BLKÖ:Wolf von Ludwigshausen, Friedrich Ludwig

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 58 (1889), ab Seite: 14. (Quelle)
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17. Friedrich Ludwig Wolf (auch Wolff) von Ludwigshausen (geb. zu Düneburg in Lievland 16. October 1643, gest. 17. April 1708). Eine der geheimnißvollsten und einflußreichsten Persönlichkeiten des 17. Jahrhunderts, welche in diplomatischen Missionen in verschiedenen europäischen Höfen thätig gewesen. Ueber ihn, dessen actenmäßige Geschichte noch zu schreiben ist, finden wir nur fragmentarisches in Eucharius Gottl. Rinck’s „Leben und Thaten Leopolds des Großen“ 2 Bände (Cöln 1708 und Leipzig 1713). Nachdem er seine erste Erziehung am Hofe Johann Kasimirs von Polen erhalten hatte, trat er am 13. December 1659 in den Orden der Gesellschaft Jesu. Bald richtete sich die Aufmerksamkeit seiner Oberen auf den jungen Priester, der zunächst im Lehramte verwendet wurde und an der Universität in Prag Theologie, Ethik und Metaphysik lehrte, daselbst auch die Doktorwürde erlangte und dann an den Wiener Hof gesendet ward, wo sein einnehmendes Aeußere, seine feinen geschmeidigen Manieren und seine reichen Kenntnisse ihm bald Zutritt in die höchsten Kreise verschafften und er ein Liebling des Kaisers selbst wurde. „Er war“, schreibt Rinck, „des Kaisers Vergnügen und machte sein Umgang diesem Potentaten fröhliche Stunden, war wirklicher geheimer Rath und gab die heilsamsten Consilia.“ Allmälig wob sich um die Person des Paters ein geheimnißvoller Schleier, er erscheint nicht bloß als gewandter Diplomat, sondern auch als Kriegsmann. So focht er in der Belagerung Wiens 1683 gegen die Türken, zeichnete sich dabei durch persönliche Bravour aus, versah eine Befehlshaberstelle und hat, wie Rinck schreibt, „ein gewisses Armement auf der Donau in Aufsicht und Veranstaltung gehabt“. Er ist Verfasser flammender Aufrufe gegen die Türken und sammelte Geld zum Kriege. Besonders wichtig erscheint er in seiner diplomatischen Thätigkeit, vornehmlich am Berliner Hofe, an welchem er zuerst im Jahre 1685 auftritt. Er war daselbst bei dem Baron Freytag von Goedens als Gesandtschaftscaplan angestellt. Obwohl der damals noch kleine Huf zu Berlin für den ersten Moment kaum stark die Aufmerksamkeit in Anspruch nahm, so erkannte man doch in Wien, daß in dem kleinen Staate die Keime einer großen Zukunft lagen, und setzte Alles daran, diese nordische Schutzmacht des Protestantismus für die römische Kirche zu gewinnen, und wenn in dieser Richtung Jemand mit Erfolg wirken konnte, war es Pater Wolf. Merkwürdig ist es nun, daß in der Zeit seines Aufenthaltes in Berlin eine Menge Vorfälle stattfanden, mit denen seine geheimnißvolle Thätigkeit in Verbindung gebracht wird. So datiren aus diesen Tagen alle jene seltsamen Erscheinungen: die Testamente, die Flugschriften, die „rechtlichen Bedenken“, endlich die berüchtigte Weissagung von [15] Lehnin, welche 1693 zuerst auftaucht. Wie letztere entstand, wie sie in Umlauf gesetzt wurde, weiß heute Niemand, aber sie ward schon damals als im feindlichen Sinne geschrieben aufgefaßt, denn das strengste Geheimniß wurde Allen anbefohlen, die sich mit deren Inhalte bekannt gemacht hatten. Wie in Wien der Kaiser, so hatte in Berlin der große Kurfürst große Neigung zu dem Jesuitenpater, dessen ausgezeichnete Geistesgaben und liebenswürdiges Benehmen überhaupt Jeden fesselten, der ihm nahe kam. Georg Hiltl, der in einem größeren Essay diesen merkwürdigen Mann behandelte, nimmt mit Bestimmtheit an, daß derselbe mit Freytag die geheime Verhandlung bezüglich des Testamentes geleitet, daß er sich hiebei der Kurfürstin bediente, deren Muttergefühl fast eine Zerstückelung der Macht herbeiwünschte. Ja, Wolf’s Einfluß auf den großen Kurfürsten war ein so bedeutender, daß derselbe ihn aufforderte, ein Jesuitencollegium in Berlin zu gründen. Wolf aber wollte sich dazu nicht verstehen, mochte er doch erkannt haben, daß der geeignete Zeitpunkt zu einem solchen Unternehmen in der Metropole des Protestantismus noch nicht gekommen sei, und bezeichnend ist die Antwort, die er auf diese Aufforderung gab: „Gnädiger Herr, dazu müßten wir mehr Engel als Menschen sein“. Hiltl meint auch, daß, nachdem sich Wolf aus Berlin entfernt hatte, sich noch Spuren seiner Thätigkeit nachweisen lassen, welche auf seine persönliche Anwesenheit deuten. Hiltl hält ihn geradezu für den Verfasser des oberwähnten Lehnin’schen Gedichtes, das in seinen hundert leoninischen Versen die Schicksale des hohenzollerschen Hauses prophezeit und einem Mönche, Hermann von Lehnin, der um 1230 gelebt, zugeschrieben wurde, während es thatsächlich ein Erzeugniß des 17. Jahrhunderts ist. Diese Weissagung circulirte lange Zeit nur in Hofkreisen, in die Hände kritisirender Gelehrten gelangte sie erst im Jahre 1711. Ihr Auftauchen fällt genau mit dem des berüchtigten dritten Testamentes, mit den Bekehrungsversuchen des Paters Vota am sächsischen Hofe und mit den ersten Unterhandlungen über die Königswürde in Preußen zusammen. Wolf starb im Alter von 65 Jahren, und aus den ersten Jahren seines Waltens in dem Orden, dem angehörte, stammen einige theologische Werke, welche in Prag, Olmütz u. s. w. erschienen. Ihre Titel sind: „Granum salis, sive S. Franciscus de Sales Genevensis Episcopus. Oratione panegyrica propositus...“ (Prag 1669, 4°.); – „Theses difficiliores ex universa Philosophia authoritate Aristotelis, Augustini et Aquinatis firmatae“ (ebd. 1673, 12°.); – „Stella in Oriente, hoc est, voluntas dei ad prosequendum adversus Orientem sacrum bellum bellicosissimam Polonorum gentem incitans“ (Warschau 1685, 4°.); – „Commentarius in sacram scripturam“ (Olmütz, 4°.) [Pelzel (Franz Martin). Böhmische, mährische und schlesische Gelehrte und Schriftsteller aus dem Orden der Jesuiten... (Prag 1786, 8°.) S. 96.] –