Beschreibung des Oberamts Blaubeuren/B 20

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20. Pappelau mit Erstetten, Gleißenburg und Ziegelhof.


a. Pappelau, ein evang. Pfarrdorf auf dem Hochsträß an der Vicinalstraße aus dem Blauthal ins Donauthal, 11/2 St. von Blaubeuren, mit 358 Einwohnern. Grund- und Patronat- und Groß-Zehentherr ist das Spital Blaubeuren, den Novalzehnten von 124 M. hat der Staat, den kleinen, den Heu-, Obst- und Brach-Zehnten die Pfarrey.

Der Name des Orts will von einer Pflanze, malva rotundif., Käspappel genannt, welche in der Gegend häufig wächst, abgeleitet werden; in ältern Schriften findet man ihn aber gemeiniglich Bappenlau, Bappenlow, auch Bappenloch (loh, lohe) geschrieben. P. hat eine ausgezeichnete Lage auf der Höhe des Hochsträßes, auf der es theils eben, theils am Hange liegt; weithin sichtbar, genießt es auch eine ausserordentlich weite Aussicht, welche sich über den größten Theil von Oberschwaben und bis an die Schweizer und Tyroler Alpen erstreckt. Besonders groß ist die Aussicht, wenn man den sehr ansehnlichen Kirchthurm besteigt. Wegen seiner ausgezeichneten Lage wurde der Thurm, in Verbindung mit dem Bussen und dem Kloster Roggenburg, auch bey der Landes-Vermessung als Dreyeckspunkt gebraucht. Der Ort hat 1 Schulhaus und 2 Schildwirthschaften. In die Pfarrey gehören die Filiale Beiningen, Erstetten, Gerhausen, Gleißenburg, Markbronn und Steinenfeld, sodann die Höfe Altenthal und Ziegelhof und die evangelischen Einwohner von Dietingen, Ringingen und Schmiechen. Alle diese Orte haben auch ihr Begräbniß bey der Mutterkirche. Die Baulast der Kirche und des Pfarrhauses hat das Spital. Die Einwohner | nähren sich neben dem Feldbau zum Theil von der Leinenweberey, der Ort hat 15 Weber; 2 Hafner führen vieles Geschirr nach Aussen. Der ansehnlichen Obstzucht ist schon S. 66 gedacht.

Es scheint daß P. ehemals seine eigenen Herren gehabt habe, welche daselbst ihren Sitz hatten. Ein Hans Mylen von Bappenlouch kommt in einer Urkunde vom J. 1390 vor, und von einem „Rüdger Mülen“ kam der Ort auf seinen Tochtermann Hans den Späten. Dieser verkaufte ihn 1464 an den Grafen Ulrich von Würtemberg, der ihn 1469 wieder an den K. Fiskal, Dr. Ehinger, für 1650 fl. verkaufte, und zwar „Bappenloch das Dorf ob Blobeuren gelegen, sammt der Behausung, Stadel, Burgbau und aller Herrlichkeit, Gericht und Kirchensätzen.“ Von Ehinger kaufte den Ort, 1471, das Spital Blaubeuren für 1900 fl. Es besaß denselben mit allen Rechten und mit hoher und niederer Obrigkeit, bis ihm letztere von Herzog Ulrich im J. 1537 durch den s. g. Visitationsbrief entzogen wurde. S. Blaubeuren. Südlich von P., nahe am Ort, zieht das alte Hochsträß vorüber (S. 15) In den letzten französischen Kriegen hatte P. gleiches Schicksal mit der ganzen Umgegend. S. 14.

In ältern Zeiten stand zwischen Pappelau und Ringingen ein Hof, Lottenberg genannt, dessen Feld mit Pappelau verbunden ist. Schon 1544 scheint der Hof nicht mehr gestanden zu haben; denn in diesem Jahre belehnt das Kloster Blaubeuren einen Bürger zu Ringingen mit dem „Feldlehen“ der Lottenberg genannt.

b. Erstetten, ehemals auch Ehrstetten und Ehrenstetten, ein evang. Weiler, 1 St. südöstlich von Ringingen, auf dem Hochsträße, mit 84 Einwohnern, Filial von Pappelau. Die Zehnten bezieht der Freyherr v. Ulm zu Erbach, den Novalzehnten der Staat, einen kleinen Antheil an den Zehnten haben die Universität Tübingen und die Pfarrey Dietingen.

| Erstetten liegt in einer wasserreichen Vertiefung zur Seite eines nach Erbach hinabziehenden Thals, Langwiesen genannt. Es hat, wie die Tabelle zeigt, eine verhältnißmäßig sehr große Markung. Der Boden ist gut und besser als in den benachbarten Orten Pappelau und Beiningen. Der Ort hat weder Kirche noch Schulhaus, aber eine Schule. An den Gemeinde-Waldungen haben nur die 5 größern Bauern Theil, eben so an Schafweide und Pförch, deren Ertrag nicht unbedeutend ist. Nahe an dem Orte führt das alte Hochsträß vorüber. In der letzten Zeit war E. mit der Schultheißerey Ringingen verbunden, wurde aber neuerlich Pappelau zugetheilt. Erstetten gehörte vormals zum Kloster-Oberamt Blaubeuren. Antheil hatten die v. Ulm zu Erbach, die noch jetzt mit der Pfarrey Erbach Gefälle daselbst haben. Von der Pfarrey Erbach war E. ehemals auch Filial. Nach Tübinger (S. 311) ist Erstetten von einem gewissen Adelbert dem Kloster geschenkt worden. In ältern Zeiten findet man auch Herren v. Erstetten: Hartwin v. Erstetten steht als Zeuge in einer Blaubeurer Urkunde von 1108, und ein „Dietrich v. Erstetten zu Volkersheim“ ist Zeuge, da Conrad v. Landau 1408 Güter zu Weisel verkauft.

c. Gleißenburg, ein evang. Weiler auf dem Hochsträß, 1 Viertelstunde nordwestlich von Pappelau. Grund- und Zehentherr: Spital Blaubeuren. Der Weiler war früher ein Fall-Lehenhof des Spitals, der neuerlich allodificirt und in 3 Theile zerschlagen wurde. Es gehören dazu 923 M. Wald, welche das Spital für sich behalten hat. Die Felder sind rauh und steinicht, seit der Allodification und Vertheilung aber viel besser gebaut als vorher. Das ganze Gut war ehemals eine Zugehör des Schlosses Gleißenburg, wovon die Ruinen noch bey dem Hofe zu sehen, größtentheils jedoch abgetragen sind. Das Schloß wurde im 30jährigen Kriege zerstört. Crusius führt unter dem schwäbischen Adel älterer Zeit auch Herren von Gleißenburg auf der Alp auf. In einer Urkunde über den Verkauf eines Guts zu Suppingen | vom Jahr 1408 steht als Zeuge Eitel Werdnau von Glißenburg. Nach dem Lagerbuch des Spitals Blaubeuren war Gleißenburg ein Rittergut und ein s. g. Schwabenlehen, dessen sich K. Wenzel bemächtigt und dasselbe an einen Edlen von Kellenbach vergeben haben soll. Als österreichisches Lehen kaufte es „Gleißenburg das Schloß und eine Behausung, worin ein Bestandmaier wohnt,“ das Spital Blaubeuren 1506 von Hans Spät von Sulzburg um 1625 fl. In den Lehensbriefen behielt sich Österreich das Öffnungsrecht in dem Schlosse und die Bedingung vor, daß alljährlich auf dem Altar in dem Gotteshaus und Spital zum h. Geist zu Blaubeuren ein Jahrstag mit Meß und Ämtern für das Haus Österreich gehalten werde. Nach der Reformation ließ das Spital diese Obliegenheit zu Ehingen erfüllen, wofür es jährlich 5 fl. bezahlte, die es im J. 1696 mit 100 fl. abkaufte. Vor ungefähr 15 Jahren wurde zu Gl. eine Wasserleitung von thönernen Röhren entdeckt, welche noch ganz gut erhalten und nicht nach Töpferart gedreht, sondern uber einen Kern gepreßt waren. Oh sie römischen Ursprungs waren, ist ungewiß; die Fabrikationsweise war übrigens römisch.

d. Ziegelhof, ein Hof mit 7 evangel. Einwohnern, 1/8 Stunde von Pappelau, zwischen P. und Beiningen, in einer Vertiefung, Filial von Pappelau. Der Hof hat seine eigene Markung und ist dem Spital Blaubeuren zehent- und gültbar. S. 92.


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