Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 46 (1882), ab Seite: 35. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Jacopo Tomadini in Wikidata
GND-Eintrag: 1015761313, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Tomadini, Jacob|46|35|}}

Tomadini, Jacob (Tonsetzer, geb. zu Cividale im Friauler Gebiete im ersten Viertel des laufenden Jahrhunderts). Da er schon als Knabe Talent für die Musik zeigte, erhielt er Unterricht in derselben von Von Gio. Batt. Candotti, Capellmeister an der Collegiatkirche zu Cividale. Ziemlich spät kam er in die Schule, und nachdem er die unteren Classen beendet hatte, trat er, um sich dem geistlichen Stande zu widmen, in das Seminar zu Udine. Zugleich mit den theologischen Studien betrieb er daselbst auf das eifrigste seine Lieblingskunst. Schon längst war ihm die Kirchenmusik, wie sie heutzutage geübt wird, ein Dorn im Auge, sie erschien ihm als eine Profanation des Gottesdienstes, während sie doch eigentlich zur Heiligung desselben dienen sollte. Sein ganzes Sinnen und Trachten war nun darauf gerichtet, sie auf ihren ursprünglichen weihevollen Charakter zurückzuführen. In den neueren Tonwerken aber sah er nichts weniger als Behelfe zur Förderung seines Vorhabens, nur in den alten längst vergessenen Meistern hoffte er die Muster zu finden, an denen er für sein Reformwerk, den Aufbau einer würdigen gottgeweihten Kirchenmusik, sich gründlich heranbilden konnte. Mit allem Eifer verlegte er sich daher auf das Studium jener Meister im Gebiete der Kirchenmusik, studirte ihre Methode, ihren Styl und versuchte es dann selbst, in ihrem Geiste zu componiren. Bald war er mit seinen Erfolgen zufrieden, bald hatte er in dieser Richtung Mehreres geschrieben, das seinem Zwecke völlig zu entsprechen schien, aber es fehlte ihm die Gelegenheit, ein Urtheil über seine Arbeiten einzuholen, da in der nächsten Umgebung sich eben Niemand fand, der das richtige Verständniß für dergleichen besaß. Da eröffnete im Jahre 1852 die Gesellschaft für kirchliche Musik zu Nancy in Frankreich, welche jener der heiligen Cäcilia in Rom aggregirt ist, einen Concurs für fünf Kirchenstücke [36] unter genauer Vorzeichnung von Tonart, Eintheilung, Text und Styl. Die Preisrichter, bekannte Meister, waren angegeben, und die Bewerber mußten ihre Compositionen mit der versiegelten Adresse ihres Namens einreichen. Tomadini ergriff mit Freude die Gelegenheit, sein Können dem Urtheile von gediegenen Fachmännern zu unterbreiten, und ungeachtet der ungewöhnlich großen Zahl von Mitbewerbern erhielt er den Preis, der überdies mit dem ehrenvollsten Urtheil der Preisrichter Adam, Dutch und Savard begleitet war, indem es im Ausspruche derselben ausdrücklich hieß: „Monsieur l’abbe Jacques Tomadini a tenu à rester maître de chapelle et à se montrer imbu de toutes les traditious de l’école ecclésiastique“. Als dann im Jahre 1854 ein neuer Concurs zu Nancy ausgeschrieben wurde, bewarb sich Tomadini zugleich mit seinem Meister, dem Abate Candotti, und Beide trugen die silberne Preismedaille davon. Bald verbreitete sich der Ruf der seltenen Musiktüchtigkeit Tomadini’s in weiteren Kreisen, und im Jahre 1855 erhielt er die Capellmeisterstelle an der päpstlichen Congregation und Akademie der h. Cäcilia zu Rom, und zwar auf Veranlassung des Musikkenners und Cardinals Asquini, der von zwei Tonstücken des Componisten Einsicht genommen hatte. Ob Tomadini, dessen weder Bernsdorf-Schladebach, noch H. Riemann’s neuestes Musiklexikon gedenkt, sich noch am Leben befindet, ist mir nicht bekannt.

L’Annotatore friulano (Udine) Anno III (1855), Nr. 23: „L’Abate Tomadini“.