basen mit Knollen und mit schlichten Blätterkapitellen; auch beginnen sie erst 6′ über dem Boden und es scheint, daß sich früher eine Art Krypta im Thurm befand. Die Gewölberippen bestehen aus zwei starken Wulsten, die eine Diamantenreihe zwischen sich lassen und oben| in einer Blattrosette sich zusammensprengen. – Außen an der Südseite des Schiffes, nahe der westlichen Ecke, stand einst das sehr große und schön gearbeitete Steindenkmal des Jörg Enzberger; doch sieht man hier nur noch die oberen Theile des Renaissancemonumentes, mit dem Brustbilde des segnenden Gott Vaters (darüber der heilige Geist) und umher steht in lateinischer Sprache der Spruch: Christus ist um unserer Sünden willen dahingegeben und um unserer Gerechtigkeit willen auferweckt. An der ebenfalls auf dieser Seite stehenden Sakristei erhebt sich dann, halbverdeckt von wildem Gesträuch, das lebensgroße Steinbild des langbärtigen betenden Ritters, der vor dem Gekreuzigten kniet; die dazu gehörende Inschrifttafel lautet:

Anno dom. 1606 den 23. Tag Augusti ist der ersam und bescheiden iörg Enzberger in Christo dem herren seliglich entschlaffen. seines alters 65 iar. Der allmechtige Gott wolle in mit Freuden erweckhen.

Es wäre schön, wenn das Grabmal wieder zusammengesetzt würde. Die beiden Glocken auf dem Thurm sind neu (1865) und von A. Bachert in Kochendorf; die frühere große Glocke war von Bernhart Lachaman 1497 gegossen. Die Unterhaltung der Kirche ruht auf der Gemeinde.

Das Pfarrhaus, ein hübsches steinernes Gebäude mit schöner Aussicht, steht auch auf der Höhe am nordöstlichen Ende des Dorfes, da wo sich früher das 1442 nach Kirchbach verlegte Frauenkloster befand. Über seinem Eingang liest man das Jahr der Erbauung 1575; unter dem Haus dehnt sich ein weitgewölbter Keller; westlich davon durch den jetzigen Pfarrgarten, wohl den früheren Kreuzgarten, getrennt, erhebt sich ein sehr altes und stattliches steinernes Gebäude mit schmalen, einfachen und gedoppelten Spitzbogenfenstern, und mit großem spitzbogigem Eingang im Westen, ursprünglich ein Theil des eigentlichen Klostergebäudes und nach der Verlegung des Klosters zum Speicher eingerichtet; und nördlich vom Pfarrhaus steht ein kleineres altes steinernes Gebäude, auch mit Spitzbogenfenstern. Im Pfarrhof beim Brunnen fanden die Verfasser vor einigen Jahren eine sehr schöne im Renaissancegeschmack gearbeitete steinerne Schale. Der große mit Obstbäumen besetzte Pfarrgarten wird noch von der alten Klostermauer umfriedigt. Die Unterhaltung des Pfarrhauses ruht auf dem Staat.

Das Rathhaus ist zweistockig und wurde zu Anfang dieses Jahrhunderts erbaut. Das schon ziemlich alte Schulhaus enthält ein großes Lehrzimmer und die Wohnung des Schulmeisters. Dann befinden sich im Dorfe noch mehrere stattliche Gebäude, darunter eines mit einem Erker, andere mit Jahreszahlen und J. E., alle errichtet von dem thätigen herrschaftlichen Bestandmaier Jörg Enzberger (s. o.). Eine Kelter mit zwei Bäumen besteht.

Gutes Trinkwasser liefern hinreichend fünf Pumpbrunnen und| ein laufender Brunnen, der von einer 1/8 Stunde langen Leitung in hölzernen Deucheln gespeist wird. Auch finden sich auf der Markung in den Wiesenthälern der Zaber, des Wurm- und Riedfurthbaches einige Quellen. Früher bestand ein See in den Weiher-Wiesen unterhalb des Ortes und ein zweiter beim früheren Frauenkloster. Die Staatsstraße von Heilbronn über Brackenheim nach Güglingen und die Vicinalstraße von Stockheim nach Cleebronn führt hier durch; eine steinerne von der Gemeinde zu unterhaltende Brücke geht über die Zaber.

Die Haupterwerbsmittel der fleißigen Einwohner, welche sich durch Höflichkeit auszeichnen, bestehen in Feldbau und Viehzucht; die Gewerbe werden nur für den eigenen Bedarf getrieben, Schuster und Weber sind am stärksten vertreten. Eine Mahlmühle mit zwei Mahlgängen und einem Gerbgang, zwei Schildwirthschaften und zwei Kramläden bestehen.

Die Vermögensverhältnisse der Einwohner gehören zu den mittelmäßigen; auf die vermöglichsten Bürger kommen 24, auf den Mittelmann 10 Morgen Grundeigenthum; von der ärmeren Klasse haben viele gar keinen Grundbesitz. Gemeindeunterstützung erhalten etwa 20 Personen.

Auf fremder, namentlich Güglinger, Markung besitzen hiesige Bürger gegen 40 Morgen.

Die mittelgroße, meist ebene, nur von den Thälern der Zaber, des Riedfurthbachs und des Wurmbachs leicht durchfurchte, gegen den Heuchelberg hin etwas hügelige Markung hat einen verschiedenen Boden, der größtentheils aus fruchtbarem Lehm, gegen den Heuchelberg und an den Gehängen gegen den Riedfurthbach aber aus den thonigen Zersetzungen des unteren Keupermergels besteht; theilweise tritt auch der Keupermergel noch unzersetzt auf und wird alsdann mit Vortheil für den Weinbau benützt. Auf der Höhe des Heuchelbergs, von dem jedoch nur ein ganz kleiner Theil in die Markung eingreift, erscheint ein leichtsandiger Boden (Zersetzung des Keuperwerksteins) und in den Thälern haben sich dem Wiesenbau günstige Alluvionen abgelagert. Das Klima ist das des milden Zabergäus und Hagelschlag kommt selten vor.

Die Landwirthschaft wird mit häufiger Anwendung des Brabanterpflugs fleißig betrieben und der Boden neben den gewöhnlichen Düngungsmitteln auch mit Kompost, Gips und Asche zu verbessern gesucht. Die Düngerstätten dürften theilweise sorgfältiger angelegt sein. Zum Anbau kommen Dinkel, Gerste, Haber, weniger Roggen und Weizen, ferner die gewöhnlichen Brachgewächse, namentlich viel dreiblättriger Klee und Luzerne, auch Welschkorn zum Abfüttern; von Handelsgewächsen zieht man Hanf, etwas Mohn, Zuckerrüben und| Cichorie; die beiden letzteren kommen auch zum Verkauf. Von den Getreideerzeugnissen wird etwa 1/5 durch Händler nach außen abgesetzt.

Der Wiesenbau ist ziemlich ausgedehnt und liefert ein mittelgutes Futter, von dem ein kleiner Theil nach außen verkauft wird.

Der Weinbau ist nicht beträchtlich und in neuerer Zeit etwas zurückgegangen, indem die niederen, dem Ort näher gelegenen Weinberge in Äcker und Baumgüter umgewandelt wurden. In der gewöhnlichen Bauweise kommen etwa 2400 Stöcke, meist Silvaner, Elblinge, Drollinger und etwas schwarze Rißlinge, auf einen Morgen und man erzielt durchschnittlich 5 Eimer mittelmäßigen Wein vom Morgen; in den letzten 10 Jahren bewegte sich der Preis eines Eimers von 20–50 fl.

Von Belang ist die Obstzucht, welche sich hauptsächlich mit Mostsorten (Luiken, Saueräpfeln, Brat- und Palmischbirnen) und Zwetschgen beschäftigt; das Obst wird meist gemostet, weniger gedörrt, und in günstigen Jahren können noch 2–300 Sri. nach außen verkauft werden. Die Jungstämme werden größtentheils von den Güterbesitzern selbst nachgezogen.

Die Gemeinde hat keine eigenen Waldungen, dagegen besitzt sie 20 Morgen gute Weide, die sie nebst der Brach- und Stoppelweide an einen Ortsschäfer, der den Sommer über 150, im Winter gegen 300 Bastardschafe laufen läßt, um 450 fl. verpachtet. Überdieß trägt die Pferchnutzung jährlich 300 fl. der Gemeinde ein.

Die Viehzucht ist ziemlich namhaft; man hält einen tüchtigen Neckarschlag mit Simmenthaler Kreuzung und hat zur Nachzucht 2 Farren (einen vom Neckarschlag und einen von Simmenthalerrace) aufgestellt. Der Handel beschränkt sich auf das entbehrlich gewordene Vieh. Auch die Schweinezucht ist nicht unbeträchtlich; sie beschäftigt sich meist mit halbenglischer Race und gegenwärtig sind gegen 20 Mutterschweine im Ort. Ferkel werden viele nach außen verkauft, während die Mastung meist nur für den eigenen Bedarf getrieben wird.

An besonderen Stiftungen sind nur wenige unbedeutende für Kranke und zur Anschaffung von Brot und Papier vorhanden.

Von Spuren aus der Vorzeit nennen wir einen römischen Wohnplatz, der eine Viertelstunde östlich vom Ort auf den sog. Steinäckern stand und einen Raum von etwa 2 Morgen einnahm; man findet daselbst noch Mauerreste, Backsteine, römische Ziegel, Bruchstücke von römischen Gefässen und Heizröhren. Von dieser Stelle führt ein alter Weg, die sog. Heerstraße, auf den Rücken des Heuchelbergs und geht dort in die römische Heerstraße ein.

Auf dem Kapellenrain, östlich vom jetzigen Pfarrhaus, stand die unten näher besprochene Kapelle; daselbst fand man in neuerer Zeit drei mit kleinen Steinen ummauerte und mit Steinplatten gedeckte| Reihengräber; von den Steinplatten war eine mit zwei vertieften Rauten verziert. – Wo das Kloster stand, soll es geisten.

Wie schon bei Dürrenzimmern hervorgehoben worden, ist es besonders für die ältere Zeit, in welcher häufig der Name Zimmern ohne eine genauere Bezeichnung vorkommt, nicht immer möglich, Dürren- und Frauenzimmern sicher zu unterscheiden, dürfte jedoch Zimmern mit dem bisweilen vorkommenden Zusatze „im Zabergäu“ als Frauenzimmern zu deuten sein. Es gehören demnach hierher folgende Schenkungen: den 19. Dec. 795 von allem ihrem Gute „in Zabernachgowe in loco Cimbern“ durch Drageboto an seinen Bruder Liutfried und den 20. Sept. 805 von einer Hube „in Cimbren“ durch Wolfmund und seine Gattin Waldrat ans Kloster Lorsch (Cod. Lauresh. 3, nr. 3526, 3527); ums J. 823 von 4 Huben mit den darauf wohnenden Leuten und Zugehörden „in villa quae dicitur Zimbra in pago Zabranachgauue“ durch Adalbold an das Stift Neuhausen bei Worms (Wirt. Urkb. 1, 98); ums J. 1120 von einer Wiese und sonstigem Gut „ad Zimbren in pago qui Zaberngow dicitur juxta fluvium Zabern“ durch Frideruna und ihren Sohn Richard und wohl auch ums J. 1150 eines Weinbergs „ad Cimbern“ durch Bertharath, Ulrichs von Höfingen Gattin, an das Kloster Hirsau (Cod. Hirs. 41b, 53b); ebenso vielleicht auch die Vertauschung seiner Gülten „zu Zymern“ durch das letztgenannte Kloster im J. 1438 (St.-A.)

Außer diesen Klöstern aber erscheinen, um den hiesigen geistlichen Besitz – abgesehen vom Kloster Frauenzimmern – hier sogleich vollständig darzustellen, noch einige weitere geistliche Anstalten hier begütert. So vertauschte schon im J. 1245 das Kloster Adelberg Höfe, Äcker, Wiesen, Weinberge allhier an das Kloster Frauenzimmern und hatte mit demselben noch im J. 1428 wegen hiesiger Güter, Gülten und Zinse Streit (Mone 4, 181. 199). Dem Kloster Bebenhausen bestätigte Erkinger von Magenheim den 6. März 1309 die von seinem Vater geschehene Schenkung des halben großen und kleinen Zehenten an Frucht und Wein allhier (Mone 15, 455); dasselbe kam jedoch wegen dieses Zehentbezuges in mehrfache Verwicklungen mit dem Pfarrer, mit den Heiligenpflegern und dem Kloster Frauenzimmern, mit welchem es sich u. a. den 6. Juli 1400 dahin verglich, daß beide Theile im Allgemeinen wenigstens die Hälfte dieses Zehentens haben sollten (Mone 4, 198); den 5. Mai 1498 verkaufte es übrigens seine hiesigen Zehenten an den Spital Brackenheim. Der Deutsche Orden gab zwar den 13. Aug. 1348 hiesige Güter im Tausche an Ulrich von Magenheim ab (Klunzinger 4, 20), allein noch während der Jahre 1379–1615 hatte derselbe hier einen Hof. Dem Stift Backnang gehörten im J. 1456 allhier Wiesen.

Der Ort selbst kommt frühestens in magenheimischem Besitze| vor: den 14. Okt. 1285 spricht Erkinger von M. von „villa nostra Zimbern“, auch verkauft den 26. April 1288 Konrad von M. mit anderem Besitz in der Gegend die lange Wiese in Zimerer Mark an K. Rudolf I. (s. oben S. 206). Wann und wie der Ort aus magenheimischen in württembergischen Besitz kam, ist nicht speziell bekannt; im J. 1380 erscheint er in der Widdumsverschreibung für die Gräfin Antonia von Württemberg.

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Geschichte des Klosters Frauenzimmern-Kirchbach.[1]
Schon gegen das Ende des 12. Jahrhunderts bestand hier eine, dem h. Martin geweihte Pfarrkirche und außerdem eine Kapelle, über deren Eigenthum zwischen der Pfarrkirche und Erkinger von Magenheim Streit herrschte, derselbe wurde aber laut einer Urkunde des Wormser Domkapitels vom J. 1182 durch das erzbischöflich mainzische Gericht zu Gunsten Erkingers entschieden, da er eidlich erhärtete, daß die Kapelle schon seinem tritavus (Großvater seines Urgroßvaters) gehört habe (Wirt. Urkb. 2, 221. – Es werden hiebei genannt der Pleban Gerlach und Priester Rudolf; 1309 ein Pfarrer Diether, 1396 Siegfried Forch). Nicht lange nachher gründete ein Mitglied derselben Familie ein Stift zu Ehren des h. Cyriakus, welchem Walter von Laufen das Patronatrecht obiger Martinskirche schenkte, und Pabst Gregor IX. den 9. Mai 1234 diese Schenkung und seine übrigen, nicht näher bezeichneten Besitzungen und Güter bestätigte. Allein dieses Stift bestand nicht lange, indem es bald durch ein Frauenkloster verdrängt wurde. Über den Anlaß zur Gründung des letzteren besteht eine sehr bekannte Sage, welche schon Wilhelm Werner, Freiherr von Zimmern, † um 1570, aufzeichnete, und welche kurz dahin lautet: „Albrecht Freiherr von Zimmern (d. h. Herrenzimmern O.A. Rottweil, welches zu Frauenzimmern in keiner wirklichen Beziehung steht), bei seinem Landesherrn, Herzog Friedrich von Schwaben, wohlgelitten, that mit diesem einen Lustritt zu dem Grafen Erkinger von Magenheim und jagte in des Grafen Gehölz, genannt Stromberg, wo er bei Verfolgung eines Hirsches auf einen Mann von schrecklicher Gestalt stieß. Dieser führte ihn auf ein Schloß und dort an die reiche Tafel eines Herrn, welcher| samt seinen Hofdienern kein Wort redete. Von da in den Stromberger Wald zurückgekehrt, befragte Albrecht seinen Führer hierüber und erhielt zur Antwort: der Herr, welchen du gesehen, ist deines Vaters Bruder, Friedrich, ein wackerer Kämpfer wider die Ungläubigen. Er hat bei Lebzeiten die armen Leute mit unbilligen Auflagen sehr gedrückt und das Geld zum Krieg gegen die Ungläubigen angewendet; wir andern aber haben ihm dazu Rath und Anschläge gegeben und werden jetzt solcher Ungerechtigkeit willen hart gestraft. Dieses ist dir deiner Tugenden wegen geoffenbart, damit du dich vor dergleichen Dingen hüten mögest. Hierauf verschwand der Führer. Albrecht sah auf einmal das Schloß zu Feuer, Pech und Schwefel werden, wovon ihm der Geruch entgegenqualmte, und er sich so entsetzte, daß ihm plötzlich Haupthaar und Bart weiß wie Schnee wurden. Er ritt sofort zu seiner Gesellschaft heim und beschloß an dem Ort, wo sich das zugetragen, eine Kirche zu erbauen, wozu der Besitzer desselben, Graf Erkinger, gerne seine Einwilligung ertheilte“ (Zimmerische Chronik 1, 102 ff. in der Bibl. des Litt. Vereins XCI.). Die Sage setzt diese Stiftung ins Jahr 1134 und zieht die Gründung der Klöster Frauenalb und Herrenalb mit in ihren Bereich, indem Berthold von Eberstein damals auch auf Magenheim anwesend gewesen, und durch diese Begebenheit veranlaßt, Frauenalb, später auch Herrenalb, gegründet habe.

Was dagegen urkundlich über die Gründung des Frauenklosters sich sagen läßt, ist folgendes, zum Theil freilich etwas lückenhaftes.

Bischof Hermann von Würzburg gedachte ein Cistercienser-Frauenkloster unter dem Namen Marienthal zu stiften und erlangte hiefür den 21. Mai 1237 von Pabst Gregor IX. die Erlaubniß und Bestätigung samt der Zusage des Schutzes und Ertheilung der gewöhnlichen Privilegien, jedoch ohne daß der Güterbestand des Klosters genauer bezeichnet wäre. Darauf wies er mit Zustimmung seines Kapitels im J. 1238 den zum Eintritt in das Kloster bereiten Nonnen den seit 1037 halb dem Bisthum Würzburg gehörigen Ort Böckingen oberhalb Heilbronns als Sitz an. Allein dieselben gewannen hier keinen Bestand. Denn im J. 1245 erscheinen sie in Zimmern und ertauschen gegen ihren Hof zu Böckingen vom Kloster Adelberg ein der Beschreibung zufolge nicht unbedeutendes Gut allhier, wohl eben um einen besseren Aufenthaltsort zu bekommen, und so kam das Kloster in die Wormser Diöcese. Allein auch der neuerworbene Platz scheint ihnen nicht genügt zu haben, daher schenkte Erkinger von Magenheim den 6. Okt. 1246 aus Verehrung gegen die Jungfrau Maria und um seines, seiner Vorfahren und Kinder Seelenheiles willen an den Cistercienserorden die, wie allgemein bekannt, von seinen Vorfahren gegründete Kirche zu Zimmern (d. h. wohl mit Rücksicht auf die genannten Urkunden von 1182 u. 1234| sowie die noch zu nennende von 1307, nicht die St. Martinspfarrkirche, sondern die ursprüngliche Kapelle) mit allen Zugehörungen, bewog die 4 Chorherren des Cyriakusstiftes zu Gunsten des Cistercienserordens auf ihre Pfründen zu verzichten und setzte die Nonnen von dem benachbarten Lauterstein (vgl. u. Hausen bei Massenbach) in diese Kirche ein. Nicht ganz klar ist, ob damals die Nonnen in Zimmern wirklich schon eingegangen waren, oder ob es sich hier um die Vereinigung der zwei getrennten Vereine zu Lauterstein und zu Zimmern handelte, oder ob die schon in Zimmern befindlichen, seit Kurzem aber erst dahin gekommenen Klosterfrauen unmittelbar vorher einige Zeit in Lauterstein waren und in der Urkunde noch als die Nonnen von Lauterstein bezeichnet werden. Ausdrücklich verordnete Erkinger hiebei (wohl im Hinblick auf die früheren Ortswechsel der Nonnen), wenn die Nonnen eine Ortsveränderung vornähmen, solle die ganze Schenkung nichtig sein und aller Besitz des Klosters im Zabergäu an ihn und seine Erben zurückfallen und behielt sich und seinen Erben das Recht der Schirmer und Stifter vor. Güter zu Lauterstein verkauften die Nonnen im J. 1292 um 100 Pfd. Heller an den Pfarr-Rektor zu Jöhlingen, Schwicker von Bruchsal, und erwarben sich mit dem Gelde 20 Malter Korn, 1 Fuder Wein und 2 Pfd. Heller, um damit ein ewiges Licht auf dem Marienaltar und zwei bei Nacht brennende Lampen vor dem Nicolausaltar und im Krankenhaus anzuschaffen.

Dem Kloster blieb der Name Marienthal, doch kommt schon im J. 1277 einfach „claustrum dominarum in Zimern“ (Mone 2, 102), das deutsche „Kloster Frauenzimmern“, vor. Das Siegel des Konvents zeigte die Verkündigung Mariä mit der Umschrift: S. Conventus vallis Ste Marie (z. B. Urk. v. 1360).

Das Kloster hatte sich mehrerer päbstlichen Schirm- und Schutzbullen zu erfreuen. So bestätigte ihm den 3. Mai 1268 Pabst Clemens IV. alle von seinen Vorfahren ertheilten Freiheiten und ebenso alle von Königen, Fürsten oder Anderen bewilligten Freiheiten und Befreiungen von weltlichen Abgaben, sah sich aber an demselben Tage veranlaßt, wegen Bedrückungen und Belästigungen des Klosters, desgleichen – wie auch noch später, den 1. Aug. 1282, Pabst Martin IV. – wegen Wiederzurückbringens veräußerter Güter desselben Anordnungen zu treffen. – K. Heinrich VII. nahm es auf inständiges Bitten seines Kanzlers, des Abts Heinrich von Villers in Brabant, den 15. Aug. 1309 in seinen und des Reiches besonderen Schutz und befreite es wenigstens im Allgemeinen, d. h. wenn nicht der König selbst es verlange, von der bisherigen Verpflichtung zur Stellung von Frohnfuhren.

Die dem Kloster im J. 1246 geschenkte Kirche bezw. Kapelle genügte demselben nicht, weßhalb es einen Neubau beabsichtigte und| hiefür auch, da seine Mittel nicht ausreichten, den 6. Juni 1268 von Pabst Clemens IV. einen 140tägigen Ablaß zu Gunsten derjenigen erhielt, welche zur Vollendung des Baues beisteuern würden. Wie weit der Bau wirklich gedieh, ist nicht bekannt, den 13. Juli 1307 jedoch gaben Graf Burkhard (IV.) von Hohenberg und die Wittwe seines Sohnes Otto, Maria von Magenheim, den Kirchensatz der hiesigen St. Martins-Pfarrkirche – welcher wohl nach Aufhebung des Cyriakusstiftes an die Familie Magenheim gekommen war – mit allen Rechten an das Kloster, worauf der Bischof Emmerich von Worms den 11. Apr. 1309 diese Kirche mit allen Zehenten Einkünften und sonstigen Zugehörden unter Vorbehalt der Congrua für den vom Kloster zu präsentirenden Pfarrvikar dem Kloster inkorporirte.

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Fortwährend jedoch wollten die Verhältnisse des Klosters sich nicht bessern, wozu wohl neben Kriegen und Unglücksfällen auch schlechte Verwaltung beitrug. Die Nonnen beschlossen daher, Erkingers von Magenheim, dessen Familie jetzt erloschen war, Verbot zum Trotz, wieder anderswohin zu ziehen. Sie erkauften den 12. Sept. 1442 mit Bewilligung des Bischofs Reinhard von Speier und mit Wissen, Rath und Beihülfe des Grafen Ludwig von Württemberg von Abt Dietrich und Konvent zu Odenheim deren Probstei Kirchbach bei Ochsenbach (s. u.), welche in Abgang gekommen und dem Kloster zu entfernt gelegen war, um 2250 Rh. Goldgulden, d. h. da der damalige Rh. Goldgulden 41/4 fl. in unserem Gelde werth ist, um 9562 fl. 30 kr., eine Summe, welche dem Kloster schwer fiel, so daß es bedeutende Waldungen und sein Dorf Häfnerhaslach verkaufen mußte. Den 29. Mai 1443 gaben der Abt und das Generalkapitel zu Cisterz zu dieser Veränderung ihre Einwilligung, verordneten, daß ein Priester aus ihrem Orden nach Frauenzimmern kommen solle, und übertrugen die Aufsicht über dieses alles den Äbten von Salem und Königsbronn, allein die Übersiedlung des Klosters an den neuen Ort, und somit in die Speirer Diöcese, war nach einer von dem Kloster den 10. Apr. 1443 ausgestellten Urkunde damals bereits erfolgt. Es ist übrigens von den Klostergebäuden allhier heutzutage wenig mehr vorhanden. – Den 22. Nov. 1443 bestätigte die Generalsynode zu Basel dem Kloster alle für seinen früheren Ort von Päbsten, Königen, Fürsten und Anderen ertheilten Freiheiten und Privilegien, und den 6. Dec. 1443 nahm Graf Ludwig von Württemberg dasselbe von Neuem in seinen Schutz und Schirm, machte ihm auch verschiedene Schenkungen, um ihm etwas aufzuhelfen (Crusius Annal. Suev. ps. 2, 385). In derselben Absicht inkorporirte ihm die genannte Generalsynode den 23. Febr. 1448 die kurz zuvor von Württemberg im Tauschwege erhaltenen Kirchen zu Botenheim, zu Pfaffenhofen und Nieder-Ramsbach, allein auch jetzt vermochte es nicht zu einiger Blüthe zu gelangen. Im J. 1485 waren die| Klostergebäude baufällig, die Güter, welche an sich 250 fl. ertrugen, fast sämtlich verpfändet und es befanden sich im Kloster nur noch die hochbetagte Äbtissin und zwei Nonnen, wovon die eine geistesschwach war. Daher stellte Graf Eberhard im Bart an die Vorsteher des Cistercienserordens das Gesuch, das Kloster mit dem kaum zwei Stunden entfernten und demselben Orden angehörigen Kloster Rechentshofen zu vereinigen, allein es kam dies aus unbekannten Gründen nicht zur Ausführung, und der Zustand des Klosters wurde immer noch schlechter. Der Generalvikar des Cistercienserordens suchte zwar im J. 1520 durch Vermittlung des Abts von Maulbronn das Kloster wieder in neuen Stand zu bringen, allein letzterer erklärte, er sei nicht in der Lage, dies zu thun, und ebenso erfolglos war derselbe Schritt, den im J. 1522 Statthalter und Räthe bei seinem Nachfolger thaten. Im Jahr 1531 suchte noch der Abt Lukas von Herrenalb etwas Abhilfe zu schaffen, allein es war alles vergeblich und im J. 1543 wurden die beiden einzigen noch vorhandenen Klostersinsassinnen abgefertigt: die Priorin Agnes von Hohenheim den 29. Okt. mit 200 fl. und die Laienschwester Agnes Weberin den 28. Nov. mit 20 fl. Leibgedings, wozu noch bei beiden ihr Hausrath kam. Im J. 1548 war das Kloster in gänzlichem Verfall; im J. 1556 wurde die Kirche abgebrochen, das Gestein zum Theil zur Erbauung eines Hundestalls verwendet und 1557 kam eine der Glocken nach Güglingen.

Sehr besucht mag das Kloster wohl nie gewesen sein; im J. 1360 kommen Äbtissin, Priorin und Konventfrauen vor, somit scheint es damals wenigstens eine vollständig ausgebildete Verfassung gehabt zu haben. Genannt werden als Äbtissinnen: 1307 Elisabeth, 134. (Mone 4, 180; die letzte Ziffer der Jahreszahl ist nicht angegeben) Agnes, 1360 Mechtilde von Goisheim (d. h. Gochsen O.-A. Neckarsulm); als Priorinnen: 1443 Margarethe von Sachsenheim, 1450–1488 Magdalene von Sachsenheim, 1514 Dorothea von Göler, 1543 Agnes Bombastin von Hohenheim.

Schutzvögte des Klosters waren ursprünglich als Stifter die Herrn von Magenheim, später, als die Rechtsnachfolger in den größten Theil der magenheimischen Besitzungen, die Grafen von Württemberg. Den 26. Aug. 1325 bezeichnete der Offizial des bischöflich-speierischen Hofgerichts genauer die den Stiftern aus der Fundation des Klosters fließenden Rechte, welchen die Verpflichtung zum Schutze des Klosters gegenüberstehen. Sollte das Kloster in Zukunft sich einen anderen Schirmherrn suchen, so erklärte Graf Ludwig von Württemberg den 6. Dec. 1443, daß es dann ihm, seinen Erben und Nachkommen verfallen sein solle. Die vogteilichen Abgaben an Württemberg bestanden in einem Karch Vogtheues, 14 Maltern Haber, 7 Pfd. Hllr., 26 Erndhühnern, alles jährlich nach Güglingen zu liefern (Mone 4, 204).

Den 6. Feb. 1418 übertrug der Cistercienserordens-General die| Visitation des Klosters dem Abt von Bebenhausen (Besold p. 519); den 11. Apr. 1520 wurde zur Visitation des Klosters zugleich mit dem Auftrag einer Neuorganisation desselben der Abt von Maulbronn beordert, jedoch ohne Erfolg.

Bedeutend waren die Besitzungen des Klosters nie, sie erstreckten sich vorherrschend auf den Bezirk des Oberamts Brackenheim. Hier steht in erster Linie der Ort Frauenzimmern selbst, in welcher Hinsicht das bereits Angegebene noch durch folgendes sich ergänzen läßt: den 6. Dec 1443 vertauschte das Kloster an Graf Ludwig von Württemberg seinen „Hof zu Zimmern mit Haus, Hof und Hofraite, Scheuern und Baumgarten, 223 M. Ackers, 15 M. Wiesen, der Kelter, 145 M. Wald, der Mühle auf der Zaber, nebst 4 M. Wiesen, Garten und Hofraithe,“ doch hatte es später noch im J. 1456 Grundbesitz hier (Mone 4, 319); den 30. Dec. 1444 wurde ein Streit zwischen dem Kloster einer- und seinen Unterthanen in diesem Dorfe und den dortigen Heiligenpflegern andererseits wegen des Rechts und der Besetzung der hiesigen Meßnerei entschieden; den 18. Okt. 1446 gestattete der Abt von Cisterz dem Kloster abweichend von der ihm den 29. Mai 1443 gegebenen Vorschrift, die hiesige Kirche durch einen Weltgeistlichen versehen zu lassen; den 17. Nov. 1491 wurde ein Streit zwischen dem Kloster und dem hiesigen Pfarrer wegen des letzteren Kompetenz beendigt. – Sonst hatte das Kloster in diesem Oberamte noch Besitzungen zu Botenheim, Cleebronn, Nieder-Ramsbach, Güglingen, Häfnerhaslach, Ochsenbach, Kirchbach, Pfaffenhofen, Rodbach und Stockheim, worüber die Geschichte der einzelnen Ortschaften Auskunft gibt. Zu Laufen (O.-A. Besigheim) erwarb es den 22. Apr. 1440 von Siegfried Osterbronn von Riexingen dem ä. u. dem j. deren Antheile am Zehenten um 1300 Goldgulden, verkaufte dieselben aber den 10. April 1443 um die gleiche Summe an den Grafen Ulrich von Württemberg. Endlich erhielt es im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts etliche Höfe in Jöhlingen (bad. B.-A. Durlach) und Weingärten in Zeutern (bad. B.-A. Bruchsal) von Schweikart von Bruchsal, Pfarr-Rektor in Jöhlingen (Mone 2, 102).


  1. Zum Folg. s. [Besold] Virg. sacr. mon. 499–534, namentlich aber Mone, Zeitschr. u. s. w. 4, 172–208 u. 311–338, wo eine größere Anzahl von Urkunden des Klosters aus einem im Kl. Lichtenthal gefundenen Copialbuch des Klosters abgedruckt und eine Übersicht über die Geschichte des Klosters gegeben ist; ferner: Klunzinger im 6. Bericht über den Alterthumsverein im Zabergäu S. 1–18. – Der Umstand, daß in obiges Copialbuch die beiden Urkunden von 1237 u. 1238 aufgenommen sind, dürfte der öfters angenommenen Ansicht entgegenstehen, dieselben seien für ein anderes Kloster Marienthal bestimmt gewesen.
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