BLKÖ:Wallisch, Christoph Freiherr

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wallisch, Franz
Band: 52 (1885), ab Seite: 271. (Quelle)
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Wallisch, Christoph Freiherr (k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. in Mailand 1732, gest. zu Wien 2. Jänner 1793). Nach Abschluß des Aachener Friedens (17. October 1748) trat er in die k. k. Armee und gab in den ersten Feldzügen des siebenjährigen Krieges 1756, 1757, 1758 und 1759 als Adjutant des Generals der Cavallerie Grafen Althann so ausgezeichnete Beweise von Bravour, Umsicht und Entschlossenheit, daß er in Würdigung der vielen trefflichen Dienste, welche er geleistet, bis 1759 vom Cornet zum Hauptmann im Szluiner-Regimente vorrückte. Sein Ruf in der Armee war so anerkannt, daß man den Adjutanten mit Vorliebe im Vorpostendienste [272] verwendete; alle Generale, denen er zugetheilt worden, waren seines Lobes voll, und insbesondere besaß er das Vertrauen des Feldmarschalls Loudon, der ihn in den wichtigsten und geheimsten Aufträgen ausersah und ihm, dem damals noch jungen Hauptmann, das Commando von Detachements übergab, welche nicht selten über tausend Köpfe zählten. So behauptete sich Wallisch im Winter 1759 mehrere Monate hindurch auf einem wichtigen Posten des in der Gegend von Platten im böhmischen Erzgebirge gezogenen Cordons. Durch unermüdliches Patrouilliren und einen trefflichen Kundschaftsdienst verschaffte er dem hinter ihm gelegenen Corps vollkommene Ruhe und Sicherheit. Als er Nachricht erhielt, daß bei dem Einnehmer in Schwarzenberg 20.000 fl. zusammengebrachte Contributions- und Executionsgelder in Bereitschaft lägen, um den Preußen unter Bedeckung abgeliefert zu werden, setzte er sofort hundert Croaten auf Schlitten, folgte selbst mit dreißig Huszaren, überfiel die Escorte, die sich dieses Ueberfalls gar nicht vorgesehen hatte, nahm ihr das Geld ab und trieb sie auseinander. Als 1760 General Kleefeld [Bd. XII, S. 35] den preußischen Parteigänger Froideville, welcher durch seine Ueberfall den Unseren und den Bewohnern des Erzgebirges großen Schaden zugefügt hatte, bei Ditmannsdorf überfiel und gefangen nahm, war es besonders Wallisch, durch dessen Geschick dies gelang. Im Juni 1761 übernahm er auf Loudon’s Befehl ein Commando von 400 Croaten und 300 Reitern, um die Bewegungen des gegen Neisse abrückenden Königs zu beobachten. Wallisch kam nun mit fünfzig der verläßlichsten Reiter dem Könige und dessen überlegener Truppenmacht so nahe, daß er genaue Kenntniß von allen Bewegungen des Gegners erhielt und die Absichten desselben durch zuverlässige Rapporte an Loudon vereiteln konnte. Als nun der König die Gefährlichkeit Wallisch’s erkannte, gab er einem Commando von 2000 Preußen den Auftrag, denselben aufzuheben. Aber Wallisch, durch seine trefflichen Kundschafter von der Absicht des Königs benachrichtigt, traf sofort seine Anordnungen, nahm eine höchst günstige Aufstellung und vertrieb später die Preußen aus Zuckmantel wieder. Aber einmal, als er bei Deutsch-Wetter den äußersten Vorposten innehatte und eben im Begriffe stand, in einiger Entfernung vom Posten eine Brücke abzubrechen, welche dem Feinde zum Uebergange dienen konnte, wurde er von den Preußen überrascht und mit neun Croaten gefangen genommen. Jedoch bald ranzionirt, erhielt er nun auf dem Cantonirungsposten in Neisse das Commando über ein Detachement in der Stärke von tausend Mann, mit welchem er sich die ganze Zeit hindurch vortrefflich behauptete. Eine besonders kühne Waffenthat führte er am 8. Jänner 1762 vor Neisse aus. Er rückte mit tausend Huszaren und dreißig deutschen Reitern ganz nahe bis vor diese Festung, wo er in Erfahrung brachte, daß der Commandant derselben, Le Grand, mit zwei Bataillonen, fünf Schwadronen Huszaren und vier Geschützen ausmarschirt sei, vorerst, um ihn aufzuheben, dann aber, um in dem von den Unseren besetzten Theile Schlesiens Contribution einzutreiben und Recruten zu pressen. Da besann er sich nicht lange und beschloß, dem Gegner zuvorzukommen. Nachdem er die Richtung, welche der Feind genommen, erkundet hatte, eilte er ihm nach und griff [273] ihn, ohne ihm weiter Zeit zu lassen, entschlossen an. Die Reiterei machte sogleich Kehrt, die Infanterie aber bildete Quarrés und zog sich, in dieser Form kämpfend, zurück. Er verfolgte den Feind bis an die Thore der Festung und verschaffte durch diesen gelungenen Streich unseren in Schlesien befindlichen Truppen für den ganzen Winter hindurch Ruhe. Als nach beendetem Kriege am 21. November 1763 das Capitel des Maria Theresien-Ordens zusammentrat, wurde auch Wallisch für seine Waffenthaten mit dem Theresienkreuze ausgezeichnet. Zur Zeit des bayrischen Erbfolgekrieges 1778 und 1779 war er bereits Oberst des Banal-Huszaren-Regiments. Nun wurde ihm mit seinem Regimente der Vorpostencordon gegen Troppau anvertraut, und er traf auf diesem so treffliche Anstalten, daß er wiederholte feindliche Angriffe vereitelte. In Würdigung dessen wurde er zum Generalmajor befördert. Auch im Türkenkriege 1788 und 1789 befehligte er auf Vorposten. Er hatte seine Aufstellung in Croatien und vereitelte alle noch so lebhaften Versuche der Türken, unsere Cordonlinie zu durchbrechen, und hob 1789 einen von dem Pascha von Skutari nach Bosnien abgeschickten Succurs während des Marsches auf. 1789 rückte Wallisch zum Feldmarschall-Lieutenant vor und wurde vom Kaiser zum Inhaber des 7. Kürassier-Regiments, nachmals Hardegg-Kürassiere, ernannt, welches er bis zu seinem wenige Jahre danach erfolgten Tode behielt. Von diesem ward er im Alter von 61 Jahren in seiner Stellung als commandirender General der Carlstädter Grenze ereilt.

Thürheim (Andreas Graf). Gedenkblätter aus der Kriegsgeschichte der k. k. österreichisch-ungarischen Armee (Wien und Teschen 1880, Prochaska, gr. 8°.) Bd. II, S. 576, unter Jahr 1759.