Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Weill, C.
Band: 54 (1886), ab Seite: 15. (Quelle)
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Weill, Moses (Industrieller, geb. in Böhmen 1766, gest. zu Strakonitz am 23. October 1865). In seiner ersten Zeit beschäftigte er sich mit Kleinhandel, den er durch Fleiß und Regsamkeit immer mehr erweiterte, aber erst 1818 begann er mit der Errichtung einer Fezfabrik, die aus kleinen Anfängen sich nach und nach so erweiterte, daß sie am Ende seines Lebens 1500 Menschen Brod [16] und Unterhalt gab. Das ursprünglich kleine Geschäft vergrößerte sich nur allmälig, aber stetig; zudem unzureichenden Areale wurden immer wieder neue Grundstücke, Nachbarhäuser, Mühlen u. s. w. zugekauft und dann eine großartige Schafwollspinnerei, eine Seiden- und Schafwollfärberei, Walkmühlen u. s. w. erbaut, so daß sich zuletzt die Fabrik zu einem der großartigsten industriellen Unternehmen in Oesterreich entfaltete. Ein Jahr vor seinem Tode, bis zu welchem Weill in Gesellschaft seiner Söhne Karl und David und seines Schwiegersohnes Jacob Pick das ausgedehnte Geschäft persönlich leitete, am 19. November 1864, wurde das dem Greise in Anerkennung seines vieljährigen verdienstlichen Wirkens zur Förderung der heimischen Industrie von Seiner Majestät dem Kaiser verliehene goldene Verdienstkreuz mit der Krone ihm feierlich durch den k. k. Bezirksvorsteher an die Brust geheftet. Die Waare, welche die Fabrik Weill’s verarbeitet, wird nach dem Orient versendet. Nun geschieht es, daß bei den geringsten politischen Ereignissen im Orient in der Fezfabrication monatelang, ja auch jahrlang das Geschäft stockt; in der Weill’schen Fabrik ist es aber zum Grundsatze geworden, auch wenn solche bedauerliche Zwischenfälle eintreten, doch die Arbeiter nie zu entlassen, sondern, wenngleich mit großen Geldopfern, fortzuarbeiten, bis wieder bessere Zeiten kommen. Die Fabrik arbeitet auch nach dem Tode ihres Begründers energisch fort und besteht als k. k. landesbefugte Wollwaaren- und Fezfabrik der Gebrüder Weill und Comp. in Neu-Strakonitz und erzeugt vornehmlich türkische Fez verschiedener Farben und Formen. Sie betheiligte sich 1873 an der Weltausstellung in Wien und hatte nach dem Ausstellungsberichte damals Agenten in allen großen Handels- und Stationsplätzen der europäisch-asiatischen Türkei und Aegyptens. Die jährliche Erzeugung beträgt zweiundeinehalbe Million Stück Fez, welche nicht allein nach der Levante, Klein-Asien, Aegypten und den Barbaresken-Staaten, sondern seit Eröffnung des Suez-Canales auch bis nach Indien Absatz finden. Der Betrieb der Maschinen geschieht mittels Wasserkraft von 45 Pferdekräften und zwar durch drei nach dem neuesten System gebaute oberschlachtige Wasserräder. Die Zahl der Beschäftigten erhebt sich über siebenhundert inner- und achthundert außerhalb der Fabrik.

Prager Zeitung, 1864, Nr. 279: „Fabricant Moses Weill. – Wiener Zeitung, 1865, Nr. 273.