« Kapitel B 30 Beschreibung des Oberamts Biberach Kapitel B 32 »
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31. Gemeinde Reinstetten,
bestehend aus 6 Parzellen mit 1089 Einwohnern.

1) Reinstetten, kathol., vormals Ochsenhausisches Pfarrdorf mit 432 Einwohnern, 33/4 Stunden östlich von Biberach, C. A. und F. A. Ochsenhausen. Die Grund- und Lehen-Gefälle, sowie die Zehenten, bezieht, mit Ausnahme von Wennedach, in dem ganzen Gemeindebezirk der Staat. Das Patronat ist königlich.

Reinstetten liegt von Hügeln umgeben, theils an einem in der Nähe des Orts gegen Südost entspringenden kleinen Bach, theils an der Rottum, und an der Vicinalstraße von| Leutkirch und Wurzach nach Laupheim und Ulm. Die Häuser sind weitläufig gebaut, und großentheils mit Stroh gedeckt. Der Ort ist häufigen Überschwemmungen ausgesetzt; das Clima ist feucht und kalt, die Sterblichkeit ziemlich stark. Die Kirche wurde 1740 von dem Kloster Ochsenhausen neu gebaut. Die Baulast derselben und des Pfarrhauses liegt jetzt auf dem Staat. In die Pfarrei gehören außer dem Gemeindebezirk noch Freyberg und Sommerhausen. Der Ort hat Schule und Schulhaus, eine Mahlmühle und eine Schildwirthschaft. Die Gemeinde besitzt nicht unbedeutende Waldungen und Allmanden, die aber im Genusse der Gemeindeberechtigten sind, s. S. 115. Die Kirche von Reinstetten ist sehr alt und war eines der Stiftungsgüter der Herren v. Wolfhartsschwendi an das Kloster Ochsenhausen. In die Kirche gehörten ehemals auch Erlenmoos und Eichbühl, bis sie 1457 nach Ochsenhausen eingepfarrt wurden. Das Dorf selber mit dem Grundeigenthum kam allmählig durch Schenkung und Kauf in den Besitz des Klosters; 1280 schenkte Conrad Schenk von Winterstetten dem Kloster ein Söldgut, 1304 kaufte das Kloster von Hans v. Freyberg alle seine Besitzungen in Reinstetten, 1333 schenkte Peter v. Schwarzach dem Kloster Ochsenhausen ein Gut, 1355 kaufte das Kloster die Vogtei von Abt Hermann von Memmingen, die dieser 1333 von Marquard v. Schellenberg erworben hatte. 1347 verkaufte Albert v. Freyberg sammt seinen Brüdern dem Kloster ein Gut, ebenso 1414 Friedrich v. Freyberg; 1386 kaufte Ochsenhausen vom Kloster Waldsee für 190 Pfund Heller 9 Güter mit Zwäng, Bänn und anderen Rechten, ein Gut in Lopach, und alle Güter sammt der Gerichtsbarkeit in Aichen. 1404 verkaufte Marquard v. Erolzheim ein Gut in Reinstetten an das Kloster, 1413 verkauften die Ellend v. Hindersingen, welche nach der Ochsenhauser Chronik ihren Sitz in Reinstetten gehabt haben sollen, die Mühle an das Kloster. Reinstetten ging mit Ochsenhausen an den Fürsten Metternich, und von diesem an Würtemberg über. 2) Eichen – auch Aichen, – kathol. Weiler, 1/2 Stunde von| Reinstetten mit 75 Einwohnern, Filial von Reinstetten. Der Nahrungsstand der Einwohner ist gut; der Ort hat seinen eigenen Gemeindehaushalt, und besitzt eigene Waldungen und Allmanden, s. S. 115. Eichen wurde von Ochsenhausen allmählig erworben: 1296 schenkt Otto, Graf v. Schwainhusin (Schweinhausen) dem Kloster ein Gut in Eichen; 1386 verkauft das Kloster Waldsee alle seine Güter in Eichen sammt der Gerichtsbarkeit an Ochsenhausen.

3) GoppertshofenGozboldishoven, Gotprechtshoven, Gotipretishoven, Gotperzhofen etc., kathol. Weiler mit 97 Einwohnern, 5/8 Stunden von Reinstetten, wovon es Filial ist. Es ist eine Schildwirthschaft und eine Ölmühle im Ort. Auch Goppertshofen hat seine eigene Gemeindevermögens-Verwaltung und besitzt eigene Waldungen, s. S. 115. Am Charfreitag 1128 schenkte der Welfe, Herzog Heinrich v. Noricum, dem Kloster Ochsenhausen eine Mühle sammt Gütern in Gozboldishoven. 1304 schenkt Hans v. Freyberg dem Kloster ein Gut in Gozboldishofen und die Gerichtsbarkeit, und 1310 schenkt Eberhard, Graf von Landau, dem Kloster Ochsenhausen ein Lehengut. Vergl. auch Hattenburg. Es gab auch Edle v. Goppertshofen. Besonders häufig kommt ein Meingoz v. Goppertshofen vor, er steht auch als Zeuge in einer Urkunde von 1129, s. Oberstetten. Die v. Goppertshofen waren Grüningen-Landauische Vasallen; ein Gut, das Hermann v. Gotprechtshoven dem Kloster Ochsenhausen verkaufte, wurde von Graf Hartmann von Grüningen geeignet.

4) LaubachLouba, Loben, Lobach, – kathol. Weiler mit 257 Einwohnern, 11/8 Stunde von Reinstetten, an dem kleinen Laubach, Filial von Reinstetten. An dem Zehenten hat hier auch die Pfarrei Erolzheim, und an den Lehengefällen der Graf Törring-Gutenzell Antheil. Der Nahrungsstand ist gering. Neuerlich sind mehrere Hofgüter verkauft und vertheilt worden, wodurch das Einwandern auswärtiger Familien veranlaßt worden ist.

Auch Laubach bildet eine eigene Untergemeinde und besitzt eigene Waldungen und Allmanden, s. S. 115. Der Ort hat eine Capelle und eine Schule, jedoch ohne Schulhaus, die Baulast der Capelle ruht auf der Gemeinde; zur Erhaltung der Schule gibt der Staat wegen Armuth der Gemeinde einen Beitrag. Die Capelle ist 1449 geweiht; es stand aber lange vor dieser Zeit eine Kirche zu Sct. Michael in dem Orte, welche ehemals eine Pfarrkirche gewesen zu seyn scheint. Schon 1099 schenkten die Stifter von Ochsenhausen, Hawin und sein Bruder Conrad, dem Kloster auch die Capelle und Güter zu Laubach und als Ecclesia Louba wird die Kirche auch in der päbstlichen Bulle Calixt III. 1173| aufgeführt. Der Ort hatte seine eigenen Edelleute. Ripertus und Wolftregel de Loubon stehen als Zeugen in der Stiftungs-Urkunde des Klosters Ochsenhausen vom Jahr 1099, und Walther v. Lobach in einer Urkunde von 1129, s. Oberstetten. Berthold v. Lobach schenkte 1127 dem Kloster zwei Höfe in Laubach und andere Güter, und ging selbst in das Kloster. Nach der Ochsenhauser Chronik hatten die v. Laubach noch über die Mitte des 15ten Jahrhunderts hinaus ihren Sitz im Orte. Aber der Ort selber war mehrfach vertheilt; 1317 schenkt Agnes v. Erolzheim dem Kloster ein Gut in Laubach, 1372 kauft Ochsenhausen von dem Chorherrn-Stift Waldsee einige Höfe in Laubach, ebenso 1386; 1410 verkauft Eitel von Erolzheim einen Wald und eine Wiese zu Laubach an das Kloster Ochsenhausen und 1690 kauft Ochsenhausen von Baron Bömmelberg zu Erolzheim den großen Zehenten zu Laubach und Bachen um 5000 fl. Antheil hatte auch das Kloster Gutenzell, an dessen Stelle der Graf Törring getreten ist.

5) Wasenburg, ein zu Goppertshofen gehöriger Hof mit 6 Einwohnern, Verhältnisse wie in Goppertshofen.

6) Wennedach, – Winnedach, Winneden, Winnenden, – ein vormals Heggbachischer kathol. Weiler mit 222 Einwohnern, Fil. von Ochsenhausen. Grundherr: Graf Waldbott-Bassenheim. Die Zehenten bezieht theils der Staat, theils die Pfarrei Laupertshausen. Clima und Boden ist rauh; der Nahrungsstand kaum mittelmäßig. Der Ort hat eine Capelle, welche 1751 von Ochsenhausen gebaut wurde. Die Baulast liegt der Kirchenpflege des Orts ob, die aber wenig Mittel hat. Im Orte ist eine Schule mit einem Schulhaus, zu deren Erhaltung der Staat wegen Unvermögenheit der Gemeinde einen Beitrag gibt.

Der Ort hieß früher Winegen; wo jetzt die Kirche steht, stand früher das Schloß der Edlen v. Winegen. Im Jahr 1260 lebte Diethold v. Winegen und seine Gemahlin Adelheid v. Jungingen. „Er hat“, erzählt Pflummern in seiner Metamorph., „C. S., weil er nit recht im Kopf geweßt, all sein Gut dem Prälaten in Einsiedel geschenkt.“ Der Prälat mußte es aber 1275 wieder herausgeben. Später setzte Diethold den Heinrich v. Freyberg und Walter v. Stadion zu seinen Erben ein; daher diese Linie der Freyberg von nun an statt drei gelben Kugeln, sechs gelbe Kugeln im Wappen führte. Die v. Freyberg brachten auch die andere Hälfte an sich. Conrad v. Freyberg verkaufte das Ganze sammt Mietingen im Jahr 1442 für 11.720 fl. an Heggbach. Von Heggbach kam es 1803 an den Grafen Waldbott-Bassenheim.