Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 42 (1880), ab Seite: 71. (Quelle)
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Szemian, Michael (gelehrter protestantischer Theolog, geb. zu Hradistye, einer Ortschaft im Szabolcser Comitate Ungarns, im Jahre 1741, gest. im Jahre 1810). Von slavischen Eltern. Seine Studien machte er zunächst in Vadosfalva, wo er auch die ungarische Sprache erlernte, dann in Käsmark, wo er die philosophisch-theologischen Vorlesungen hörte. Da ihm zu seiner wissenschaftlichen Ausbildung an deutschen Hochschulen die nöthigen Geldmittel mangelten, so suchte er sich dieselben durch eine Erzieherstelle bei einer polnischen Familie Bohunka in Lublin zu erwerben, in welcher er während der Jahre 1766–1770 wirkte. Materiell gesichert, führte er sein Vorhaben aus und begab sich vorerst auf die Universität Halle, im Jahre 1773 aber nach Jena. 1774 in seine Heimat zurückgekehrt, übernahm er die Rectorstelle an dem zu jener Zeit in Ratkow bestandenen Gymnasium, von welchem er dann als Conrector an das Collegium zu Eperies kam. Bald aber trat er in den Dienst der Kirche über. Sein erstes geistliches Amt erhielt er Ende December 1782 zu Bazinga. Hier richtete er sofort sein Augenmerk auf den Bau einer neuen Kirche. Doch kaum war dieselbe im [72] Jahre 1783 eingeweiht worden, als auch schon ein Brand sie einäscherte. in welchem zugleich Szemian’s reiche Büchersammlung zu Grunde ging. Auch auf schriftstellerischem Gebiete thätig, hat unser Gelehrter in seiner Muttersprache nachstehende Werke herausgegeben: „Čas bolestného umučenj a newinné smrti pana a spasitele našeho Gežjše Krysta na 24 hodin rozdělený“, d. i. Zeit des schmerzlichen Leidens und unverschuldeten Sterbens unseres Herrn und Erlösers Jesu Christi in 24 Stunden abgetheilt... (Jena 1773); – „Prwotiny služeb božských w nowém chramě evang. pezinském dne 30. listop. 1783“, d. i. Erste Andacht in der neuen evangel. Kirche zu Bazinga am 30. October 1783 (Preßburg 1783); – „Krátičké wypsánj historické knjžai a králů uherských“, d. i. Kurze geschichtliche Darstellung der Fürsten und Könige Ungarns (Preßburg 1786), ein Buch, das in Ermanglung eines bessern noch heute in slovakischen Schulen beim Unterrichte verwendet wird; – „Kartiǧam řečené potom Krystina nazwané turecke slečny pamatné prjpadnosti“, d. i. Denkwürdige Begebenheiten des türkischen nachmals Christine getauften Mädchens Kartigam (Preßburg 1790), eine Uebersetzung des seinerzeit vielgelesenen und wiederholt gedruckten Buches von Ignaz Mészáros von Bodó Baar und Nagy-Lúcs, über welches das Nähere in dessen Biographie [Bd. XVII, Seite 469][WS 1] nachzusehen ist; – „Biblia sacra tg. Biblj swatá starého i nowého zákona“, d. i. Die Bibel des alten und neuen Testaments (ebd. 1787). Außerdem schrieb Szemian noch mehrere Kirchenlieder in slovakischer Sprache, von denen einige auch gedruckt worden sind. Ob dieselben Aufnahme im evangelischen Liederbuche der Slovaken gefunden haben, ist mir nicht bekannt.. – Sein Sohn Paul Benjamin erlangte einen weitverbreiteten Ruf als trefflicher Obstzüchter und Orgelspieler; in letzterer Eigenschaft über ein halbes Jahrhundert an der Kirche zu Seben thätig, wurde er 1856 von Sr. Majestät dem Kaiser mit dem silbernen Verdienstkreuze ausgezeichnet.

Tablic (Bohuslaw), Poezie slovanske, d. i. Slovakische Dichtungen (Waizen, 1806 bis 1809, 8°.) Bd. I, S. 48 [in dieser literargeschichtlich noch heute verdienstlichen Sammlung slovakischer Lieder, in welcher den älteren derselben zugleich kurze Biographien ihrer Dichter beigegeben sind, befinden sich auch Mittheilungen über Szemian].

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [Bd. XVII, Seite 466 u. f.].