BLKÖ:Waldeck, Karl August Friedrich Fürst

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 52 (1885), ab Seite: 174. (Quelle)
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Waldeck, Karl August Friedrich Fürst (k. k. Feldmarschall, geb. 24. September 1704, gest. 29. August 1763) von der Linie Waldeck-Eisenberg. Als jüngerer Sohn des Fürsten Friedrich Anton Ulrich aus dessen Ehe mit Luise geborenen Pfalzgräfin zu Birkenfeld hatte er keine Aussicht zur Regierung. Er trat daher frühzeitig in Kriegsdienste und wurde schon 1723 Oberst des Württembergischen Regiments. 1728 mit dem Hinscheiden seines unvermält gebliebenen Bruders Christian Philipp kam er zur Regierung, entsagte jedoch dem Waffendienste nicht. 1734 zum kaiserlichen General-Feldwachtmeister befördert, entwickelte er als solcher große Bravour in den Feldzügen am Rhein, namentlich 1735 bei Solm. 1736 kämpfte er in Ungarn gegen die Türken und betheiligte sich im folgenden Jahre an der Belagerung der Festung Usicza, bei welcher Gelegenheit er eine Verwundung davontrug. 1738 erfolgte seine Ernennung zum Feldmarschall-Lieutenant, 1739 zum Inhaber des Infanterie-Regiments Freiherr von Fürstenbusch Nr. 35, welches er bis zu seinem Tode, nahezu ein Vierteljahrhundert, behielt. Im letztgenannten Jahre zog er gegen Ungarn ins Feld und wurde bei Kroczka am 22. Juli neuerdings verwundet. 1742 rückte er zum General-Feldzeugmeister vor, nahm aber noch im nämlichen Jahre mit Bewilligung des Kaisers den Posten eines Generals der Infanterie bei den Generalstaaten an, als welcher er sofort ein neues Infanterie-Regiment zum Dienst der Generalstaaten aufstellte. 1743 kehrte er zur Armee in Ungarn zurück und machte dann als Feldzeugmeister den Feldzug am Rhein mit. Eine bei Rheinweiler erlittene Schlappe glich er in kurzer Zeit durch einen gelungenen Angriff auf den General Balincourt ebendaselbst wieder aus. Auch an den weiteren Operationen [175] nahm er, und zwar mit Glück, thätigen Antheil. Als im zweiten schlesischen Kriege König Friedrich im November 1744 plötzlich Böhmen räumen und nach Schlesien sich zurückziehen mußte, brach am 9. und 10. December dahin auch die ganze österreichische Armee in drei Colonnen auf, deren erste der Fürst befehligte. Bis Ende des Jahres war ganz Ober-Schlesien mit den Festungen Cosel und Neisse wieder in unseren Händen. 1745 übernahm Fürst Waldeck von Neuem das Commando in den Generalstaaten gegen die Franzosen. Bei Fontenai am 11. Mai wurden ihm zwei Pferde unter dem Leibe weggeschossen. Bis ins Frühjahr 1746 kämpfte er mit wechselndem Glücke, aber immer bewährte er sich als umsichtiger und tapferer unerschrockener Führer. Am 14. April desselben Jahres brachte ihm Feldmarschall Graf Batthyányi ins Hauptquartier von Mecheln das Diplom eines kaiserlichen Feldmarschalls. Später des unsteten Lebens im Feldlager müde, führte Fürst Waldeck zu seinen Unterthanen zurück, welche in den bedrängten Zeiten schwer gelitten hatten, so mußten z. B. im Jahre 1760 an 30.000 Mann drei Wochen hindurch gänzlich verpflegt werden. Er suchte nun, so weit als möglich, diese Leiden zu lindern. Meistens lebte er in Frankfurt. Mit seltenen Gaben des Geistes und einem schönen Aeußeren ausgestattet, glänzte der Fürst, der sich auf Reisen eine ungewöhnliche Bildung angeeignet hatte, durch seinen Muth und seine Kaltblütigkeit. Als ihm in der Schlacht bei Fontenai ein Pferd unterm Leibe erschossen wurde, setzte er sich auf ein anderes, schnupfte eine Prise Tabak und nahm mit den Worten: „Hier ist es sehr warm“, seinen alten Platz wieder ein, indeß rund um ihn die Kugeln umhersausten. Fürst Karl August Friedrich hatte sich am 19. August 1741 mit Henriette Karoline (nach Anderen heißt sie Christiane) Pfalzgräfin von Birkenfeld vermält, welche ihm sieben Kinder gebar, von denen Friedrich Karl die Regierung übernahm, Christian August [s. d. S. 169] in österreichischen Kriegsdiensten stand, Ludwig aber (geb. 16. December 1752) als Truppencommandant im Kurbraunschweigischen am 14. Juni 1793 zu Cortryk seinen zwei Tage zuvor bei Warwick in Flandern erhaltenen Wunden erlag.

Ladvocat. Historisches Handwörterbuch (Ulm 1786, Stettini, gr. 8°., VI. Theil, Sp. 2104 und 2105.
Porträt. Im 116. Theil des „Europäischen Staatssecretarii“.