Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Szembek, Friedrich
Band: 42 (1880), ab Seite: 49. (Quelle)
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7. Johann (gest. 8. April 1731), der älteste Sohn des Castellans von Kamieniec Franz Szembek aus dessen erster Ehe mit Barbara Rupniewska, einer Tochter des Castellans von Sądek. Johann ist ein Staatsmann aus der Zeit, mit welcher Polens Verfall beginnt, zu dem er wohl auch in seiner Art beigetragen hat. Ein treuer Anhänger Augusts II. ging er ganz auf dessen Pläne ein: aus dem Wahlkönigthum ein erbliches oder aber aus der Adelsrepublik eine Monarchie zu machen. In seiner Jugend begab er sich, wie die meisten Jünglinge der vornehmen polnischen Familien jener Zeit, auf Reisen. Nach seiner Heimkehr kam er an den königlichen Hof, ward Kämmerer des Prinzen Alexander, vollzog auch mehrere königliche Botschaften an den Landtag und wurde von König Johann Sobieski noch kurz vor dessen Tode zum Starosten von Grodow ernannt. Nach dem Hinscheiden Johanns wirkte er mit allem Eifer für die Wahl Augusts II. von Sachsen zum Könige. Im Jahre 1701 fungirte er als Landtagsmarschall und begleitete den König nach Birz in Lithauen zu einer Unterredung mit dem Czaren Peter. Bald darauf wurde er Starost von Graudenz, im October 1703 aber Vicekanzler und zugleich Starost von Rozan. Schon um diese Zeit zeigte es sich, wie bedeutend sein Einfluß in der Politik, denn er war es, der bei den inneren Wirren Polens russische Hilfe befürwortete und schließlich auf dieselbe drang. Vor den Schweden flüchtete er mit dem Hofe und dem Nuntius Spada nach Czenstochau. Man ist der Ansicht, daß vornehmlich Szembek den König auf die Bahn der strengkatholischen Richtung lenkte, wie andererseits dieser überzeugt von der unverbrüchlichen Anhänglichkeit seines Günstlings, demselben auch blind vertraute. Schließlich gelangte Szembek zur Würde des Kronkanzlers und dadurch zu unumschränktem Einfluß auf den König und alle Staatssachen. Seine Frömmigkeit war nicht etwa Formsache, sie kam ihm aus dem Herzen und war das Ergebniß seiner streng religiösen Erziehung. Für die Kirche that er viel. Er stiftete 1719 das Kloster der Carmeliterinen zu St. Theresia auf der Vesola in Krakau; erbaute den Jesuiten in Lomza ihr Collegium, ferner zu Babice, einem ihm gehörigen Dorfe, die Kirche. Ebenso fromm wie er war seine Gemalin Eva aus dem Hause Leszcziński, eine nahe Verwandte des Königs Stanislaus. An Almosen, sowie zu wohlthätigen und humanen Zwecken spendeten Beide große Summen und übten überhaupt bei jeder Gelegenheit Handlungen christlicher Ergebenheit aus, was auf ihre Umgebung und die Landleute ihrer Besitzungen von großem Einfluß war. Wie groß die Theilnahme am Tode des Kanzlers im Lande war, das zeigte sich bei der pomphaften Beisetzung seiner Leiche am 5. Juni 1731 in der St. Johanneskirche zu Warschau. Seine Gattin starb viele Jahre nach ihm auf ihrem Besitzthum Babice, am 25. April 1762. Von den drei Töchtern dieser Ehe überlebte ihn Bichilda, die sich dreizehnjährig mit dem königlich sächsischen Hofmarschall Georg August Mniszech vermälte. Die Geschichte ist mit ihrem Urtheil über Kanzler Szembek nicht fertig. Erasmus Otwinowski, der Denkwürdigkeiten aus der Regierungszeit Augusts II. geschrieben, welche handschriftlich in der Bibliothek der Krakauer Hochschule aufbewahrt werden und die unter dem Titel: „Pamiętniki do panowania Augusta II.“ zuerst in Bearbeitung Eduard Raczyński (Posen 1838), dann aber ungeschmälert treu nach dem Original Joseph Czech, Buchhändler in Krakau (ebd. 1850), herausgegeben, schildert den Kanzler als einen „guten Mann, der aber vorzugsweise den Fehler hatte, daß er mehr für seine Familie, als für das Land dachte“. Dieser eine Fehler aber, meint nicht unrichtig Otwinowski, [50] überwog alle seine sonst unläugbaren und nicht geringen Verdienste. Kanzler Johann Szembek führte der Erste den Grafentitel. [Księgi bractwa pięciorańskiego przy kościele popaulińskim w Warszawie. – Encyklopedija powszechna, d. i. Polnische Real-Encyklopädie u. s. w. (Warschau, Orgelbrand, 1867, gr. 8°.) Band XXIV, S. 609 u. f.]. –