BLKÖ:Tipka, Louise

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 45 (1882), ab Seite: 171. (Quelle)
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Tipka, Louise (Sängerin, geb. zu Güns in Ungarn um das Jahr 1840). Früh zeigte das Mädchen Neigung und Talent zur Musik und beides fand Förderung durch den in Güns bestehenden Musikverein, dessen Schülerin Louise wurde. Den ersten musikalischen Unterricht ertheilte ihr der Gesangslehrer Johann Slavik, und sie machte bald solche Fortschritte, daß man sie bei Kirchenfeierlichkeiten mit der Ausführung kleiner Soli betraute. Als dann eines Tages in Güns ein Concert gegeben wurde, in welchem die Sängerin Bogdani mitwirkte, übte der Erfolg derselben auf das junge Mädchen einen [172] solchen Reiz, daß sofort der Wunsch in ihm erwachte: auch einmal eine große Gesangskünstlerin zu werden. Sie begann sich nun zur dramatischen Sängerin zu bilden und trat als solche in der Rolle der Prinzessin in „Robert der Teufel“ in einem Concerte öffentlich auf. Sie sang dann in mehreren von dem genannten Musikvereine veranstalteten kleinen Concerten, in deren einem sie der Redacteur der „Wiener Musik-Zeitung“ Dr. August Schmidt zu hören Gelegenheit hatte, welcher zugleich mit anderen Kunstfreunden den Vater zu bestimmen wußte, seiner Tochter die nöthige höhere musikalische Ausbildung in Wien geben zu lassen. Nach Besiegung von mancherlei Schwierigkeiten kam Louise in die Residenz, wo sie in Dr. Schmidt’s Hause liebevolle Aufnahme fand. Im Conservatorium erhielt sie zunächst Unterricht bei der Gesangslehrerin Fräulein Fröhlich, später bei Knut. Da brach das Jahr 1848 störend herein, und sie kehrte nach Güns zurück. Aber schon nach einigen Monaten ging sie wieder nach Wien, wo sie, da mittlerweile die Gattin des Dr. Aug. Schmidt gestorben war, nicht wie früher bei demselben ein Asyl fand, sondern bei fremden Leuten wohnen mußte. Durch die Revolution waren auch die Vermögensverhältnisse des Vaters stark zurückgegangen, und so stellten sich immer neue Hindernisse den Bestrebungen der angehenden Künstlerin entgegen. Ihre Bemühungen, ein Engagement zu erhalten, blieben auch erfolglos, und sie stand eben im Begriff, Wien zu verlassen, als das Ersuchen der berühmten Rosa Kastner [Band XI, S. 29] in einem von derselben veranstalteten Concerte mitzuwirken, sie vorderhand den gefaßten Entschluß aufgeben ließ. In der That war der Erfolg, den sie im Concerte errang, ein solcher, daß ihr ferneres Schicksal eine günstigere Wendung nahm. Sie wurde im Hause einer vornehmen Dame, der Gräfin H. eingeführt, welche sich des jungen Mädchens wie eine Mutter annahm, so daß sie unter deren Schutze den Zeitpunkt, der ihr ein Engagement bringen würde, ohne Sorge abwarten konnte. Nach einiger Zeit erhielt sie ein solches als Coloratursängerin nach Oedenburg. So günstig ihr Erfolg beim ersten Auftreten daselbst, so sonderbar war der Antrag des Theaterdirectors, der ihr nach glänzendem Debut für ihre fernere Wirksamkeit an seiner Bühne freie Kost und Wohnungohne Gage anbot! In dieser Lage telegraphirte sie an Dr. Schmidt, der sofort erschien und sie nach Wien zurücknahm, wo sie nun von Neuem unter dem Schutze der ihr wohlgeneigten Gräfin H. die Studien fortsetzte, bis sie nach einem halben Jahre ein anständiges Engagement am Theater in Bremen erhielt. In dieser Hansestadt sang sie ein halbes Jahr. Coulissenkabalen verleideten ihr aber ein ferneres Wirken daselbst, und sie folgte einem Rufe des Commissionsrathes Woltersdorff nach Königsberg. Hier debutirte sie als Königin in den „Huguenotten“, als Page im „Maskenball“ und wurde engagirt. Nach anderthalb Jahren nahm sie ein Engagement in Pesth an, aber bei den unerquicklichen Theaterverhältnissen daselbst löste sie schon in einem halben Jahre ihren Contract. Nun sang sie in Gratz, ein Liebling des Publicums, von diesem in aller Art gefeiert, drei Jahre. Als sie hier der Prager Theaterdirector Stöger hatte singen hören, suchte er sie für seine Bühne zu gewinnen, an der sie denn auch zwei Jahre wirkte. Aber weniger beschäftigt, als sie es wünschte – einige Rivalinen [173] ließen ihre Rollen nicht aus den Händen – blieb ihr Zeit genug, ihr Talent zu poetischem Schaffen zu entfalten. Diese „Ergebnisse vieler dornenvoller und weniger rosiger Augenblicke“, wie Louise, in der Vorrede zu ihren poetischen Ergüssen schreibt, gab sie gesammelt in einem Bändchen unter dem schlichten Titel: „Gedichte“ (Prag 1859, Bellmann, 16°.) heraus und widmete sie der Gräfin Harrach, in der wir die Dame vermuthen, welche der verlassenen Sängerin in Wien ihren Schutz hatte angedeihen lassen. Diese Gedichte sind harmlose Töne eines zartfühlenden weiblichen Herzens, welche mitunter einer elegischen Weihe nicht entbehren. Zwei Jahre hatte ihr Aufenthalt in Prag gewährt, und nach einem glücklichen Gastspiele in Brünn nahm sie ein Engagement in Wiesbaden an und wurde als erste Coloratursängerin Mitglied der herzoglich nassau’schen Hofoper. Während der vier Jahre, welche sie an dieser Bühne sang, gastirte sie auch in den Nachbarstädten Mainz, Frankfurt, Darmstadt und Mannheim. Als sie dann, um sich weiter zu bilden, ihr Engagement aufgelöst hatte, begab sie sich nach Paris und genoß dort ein volles Jahr den Unterricht der bekannten Gesangslehrerin Marchesi sowie der beiden Meister Gevarde und Porto, sang auch in mehreren Concerten und Privatsoiréen und fand überhaupt in den ersten Künstlerkreisen dieser Metropole des Geschmacks freundlichste Aufnahme. Von Paris ging sie mit einem Concertunternehmer nach Holland und sang mit siegreichem Erfolge in Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen, dann im Haag, im Sommer 1864 in mehreren der berühmten Wiesbadener Curhausconcerte, gab im Herbst d. J. ein Concert für die Armen in ihrer Heimat und verlebte den Winter in Italien. In Mailand schlug sie ihren Wohnsitz auf, erlernte die italienische Sprache, sang in mehreren musikalischen Soiréen ungarische Nationallieder, und nachdem sie unter Maestro Pedroni sich auch für den italienischen Gesang ausgebildet hatte, kehrte sie nach Deutschland zurück und trat, ohne eine feste Stellung anzunehmen, als Gast an den Hofbühnen in Wien, München, Stuttgart und Hannover, dann am Posener Stadttheater und an der Kroll’schen Bühne in Berlin auf. In der Folge sang sie in einem Concertcyclus in London. Von da in ihre Heimat zurückgekehrt, verheiratete sie sich mit dem Militär-Capellmeister Weinlich, übersiedelte nach Gratz und errichtete daselbst eine Gesangschule, in welchem Unternehmen sie auch von ihrem Gatten kräftig unterstützt wurde. Bald erwarb sich das Tipka-Weinlich’sche Institut einen großen Ruf, und nicht nur die Gratzer vornehme Welt nahm Unterricht in demselben, sondern nachdem es einige Schülerinen für die Bühne ausgebildet hatte, wurde es auch im Auslande bekannt und bekam Zöglinge aus demselben. Unter allen ihren Zöglingen hat eben in neuester Zeit Hedwig Roland große Aufmerksamkeit erregt. Armer Leute Kind, wurde dieselbe von Louise Tipka in uneigennützigster Weise von den ersten Gesangselementen an bis in die höhere Gesangskunst herangebildet. Als Louise Tipka noch auf der Bühne sang, gehörten die Lucia, Margarethe von Valois in den „Huguenotten“, die Nachtwandlerin, die Königin der Nacht in der „Zauberflöte“, die Leonore im „Troubadour“, die Dinorah, Isabella in „Robert der Teufel“ zu ihren besten Rollen. Eine längere Biographie der Künstlerin nennt dieselbe „die kräftige und treue Stütze ihrer alten [174] Eltern und theils noch (1866) unselbstständigen Geschwister“.

Louise Tipka. Biographische Skizze mit Porträt von C. W. (Leipzig 1866, Oskar Leiner, 8°.). – Deutsche Schaubühne. Herausgegeben von Martin Perels (8°.) Jahrg. 1866, S. 51 u. f.: „Louise Tipka. Biogr. Skizze“. Von C. W.
Porträt. Facsimile des Namenszuges „Louise Tipka“. Stahlstich. Stich und Druck von Weger in Leipzig (8°., auch Exemplare in 4°.).