Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Vischer (Buchbinder)
Band: 51 (1885), ab Seite: 47. (Quelle)
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Vischl, Gotthard (gelehrter Benedictiner, geb. zu Viechtach in Niederbayern am 20. August 1672, gest. zu Vorchdorf in Oberösterreich am 16. August 1745). Die ersten Studien machte er zu München, Straubing und Salzburg und trat dann am 9. October 1695 zu Kremsmünster in den Benedictinerorden. [48] Um die theologischen Studien zu vollenden, kehrte er darauf nach Salzburg zurück, wo er auch als Repetent der Philosophie bei den Convictreligiosen verwendet wurde. Am 18. August 1701 erlangte er die Priesterweihe. Anfangs ward er wohl im Lehramte beschäftigt, machte sich aber zugleich als ausgezeichneter Kanzelredner bemerkbar, so daß seine Oberen ihn bald mit der Seelsorge betrauten, und zwar auf den Stiftspfarren Steinakirchen und Pfarrkirchen in Oberösterreich. Nach kurzer Zeit ins Stift zurückberufen, wirkte er daselbst als Lehrer an den Humanitätsclassen und als Schulpräfect. 1704 ging er nach Salzburg, wo er Philosophie docirte, 1705 Baccalaureus, 1706 Magister der Philosophie wurde. Nun kehrte er wieder in sein Stift Kremsmünster zurück und trug den Novizen Theologie vor. 1709 erbat sich ihn die Universität in Salzburg neuerdings, damit er das Amt eines Regens im Convictscollegium übernehme, womit er zugleich Vorträge aus der Philosophie verband. 1710 vom Fürst-Erzbischof Franz Anton Grafen Harrach zum geistlichen Rath ernannt, ging er noch im nämlichen Jahre nach Passau und fungirte fünf Jahre als Nonnen-Beichtvater zu Nidernburg. Von seinem Stifte heimberufen, erhielt er 1715 die Pfarre Grünau, 1721 jene zu Vorchdorf und kam 1738 nach Schloß Scharnstein, wo er ein Egenbergisches Beneficium erhielt und daselbst im Alter von 73 Jahren starb. Auf dem Gebiete der Philosophie, und zwar der scholastischen, galt Vischl seinerzeit als eine Berühmtheit. Wohl ist die Zahl seiner Schriften eine geringe, denn es erschienen von ihm nur: „Summulae Logicae“ (Salisburgi s. a., 4°.) und „Disputationes in universam Philosophiam. Tomi tres“ (ebd. 1706, neue Aufl. 1740). Diese letzteren aber wurden längere Zeit, selbst noch nach seinem Tode, über die Fünfziger-Jahre hinaus als Lehrbuch verwendet, bis die Wolff’sche Philosophie an die Tagesordnung kam, worauf Vischl’s Lehrbuch allmälig verschwand. Ueber sein Geburts- und Sterbedatum weichen die angeführten Quellen [vergleiche diese] in ganz bemerkenswerther Weise von einander ab.

Baader (Clemens Alois). Lexikon verstorbener bayerischer Schriftsteller des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts (Augsburg und Leipzig 1825, Jenisch und Stoyr, gr. 8°.). Zweiten Bandes zweiter Theil, S. 215 [nach diesem geboren 20. August 1622, gest. am 16. August 1720, mit dem Beisatze: in dem seltenen Alter von 98. Wir kennen die Quelle, aus welcher Baader diese von der Wahrheit so abweichenden Angaben schöpft, nicht.] – Hagn (Theodorich). Das Wirken der Benedictinerabtei Kremsmünster für Wissenschaft, Kunst- und Jugendbildung. Ein Beitrag zur Literatur- und Culturgeschichte Oesterreichs (Linz 1848, Quirin Haslinger, 8°.) 85, 138, 156, 208, 209, in der Anmerkung. S. 227. – Pachmayr (Marian P.). Historico-chronologica series Abbatum et Religiosorum monasterii Cremifanensis etc. (Styrae 1777, Abrah. Wimmer, Fol.) p. 604–606 [nach diesem geb. am 20. August 1672[WS 1]].

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 20. August 1742.