« Kapitel A 2 Beschreibung des Oberamts Aalen Kapitel A 4 »
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III. Einwohner.


1. Bevölkerung.


A. Stand derselben.

a) Am 3. Dezember 1850 hatte der Bezirk 24.982 Orts-Angehörige, und zwar 12.266 männliche, 12.716 weibliche. Nach älteren Listen betrug die ortsangehörige Bevölkerung:

1812   Nov. 1. 8.553 m. 9.208 w. zus. 17.761 S.
1822   Nov. 1. 9.143 m. 9.915 w. zus. 19.058 S.
1832   Nov. 1. 10.052 m. 11.062 w. zus. 21.114 S.
1842   Dez. 15. 10.990 m. 11.895 w. zus. 22.885 S.
1846   Dez. 3. 11.565 m. 12.144 w. zus. 23.709 S.

Die ortsanwesende Bevölkerung hatte am 1. Nov. 1822 betragen 19.048 (wobei 993 Angehörige abwesend, dagegen 983 Fremde anwesend waren); am 3. Dez. 1846 betrug dieselbe 23.401 (11.314 männl., 12.087 weibl.) und am 3. Dez. 1849 24.054 (11.648 männl., 12.406 weibl.).

b) Was den relativen Stand oder die Dichtheit der Bevölkerung betrifft, so kommen auf eine geogr. Quadratmeile (= 4 Quadratstunden) für 1850 4.472 Ortsangehörige, und für 1849 4.306 Ortsanwesende; ferner kommen auf einen Angehörigen 37/8 Morgen 12 Ruthen Flächenraum. Verglichen mit dem Landes-Durchschnitt steht der Bezirk hinsichtlich der Dichtheit der Bevölkerung um resp. 12 und 15 pCt. unter demselben.

c) Die weibliche Bevölkerung übertraf 1850 die männliche um 450, oder auf 1000 männliche Angehörige kamen 1037 weibliche, während sich dieses Verhältniß für das ganze Land wie 1000 : 1035 stellt. Der Überschuß der weibl. Bevölkerung betrug im Jahr 1812 655; 1822 772; 1832 1010; 1842 905; 1846 579.

d) Nach Altersklassen vertheilte sich die angehörige Bevölkerung des Oberamts für das Jahr 1846 folgendermaßen:

hievon treffen auf 10.000
männl. weibl. männl. weibl.
 unter 6 Jahren 1.947 2.004 1.683 1.650
von 6 bis 14 Jahren 2.105 2.061 1.820 1.697
von 14 bis 20 Jahren 1.288 1.349 1.114 1.111
von 20 bis 25 Jahren 1.028 1.074 889 884
von 25 bis 40 Jahren 2.396 2.558 2.072 2.106
Übertrag       8.764 9.046 7.578 7.448
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hievon treffen auf
10.000
männl. weibl. männl. weibl.
Übertrag       8764 9046 7578 7448
von 40 bis 60 Jahren 1998 2179 1728 1794
von 60 bis 70 Jahren 544 631 470 520
von 70 bis 80 Jahren 214 239 185 197
von 80 bis 90 Jahren 42 48 36 40
von 90 bis 100 Jahren 3 1 3 1
über 100 Jahre –  –  –  – 
Zusammen       11.565 12.144 10.000 10.000
23.709

Hienach begriff die schulpflichtige Jugend, von 6 bis 14 Jahren, 4166 oder 18 Procent; die waffenfähige Mannschaft von 20 bis 40 Jahren 3424 oder 14 Procent; das höhere oder Greisenalter von 70 Jahren und darüber noch 547 Personen oder 2,3 Procent der ganzen Bevölkerung. Bis zum Alter von 25 Jahren betragen die Klassen beiderlei Geschlechts zusammen 12.856 oder 54 Procent, also stark die Hälfte der Bevölkerung. Von den mehr als 70 Jahre zählenden treffen auf je 1000 Einwohner 23 (im Landes-Durchschnitt 22,5).

Im Jahr 1822 kamen von der angehörigen Bevölkerung auf je

10.000 männl. 10.000 weibl.
unter 14 Jahren 3136 3162
von 14 bis 18 Jahren 925 6838
von 18 bis 25 Jahren 1097
von 25 bis 40 Jahren 1914
von 40 bis 60 Jahren 1971
über 60 Jahren 957
10.000 10.000

e) Familienstand. Man zählte im Bezirk

1832. Nov. 1. 1846. Dez. 3.
Verehelichte 6296 7435
Wittwer 442 343
Wittwen 792 765
Geschiedene 15 12
Unverehelichte             13.569 15.154
Zusammen       21.114 23.709

Hienach betrug die Zahl der Ehepaare resp. 3718 und 3148. Familien

zählte man im Jahr 1846 4908; im Jahr 1849 5034, und es | treffen auf 1 Familie 4,8 und 4,9 Angehörige; auf 1 Ehepaar im Jahr 1846 6,3; im Jahr 1832 6,7 Personen.

f) Kirchliches Verhältniß.

Christen: im Jahr 1832 im Jahr 1846
evangelisch-lutherischer Confession 9.205 10.494
evangelisch-reformirter Confession –  – 
römisch-katholischer Confession 11.909 13.215
andere christliche Religions-Parteien –  – 
Juden –  – 
Zusammen       21.114 23.709

Die Katholiken sind also hier im Übergewicht mit 56 Proc., während nur 44 Proc. der Bevölkerung Protestanten sind; und es ist dieses Verhältniß für beide Zeitpunkte constant geblieben.

g) Gewerbs- und Nahrungs-Verhältmiß. Nur in den älteren Listen finden wir dieses Verhältniß berücksichtigt, letztmals im Jahr 1822. Damals zählte man

Bedienstete: Proc. v. Ganzen.
in Königl. Militärdiensten 274 7
in Königl. Civildiensten 138 4
in gutsherrschaftlichen Diensten 39 1
in Commun-Diensten 176 5
ohne bürgerl. Gewerbe, vom eigenen Vermögen lebend 41 1
Handelsleute, Professionisten, Wirthe u. s. w. 1393 37
Bauern 944 25
Taglöhner 532 14
im Almosen stehend 222 6
Zusammen       3759 100

Da in Gegenden, wo Ackerbau vorherrschende Beschäftigung ist, die Taglöhner meistens landwirthschaftliche Arbeiten verrichten, so leben, wenn jene zu den Bauern gezählt werden, 39 Procent der Bevölkerung vom Landbau. In den Landgemeinden treiben aber auch fast alle Commundiener, Professionisten, Wirthe u. s. w. zugleich Ackerbau, und man darf somit wohl annehmen, daß derselbe mehr als die Hälfte der Bevölkerung ernährt und beschäftigt.

B. Bewegung der Bevölkerung.
Nach den Durchschnitts-Berechnungen für die Dezennien von 1812/22 und 1837/47 betragen jährlich |
von
1) die Geburten, und zwar 1812/22 1837/47
      die männlichen 349,8 538,3
      die weiblichen 320,6 490,1
zusammen       670,4 1028,4
            darunter uneheliche 104,8 155,3
todt kamen zur Welt:
      männliche 8,3
      weibliche 6,8
zusammen       15,1
2) die Gestorbenen, und zwar
      männliche 307,1 381,7
      weibliche 289,7 360,0
zusammen       596,8 741,7
3) Die Wanderungen.
      Eingewandert sind: von 1812/22 von 1837/47
männl. weibl. männl. weibl.
aus fremden Staaten 9 9 1,9 2,4
aus andern Orten des Königreichs 89,6 117,1 168,8 208,8
90,5 118,0 170,7 211,2
      Ausgewandert sind:
in fremde Staaten 2,3 8 4,3 4,1
in andere Orte des Königreichs 61,7 78,3 159,4 200,2
64.0 79,1 163,7 204,3
Es sind somit im Ganzen mehr ein-
      als ausgewandert 26,5 38,9 7,0 6,9
4) Was die Ehen betrifft, so sind in dem Jahrzehnd 1812/22
      im Durchschnitt jährlich
neue Ehen geschlossen worden 122,7
Zugang durch Einwanderung 32,9
155,6
Dagegen wurden Ehen aufgelöst:
      durch Tod 143,3
      durch Scheidung 0,9
Abgang durch Auswanderung 11,0
155,2

Es bleibt somit ein jährlicher Zuwachs von 0,4, und die Zahl der Ehen, welche 1812 2951 betragen hatte, stellte sich 1822 auf 2955. In diesem Zeitraum kam jährlich auf 148 Personen 1 Trauung, während im Landesdurchschnitt auf 143 Einwohner 1 solche kam.

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5) Wachsthum der Bevölkerung und Verhältnisse.
      Es betrug von 1812/22 von 1837/47
männl. weibl. männl. weibl.
a. die Zunahme im Allgemeinen 590 707 1460 1016
      Zusammen 1297 2476
      oder in Procent jährlich 0,780 1,149
b. der natürliche Zuwachs, d. i. der
      Überschuß der Geburten über die Sterbfälle
427 309 1566 1301
      Zusammen 736 2867
c. unter 1000 Seelen des Zuwachses
      im Allgemeinen waren
455 545 590 410
unter 1000 Seelen des natürlichen
      Zuwachses befanden sich
580 420 546 454

Das Geburts-Verhältniß berechnet sich für 1812/22 zu 1:26,902 oder auf 10.000 Einwohner kommen jährlich 371,71 Geburten; für 1837/47 zu 1:22,115 oder auf 10.000 Einwohner treffen jährlich 452,16 Geborene. Dabei kommen auf 1000 geborene Mädchen für 1812/22 1091,08, für 1837/47 1098,34 geborene Knaben.

Das Verhältniß der unehelichen Geburten berechnet sich für 1812/22 wie 1:6,307; für 1837/47 wie 1:6,622; es befanden sich nämlich unter 100 Geburten des Dezenniums 1812/22 15,03 uneheliche; des Dezenniums 1837/47 15,10 uneheliche.

Was die Todtgeburten betrifft, so stellt sich das Verhältniß derselben für das Dezennium 1812/22 wie 1:44,40 oder es kommt 1 Todtgeburt auf 44 Geburten. Für das ganze Land berechnet sich dieses Verhältniß = 1:26,0.

Das Verhältniß der Sterblichkeit ist für 1812/22 wie 1:30,22; für 1837/47 wie 1:30,66 oder von 10.000 Lebenden sterben jährlich 330,0 und 326,1.

Mit Unterscheidung der Geschlechter kommen auf 1000 Gestorbene weiblichen Geschlechts von 1812/22 1060, von 1837/47 1060 Gestorbene männlichen Geschlechts.

Was die Altersklassen der Gestorbenen betrifft, so sind nach den älteren Bevölkerungslisten (in den neueren fehlen hierüber specielle Angaben) in dem Jahrzehnd 1812/22 gestorben:

bei 10.000 Sterbfällen.
männliche. weibliche.
vor der Geburt 270 235
unter 1 Jahr alt 4093 3238
vom 1. bis 7. Jahr 814 928
Übertrag       5177 4401
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bei 10.000 Sterbfällen.
männliche. weibliche.
Übertrag       5177 4401
vom 7. bis 14 Jahr 270 300
vom 14. bis 25. Jahr 391 449
vom 25. bis 45. Jahr 827 1087
vom 45. bis 60. Jahr 1036 1198
über 60 Jahre alt 2299 2565
10000 10000

Von den Gestorbenen dieser Periode hatten also (mit Inbegriff der Todtgebornen) 39,2 Procent das 1. Lebensjahr noch nicht erreicht, und nur 24,3 Procent das 60. Jahr zurückgelegt.

Die Gestorbenen verhalten sich zu den Geborenen in dem Zeitraum 1812/22 wie 1000:1123 und in dem Zeitraum von 1837/47 wie 1000:1387. Mit Unterscheidung der Geschlechter kommen auf 1000 männliche Gestorbene für 1812/22 1139; für 1837/47 1410 männliche Geborene; sodann auf 1000 weibliche Gestorbene für 1812/22 1106,6 ; für 1837/47 1361 weibliche Geborene.

Für die einzelnen Gemeinden des Oberamts ergeben sich aus den Durchschnittsberechnungen für das Jahrzehnd 1837/47 folgende bemerkenswerthe Verhältnisse:

Die meisten Geburten zählten: Wasseralfingen, auf 1000 Einwohner jährlich 56,6; Aalen 51,7; Lauterburg 51,6; Unter-Rombach 50,0; Hofen 47,9.

Die wenigsten Geburten hatten: Hüttlingen, unter 1000 Einwohner jährlich 33,3; Laubach 36,3; Pommertsweiler 37,7, Adelmannsfelden 38,0; Hohenstatt 39,9.

Die Zahl der unehelichen Geburten zeigte sich am kleinsten zu Hofen, unter 100 Geburten überhaupt 6,7 uneheliche; zu Wasseralfingen 8,7 ; Aalen 9,84; Neubronn 9,79; Hüttlingen 11,05.

Die meisten unehelichen Geburten kamen vor zu Unter-Rombach, unter 100 Geburten überhaupt 25,7 ; Fachsenfeld 24,0; Hohenstatt 23,2; Pommertsweiler 20,7; Laubach 20,52; Lauterburg 20,48.

Die Sterblichkeit zeigte sich am geringsten zu Pommertsweiler, wo von 1000 Einwohnern jährlich 25,4 starben; ferner zu Hohenstatt 26,9; Laubach 27,3; Adelmannsfelden und Dewangen 28,34; Neubronn 28,39.

Am größten war die Sterblichkeit zu Unter-Kochen, wo unter 1000 Einwohnern jährlich 43,2 mit Tod abgingen; ferner zu Aalen 40,7; Lauterburg 38,4; Wasseralfingen 38,1; Unter-Rombach 37,0.

Alte Leute, die über 70 Jahre zählten, fanden sich bei der Aufnahme | des Jahres 1846 in größter Zahl zu Hüttlingen, unter 1000 Einwohnern 45; ferner zu Neubronn 31; Eßingen 25; Dewangen 34; Heuchlingen 26.

Die wenigsten Leute dieses Alters hatten damals: Unter-Kochen, unter 1000 Einwohnern 6; Wasseralfingen 13; Pommertsweiler 14; Hohenstatt, Laubach und Unter-Rombach je 18 derselben.

2. Stamm und Eigenschaften der Einwohner.

a) Die Einwohner des ganzen Bezirks sind dem Stamme nach Schwaben. An früher häufig durchgezogene Zigeuner, deren ältere Fraischacten nicht selten Erwähnung thun, erinnert das Zigeunerfeld beim Osterbuch, eine ihnen beliebte Lagerstätte.

Die Sprache der Gegend ist ein hartes Niederschwäbisch, nahert sich aber auffallend durch ihre starken Kehllaute, ihr rauhes Aspiriren dem Oberschwäbischen, wie denn auch einzelne Phrasen, z. B. „ebbe nie“ = manchmal, an die Schweiz mahnen. Aspirationen werden selbst geradezu eingeschoben, z. B. g’haucht = gehaut, Bretzge = Bretze(l), und sogar vornen an Wörtern, z. B. g’wackeln, g’schnell, g’still = wackeln, schnell, still.

Einzelne ungewöhnliche Ausdrücke sind z. B. einkicken d. h. einbrennen; anfremmen d. h. bestellen; schmalken d. h. sich wohl daran machen, sich einschmeicheln; öad (öde) d. h. was nicht gefällt; veronescht d. h. hauptsächlich; wild d. h. auffallend für das Auge; stolz d. h. schön. Waisch d. h. die Stoppeln. Ein Splitter im Fleisch: Gleischbe. „Wo“ wird gebraucht für ob, nichts heißt nixè. Häswerk ist ein Kleidungsstück. Haube und Kappe werden – in den katholischen Orten – ihrer sonstigen Bedeutung nach, geradezu verwechselt. Die Dachbühne heißt allgemein „die Balken“, und dafür ist der obere Öhrn „die Bühne“; im Erdgeschoß heißt’s Tenne. Die Ofenkachel ist „das Röhrle“ und das Wasser wird besonders gern aus „Retschen“ getrunken, d. h. hölzernen Stützen (Bitschen). Auffällig ist auch, daß selbst alte Leute sich gern – im freundlichen Verkehr mit „Bue“ und „Maidle“ anreden.

Die starke Conjugation endlich wird in vielen Zeitwörtern abgeschwächt, z. B. g’wäscht st. gewaschen; ang’fangt st. angefangen; g’ruft st. gerufen etc. Gar beliebt ist das in „Hoirles sitzen“ besonders Abends vor den Hausthüren. Der Dienstag heißt Aftermondtag.

Kaum der besonderen Erwähnung wird es bedürfen, daß in den verschiedenen Bezirken des Oberamts (auf dem Albuch, im Thal, in den Wäldern, auf den Leinhöhen u. s. w.), ja selbst in einzelnen Dörfern besondere Eigenthümlichkeiten des Dialektes in der Aussprache, wie in den Ausdrücken hervortreten.

| b) Körperliche Beschaffenheit. Im Durchschnitt lebt hier ein gesunder, kräftiger Menschenschlag mit vorherrschend hellen Augen und Haaren, von mehr als mittlerer Größe und besonders in einzelnen Orten, am häufigsten in katholischen Gemeinden, auch hübsch, wie zumal bei dem weiblichen Geschlechte sich zeigt. Die Bewohner der Stadt scheinen, wohl in Folge des städtischen Lebens und des beständigen Zusammenheirathens, etwas nachzustehen. Durch die häufiger werdenden Verheirathungen hinüber und herüber scheinen sich übrigens die noch vor 50 Jahren weit schärfer hervortretenden charakteristischen Gesichts- und Körperbildungen einzelner Orte mehr und mehr zu verwischen. Als Resultat der Conscriptionen stellt sich nach einer 5jährigen Durchschnitts-Berechnung heraus, daß die mittlere Größe der Militärpflichtigen 5′ 8″ 23‴ beträgt. Unter 1000 Pflichtigen waren 214 6′ und darüber, während 98 weniger als 5′ 5″ hatten. Gebrechliche waren unter 1000 438. Die Zahl der wegen allgemeiner Schwächlichkeit Untüchtigen beträgt unter 1000 107, wonach der Oberamtsbezirk in dieser Beziehung mit Gaildorf gleichsteht und durch ein günstigeres Verhältniß nur von den O.A. Ulm, Blaubeuern, Göppingen und Kirchheim übertroffen wird. An Scropheln litten unter 1000 7; an Kröpfen 46; an Brüchen 21; an krankhaftem Bau der Thoraxknochen 46.

Ein hohes Lebensalter wird häufig gefunden und viele dieser Greise haben kaum einmal im Leben Arzt und Apotheke benützt. Die herrschendsten Krankheiten[1] sind entzündliche katarrhalische Leiden; weniger häufig sind rheumatische, trotz des beständig starken Luftstroms; am meisten noch gastrisch-rheumatische Fieber, unter Einfluß der gewöhnlichen Nahrungsweise. Brust- und Bauch-Wassersuchten, auch Magenverhärtungen sind gar nicht selten. Epidemisch traten in den letzten 18 Jahren zeitenweise auf: Masern, Scharlach und Keuchhusten; seltener und schon ziemlich lange nicht mehr – gastrische Fieber, Schleim- und Nervenfieber, die Ruhr 1834 und 1836. – Die Menschenblattern sind mehrere Male in verschiedenen Orten zum Ausbruch gekommen.

Eigentliche endemische Krankheiten gibt es nicht, auch nicht bei den Bergleuten (die einer besonders guten Gesundheit sich erfreuen, unterstützt durch ihre gewöhnliche Solidität) und Hüttenarbeitern, wo nur Rheumatismen häufig vorkommen, in Folge von Verkältungen.

Kröpfe sind nicht häufig und von Cretinismus kaum eine Spur (in Hüttlingen), indem auch die Thäler luftig sind und die Gewässer fast überall starken Fall haben, weßwegen kalte Fieber ebenfalls selten vorkommen. | Scropheln sind wohl häufig und im Zusammenhang damit tuberkulose Schwindsuchten, doch ohne endemisch verbreitet zu sein. Die Krätze hat in den letzten Jahren auffallend zugenommen. Geisteskrankheiten kommen selten vor, neuestens in Aalen etwas häufiger.

Eigenthümlich ist das häufige Vorkommen des Bandwurms, in Stadt und Land. Ganze Familien waren schon damit behaftet. Als Beispiel außerordentlicher Fruchtbarkeit gedenken wir endlich eines Bauers in Wülflingen, welcher mit 3 Frauen 14–14–12, zusammen 40 Kinder gezeugt hat.

c) Lebensweise. Was die Nahrung betrifft, so begegnen sich Stadt und Land in ihrer Liebe zu Mehlspeisen, besonders „Nudeln“ d. h. Dampfnudeln, im Unterschiede von „geschnittenen Nudeln“. Eine eigenthümliche Speise in Aalen sind die Grosknöpfe von einem besonderen „Grosmehl“, sehr feinem Griesmehl. Das ist die herrschende Speise am Sonntag und „ge Naacht“ Kuchen zu Kaffee, der überhaupt eine immer größere Verbreitung auch auf dem Lande findet.

Andere eigenthümliche Speisen, besonders auf dem Lande, z. B. in Wasseralfingen sehr beliebt, sind z. B. der „Sperrknecht“, ein dicker gewörgelter Teig, in einer Kachel mit Butter aufgezogen, und ein „Süßbrühfleisch“ d. h. Ochsenfleisch in einer Sauce aus Wein, Zucker und Zibeben, besonders bei Hochzeiten gebräuchlich. Süßigkeiten gelten überhaupt viel, weßwegen auch zahlreiche Conditoren zu Aalen ihre Nahrung finden. Zumal Kinder werden reichlich mit solchen beschenkt und für besondere Gelegenheiten sind immer s. g. „Gucken“ vorräthig, d. h. längliche, gewickelte Düten verschiedener Größe mit Zuckerwaaren; beim Kinderfest in Aalen werden solche in großer Anzahl verschenkt.

Eigenthümlich ist auf dem Lande auch die große Geltung des Safrans, mit welchem Nudelsuppen, Knollenkuchen u. dgl. nothwendig müssen gefärbt seyn, wenn sie preiswürdig seyn sollen.

Die Bauern essen fast das ganze Jahr hindurch zu Klösen ihr Kraut, zu welchem im Winter ein Schwein geschlachtet wird; dagegen holt man selten Fleisch vom Metzger.

Natürlich bilden auch Milch, zumal saure Milch, und Erdbirnen eine sehr gewöhnliche Speise, besonders bei Ärmeren. Übrigens pflegen Landleute saure Milch nur des Nachmittags zu genießen, zum Nachtessen aber eine süße. – Erdbirnen galten noch vor nicht gar langer Zeit in manchen Familien und Haushaltungen eigentlich blos als Viehfutter, sind aber überall siegreich durchgedrungen.

Herrschendes Getränke ist weißes und braunes Bier, der theure Wein blos bei festlichen Gelegenheiten; Most ist sehr selten, da die Obstkultur wenig bedeutet; dagegen ist die Verbreitung des Kaffee’s schon erwähnt, | der von den Bauern einiger Gegenden auch in Wirthshäusern halbmaas-, selbst maasweise bestellt und getrunken wird. Das weiße Bier ist in gar manchen Haushaltungen, z. B. in Wasseralfingen, fast wie das Wasser gehalten. Von Zeit zu Zeit wird ein Fäßchen gekauft und aufgelegt, wo dann jeder Hausgenosse nach Durst sich herausläßt.

Der Branntweingenuß ist leider auch sehr verbreitet und die Folge davon ist manchmal delirium tremens.

Ein besonders für Kinder zur Osterzeit früher gewöhnlich in Aalen bereitetes Getränke war Meth.

Die Kleidung hatte noch vor 30 Jahren in mehreren Orten manches Eigenthümliche, bereits hat aber die moderne städtische Tracht Vieles verdrängt.

Zumal die Handwerker auf dem Lande tragen sich ganz wie die Städter; Stiefeln, lange Hosen, meist blaue Röcke und runde Hüte. Die Bauern nur haben ihre Tracht besser bewahrt. Gewöhnlich haben sie lange zwilchene, aber schwarzgrau gefärbte Röcke mit kleinem stehendem Kragen, innen ein paar Hand breit farbig, in der Regel blau ausgeschlagen, oder solche schwarzgraue, zum Staate auch blautuchene und schwarzsammtene Kittel, – mit blanken Knöpfen. Die Weste ist vorherrschend roth mit hohen weißen Metallknöpfen, bei den Wohlhabenden von Silber. Die Beinkleider sind entweder lange zwilchene (meist blau gefärbte) oder kurz, schwarzledern, wozu weiße Strümpfe und Schnallenschuhe oder lieber hohe Stiefel von weichem Kalbleder bis über das Knie. Auf dem Haupte sitzt entweder ein dreieckiger Filzhut oder – zumal bei den jungen Leuten – eine Pelzkappe; seit einigen Jahren verbreitet sich auch der niedere runde Hut mit breiter Krämpe.

Eigenthümlich sind in Essingen die großen Vorschürzen, welche – zum Staate sogar – die Männer, wohl gewaschen auch an Sonntagen, zu tragen pflegen, womit sie selbst ihre Gänge in die Stadt machen.

Übrigens greift auch unter den Landleuten, besonders in den Dörfern, die städtische Tracht immer weiter.

Die Weiber, z. B. in Wasseralfingen und Umgegend, hatten früher eine ganz ausgezeichnete Tracht, deren Hauptstück ein dicker, wollener, rother Rock war, schon vom Schneider in unzählige Falten gelegt, welcher immer nach dem Ausziehen oben und unten zusammengebunden und in den Kasten gestellt wurde, um die Falten recht zu erhalten. Dazu kam dann ein grellfarbiger Kittel, bei reichen Bäuerinnen von Seidenzeug, orange, zeisiggrün u. s. w. und ein stets mit dem Kittel gleichfarbiger Schurz mit blauen oder rothen lang flatternden Bändern. Ältere Frauen schlangen ein großes, buntes seidenes Tuch zweimal um den Hals, dessen Zipfel alsdann, hinten gebunden, über den Rücken lang | hinabhiengen. Über der Brust prangten gewöhnlich silberne Ketten und Anhänger, das Haar aber war in ein Zopfnest geflochten und mit einem hölzernen Spieße durchstochen, oder trug man eine stattliche Bandhaube. Die Schuhe waren sehr stark ausgeschnitten.

Jetzt herrschen überall die bunten Zitze und Zeuglein, es unterscheidet sich aber der katholische Theil des Bezirks noch immer merklich durch seine Vorliebe für grelle Farben, roth, orange u. dgl., besonders an den kurzen Kittelchen und an den Schürzen, wo nicht weiße gesteifte vorgezogen werden. Ebenso unterscheiden sich die beiden Confessionen an den Hauben. In den katholischen Orten werden die niederen Bandhauben mit einem goldbrokatenen gestickten Bödchen getragen, mit höherem Bodenstück und recht großen Schleifen, auch möglichst breiten flatternden Bändern, während in den evangelischen Orten die Mädchen durchgängig weder so breite, noch so lange Bänder anwenden. Wird gar keine Haube getragen, so sind gewöhnlich lange Bänder in die Zöpfe eingeflochten.

Zu bemerken ist noch, daß statt der Regenschirme, welche seit etwa 20 Jahren ganz allgemein verbreitet sind, früher Tischtücher genommen und zum Schutz gegen den Regen umgeschlagen wurden, z. B. in Abtsgmünd u. a. O.

In Ansehung der Wohnungen, von deren Zahl und Bauart hienach die Rede ist, läßt sich im Allgemeinen sagen, daß die Hauseigenthümer gewöhnlich besser wohnen, als in manchen andern Gegenden des Landes, während freilich die Miether in der Regel allzueng sich zusammendrängen.

Verbreitet ist die Sorge für reinliche Zimmer und eigenthümlich in Aalen und Umgegend die Sitte, daß man gelöschten Kalk kauft, selber anmacht und (gewöhnlich die Frau) das Haus wenigstens innen selbst weißnet, wozu man die Pinsel vom Maurer miethen kann.

d) Besondere Sitten und Gebräuche. Überschauen wir zuerst die Gebräuche, welche an gewisse wichtige Lebensereignisse sich knüpfen.

Bei Taufen, wie bei andern ähnlichen Begebenheiten, gilt auch hier noch fleißiges Schießen der Freunde als besondere Ehrenbezeugung; wiewohl namentlich in den letzten Jahren besonders das Neujahranschießen (bei den Mädchen) wiederholte Unglücksfälle veranlaßt hat.

Den Hochzeiten geht der Heirathstag voran, in katholischen Orten auch das „in den Pfarrhof gehen“ – womit die Verlobung erst für stät und fest gilt; – dann der Einzug. Tags vor oder am Nachmittag der Kopulation ist „die Schenke“ zu Hause oder im Wirthshaus, wobei alle Verwandte und Bekannte ihre Gaben bringen und je nach der Größe derselben mit Kaffee, einer Wurst oder dergl. regalirt werden. Gerade zu dieser Schenke wird förmlich eingeladen, an einigen Orten von der | Braut selbst im Geleite einer Brautjungfer. Als flottestes Geschenk galten in Abtsgmünd z. B. Kopfkissen und diese wurden alsdann zu den geöffneten oberen Fenstern halb hinausgesteckt, um der Welt als Maßstab für die Bedeutung der stattfindenden Hochzeit zu gelten.

War die Braut gefallen, so wird sie vielfach nur von zwei Weibern in die Kirche geleitet, außerdem von zwei Brautführern, welche in einem großen Theile des Bezirks mit gezogenen Säbeln während der Kopulationshandlung hinter der Braut stehen. Dieß besonders in den nördlichen Bezirken, in deren Umgegend der Bräutigam bisweilen noch in einem scheinbaren Kampf den Führern seine Braut des Abends entreißen muß.

Bei Leichen waren einst in Aalen neben den Trauermäntelchen so lange Flöre, welche ausgetheilt wurden, gebräuchlich, daß der Rath diese Verschwendung verbot. Noch sind an manchen Orten Klagstühle üblich, in welchen die Männer während der Leichpredigt die Hüte auf dem Kopf behalten.

Nicht selten kommt es vor, daß von entfernteren Filialen der bloße Sarg auf einem großen Leiterwagen zuweilen mit Ochsen zum Kirchhofe geführt wird; gewöhnlich sitzt bei den Katholiken darauf eine Frau, welche ein brennendes Licht in einer gewöhnlichen Laterne hält.

Eine andere Reihe von Gebräuchen knüpft sich an jährlich wiederkehrende Tage und zwar in der Hauptsache zusammenhängend mit dem christlichen Festkalender.

Wir erinnern deßwegen zuerst an den „Schellenmärte“, welcher in der Adventszeit den Christbescheerungen vorangeht und in möglichst schauerlicher Verkleidung kleine Gaben bringt.

An Fastnacht wird vielfach gekocht und gebacken und – bei Tag noch – ein reichliches Abendessen eingenommen.

In Aalen hat sich in neueren Zeiten die Lust an Maskeraden sehr verbreitet und zahlreiche Gesellschaften junger Leute haben öffentliche Umzüge und Produktionen veranstaltet. Eben so ausgesprochen ist die Vorliebe für dramatische Vorstellungen und wiederholt schon haben Liebhaber-Theater bestanden.

Etwas ganz Eigenthümliches ist in Aalen die Sitte, am Palmsonntage die Kinder auf den Kirchhof zu führen und auf den Gräbern von Verwandten mit Leckereien zu beschenken, welche angeblich von den Gestorbenen auf’s Grab heraus gelegt worden. Selbst an Auswärtige schicken Manche solche Gaben unter solchem Vorgeben.

In der ersten Mainacht gilt es mancher Orten, z. B. in Lauterburg, für ein Recht der ledigen Bursche, wenn sie Etwas vor den Häusern finden, das eigentlich sollte aufgehoben seyn, dieß zu verstecken.

| Auch werden in dieser Nacht häufig Maien gesteckt, an manchen Orten mit allerlei Flittern und Goldschaum etc. verziert.

In Wasseralfingen und einigen anderen Orten, z. B. Leinweiler und Heuchlingen, kommt das Umreiten des s. g. Pfingstlümmels vor, wie eigentlich der heißt, welcher an diesem Feste zuletzt aufsteht. Vier junge Bursche, mit Goldpapierkappen und farbigen Bändern, von den Achseln flatternd, die Gesichter bemalt, reiten Nachmittags im Dorf und der Umgegend herum, sagen vor den Häusern einen gereimten sinnlosen Dialog her und werden hierauf beschenkt. Das Ende vom Lied ist natürlich ein Gelage.

Die Kirchweihfreuden sind vorzugsweise auf den Magen berechnet; es wird besonders viel „Krapfes“ gebacken, d. h. ein mit Safran gefärbtes Käsebrod, wovon jeder Bettler bekommt. Belustigungen im Freien hatten sich bis 1851 in Aalen erhalten, wo auf einer Wiese Wirthschaftsbuden und hauptsächlich zahlreiche Kegelbahnen (von armen Leuten) errichtet werden. Ein Preisschießen findet statt und neben Scholtertischen finden in der Regel Carroussel, Panoramen u. dgl. Raritäten sich ein. An zwei Sonntagen und mehreren dazwischen fallenden Werktagen geht es sehr lebhaft auf dem Festplatze zu; in den Wirthshäusern aber werden viele Hunderte von Gansvierteln in diesen Tagen verzehrt. Für Kaufleute und Gewerbsleute überhaupt ist es eigentlich Pflicht, bei ihren Kunden ein solches Mahl zu nehmen, was Manchen fast in allen Gasthäusern herumzwingt, wogegen in den Läden und selbst in den Apotheken jeder, der etwas kauft, ein Stückchen Kirchweihkuchen als Geschenk erwartet, weßwegen an diesem Tage außerordentlich viele Käufer aus Stadt und Land sich einstellen.Dieselbe Sitte resp. Bettelei kehrt bei der „Anklopfet“ wieder, wo dann Lebkuchen, Marcipan u. dgl. zum Geschenk gegeben wird. Preisschießen werden nicht selten von einzelnen Unternehmern veranstaltet, wie auch Preiskegelschieben für die zahlreichen Freunde dieses Spiels.

Auf dem Lande sind die Kirchweihfeiern im Freien, besonders in Essingen einst unter der Leitung von „Platzmeistern“ sehr besucht, in Abgang gekommen. Der Huttanz findet bisweilen noch statt, das Eierlaufen ist nie gebräuchlich gewesen.

Übrigens erwähnen wir noch als gesellige Vereinigungen, welche in neuerer Zeit mit einem weiteren besonderen Zwecke sich gebildet haben, einmal die Liederkränze in Aalen, (Harmonia und Concordia), – in Hohenstadt (welcher auf dem schwäbischen Liederfeste zu Heilbronn 1851 den zweiten ländlichen Preis erhalten hat[2] – in Hofen, Hüttlingen, | Wasseralfingen; sodann die zwei Schützengesellschaften in Aalen; in Wasseralfingen, in Essingen (Unterkochen und Abtsgmünd nicht mehr) je eine, welche alle mit dem Landes-Schützenverein in Verbindung stehen.

Instrumentalmusik wird vielfach gepflegt; in den meisten katholischen Orten bestehen Kirchenmusiken, in Wasseralfingen und Unterkochen Bergmusiken, welche freilich in ihren Leistungen sich nicht gleichbleiben. Die Wasseralfinger Bergmusik hat früher selbst Kunstreisen unternommen.

In Aalen ist ein Stadtmusikus aufgestellt, der an Festtagen Kirchenmusik aufführt und täglich dreimal vom Thurme mit Posaunen abzublasen hat. Bei Todesfällen wird auf Bestellung „Trauer geblasen“, so lange die Leiche im Hause liegt.

e) Die intellektuellen Eigenschaften der Bevölkerung können im Allgemeinen nur als mittelmäßig bezeichnet werden; früher fehlten gute Schulen und kein Wunder also, wenn bei den Gemeinderathswahlen 1819 beinahe mehr Kreuze als Unterschriften sich fanden. Noch immer geht das Lernen in den meisten Schulen ziemlich schwer, zumal die Geringschätzung intellektueller Bildung und höherer Kenntnisse, über welche einst Präceptor Rieger in Aalen klagte, noch nicht ganz verschwunden ist. Das ziemlich ausgedehnte Vereinödungssystem steht natürlich auch hier einem kräftigeren Aufschwung der Volksbildung hemmend entgegen.

Was Genügsamkeit und Arbeitsamkeit betrifft, so kann sich unsere Gegend mit gar manchen andern nicht messen, was aber in den immer noch günstigeren Vermögens- und Erwerbsverhältnissen seinen Grund haben dürfte. Länger andauernde harte Arbeit ist nicht beliebt, um so mehr aber wo immer möglich gutes Essen und Trinken. Gerade der Wirthshausbesuch hat in Stadt und Land seit Menschengedenken außerordentlich zugenommen und entsprechend ist die Consumtion des braunen Biers gestiegen, die des wohlfeileren weißen gesunken; dazu kommen sehr häufige Tanzgelegenheiten bei Hochzeiten, Märkten und Kirchweihen, zumal in der Stadt fast jedes Wirthshaus seine Kirchweih’ auf einen besondern Sonntag verlegte.

Die ältere Sittenstrenge hat überall bedeutend nachgelassen und die Zahl der unehelichen Kinder und kranzlosen Ehen nimmt ansehnlich zu; doch werden im Allgemeinen noch – bei vieler Derbheit – auch Biederkeit, Treuherzigkeit und Dienstfertigkeit an vielen Orten gerühmt. Die schon in älteren Zeiten beobachtete Anhänglichkeit an den Geburtsort und der Glaube an seine und seiner Eingebornen Vorzüge sind auch nicht erstorben und nicht bloß der alte Reichsstadtbürger schätzt alles Ausländische und alle „Hergelaufenen“ gering, sondern auf manchem Dorfe zeigt sich dasselbe, was durch die einstige Absonderung einer Anzahl von selbstständigen, | gegen die Nachbarschaft abgeschlossenen Gebieten sich wohl erklärt.

Die meisten Gemeinden haben das Zeugniß eines kirchlichen Sinns und fleißiger Theilnahme an den öffentlichen Gottesdiensten. An andern Orten werden hie und da Klagen laut, wie zu Aalen schon im 17. Jahrhundert der ehrb. Rath klagte: wahrnehmen zu müssen, „daß neben andern Sünden, so allhie im Schwange gehn, sonderlich die Verachtung göttlichen Worts ziemlich gemein seye, indem man den Gottesdienst, bevorab an Werktagen, in fast geringer Anzahl besuchet, den Sabbat in unzählig viel Wegen entheiligt mit allerhand Verrichtungen unnothwendiger Geschäfte und Arbeit, sonderlich auch mit Kartenspielen, Bosheit und anderer Üppigkeit, bevorab von den ungezogenen ledigen Burschen zur Nachtszeit.“ Heißt es dann weiter, „es ist die nothwendige liebe Kinderzucht dato fast gar erloschen“, so ist noch immer eine schwächliche, verkehrte Liebe zu den Kindern und in Folge davon allzu nachsichtige Erziehung der Jugend, allzu frühe Gewöhnung an Genüsse und Bedürfnisse von mancherlei Art an mehr denn einem Orte sehr zu beklagen und bedroht Stadt und Land mit dem Heranwachsen eines zügellosen Geschlechtes.

Charakteristisch ist auch die verhältnißmäßig große Anzahl von Ehrenkränkungs- und Verläumdungsklagen, welche beim Oberamtsgerichte Jahr aus Jahr ein anhängig gemacht, nicht selten jedoch nach einiger Zeit freiwillig zurückgezogen werden; sodann das häufige Vorkommen von Eigenthums- und Körperverletzungen, von Widersetzung, Unbotmäßigkeit und Selbsthülfe. Vorzugsweise dem Fachsenfelder Bezirke eigenthümlich sind zahlreiche Verurteilungen wegen erschwerter Bettelei, Landstreicherei und Confinationsüberschreitung; ebenda, aber auch weiterum sind grobe Waldexcesse und (gewöhnliche) Diebstähle ziemlich häufig, Capitalverbrechen dagegen äußerst selten. Wie groß die Achtung vor den Eigenthumsrechten auf Obst u. dgl. ist, zeigt der herrschende Namen dafür: „Gripsich“.


  1. Nach gütigen Mittheilungen der beiden O.A.-Ärzte Dr. Baumann und Dr. Hartmann.
  2. In Hall 1853 den ersten.
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