Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 45 (1882), ab Seite: 243. (Quelle)
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Töpke, Wilhelm (k. k. Oberst im Ruhestande und Doctor der Medicin, geb. zu Halberstadt im preußischen Regierungsbezirke Magdeburg im Jahre 1791, gest. zu Hermannstadt am 19. Mai 1866). Nachdem er in Göttingen die medicinischen Studien beendet hatte, erlangte er die Doctorwürde der Medicin und das Magisterium der Chirurgie und trat 1810 als Conscribirter in westphälische Dienste. In denselben wurde er noch im nämlichen Jahre Brigadier (Corporal), rückte 1811 zum maréchal-des-logis (Fourier) vor und wohnte 1812 als Oberarzt den meisten Schlachten im Feldzuge Napoleons gegen Rußland bei. Auf dem Rückzuge über die Beresina fand er Gelegenheit, mehrere schwer verwundete Officiere zu verbinden und glückliche Amputationen vorzunehmen, wofür ihn das Regiment zu einer Auszeichnung in Antrag brachte. Er wurde nun – wahrscheinlich durch ein [244] Mißverständniß – von Napoleon zum Oberlieutenant ernannt. Töpke selbst meinte, es sei unter dieser Beförderung seine Erhebung zum Premier médecin (Regimentsarzt) zu verstehen, weil aber von dem Officierscorps, in welchem er sehr beliebt war, sein Decret wörtlich aufgefaßt und als fertige Thatsache hingenommen wurde, ließ der Arzt und graduirte Doctor, über die herzliche Beglückwünschung seiner Kameraden sehr erfreut, auch gern den Verstoß auf sich beruhen und diente im Regimente als activer Officier. Im Jahre 1813 trat er aus den westphälischen Diensten in das 1. Huszaren-Regiment der deutschen Legion unter Oberst Baron Hammerstein und ward, aus diesem 1814 in die österreichische Armee übernommen, in seiner Charge zu Kronprinz Ferdinand Kürassieren Nr. 4 eingetheilt. 1818 zum Dragoner-Regiment Prinz Eugen von Savoyen transferirt, rückte er in demselben 1823 zum Rittmeister, 1835 zum Major, 1839 zum Oberstlieutenant auf und ließ sich 1841 infolge seines Gichtleidens, das er sich im russischen Feldzuge geholt, in letzterer Eigenschaft in den Ruhestand versetzen. Als aber 1848 die Bewegung ausbrach, stellte er sich wieder zur Verfügung und wurde im October dieses Jahres mit einem Localbrigadecommando für Hermannstadt, wohin er sich zurückgezogen hatte, betraut, später zum Stadt- und Stuhlscommandanten ernannt und den russischen Truppen als Commissär beigegeben. Als tapferer und umsichtiger Krieger vermehrte er in der Schlacht bei Hermannstadt am 21. Jänner 1849 die Reihen der im Kampfe begriffenen Truppen immer wieder durch Nachschübe, entwickelte als Stadt- und Stuhlscommandant in der allen Einflüssen der Rebellen ausgesetzten Stadt große Energie und leistete durch seine Ortkenntniß in seiner Eigenschaft als Commissär den russischen Truppen großen Nutzen. Dafür hatten ihn aber auch die Gegner aufs Korn genommen, und als Hermannstadt zum zweiten Male in die Hände der Rebellen gerieth, war Töpke der Erste, dessen sich der Feind versicherte; in der Nacht noch wurde der wackere Veteran aus dem Bette ins Stockhaus abgeführt. Sein Loos schien besiegelt, schon am folgenden Tage sollte er erschossen werden. Es war wohl eine wunderbare Fügung des Schicksals, daß es der Gattin, nach Anderen der Tochter Töpke’s, Louise gelang, von dem Commissär der Rebellion, dem berüchtigten Csanyi [Bd. III, S. 42], Leben und Freiheit des Gefangenen zu erbitten. Mit ah. Entschließung vom 19. October 1849 erhielt Töpke den Oberstencharakter ad honores, im Februar 1859 einen Stiftungsplatz des Elisabeth-Theresien-Ordens. Von den zwei Töchtern seiner Ehe ist die ältere an den Obersten von Mosing in Hermannstadt verheiratet, der einzige Sohn widmete sich im Finanzfache dem Staatsdienste. Es möchte wohl der einzige Fall in der österreichischen Armee sein, daß ein schon graduirter Arzt activer Stabsofficier war. Nebenbei sei bemerkt, daß in Töpke’s Schwadron der nachmalige Sieger in Schleswig-Holstein Feldmarschall-Lieutenant Baron Gablenz als Lieutenant diente.

Neues Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1867, Nr. 24, unter den Tages-Neuigkeiten“.