BLKÖ:Vintíř, Joseph

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Vintl, Johann
Band: 51 (1885), ab Seite: 28. (Quelle)
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Vintíř, Joseph (čechischer Schriftsteller, geb. zu Vácov im Piseker Kreise 1806, gest. 4. August 1869). Nachdem er das Gymnasium in Pisek beendet hatte, studirte er Philosophie und Rechtswissenschaft in Prag. 1833 trat er als Accessist bei dem Magistrate daselbst in den öffentlichen Dienst, in welchem er bis 1837 verblieb. In dieser Zeit schloß er Bekanntschaft mit mehreren in der juridischen Sphäre Prags hervorragenden Männern, deren einige in ihm die Liebe zur Muttersprache weckten. Am 6. Jänner 1840 kam er als Rathssubstitut nach Trautenau; am 29. März 1841 dem Prager Civilsenate zugetheilt, wurde er schon wenige Monate danach als Rathssubstitut zum Criminalgerichte und; Magistrate in Jungbunzlau versetzt. Im [29] August 1842 kehrte er aber wieder nach Prag zurück, wo er in Civil-, politischen und Bau-Angelegenheiten arbeitete. Am 19. Mai 1846 ward er in letzterer Stadt Criminalactuar, 1848 Rathsprotokollist und zu gleicher Zeit Aushilfsreferent in Criminalsachen. Bei Einführung der neuen k. k. Gerichte erfolgte den 31. Mai 1850 seine Anstellung als Assessor am k. k. Kreisgerichte in Tabor. Daselbst gewann er alsbald das Vertrauen der Bevölkerung in so hohem Grade, daß er in den Gemeinderath gewählt wurde, in welchem er mit mannigfachem Erfolge wirkte. So drang er vor Allem auf Herstellung eines besonderen Gebäudes für die städtische Schule, und namentlich war er es, der die Errichtung eines Denkmals für den verdienstvollen Director der dortigen Hauptschule Anton Svatoš beantragte und verwirklichte. Ende September 1851 wurde er zur Aushilfe an das Kreisgericht in Prag berufen, wo er bald als Untersuchungsrichter, bald als Richter bei den Schwurgerichten in Verwendung stand, auch einige Monate bei dem Handelssenate arbeitete und in mehreren öffentlichen Verhandlungen den Vorsitz führte. Als dann die Organisation des Gerichtswesens im Kaiserstaate zur Durchführung gelangte, sah er sich zum Rathe bei dem k. k. Kreisgerichte in Tabor ernannt. Sein verdienstliches Wirken in dieser Stadt würdigte dieselbe, indem sie ihm am 10. December 1860 das Ehrenbürgerrecht verlieh. Während seiner 36jährigen amtlichen Laufbahn war Vintiř in seinem Fache in deutscher und čechischer Sprache schriftstellerisch thätig. Die Titel seiner deutschen Schriften sind: „Spiegel des constitutionellen Lebens“ (Prag 1848, Kronberger, IV und 300 S., gr. 16°.); – „Handbuch des Depositenwesens bei den österreichischen Gerichten und Bezirksämtern“ (Prag 1855, Rziwnatz, 8°.); – „Handbuch der Manipulation bei den k. k. österreichischen Gerichten erster Instanz für Concepts- und Manipulationsbeamte. Zweite vermehrte, nach den neuesten Gesetzen und Verordnungen umgearbeitete Auflage“ (Prag 1855, 8°.); – „Der Raub im Rosenhofe, ein praktischer Straffall als Leitfaden für Untersuchungsrichter“ (Prag 1857); – „Die Civilexecution in praktischen Fällen mit Formularen nach der Gerichtspraxis“ (Prag 185.). Die Titel seiner čechischen Schriften sind: „Krátké vysvětlení veřejného přísežného soudu a nynějšího inquisitorního vyšetřování“, d. i. Kurze Beleuchtung des wahren öffentlichen Gerichts mit Geschworenen und des jetzigen inquisitorischen Verfahrens (Prag 1848, 8°.); – „Příruční kniha k vedeni práva čili exekuce ku pomoci soudcům soudním vykonavetelůrn při cis. kr. soudech v Čechách, na Moravě ve Slezsku a na Slovensku“, d. i. Handbuch zur Rechtsführung oder Execution mit Hilfe des Gerichts und der Gerichtsvollstrecker an den k. k. Gerichten in Böhmen, Mähren, Schlesien und Slovenien (Prag 1850, Pospíšil, 8°.); – „Prostonárodní vysvětlení trestního zákona Rakouského ode dne 27. měsíce května 1852“, d. i. Populäre Erläuterung des österreichischen Strafgesetzes vom 27. Mai 1852 (Prag 1861, Kober, gr. 8°.). Einige juridische Abhandlungen veröffentlichte er auch im čechischen Fachblatt „Právník“, d. i. Der Rechtsgelehrte. Vintíř erscheint in deutschen Werken und auch auf den Titelblättern seiner eigenen deutschen Schriften Wintjř geschrieben.

Šembera (Alois Vojtěch). Dějiny řeči a literatury českoslovanské. Vek novější, d. i. Geschichte der čechoslavischen Sprache und Literatur. Neuere Zeit (Wien 1868, gr. 8°.) S. 305.