BLKÖ:Wodianer von Kapriora, Moriz Freiherr

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wock, Emanuel
Band: 57 (1889), ab Seite: 201. (Quelle)
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Wodianer von Kapriora, Moriz Freiherr (Finanzmann, geb. zu Szegedin in Ungarn 3. November 1810, gest. zu Baden bei Wien 8. Juli 1885). Frühzeitig betheiligte er sich an den großartigen Tabak-Exportgeschäften, mit denen sein Vater sich beschäftigte. Bei Gründung des Tabakmonopols leistete er der Regierung so ersprießliche Dienste, daß ihm in Anerkennung derselben wiederholt Auszeichnungen verliehen wurden. Mit seinen Mitteln wuchs auch sein Einfluß bei allen größeren Operationen, welche seit den Fünfziger-Jahren [202] im Kaiserstaate vorkamen. Er wurde Mitgründer der Staatseisenbahn, brachte durch die Opposition, welche er gegen das französische Institut einzuleiten verstand, der Staatsbahn großen Nutzen und entwickelte als ihr Präsident eine Thätigkeit, wodurch sie zu großer Entfaltung sich entwickelte. So wuchsen sein Ansehen und sein Einfluß in stetiger Weise, und alle ersten Geldinstitute der Monarchie, vornehmlich Wiens, waren bemüht, seinen Namen für sich zu gewinnen. So war denn Freiherr von Wodianer Vice-Präsident des Verwaltungsrathes der Staatseisenbahngesellschaft, Präses der k. k. Börsekammer, Gouverneur-Stellvertreter der Nationalbank, Präses der Donau-Dampfschifffahrtsgesellschaft, Verwaltungsrath der ungarischen allgemeinen Creditbank und der Theißbahn, Präses des Wiener Großhandlungs-Gremiums, Director der Vöslauer Kammgarnfabrik und Mitglied der k. k. Weltausstellungscommission 1873. Er galt als financielle Capacität in Oesterreich-Ungarn, und bei seinen geschäftlichen Beziehungen in Cis- wie in Transleithanien war er in der Lage, bei allen großen Unternehmungen diesseits und jenseits der Leitha mitunter entscheidend einzugreifen. Im Juni 1887 erhielt er das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens, im Mai 1863 den Orden der eisernen Krone zweiter Classe und den Ordensstatuten gemäß den Freiherrnstand mit dem Prädicat von Kapriora. In einer Geschichte des Finanzwesens Oesterreichs wird sein Name neben Rothschild und den Matadoren des europäischen Geldmarktes eine große Rolle spielen, deren nationalökonomische Beurtheilung sich der Aufgabe unseres Lexikons entzieht. Thatsache ist es, daß Wodianer aus dem berüchtigten Krach, der im Jahre 1873 einen großen Theil der österreichischen und zum Theile auch die auswärtige Finanzwelt mitriß, unberührt hervorging. Hoch gingen nach seinem Tode die Erwartungen über den Inhalt des Testaments, da man in demselben großherzige Bestimmungen umso sicherer zu finden hoffte, als er bei Lebzeiten mit bemerkenswerthen Wohlthätigkeitsacten niemals in die Oeffentlichkeit getreten war. Das Gesammtvermögen stand im Testamente auf etwa fünfzehn Millionen angegeben. Im Publicum wurde Wodianer auf über dreißig geschätzt. Zum Universalerben war des Verstorbenen einziger Sohn Albert Freiherr v. Wodianer ernannt, die eine Tochter, vermälte Gräfin Nemes, mit einem bedeutenden Legate, die zweite, vermälte Gräfin Ferry, mit dem gesetzlichen Pflichttheile bedacht. Für die Armen von Wien und Pesth, sowie für andere wohlthätige Zwecke hatte Wodianer die Summe von zehntausend Gulden festgesetzt. Die Münchener Allgemeine Zeitung glossirt diese letztwillige Verfügung mit folgenden Worten: „Nicht ohne Interesse dürfte das Zusammentreffen des Ablebens Wodianer’s und Moskauer Millionärs Chludow sein, der circa sechzehn Millionen Rubel hinterließ und eine Million Rubel zum Bau eines Armenhauses testirt hat.“ Nach einer Mittheilung der „Neuen Freien Presse“ hätte Wodianer an humanen Legaten 25.000 fl. für Wien und ebensoviel für Pesth vermacht.

Allgemeine Zeitung, 9. Juli 1885, Nr. 188, S. 2759; Nr. 190, S. 2791. – Illustrirtes Wiener Weltausstellungs-Album (schm. 4°.) 22. Mai 1873, Nr. 4. – Neue Freie Presse (Wiener polit. Blatt, Fol.) 1885, Nr. 7491, Abendblatt, S. 2; 1885, Nr. 7492, Morgenblatt, S. 5; 1885, Nr. 7495, Morgenblatt, S. 4.
[203] Porträts und Chargen. 1) Unterschrift: „Moriz Freiherr von Wodianer von Kapriora“. Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners. F. Mataloni’s xyl. Anst. Wien im vorerwähnten „Illustr. Wiener Ausstellungs-Album“. – 2) Ueberschrift: „Baron Moriz Wodianer“. H.(ugo Ströhl) 75. Lithographie in der „Bombe“ vom 21. Februar 1875, Nr. 7. – 3) Ueberschrift: „Baron Wodianer“. Wodianer sitzt auf dem Dache der Börse; ein Krokodil (der große Krach) schnappt nach ihm; zur Seite der linken Schläfe schwebt als Genius Finanzminister De Pretis, in der Rechten einen Oelzweig, in der Linken ein Blatt haltend mit der Aufschrift: Suspendi | rung der | Bank | akte.. C. v. Stur del., E. Angerer sc., in der „Bombe“ vom 18. Mai 1873, Nr. 21. – 4) Unterschrift: „Rothschild. Wodianer. Todesco“. Klič (del.) in den „Humoristischen Blättern“ von K. Klič 14. November 1875, Nr. 46. – 5) Ueberschrift: „Die Finanzwilderer“. Zeichnung von St.(ur) im „Floh“ vom 29. November 1873 [Wodianer und Kerkapoly] – 6) Holzschnitt. Caricatur in ganzer Figur ohne Angabe des Zeichners und Xylographen im „Bolond Miska“ 1870, Nr. 8.