BLKÖ:Szebeni, Paul von

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Szdellar, Franz
Band: 41 (1880), ab Seite: 217. (Quelle)
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Szebeni, Paul von (ungarischer Edelmann, geb. im Jahre 1801, gest. zu Hermannstadt am 6. Februar 1865). Der Sproß einer ungarisch-siebenbürgischen Adelsfamilie, welche in Csikpálfalva ansässig ist, stand er im kaiserlichen Staatsdienste, zuletzt als Director der Hilfsämter bei der Finanzdirection in Hermannstadt. Sein Andenken hat sich durch eine letztwillige Verfügung erhalten, welche in Folge des Umstandes, daß er sie bei seinem Leben nicht schriftlich aufsetzen ließ, nach seinem Tode leider nicht in ihrem ganzen Umfange durchgeführt werden konnte. Er hatte nämlich 21.000 fl. bei der Gesellschaft Assicurazioni Generali, in Triest auf den Fall versichert, daß er den 4. Februar 1865 überlebe, und sich mit der wiederholt gegen Freunde und Bekannte ausgesprochenen Absicht getragen, das Capital dem ungarischen Nationalmuseum, nach Anderen der ungarischen Akademie zu schenken, sich selbst aber blos den lebenslänglichen Zinsengenuß vorzubehalten. Nachdem er unverheiratet 21 Jahre lang höchst zurückgezogen gelebt, um von [218] seinem Gehalte jährlich 500 fl. zur Prämienzahlung für die versicherte Summe verwenden zu können, erreichte er am 4. Februar 1865 die zur Erhebung derselben festgesetzte Frist. Am 5. Februar wurden die Documente, welche authentisch nachwiesen, daß er sich noch am Leben befinde, dem Hermannstädter Hauptagenten der erwähnten Versicherungsgesellschaft übergeben, aber schon am nächsten Tage zählte Szebeni zu den Todten. Da kein geschriebenes Testament vorhanden war, so konnte sich die Akademie laut des von Mehreren bekräftigten mündlichen Ausspruches des Erblassers als Erbin der ganzen Summe betrachten. Nun aber meldeten sich arme Verwandte des Verstorbenen und machten ihre Rechte geltend. Darüber kam es zwischen diesen und der Akademie zu einem Vergleiche, welchem zufolge die letztere sich mit dem Betrage von 4000 fl. zufrieden gab, während der ansehnliche Rest den Ersteren zufiel. Die Nachforschungen über den unvermutheten und plötzlichen Todesfall Paul Szebeni’s ergaben Folgendes. Derselbe befand sich am 2. Februar 1865 noch ganz wohl und speiste in Gesellschaft eines Bekannten, der eben aus Kronstadt nach Hermannstadt auf Besuch gekommen war. Während der Mahlzeit kam die Rede auf die in zwei Tagen ablaufende Lebensversicherung Szebeni’s, und da bot der Kronstädter seinem Freunde im Scherz die Wette an, daß derselbe den 4. Februar nicht erleben werde. Diese Worte scheinen auf den 61jährigen Szebeni eine so aufregende Wirkung geübt zu haben, daß er, ohne eigentlich krank gewesen zu sein, am 6. Februar 1865 Morgens verschied.

Pesther Lloyd, 1865, Nr. 39. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 240: „Die Erbschaft der ungarischen Akademie“. – Fremdenblatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1865, Nr. 54 und 237.